Academy by herMoney

Schritt 1:
Existenzrisiken
absichern
Schritt 2:
Altersversorgung
optimieren
Schritt 3:
Vermögen
aufbauen

Altersversorgung optimieren in den 30ern

Du fühlst dich mit der gesetzlichen Rente auf der sicheren Seite? Besser nicht. „Es ist ein Mythos, zu glauben, dass sich der Lebensstandard allein durch die gesetzliche Rente halten lässt“, so die Einschätzung von Prof. Dr. Bert Rürup. Und der sollte es wissen, gilt der emeritierte Ökonomieprofessor doch als einer der führenden Rentenexperten im Lande. Besonders Frauen, die für die Familie im Job kürzer treten, droht im Alter Armut, wenn sie sich auf die gesetzliche Rente verlassen. Denn wer weniger arbeitet und weniger verdient, zahlt weniger in die Rentenkassen ein – und bekommt am Ende auch weniger Rente ausbezahlt. Fange daher schon in den 30ern an, zusätzlich vorzusorgen.

Academy by herMoney

Die gesetzliche Rente wird nicht reichen!

Aber auch dann, wenn du Vollzeit arbeitest wird die gesetzliche Rente später nicht ausreichen. Nach Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales könnte das so genannte Rentenniveau bis 2030 von heute 48,21 Prozent auf dann 44,3 Prozent sinken – noch bis 2011 lag der Wert bei über 50 Prozent.

Das Rentenniveau ist eine komplizierte Kennziffer. Sie beschreibt, wie viel ein so genannter „Eckrentner“ im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen bekommt. Der Eckrentner wiederum ist ein fiktiver Rentner, der 45 Jahre Vollzeit – also ohne Familienpause, Teilzeit oder Arbeitslosigkeit – zum Durchschnittseinkommen gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat. Zu kompliziert? Stimmt. Vergiss die Details.

Was aber auf jeden Fall hängen bleiben sollte:

  • Du wirst zum einen mit großer Wahrscheinlichkeit noch weniger als der Eckrentner bekommen, weil kaum eine Frau 45 Jahre durchgängig in Vollzeit beschäftigt ist.
  • Der Anteil der Rente gemessen an deinem Einkommen wird weiter sinken. Das ist sicher. Und das bedeutet: Jede Frau, die ihren Lebensabend in Würde und Wohlstand verbringen will, muss vorsorgen. So früh wie möglich – am besten schon ab 30.

Freibeträge KapitaleinkünfteRiester-Rente: Vorsorgen und Steuern sparen

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Der Staat unterstützt dich mit Zulagen und/oder Steuervorteilen bei der Vorsorge – zum Beispiel über die Riester-Rente. Mit einem Riester-Vertrag erhältst du eine jährliche Zulage von 175 Euro und dazu Zulagen für deinen Nachwuchs. Bei Kindern, die bis Ende 2007 geboren wurden, macht das 185 Euro im Jahr, für später geborene Kinder bekommst du 300 Euro. Zudem kannst du Steuern sparen. Wie viel, hängt von deinem Steuersatz ab.

Voraussetzung für die Förderung: Du zahlst vier Prozent deines rentenversicherungspflichtigen Einkommens, maximal aber 2.100 Euro, in einen Riester-Vertrag ein. Das ist auch der Betrag, den du maximal von der Steuer absetzen kannst. Vom Steuervorteil werden die Zulagen abgezogen. Die Faustregel: Wenn du viele Kinder hast und ergo hohe Zulagen kassierst, profitierst du von den Zulagen. Als Single ohne Kinder überwiegt der Steuervorteil.

Die Riester-Rente gibt’s nur für Angestellte und Beamte und sie ist nicht unumstritten. Zu teuer, zu viele Einschränkungen, zu hoher Verwaltungsaufwand – sagen die Kritiker. Zwar sicherst du dir mit der Police eine lebenslange Rente, aber das lohnt sich nur dann, wenn du ein hohes Alter erreichst.

herMoney Tipp zur Altersvorsorge ab 30:

Lasse dich gut beraten – am besten von unabhängigen Experten, zum Beispiel den Verbraucherzentralen. Prüfe, ob sich ein Riester-Vertrag für dich lohnt und ob er aufgrund der Einschränkungen auch zu deiner Lebensplanung passt. Wenn du dich für einen Abschluss entscheidest, achte auf die Kosten!

Mehr zu Riester gibt es hier.

Academy by herMoney

Betriebliche Altersversorgung: Frage deinen Chef oder deine Chefin!

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge durch so genannte Entgeltumwandlung. Das heißt, du kannst einen Teil deines Gehaltes oder auch Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld einzahlen und eine Zusatzrente aufbauen. Der Vorteil: Du entnimmst das Geld deinem Brutto.

Anders als bei privaten Sparplänen zahlst du also auf deine Sparraten weder Steuern noch Sozialabgaben. Um 100 Euro ansparen zu können, musst du – je nach Steuersatz – nur rund 60 Euro deines Nettos aufwenden. Das ermöglicht es dir, mehr Geld für das Alter anzusparen – und durch die höheren Sparraten wächst dein Kapital schneller. Der Nachteil: Bei der Auszahlung musst du nicht nur Steuern, sondern auch den kompletten Krankenversicherungsbeitrag auf die Rente zahlen.

Die Altersvorsorge über den Betrieb soll attraktiver werden – auch für Teilzeitkräfte und Geringverdiener. Dafür hat die Bundesregierung das sogenannte Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) verabschiedet. Seit 2019 haben Arbeitnehmer sogar einen Anspruch auf Arbeitgeberzuschuss. Bei Neuverträgen (ab 01. Januar 2019), müssen Arbeitgeber den umgewandelten Beitrag der Arbeitnehmer um 15 Prozent aufstocken. Ab 2022 gilt das auch für bereits bestehende Verträge.

herMoney Tipp zur Altersvorsorge ab 30:

Wenn du Entgelt umwandelst, spart auch dein Arbeitgeber die Sozialbeiträge ein. Viele Unternehmen schießen diese Ersparnis oder einen festen Betrag zu der Altersvorsorge der Mitarbeiter dazu, um sie langfristig an sich zu binden. Beteiligt sich dein Arbeitgeber bisher nicht, sprich ihn an und erkundige dich nach den Möglichkeiten! Ab 2022 ist dein Arbeitgeber ohnehin gesetzlich verpflichtet, den Beitrag aufzustocken.

Vermögenswirksame Leistungen

Interview Panagiota Petridou hat nEbenfalls über den Arbeitgeber kannst du vermögenswirksame Leistungen (VL) ansparen. Als Berufsanfängerin mit relativ geringem Einkommen profitierst du besonders stark. Vermögenswirksame Leistungen sollen Arbeitnehmern dabei helfen, Geld anzusparen. Dafür zahlt der Arbeitgeber monatlich bis zu 40 Euro – also bis zu 480 Euro im Jahr – in einen Sparvertrag für dich ein. Dabei kannst du zwischen unterschiedlichen Anlageformen wählen. Möglich ist ein Banksparplan, ein Bausparvertrag, die Tilgung eines Baudarlehens oder ein Fondssparplan.

Übersteigt dein Einkommen eine bestimmte Grenze nicht, gibt es noch einen Zuschuss vom Staat, die sogenannte Arbeitnehmersparzulage. Die Einkommensgrenzen und auch die Höhe des Zuschusses unterscheiden sich je nach Art des Sparvertrages. Gar keine Zuschüsse gibt es für einen Banksparplan. Wenn du einen Bausparvertrag oder die Tilgung eines Baukredites wählst, erhältst du maximal 43 Euro im Jahr, wenn du weniger als 17.900 Euro im Jahr verdienst. Wählst du dagegen einen Fondssparplan, liegt die Einkommensgrenze bei 20.000 Euro und der Zuschuss liegt bei maximal 80 Euro im Jahr. Bei Ehepartnern verdoppelt sich jeweils der Betrag.

Auch wenn dein Bruttoeinkommen über den Einkommensgrenzen liegt, lohnt es sich zu prüfen, ob du Anspruch auf Förderung hast! Denn nicht dein Brutto, sondern dein zu versteuerndes Einkommen zählt. Du kannst also vom Brutto Werbungskosten und Kinderfreibeträge abziehen. Wie hoch dein zu versteuerndes Einkommen ist, steht auf deinem Steuerbescheid.

Unternehmen sind nicht generell dazu verpflichtet, Ihren Mitarbeitern vermögenswirksame Leistungen zu zahlen. In vielen Betrieben oder Branchen sind die Zuschüsse vom Chef allerdings Bestandteil von Betriebsvereinbarungen oder des Tarifvertrages. Falls nicht, hast du keinen Anspruch auf die Leistungen deines Chefs. Die vom Staat gezahlte Arbeitnehmersparzulage steht dir dagegen grundsätzlich zu, wenn du die Einkommensgrenzen (siehe oben) nicht überschreitest – vorausgesetzt, du sparst aus der eigenen Tasche die erforderlichen 40 Euro im Monat an.

Die richtige Altersvorsorge: Was ist für wen sinnvoll?

  • Banksparplan: Das Kapital ist zwar sicher, wird aber kaum verzinst. Auch gibt es keinen Anspruch auf Arbeitnehmersparzulagen
  • Tilgung Baukredit: Die Kreditzinsen liegen in der Regel über den Guthabenzinsen. Wenn du eine Hypothek abbezahlst, macht die schnelle Tilgung Sinn.
  • Bausparvertrag: Wenn du den Kauf einer Immobilie planst, kann sich das rechnen – vor allem dann, wenn dein Einkommen über 17.900 und unter 25.600 Euro liegt. Denn dann erhältst du keine Arbeitnehmersparzulage, hast aber Anspruch auf die vom Staat gezahlte Wohnungsbauprämie.
  • Fondssparplan: Hier sind die Zuschüsse am höchsten und du hast die Aussicht auf die höchste Rendite. Zwar schwanken die Kurse im Laufe der Zeit, aber in jungen Jahren kannst du mögliche Kursdellen eventuell aussitzen. Um einen Fondssparplan abzuschließen, benötigst du ein Wertpapierdepot. Diese Depots haben im großen herMoney Vergleich gut abgeschlossen!

Die Verträge haben eine Laufzeit von sieben Jahren. In den ersten sechs Jahren wird eingezahlt, nach einem Jahr Ruhezeit kannst du in der Regel frei über das gesparte Geld verfügen. Ausnahme: In manchen Branchen – etwa der Metall-, Chemie- und Elektroindustrie – werden vermögenswirksamen Leistungen als sogenannte altersvorsorgewirksame Leistungen gezahlt. Die Zuschüsse können dann in einen Riester-Vertrag (siehe oben) oder in Formen der betrieblichen Altersversorgung (siehe oben) fließen.

herMoney Tipp zur Altersvorsorge ab 30:

Verschenke kein Geld. Checke deine Arbeitsvertrag oder habe keine Scheu bei deinem Arbeitgeber nachzufragen! Falls er weniger als die erforderlichen 40 Euro im Monat zuschießt, stocke gegebenenfalls auf, um auch die Arbeitnehmersparzulage zu bekommen. Die wird nicht automatisch gewährt, du musst den Zuschuss jährlich mit deiner Steuererklärung (Anlage N) beantragen und eine Kopie deines VL-Vertrages beifügen.

Autorinnen:

  • Dr. Catrin Gesellensetter, freie Wirtschaftsjournalistin, ehemalige Ressortleiterin des Bereichs „Finanzen/Immobilien“ bei Focus Online
  • Birgit Wetjen, Diplom-Volkswirtin, freie Wirtschafts- und Finanzjournalistin, Buchautorin

Passende Artikel aus unserem Magazin: