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Die Volatilität offenbart den Gemütszustand der AnlegerInnen. Wir erklären, wann sich der Blick auf den Risikomaßstab besonders lohnt.

Inhalt

Definition

Bedeutung

Implizite Volatilität

„Gute“ Volatilität
> Beispiele für Aktien
> Fonds und ETF

Berechnung

Volatilität und ihre Bedeutung: Das Wichtigste in Kürze

Kurse von Wertpapieren verändern sich ständig. Die Volatilität wird in Prozent ausgedrückt und zeigt, wie stark eine Aktie, ein Index oder ein ETF schwankt.

Volatilität richtig zu deuten, ist kinderleicht. Ist die Volatilität hoch, sind die Marktteilnehmer nervös – und vice versa. Sie lässt sich einfach im Internet abrufen, du musst sie also nicht selbst berechnen.

Es gibt Aktien, Indizes, Fonds und ETFs, die wenig schwanken, aber auch besonders volatile Wertpapiere. Eine hohe Volatilität bedeutet ein erhöhtes Anlagerisiko! Anhand der Volatilität kannst du also riskante Aktien und Fonds erkennen. Daher solltest du beim Performancevergleich darauf achten.

Machen dich die starken Kursbewegungen an den Aktienmärkten nervös oder liebst du den Nervenkitzel? Ganz egal, ob das eine oder andere zutrifft: Die Volatilität hilft dir, erhöhte Risiken zu erkennen. Aber was heißt Volatilität genau, bedeutet sie?

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Definition: Was ist Volatilität?

Die Volatilität ist eine Kennzahl zur Risikobewertung. Sie zeigt, wie stark ein Wert – zum Beispiel eine Aktie oder ein Index – innerhalb eines bestimmten Zeitraums um ihren Mittelwert schwankt. Und weil stark schwankende Kurse ein höheres Risiko darstellen als geringe, ist ein Blick auf die Volatilitätsbewertung wichtig.

So kannst du beim Vergleich von Wertpapieren schnell erkennen, welche ein besonders hohes beziehungsweise ein geringes Risiko bergen. Was bedeutet Volatilität aber genau, woher stammt der Begriff? Er kommt aus dem Lateinischen: „volatilis“ bedeutet fliegend, flüchtig. Bekannt ist der Begriff auch aus der Mathematik. In der Statistik bezeichnet die Volatilität die Schwankung von Zeitreihen.

Mehr darüber, was Volatilität bedeutet, erfährst du auch im Video:

Bedeutung: Was sagt die Volatilität über Aktien aus?

Anhand der Volatilität lässt sich mit einem Blick ablesen, wie nervös oder entspannt die MarktteilnehmerInnen gerade sind. Daher wird ein Volatilitätsindex wie der VDAX, der die Volatilität des DAX misst, oft auch „Angstbarometer“ genannt. Typisch für die Volatilität: Sie sinkt bei steigenden Kursen und klettert bei fallenden, sprich sie entwickelt sich genau gegensätzlich zum Markt.

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Langfristig betrachtet bewegt sich das Volatilitätsbarometer für den DAX, das VDAX-New genannt wird, im Bereich bei etwa 20 Prozentpunkten. Mitte August 2022 notierte es bei rund 25 Prozentpunkten, während der Marktturbulenzen im Frühjahr 2022 waren es knapp 50 Prozentpunkte. Später mehr zur Berechnung der Volatilität und was hinter dem VDAX-New steckt.

Was unterscheidet historische und implizite Volatilität?

Zugegeben, historische und implizite Volatilität klingen kompliziert, sind aber leicht zu verstehen. Historische Volatilität ist schnell erklärt: Hier geht es um die in der Vergangenheit tatsächlich gemessene Schwankungsbreite um den Mittelwert. Vergleiche von Aktien, Fonds und ETFs erfolgen auf Basis der historischen Volatilität, weshalb wir uns hier primär damit beschäftigen.

Zwar lassen sich aus den Daten der Vergangenheit keine Kursprognosen für die Zukunft treffen, doch die Volatilität erleichtert die Risikoeinschätzung. Vor allem wenn mehrere Papiere miteinander verglichen werden.

Dagegen handelt es sich bei der impliziten Volatilität (Englisch: implied volatility) um die von den Marktteilnehmern erwartete Schwankungsbreite. Sie wird aus den Optionspreisen an den Terminmärkten abgeleitet.

Hintergrund dafür ist, dass implizite Volatilität des Basiswerts bei der Preisfindung von Optionen eine entscheidende Rolle spielt. Stark schwankende Aktien verteuern die Preise von Optionen und vice versa. Für Aktien-, Fonds- und ETF-Anlegerinnen ist die implizite Volatilität kaum relevant, für sie ist die historische Volatilität von Bedeutung. Der VDAX-New wird jedoch aus den impliziten Volatilitäten kurzlaufender Optionen am Terminmarkt errechnet.

Warum sind Aktien volatil?

Die Kurse von Aktien schwanken beständig. Hintergrund ist ein einfaches Gesetz des Marktes: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das bedeutet steigende Kurse, wenn mehr Anlegende eine Aktie erwerben wollen als VerkäuferInnen bereit sind, ihre Anteile abzugeben. Umgekehrt gilt: Wollen viele AktienbesitzerInnen ihre Anteile verkaufen, aber nur wenige kaufen, sinkt der Kurs.

Der Kurs steigt oder fällt immer bis zu dem Punkt, an dem Angebot und Nachfrage ausgewogen sind. So wird an der Börse immer der Kurs festgesetzt, zu dem der höchste Umsatz möglich ist.

Die Beweggründe, warum InvestorInnen kaufen oder verkaufen, sind vielfältig. Lass dich am besten nicht zu sehr von den gewöhnlichen Tagesschwankungen verunsichern, wenn du langfristig anlegst. In diesem Fall achtest du am besten auf die längerfristige 250-Tage-Volatilität und bedenkst: Je stärker die Kurse schwanken, desto größer das Risiko.

Bestes Beispiel ist Bitcoin. Die Bitcoin-Volatilität wird meist nur auf Tagesbasis oder monatlich ermittelt. So lag im Jahr 2021 die annualisierte Bitcoin-Volatilität bei rund 81 Prozentpunkten.

Was misst die Volatilität?

Ganz einfach gesagt, misst die Volatilität, wie stark ein Wert schwankt. Und zwar um den Mittelwert innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Oder anders ausgedrückt: Volatilität misst die Streuung der Renditen um ihren Durchschnittswert.

Dabei können die Zeiträume beliebig gewählt werden. In der Regel wird die Volatilität für 30 Tage oder 250 Tage angegeben, teils auch als Jahres-Volatilität. Profis sprechen meist von der 30-Tage-Volatilität oder der 250-Tage-Volatilität. Oft kürzen sie den Begriff „Volatilität“ auch mit „Vola“ ab und fachsimpeln über die 30-Tages-Vola oder 250-Tages-Vola. Lass dich davon nicht irritieren.

Genauso wenig musst du die Volatilität berechnen können oder die Volatilitätsformel kennen. Für besonders Wissbegierige erklären wir die einfache Berechnung am Ende des Artikels anhand eines Beispiels. Viel wichtiger als die Berechnung ist es, die Kennzahl richtig zu interpretieren.

Dabei solltest du bedenken, dass die Volatilität ein Risikoindikator ist, aber kein Prognoseinstrument. Die Höhe der Volatilität liefert also keine Hinweise, ob eine Aktie oder ein Index in Zukunft steigt oder fällt.

Was ist eine „gute“ oder „niedrige“ Volatilität?

Die Frage, was eine gute Volatilität ist, wird immer wieder gestellt. Eine absolute Größe in Prozent anzugeben, wäre jedoch irreführend. Denn die Kurse – und damit auch die Schwankungen – an den Märkten verändern sich beständig.

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Allgemein gilt: In turbulenten Marktphasen sind die Volatilitäten höher als in ruhigeren Marktphasen. Wichtig ist die Betrachtung innerhalb einer Vergleichsgruppe. Schätzt du die Aussichten von zwei Unternehmen gleich gut ein, kann der Blick auf die Volatilität die Entscheidung erleichtern. Denn die weniger volatile Aktie ist nicht so riskant.

Aktien mit niedriger und hoher Volatilität im Vergleich

Deutsche Aktien mit niedriger Volatilität

Aktie Volatilität 250 Tage
Deutsche Börse 21,65
Deutsche Telekom 23,01
Beiersdorf 23,35
Allianz 24,71
SAP 25,84

Quelle: Finanzen 100; Stand: 19.08.2022

Weitere Aktien mit geringen Schwankungen findest du in unserem Artikel „30 Aktien, Fonds und ETFs für sicherheitsbewusste Anfängerinnen“.

Deutsche Aktien mit hoher Volatilität

Aktie Volatilität 250 Tage
HelloFresh 66,06
Deutsche Bank 45,80
Sartorius VZ 43,70
Continental 42,44
Porsche 41,91

Quelle: Finanzen 100; Stand: 19.08.2022

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Fonds und ETFs mit hoher und niedriger Volatilität

Selbst Fonds und ETFs, die ja per Definition das Risiko breit streuen, können sehr volatil sein. Die Höhe der Schwankungen ist zum einen abhängig von den Märkten, in denen die Fonds oder ETFs investieren. Zum anderen aber auch von der Strategie des Fondsmanagements. Schichtet es häufig um oder kauft bevorzugt Aktien mit hoher Volatilität, erhöht sich entsprechend die Volatilität des Fonds. Daher lohnt sich auch bei Fonds ein fundierter Vergleich.

Um aber nicht Äpfel an Birnen zu messen, sollten nur Fonds innerhalb einer Fondsgruppe miteinander verglichen werden. Sagen wir zum Beispiel die Volatilität von ETFs auf den DAX mit der Volatilität von aktiv gemanagten Fonds auf den deutschen Aktienmarkt. Wie gravierend die Unterschiede sein können, zeigt der Vergleich von drei großen Aktienfonds, die in deutsche Standardwerte investieren. Interessant ist auch der Vergleich der Ergebnisse gegenüber DAX-ETFs. Sie weisen nämlich nicht nur eine niedrigere Volatilität, sondern auch eine bessere Performance auf.

Volatilität von DAX-ETFs und deutschen Einzeltiteln im Vergleich

Aktienfonds Deutschland Large Caps ISIN Volatilität Aktienfonds
1 Jahr
Aktienfonds
Performance
1 Jahr/3 Jahre
DWS Investa DE0008474008 22,72 % -21,2 % / +4,1 %
Concentra A DE0008475005 20,93 % -22,8 % / + 3,7 %
UniFonds DE0008491002 17,52 % -24,4 % / + 2,7 %
DAX-ETF ISIN VolatilitätDAX-ETF
1 Jahr
DAX-ETF
Performance
1 Jahr/3 Jahre
iShares DAX ETF DE0005933931 16,93 -14,9 % / + 5,1 %
Xtrackers DAX ETF LU0274211480 16,95 -14,9 % / + 5,2 %
Deka DAX ETF DE000ETFL011 16,95 -14,9 % / + 5,1 %

Quellen: fondsweb.de; Stand: 19.08.2022

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Innerhalb der ETFs auf einen Index wie den DAX ergeben sich nur marginale Unterschiede. Der Vergleich lohnt an dieser Stelle nicht, da sich ein ETF weitgehend im Gleichtakt wie der zugrunde liegende Index bewegt. Genauso wie sich DAX-ETFs und DAX-Volatilität parallel entwickeln, bewegt sich auch die Volatilität des MSCI World analog zum MSCI World Index.

Wie groß die Unterschiede unter den Volatilitäten bekannter Indizes sind, zeigt die nachfolgende Tabelle. Daraus wird deutlich, dass die Volatilität des global ausgerichteten MSCI World Index deutlich moderater ist als die Volatilität des technologielastigen Nasdaq-100-Index.

Ausgewählte Indizes: Vergleich der Volatilität

Index Volatilität 250 Tage
MSCI World 17,63
Euro Stoxx 50 22,71
Nasdaq 100 28,53

Quelle: Business Insider; Stand: 19.08.2022

Die aktiven Fonds und ETFs mit der besten Morningstar-Bewertung und der niedrigsten Volatilität:

Generated by wpDataTables

Stand 03.08.2022, Quelle: Morningstar

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Volatilität berechnen: So geht’s

Hier kommt die Mathematik ins Spiel. Es geht bei der Volatilität um die Standardabweichung vom Mittelwert. Einfach gesagt wird die Volatilität berechnet aus den Abweichungen eines Kurses von dessen Mittelwert – und zwar jeweils für einen bestimmten Zeitraum. Je größer die Abweichungen, desto höher die Volatilität.

Dazu ein vereinfachtes Beispiel. Angenommen der Kurs einer Aktie beträgt heute 111 Euro, gestern notierte er 90 Euro, vorgestern 76 Euro und an den beiden Tagen zuvor 95 und 93. Der Mittelwert daraus errechnet sich aus der Addition der Kurse (111 + 90 + 76 + 95 + 93 = 465), dividiert durch die Anzahl der Tage ergibt sich ein Mittelwert von 93 Euro (465 : 5 = 93).

Im nächsten Schritt werden die Abweichungen vom Mittelwert errechnet, die sogenannte Standardabweichung. Das Ergebnis wird im Anschluss durch die Anzahl der Tage dividiert und in Relation zum Mittelwert gesetzt.

Berechnung der Abweichungen vom Mittelwert:

111 – 93 =       18
90 – 93 =          3
76 – 93 =         17
95 – 93 =          2
93 – 93 =          0

Gesamt           40 : 5 = 8

An den fünf Handelstagen schwanken die Kurse demnach jeweils acht Euro um ihren Mittelwert, das entspricht 8,6 Prozent. Angegeben wird die Volatilität üblicherweise als annualisierte Standardabweichung.

Was du sonst noch über Volatilität an der Börse wissen solltest

Sehr volatile Aktien, Fonds oder ETFs sind nichts für Anlegerinnen mit schwachem Nervenkostüm. Manchen Anlegerinnen erscheinen wenig volatile Aktien dagegen aber oft nicht attraktiv.

Denn die sogenannten Niedrig-Volatilitätsaktien – auch als „Low Volatility Strategie“ bekannt – bewegen sich zum Teil nur langsam vom Fleck. Im Idealfall streben sie unter geringen Kursschwankungen kontinuierlich nach oben. Oft handelt es sich dabei um Value-Aktien, also Firmen mit hoher Substanz, die zum Teil auch kontinuierlich Dividenden ausschütten.

Dagegen zählen junge Firmen oder Unternehmen mit hohen Wachstumsraten in aller Regel zu den volatilen Aktien. Bei ETFs hingegen gilt meist: Ein Index, der wenige Aktien abbildet, schwankt stärker als ein Index mit vielen Aktien.

herMoney Tipp

Du gehörst zu den Anlegerinnen, die Schwankungen möglichst vermeiden möchten? Hier zeigen wir dir möglichst sichere ETFs und aktive Fonds.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu findest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.