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Randi Zuckerberg, die Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, über Digitalisierung und Kryptowährungen. Ein Interview.

Anke Dembowski: Randi, Sie sind vom Silicon Valley nach New York gezogen. Haben Sie da einen Kultur-Unterschied in Bezug auf Technologie-Lust gespürt?
Randi Zuckerberg:
Oh ja, im Silicon Valley ist eigentlich jeder neugierig und schnell von technologischen Neuigkeiten zu begeistern. In New York habe ich dann festgestellt, dass das nicht auf alle Menschen zutrifft und nicht jeder „disrupted“ werden will.

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Wie gehen Sie persönlich denn technologische Neuerungen an?
Bei technischen Dingen würde ich mich als „early adopter“ bezeichnen. Ich mag es, neue Dinge auszuprobieren.

Ist das nicht auch kompliziert?
Ja, bei der Digitalisierung gibt es kein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“.

Glauben Sie, dass die Digitalisierung gute Konsequenzen für uns Menschen haben wird?
Natürlich! Ich bin z.B. fest davon überzeugt, dass Autofahren sicherer wird, wenn erst einmal alle Autos fahrerlos fahren. In der Übergangsphase, wenn es sowohl fahrerlose Autos als auch Autos mit menschlichen Fahrern gibt, wird es sicher kompliziert. Aber wenn erst einmal alle Autos automatisch fahren, wird es sicher deutlich weniger Unfälle geben. Oder nehmen Sie den Versuch, wo man Menschen ein Foto von sich gezeigt hat, auf dem man sie durch Computer-Animation künstlich gealtert hat. Im Anschluss haben diese Menschen viel bessere Entscheidungen für ihre Altersvorsorge getroffen als die Vergleichsgruppe, der man kein Bild von sich im Alter gezeigt hat. Sie konnten sich viel besser mit sich im Alter identifizieren.

Auf Grund der Preisturbulenzen hört man seit Dezember viel von der Cyber-Währung Bitcoin. Was sind für Sie Bitcoins? Eine Währung?
Dazu schwankt der Bitcoin zu sehr. Der Bitcoin ist innerhalb kürzester Zeit um über 1000% angestiegen, um dann im Dezember 2017 seinen bisherigen Höchststand zu erreichen. Danach hat er sich bis heute mehr als halbiert. Ich würde den Bitcoin eher als Rohstoff als als Währung ansehen. Er hat viele Gemeinsamkeiten mit Gold – beispielsweise dass er eine natürliche Begrenzung hat und geschürft werden muss. Allerdings unterscheidet er sich auch in verschiedener Hinsicht von Gold.

Viele halten die hinter den Bitcoin stehende Technologie, die Blockchain für wichtiger als den Bitcoin selbst. Können Sie sich Blockchain-Technologie ohne Cyber-Währung vorstellen?
Vielleicht später einmal, aber jetzt noch nicht. Schließlich brauchen Sie eine Incentivierung, damit tausende von Menschen in Computer-Hardware und Energie investieren, um eine Blockchain zu betreiben. Und bisher winken als Belohnung eben Bitcoins.

Sehen Sie auch Probleme mit dem Bitcoin?
Ja. Zum einen gibt es ein Umwelt-Problem. Bitcoins zu schürfen kostet enorme Mengen an Energie. Dazu müssen in China und der Mongolei viele Kohlekraftwerke laufen. Jüngst sind auch zahlreiche Bitcoin-Schürfer nach Island ausgewichen, weil auch dort Energie billig ist. In Island ist mittlerweile der Energieverbrauch für Bitcoins höher als der von allen anderen isländischen Stromverbrauchern zusammen. Das ist sehr bedenklich für unsere Umwelt! Außerdem muss man sich schon fragen, warum den Nutzern von Bitcoins die Anonymität so wichtig ist. Haben sie etwas zu verbergen? In welchen Geschäftsfeldern sind sie tätig? Und darüber hinaus gibt es mit Bitcoins noch ein Gender-Problem.

Ein Gender-Problem – inwiefern?
Männer und Frauen beschäftigen sind sehr unterschiedlich mit Cyber-Währungen. Leider sind Frauen da deutlich unterrepräsentiert. Nur 3,43% der Bitcoin-User sind weiblich.

Was meinen Sie, warum sind Cyber-Währungen eine so männliche Domäne sind und sich nur wenige Frauen damit aktiv befassen?
Ich glaube, dass Männer gern neue Dinge ausprobieren. Und wenn sie was probieren, das ihnen gefällt, teilen sie es gern mit ihren Kumpels, die größtenteils männlich sind. Vermutlich sind Frauen auch risikoaverser und trauen sich daher nicht so schnell an neue technische Dinge heran.

Was tun Sie persönlich, um Frauen in diesem Feld zu helfen?
Ich möchte Crypto-Währungen Frauen und Männern erklären und leichter vorstellbar und damit einfacher greifbar machen. Dazu stelle ich Dinge vor, wie an verschiedenen Orten der Welt damit im täglichen Leben umgegangen wird und was die Technologie langfristig für Änderungen hervorrufen kann. Schließlich gibt es bei jeder technologischen Entwicklung jede Menge toller Gelegenheiten, aber eben auch Risiken. Beispielsweise dauert eine Bitcoin-Transaktion derzeit noch viel zu lange – das dauert viel länger als eine herkömmliche Überweisung.

Was raten Sie Frauen, was sie mit Cyber-Währungen tun sollen? Bitcoins ausgeben, schürfen oder eine eigene Cyber-Währung auflegen?
Haha, gute Frage! Es gibt tatsächlich einen guten Grund für Frauen, ihre eigene Cyber-Währung aufzulegen – man spricht hier von „Initial Coin Offering“ (ICO). In der Gründer-Szene, also im Venture Capital-Bereich, haben es Frauen allerdings schwerer als Männer, Gelder zu akquirieren. Denken Sie mal: Nur rund 5 % des Venture-Kapitals fließt in Unternehmen, die von Frauen gegründet werden! Mit einem ICO können Frauen viel leichter Fundraising für ihre Startup-Unternehmen betreiben als mit traditionellen Investoren – das ist doch wirklich ein guter Grund, seine eigene Cyber-Währung aufzulegen!

Ihr Bruder ist der Facebook-Gründer und einer der reichsten Männer der Welt, und Sie selbst sind ebenfalls sehr gut im Geschäft. Was bedeutet Geld für Sie persönlich?
Geld bedeutet für mich in erster Linie Vertrauen. Ich möchte darauf vertrauen können, dass es heute mehr oder minder denselben Wert hat wie gestern. Das ist das Problem an Bitcoins – auf Grund der hohen Wertschwankungen kann es dort noch kein wirkliches Vertrauen geben.

Und zum Schluss: Was sind die ganz großen Chancen in Verbindung mit Cyber-Währungen?
Cyber-Währungen dienen der Demokratisierung, der Gerechtigkeit. Sie geben Millionen Menschen, die kein Bankkonto haben, die Möglichkeit Finanztransaktionen vorzunehmen – insbesondere in Entwicklungsländern. Mit digitalen Währungen können sie ihr Geschäft betreiben, ohne ein Bankkonto zu haben. Außerdem geben Cyber-Währungen insbesondere auch Frauen die Möglichkeit, leichter an Gründungs-Kapital zu kommen, und zwar weltweit. Dazu erleichtern es die Cyber-Währungen Menschen, die im Ausland wohnen, Geld nach Hause schicken. Sie zahlen derzeit oft horrende Transaktionskosten – das kann man künftig über Cyber-Währungen viel günstiger machen.

 

Über Randi Zuckerberg:

Mit 23 Jahren steigt Randi Zuckerberg ins Unternehmen ihres jüngeren Bruders Mark ein. Während sich Mark um die Entwicklung von Facebook kümmert, übernimmt sie die Bereiche Kommunikation und PR des jungen Unternehmens. 2011 zieht sich Randi Zuckerberg dann von Facebook zurück und gründet ihr eigenes Unternehmen, das heute Zuckerberg Media heißt. Dort berät sie Unternehmen, wie sie Social Media optimal einsetzen können. Zuckerberg ist Expertin in Sachen Digitalisierung, Disruption und Kryptowährungen.