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Es gibt Branchen, die besonders krisenfest sind - wie Gesundheit, Pharma und Biotech. Was sind die besten ETFs und aktiven Fonds?

Inhalt:

Das Wichtigste in Kürze:

In drei von vier Krisen erwiesen sich Gesundheits-ETFs und -Fonds als überdurchschnittlich robust. Denn Krankheiten sind konjunkturunabhängig und im Bereich Medizintechnik sind viele Innovationen zu beobachten.

Der laut Morningstar beste aktive Gesundheitsfonds (Bellevue (Lux) Bellevue Md & Svc T CHF) erreichte nach 5 Jahren eine Rendite von 15,3 % pro Jahr – mit Schwankungen von knapp 15 %.

Die zwei laut Morningstar besten Health-ETFs schafften im selben Anlagezeitraum 14,1 % pro Jahr und schwankten um 13,7 bzw. 13,8 %.

Weltweite oder regionale Pharma-, Biotech- und andere Health-Werte sollten nur eine Beimischung im Depot sein, die wiederum maximal 10 % ausmachen sollte. Denn entsprechende Titel streuen nicht so breit.

Lieber hören als lesen? (Der Podcast wurde im Sommer 2020 aufgezeichnet):

Health-ETFs und -Fonds überdurchschnittlich robust in Krisen

Seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 steht der Bereich “Gesundheit” wieder verstärkt im Fokus. Kein Wunder: Die Gesundheitsbranche gehört zu den vergleichsweise stabilen Sektoren. Gesundheitsaktien sind quasi Beruhigungspillen für das Depot. Fonds und ETFs aus dem Bereich Medizintechnik, Pharma und Co. liefern aber auch langfristig sehr gute Renditen.

Zwar schloss der MSCI World Index im vergangenen Jahr mit einem Plus von 29 % etwas besser ab als die Fonds. Aber einige von ihnen konnten laut dem Analysehaus Morningstar das vergangene Jahr mit einer ähnlich guten Wertentwicklung abschließen. Für viele Experten ist das kaum überraschend, gilt der Gesundheitssektor doch traditionell als defensiv. Im Jahr davor schlossen Gesundheitsfonds sogar doppelt so gut ab wie der MSCI.

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Die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen ist weitgehend unabhängig von der Konjunktur und profitiert außerdem von strukturellen Wachstumstreibern. Trotzdem ist es natürlich ungewöhnlich, wie gut und vor allem wie viel besser sich die Gesundheitsaktien bisweilen gehalten haben.

Die Experten der Ratingagentur Scope Analysis haben sich angeschaut, ob das ein Einmaleffekt ist, weil die Gesundheitsbranche in der Corona-Pandemie nun mal besonders im Fokus steht. Schließlich liefern sich Pharmakonzerne und Biotechnologie-Unternehmen weltweit einen Wettlauf auf der Suche nach wirksamen Impfstoffen und Medikamenten zur Bekämpfung des Covid-19-Virus. Neben einem Eintrag in den Geschichtsbüchern dürften den Siegern dieses Wettlaufs auch Umsatzsteigerungen winken. Oder entfalten Gesundheitstitel in Krisen generell eine stabilisierende Wirkung im Portfolio?

Scope Analysis hat sich dazu vier Krisen aus jüngster Vergangenheit angeschaut. Das Ergebnis ist eindeutig: In drei von vier dieser Phasen erwiesen sich Gesundheitstitel als „überdurchschnittlich robust“. Am ausgeprägtesten war der Effekt während der Finanzkrise 2008/2009, als der Gesundheitssektor mit minus 25,6 Prozent das zweitbeste Ergebnis aller Branchen erzielte – Finanztitel verloren mehr als doppelt so viel.

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Warum Gesundheit ein relativ risikofreies Geschäft ist

Der Gesundheitsmarkt gilt gemeinhin als relativ risikofreies Business, egal ob Pharma, Gesundheitstechnik oder Biotech. Patienten mit Knie- oder Schulterproblemen mögen OP-Termine in der Krise zwar aufschieben, werden sie aber später nachholen. Das gleiche gilt für Vorsorgetermine beim Zahnarzt oder Frauenarzt. Und wer regelmäßig ein Medikament nehmen muss, tut das auch – egal, ob die Wirtschaft gerade boomt oder kriselt.

Viele Aktien des Gesundheitssektors konnten im Jahresverlauf 2021 solide Ergebnisse einfahren: Der Healthcare-Fonds KBC Equity Fund Pharma legte beispielsweise um starke 39,25 % zu, der ETF iShares S&P 500 Health Care Sector um 36,14 %. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen auch weiterhin von strukturellen Wachstumstreibern profitieren wird. Dazu gehören zum Beispiel der demographische Wandel und der technologische Fortschritt, der insbesondere in den Bereichen Biotechnologie und Pharmazeutika neue Märkte schafft.

Mit rund 40 Prozent des weltweiten Marktes sind die USA der größte Gesundheitsmarkt der Welt. Was dort geschieht, ist daher für die Unternehmen des internationalen Gesundheitssektors von großer Bedeutung. In den kommenden Monaten will der US-Präsident Joe Biden eine umfassende Sozialreform auf den Weg bringen, die insgesamt 1,8 Billionen US-Dollar kosten soll.

Neben anderen sozialen Themen stehen auch die Bereiche Pflege und Gesundheit im Fokus. Ursprünglich hatte Biden zwar ein doppelt so großes Paket im Umfang von 3,5 Billionen US-Dollar vorgesehen, musste es aber auf Druck seiner Partei hin kürzen. Außerdem ist derzeit noch nicht klar, ob Biden die Reform wirklich durchbringt. Eins ist aber offensichtlich: Wenn das geschieht, dürfte es den US-amerikanischen Gesundheitsmarkt massiv befeuern.

Auch die Verbraucher stützen das Geschäft: Das Bewusstsein für die eigene Verletzlichkeit ist in der Krise enorm gestiegen und lässt die Gesundheit für viele von uns in den Vordergrund rücken. Und da hat die Industrie jede Menge zu bieten – nicht nur gegen Kopfschmerzen und Erkältungen, sondern eben auch Pillen, die das Immunsystem stärken sollen sowie Vitaminpräparate aller Art. Die Nachfrage nach anderen Produkten der Branche ist ebenfalls groß, denn in der Krise müssen Krankenhäuser ihre Arzneilager füllen.

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Langfristige Trends beflügeln die Branche und die Aktien

Wenig überraschend, dass sich in der Corona-Krise der Blick auf die Branche lenkt. Covid-19 hat darüber hinaus aber auch langfristige Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. So setzen sich digitale medizinische Leistungen während der Pandemie immer mehr durch. Auch das Angebot an virtuellen Arztbesuchen wächst. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des health innovation hub (hih) und der Stiftung Gesundheit: Bereits 52,3 Prozent der ambulant tätigen Ärzte in Deutschland boten im Jahr 2020 Videosprechstunden an. Drei Jahre zuvor waren es nur 1,8 der befragten Ärzte.

Darüber hinaus verändern neue Behandlungsmethoden die Medizin. Die Corona-Pandemie und die Entwicklung geeigneter Impfstoffe gegen das Virus haben auch weiteren medizinischen Fachrichtungen erheblichen Aufwind verliehen. Das Thema ist also für Anlegerinnen nicht nur als Beruhigungspille in Krisenzeiten sehr spannend.

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Die besten Gesundheits-ETFs und -Fonds im Vergleich

Risikostreuung ist aber auch in dieser Branche wichtig. Es gibt immer Gewinner und Verlierer – nicht nur im Wettlauf um den Impfstoff gegen Corona. Aktiv gemanagte Aktienfonds und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sind deshalb eine gute Wahl. Anleger*innen können in Deutschland zwischen 56 solcher Themenfonds für Gesundheit wählen. Morningstar hat für herMoney ermittelt, mit welchen Fonds und ETFs Anleger*innen in den vergangenen fünf Jahren die höchste Rendite eingefahren hätten. 19 der aktiv gemanagten Gesundheits-Fonds und fünf der ETFs schafften zweistellige Renditen pro Jahr.

Aktive Health-Fonds mit der besten Bewertung

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Quelle: Morningstar, 08.02.2022
Legende: Morningstar-Bewertung: 5 = top, 1 = schlecht, Replikation = Nachbildung des Index

Am besten schneidet bei den Gesundheits-Fonds der Bellevue Medtech & Services mit 15,3 % pro Jahr ab. Bellevue Asset Management ist auf Healthcare spezialisiert. Das Angebotsspektrum umfasst auch Healthcare Fonds aus den Bereichen Medizinaltechnik und Services, Generika und Healthcare Asien.

Der Bellevue Medtech & Services investiert weltweit in Aktien von Unternehmen des Medizintechnik- und Gesundheitsdienstleistungssektors, nicht aber in Medikamentenhersteller. Neben mittel- und großkapitalisierten Unternehmen, die bereits über ein reiferes Produktportfolio verfügen, stehen auch Small-Caps mit einem technologisch innovativen Produktangebot im Fokus der Branchenspezialisten. Im Januar 2022 war der Fonds in 45 Unternehmen investiert. Die größten Positionen waren die United Health Group (17,5 %), Abbott Laboratories (9,5 %) und Humana (4,5 %). 99,6 % des Portfolios waren in amerikanische Aktien investiert.

Den zweiten Platz der aktiven Health-Fonds belegt der AB International Health Care von Alliance Bernstein mit einer Rendite von 15 Prozent. Der Health-Fonds setzt überwiegend auf Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, die sich durch neue Behandlungs- und Therapiemethoden oder kostengünstigere Produkte und Dienstleistungen abheben.

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Auf Platz drei folgt der KBC Equity Fund Medical Technologies Cap mit 13,8 % Rendite pro Jahr. Der Fonds bevorzugt Unternehmen, deren Hauptaktivität in der Entwicklung und Herstellung medizinischer Geräte besteht.

Wichtig ist immer auch der Blick auf die Gebühren, die bei aktiv gemanagten Fonds natürlich traditionell höher ausfallen als bei den ETFs aus dem Gesundheitswesen. Der Bellevue-Fonds hat eine Gesamtkostenquote (TER) von 1,83 %. Der zweit- und der drittplatzierte aktive Fonds berechnen 1,45 beziehungsweise 1,80 %.


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Health-ETFs sind günstiger, aber die Performance ist etwas schwächer

Bei den ETFs schneiden vor allem Produkte auf den MSCI World Health Care gut ab und liefern jährliche Renditen von mehr als zehn Prozent. Zu den größten Positionen im Index gehören Health- und Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson, United Health Group, Roche Holding, Abbott Laboratories, Pfizer und Merck.

Alle verfügbaren ETFs rund um Gesundheit

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Quelle: Morningstar, 08.02.2022
Legende: Morningstar-Bewertung: 5 = top, 1 = schlecht, Replikation = Nachbildung des Index

Die Gebühren der drei top Health-ETFs liegen zwischen 0,3 und 0,15 % und damit wenig überraschend deutlich unter denen der aktiven Fonds. Allerdings zeigen die Tabellen auch: Qualität darf etwas kosten, denn die besten aktiven Fonds schlagen die ETFs auf Sicht von fünf Jahren.

ETFs gibt es natürlich nicht nur auf den MSCI World Health Care. Anlegerinnen können auch auf Pharma-ETFs aus dem Euro-Raum oder aus den USA oder auf Healthcare-Innovationen setzen.

Grundsätzlich sollten solche Themenfonds und die entsprechenden ETFs nur eine Beimischung im Depot sein. Abgesehen davon, dass sie natürlich nicht über verschiedene Branchen hinweg streuen, investieren sie oft auch – mangels Auswahl – in eher wenige Health- oder Pharmawerte. Dadurch haben einzelne Positionen ein relativ hohes Gewicht. Auch wenn die Renditen in den vergangenen Jahren gut waren, ist das Geld in solchen Health-Fonds und -ETF doch sehr konzentriert investiert.


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herMoney-Tipp:

Empfehlungen können wir natürlich nicht geben. Aber Gesundheitsaktien und Pharma-ETFs bringen in Krisenzeiten Ruhe ins Depot und sorgen langfristig für gute Renditen. Natürlich sind auch sie nicht immun gegen einen Crash, entwickeln sich traditionell aber besser als andere Branchen. Das liegt vor allem daran, dass ihr Geschäftsmodell sehr robust und konjunkturunabhängig ist.

Deshalb sind Gesundheitsaktien eine gute Beimischung im Depot. Beimischungen sollten nie einen größeren Portfolioanteil als zehn Prozent ausmachen. Da sich nicht jede Healthcare-Aktie gleich gut entwickelt, sollten Anlegerinnen breit streuen – am besten mit Fonds und ETFs.

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Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das Richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kaufe nicht irgendwelche Fonds. Mache dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu liest du hier.

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Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.