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ETFs verstehen: Chancen nutzen, Risiken einordnen

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Simin Heuser

4. Dezember 2025

Breite Streuung schützt nicht vor Verlusten. Warum ein klarer Plan hilft, Schwankungen auszuhalten und langfristig investiert zu bleiben.

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ETFs haben in den vergangenen Jahren einen echten Boom erlebt. Für viele AnlegerInnen sind sie der erste Schritt an die Börse, denn sie gelten als unkompliziert, günstig und verlässlich. Genau dieser Eindruck kann jedoch trügen. Wer erst in den vergangenen Jahren eingestiegen ist, hat fast ausschließlich steigende Kurse erlebt und schnell das Gefühl bekommen, dass es immer so weitergeht. VerbraucherschützerInnen raten inzwischen dazu, diese Phase nicht als Normalität zu betrachten. Denn auch ein breit gestreutes ETF Portfolio ist nicht frei von Risiken, und wer sich zu sehr auf vergangene Gewinne verlässt, trifft in schwierigen Marktphasen oft Entscheidungen, die später bereut werden.

Warum ETFs nicht automatisch perfekt gestreut sind

Viele AnlegerInnen gehen davon aus, dass ein ETF auf einen weltweiten Index ihr Risiko breit verteilt. Der Name klingt danach, und das Marketing vermittelt oft genau dieses Gefühl. In der Realität ist die Verteilung allerdings weniger ausgewogen, als viele erwarten. Ein Beispiel ist der MSCI World, einer der beliebtesten Indizes für EinsteigerInnen. Obwohl er über zwanzig Industrieländer abdeckt, steckt ein Großteil des Kapitals in US Unternehmen. Der Anteil liegt bei rund siebzig Prozent, während andere Regionen nur wenig Gewicht bekommen.

Diese Schwerpunktsetzung ist historisch gewachsen, da amerikanische Konzerne an der Börse besonders hoch bewertet sind. Für AnlegerInnen bedeutet das jedoch, dass ihr vermeintlich globales Depot stark von der Entwicklung einzelner US Branchen und Tech Unternehmen abhängt. Das ist nicht automatisch ein Nachteil, aber es macht bewusst, dass globale ETFs nicht so neutral verteilt sind, wie viele glauben.

Wer diese Struktur kennt, kann besser einschätzen, wie das eigene Depot auf Marktveränderungen reagiert. Manche AnlegerInnen entscheiden sich deshalb dafür, zusätzlich einen ETF auf Schwellenländer oder kleinere Unternehmen aufzunehmen, um die Verteilung im Depot ausgewogener zu gestalten. Ob das sinnvoll ist, hängt immer von der eigenen Risikobereitschaft ab. Wichtig ist vor allem, die Zusammensetzung zu verstehen, statt sich allein vom Namen leiten zu lassen.

Wie du dich auf Kursrückgänge vorbereiten kannst

Kursrückgänge gehören zum Investieren dazu, doch viele AnlegerInnen erleben sie zum ersten Mal und fühlen sich schnell überfordert. Gerade wer in den vergangenen Jahren eingestiegen ist, kennt vor allem die ruhigen Aufwärtsphasen der Märkte. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu überlegen, wie man mit schwierigen Phasen umgehen möchte.

Ein bewährter Ansatz besteht darin, sich klarzumachen, dass sich die Märkte in der Vergangenheit immer wieder erholt haben. Nach größeren Einbrüchen dauerte es zwar mitunter mehrere Jahre, bis die alten Höchststände wieder erreicht wurden, doch langfristig ging es weiter nach oben. Diese historische Erfahrung hilft, die Situation einzuordnen, wenn die Kurse sichtbar fallen.

Ein zweiter Schritt ist, die eigene finanzielle Planung anzupassen. Wer etwa in fünf oder zehn Jahren Geld benötigt, kann diesen Teil des Vermögens schon früher auf sicherere Anlagen verteilen, zum Beispiel auf Tagesgeld, Festgeld oder kurz laufende Anleihen. Der restliche Teil kann weiterhin investiert bleiben und hat Zeit, sich zu erholen. So entsteht eine Mischung aus Sicherheit und Wachstum, die vielen AnlegerInnen hilft, ruhiger zu bleiben.

Sinnvoll kann es auch sein, einen persönlichen Fahrplan festzulegen. Eine Art Notfallplan, der festhält, wie du reagieren möchtest, wenn es zu einem stärkeren Rückgang kommt. Das schützt davor, in hektischen Momenten übereilte Entscheidungen zu treffen. Wer sich innerlich vorbereitet, bleibt gelassener und schafft es eher, langfristig investiert zu bleiben.

Welche Fehler viele Anlegerinnen in turbulenten Phasen machen

Wenn die Kurse plötzlich fallen, reagieren viele Anlegerinnen emotional. Das ist vollkommen normal, aber genau in solchen Momenten passieren die größten Fehler. Der häufigste ist, in Panik zu verkaufen, sobald die Verluste sichtbar werden. In diesem Moment fühlt sich der Verkauf wie eine schnelle Rettung an, doch langfristig führt er oft dazu, dass du Verluste festschreibst und die anschließende Erholung verpasst. Viele Aufwärtsbewegungen beginnen genau dann, wenn die Stimmung am Tiefpunkt ist. Wenn du dann nicht mehr investiert bist, verpasst du die Chance, wieder Boden gutzumachen.

Ein weiterer typischer Fehler entsteht, wenn die Aktienquote zu hoch gewählt wurde. Viele entscheiden sich intuitiv für eine bestimmte Aufteilung, ohne vorher durchzuspielen, wie sich ein Rückgang von zwanzig oder dreißig Prozent anfühlen würde. Wenn dich solche Schwankungen nervös machen, ist es sinnvoll, den Aktienanteil zu reduzieren und mehr Sicherheit ins Depot zu holen. Das ist keine Schwäche, sondern eine realistische Einschätzung deiner Risikobereitschaft.

Auch der Versuch, den perfekten Zeitpunkt für Verkäufe oder Käufe zu finden, führt oft in die Irre. Selbst Profis schaffen es kaum, den Markt verlässlich zu timen. Für dich als Privatanlegerin kann deshalb eine klare Struktur mit festen Regeln hilfreicher sein als spontane Entscheidungen aus dem Bauch heraus.

Gut tut es außerdem, das eigene Depot regelmäßig an die persönliche Lebenssituation anzupassen. Wenn du zum Beispiel näher an die Rente rückst, brauchst du eine andere Mischung als in deinen Dreißigern oder Vierzigern. Schon kleine Anpassungen können dafür sorgen, dass du entspannter durch Schwankungen kommst und langfristig auf Kurs bleibst.

Mit Klarheit und Ruhe investiert es sich leichter

ETFs sind ein starkes Werkzeug, um langfristig Vermögen aufzubauen. Sie machen vieles einfacher, aber sie nehmen dir nicht die Verantwortung ab, die eigene Risikotoleranz zu kennen und dein Depot bewusst zu gestalten. Wenn du verstehst, wie ein ETF aufgebaut ist, welche Schwankungen möglich sind und wie du dein Geld so strukturierst, dass du auch in unruhigen Zeiten ruhig schlafen kannst, bist du gut vorbereitet.

Rücksetzer gehören dazu, Erholungen auch. Entscheidend ist, dass du nicht aus dem Moment heraus handelst, sondern deiner Strategie vertraust. Wer gelassen bleibt, sich rechtzeitig absichert und die eigene Lebenssituation im Blick behält, hat gute Chancen, die Höhen und Tiefen der Märkte sicher zu meistern und langfristig von ihnen zu profitieren.

Disclaimer: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche kann herMoney keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Der Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.


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Simin Heuser

Simin Heuser hat Volkswirtschaftslehre studiert und war bereits für verschiedene Fondsgesellschaften und Fintechs tätig. Sie schreibt unter anderem als freie Autorin über Finanz- und Versicherungsthemen.

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