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Eine Honorarberaterin kann dir helfen, deine Finanzen zu sortieren. Lohnt sich das? Wie viel kostet so etwas? Wo sind Fallstricke?

Inhalt

Lohnt sich die Beratung?

Besonderheiten der Honorarberatung

Kosten, Vor- & Nachteile

Honorarberaterin finden

Honorarberater: Das Wichtigste in Kürze

HonorarberaterInnen bezahlst du direkt wie etwa RechtsanwältInnen. Bei ProvisionsberaterInnen sind die Kosten versteckt: Sie erhalten von den Unternehmen eine Provision, bei denen du ein Produkt erwirbst. Diese Provision zahlst am Ende auch du, da sie auf den Vertrag aufgeschlagen wird.

HonoratberaterInnen sind unabhängiger, daher gilt die Beratungsqualität als besser. Aber auch ProvisionsberaterInnen können mit entsprechendem Know-how und Integrität gute Arbeit leisten.

Die Kosten der HonorarberaterInnen liegen meist bei 100 bis 150 Euro pro Stunde. Manche erheben auch eine Gebühr auf das verwaltete Vermögen, zum Beispiel 0,3 % pro Jahr.

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Wann lohnt sich ein Honorarberater?

Wenn du gar keine Ahnung hast, könnte es sinnvoll sein, wenn du dir – zumindest am Anfang – Hilfe von ExpertInnen gönnst. Aber auch viele Menschen mit solidem Finanzwissen nehmen Beratungsleistungen in Anspruch. Sei es, weil sie sich mit anderen ExpertInnen austauschen möchten, sei es, dass sie sich bei ganz speziellen Fragen Expertenwissen dazu holen möchten.

Es ist allerdings nicht gesagt, dass die Fonds, die dir in einem Beratungsgespräch empfohlen werden, immer im Wert steigen werden. Vielmehr besprichst du deine Situation, damit deine Beraterin passende Produkte für dich zusammenstellen kann. Die (Fonds-)Produkte entsprechen deinem Bedürfnis nach Sicherheit und deinem Wunsch nach Rendite, Liquidität, Nachhaltigkeit und so weiter. Das sollte unabhängig sowohl bei Provisions- als auch bei HonorarberaterInnen so sein.

Die Alternative:
Du bewerkstelligst Dinge wie Vermögensaufbau, Altersvorsorge oder Fonds-Auswahl in Eigenregie. In dem Fall solltest du dich natürlich auskennen. Dazu solltest du ein solides Finanz-Grundwissen haben und bereit sein, dazuzulernen. Dafür stehen dir viele Informationen im Internet oder in Buch-Form zur Verfügung (z.B. hier bei herMoney). Mit diesen Infos legst du einfach los und baust deinen Erfahrungsschatz aus, den du immer weiter vergrößerst. Du wirst nie ausgelernt haben, denn es gibt laufend andere Marktkonstellationen, neue Produkte und Erkenntnisse.

Wie unterscheiden sich Provisions- von HonorarberaterInnen?

Lange Zeit war in der Finanzbranche die Beratungsvergütung durch Provision üblich. Sie ist auch heute noch ein gängiges Modell. Wesentliches Merkmal einer „Provision“ ist, dass sie vom Produktanbieter kommt, während eine Gebühr oder ein Honorar von dir als Kundin bezahlt wird. Aber machen wir uns nichts vor: Natürlich zahlst du als Kundin auch die Provision, nur eben nicht direkt. Der Produktanbieter zwackt die Provision irgendwo aus dem Vertrag ab.

Eine Maklerin spricht nicht von „Provision“, sondern von „Courtage“. Der Unterschied ist minimal: Während die Höhe einer Provision frei verhandelbar ist, ist die Höhe einer Courtage gesetzlich vorgegeben.

Auf die Höhe einer Provision hast du als Kundin keinen Einfluss, denn der Provisionsvertrag wird zwischen dem Produktanbieter (bzw. der Plattform) und der Beraterin geschlossen. Früher wusste man als Kunde noch nicht einmal, wie hoch die Provision ist. Inzwischen hast du ein gesetzliches Anrecht zu erfahren, wie viel Provision deine Finanzberaterin für das jeweilige Produkt erhält. Das soll dir helfen einzuschätzen, ob deine Beraterin dir ein bestimmtes Produkt womöglich nur deswegen anbietet, weil dort die Provisionen besonders hoch sind.

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Es gibt zwei Arten von Provisionen:

  • Eine Abschlussprovision, wenn du das Produkt kaufst oder den Vertrag abschließt. Bei Fonds erhält die Beraterin beispielsweise bei jedem Anteilskauf einen bestimmten Anteil (z.B. 90 %) aus dem von dir gezahlten Ausgabeaufschlag.
  • Daneben erhält die Beraterin eine Bestandsprovision. Sie bezieht sich auf den Versicherungs- oder Fonds-Bestand, den du hältst. Die „laufende Provision“ wird monatlich, quartalsweise oder jährlich ausbezahlt. Bei einem Aktienfonds können das zum Beispiel jährlich zwischen 0,25% und 0,6% sein. Im Fondsbereich hat sich außerdem eingebürgert, dass KundInnen eine „Service-Gebühr“ bezahlen, die zu großen Teilen an die Beraterin fließt. Bei einem Fonds-Depot beträgt sie im Regelfall zwischen 0,5% und 1,5% pro Jahr plus Mehrwertsteuer. Die Gebühr kann nur dann erhoben werden, wenn du schriftlich zustimmst, das heißt, du kannst sie beeinflussen.

Die Beraterin erhält nur dann eine Vergütung, wenn du ein Produkt abschließt oder das Produkt behältst. Schließt du nichts ab, war die Mühe der Beraterin aus ihrer Sicht „umsonst“.

Kosten, Vor- und Nachteile einer Honorarberaterin

Die Finanzberatung auf Honorarbasis wird derzeit von vielen Politikern bevorzugt. Angeblich soll nämlich die Bezahlung eines Honorars zu einer besseren Beratung führen. Ob das so ist, ist nicht endgültig geklärt. Letztendlich kommt es in erster Linie auf das Können und die Integrität der Beraterin an und erst in zweiter Linie auf die Form der Bezahlung.

Was kostet ein unabhängiger Honorarberater?

Bei der Honorarberatung bezahlt die Kundin die Dienstleistung direkt. Höhe und Art des Honorars sind frei aushandelbar, es kann zum Beispiel ein Stundenhonorar (etwa 100 – 150 Euro pro Stunde) sein oder sich auf die Höhe deines investierten Betrags beziehen (z.B. 0,3 % auf das liquide Vermögen). Oder es ist ein Pauschal-Honorar pro Kunde und Jahr.

Rechenbeispiele zu den verschiedenen Abrechnungsmodellen findest du hier.

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Sind Honorarberaterinnen besser als Provisionsberaterinnen?

1. Unabhängige Beratung
Der Gedanke, dass die Honorarberatung zu einer besseren Beratungsqualität führt, rührt daher, dass die Beraterin durch die Qualität ihrer Beratung überzeugen muss. Die Kritik bei der Provisionsberatung ist, dass die Beraterin nur dann eine Provision erhält, wenn sie ein Produkt verkauft. Kommt es hingegen nicht zu einem Kauf, erhält sie keine Vergütung. Außerdem kann das Beratungsgespräch so gelenkt werden, dass man am Ende bei dem Produkt landet, für das die höchste Provision gezahlt wird, und das muss nicht unbedingt im Interesse der Kundin sein. Dieser Kritikpunkt ist richtig.

Völlig frei von Interessen sind allerdings auch HonorarberaterInnen nicht. Sie wollen schließlich, dass du ihr Honorar bezahlst. Bei einem Stunden-Honorar möchten sie möglichst viele Stunden verkaufen, bei einem volumenabhängigen Honorar rechnet es sich umso mehr für sie, je mehr Geld du ihnen anvertraust. Auf die Produktwahl kommt es bei dieser Vergütungsform tatsächlich nicht an. Daher kann dir eine Honorarberaterin auch sehr kostengünstige Produkte empfehlen (z.B. ETFs oder Netto-Produkte), bei denen keine Provisionszahlungen mit einkalkuliert sind.

2. Günstige Produkte ohne Provision

Außerdem bieten Honorarberater den Vorteil, dass sie „Netto-Produkte“ und „Nettotarife“ anbieten können, die keine Kosten für Provisionen enthalten. Solche Produkte sind im Regelfall kostengünstiger als solche, in die Provisionen mit einkalkuliert sind. Falls es keine passenden Netto-Produkte gibt, leitet ein Honorarberater die Provisionen, die er erhält, direkt an den Kunden weiter.

3. Günstige Preise für KleinkundInnen

Auf der anderen Seite argumentieren BeraterInnen, die auf Provisionsbasis arbeiten, dass sie auch KleinkundInnen beraten, die ansonsten nicht in der Lage wären, ein angemessenes Stundenhonorar zu bezahlen. Bei der Provisionsberatung finanzieren große Kunden die kleinen Kunden mit, die vielleicht nur einen 50-Euro-Sparplan abschließen. Auch dieses Argument ist richtig.

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Gut zu wissen

Die unterschiedlichen Vergütungsformen gibt es für fast alle Finanz-Produkte. Es gibt also Honorarberatung zu Finanzen und Geldanlageprodukten (z.B. zu Fonds), aber auch zu Versicherungen oder breiter gefasst zu den Themen Altersvorsorge oder Immobilienfinanzierung. Provisionsberatung gibt es ebenfalls zu allen möglichen Produkten.

Lediglich bei ETFs gestaltet sich die Provisionsberatung schwierig, weil ETFs so kostengünstig sind, dass hier weder die Möglichkeit für eine Abschluss- noch für eine Bestandsprovision besteht. Lediglich wenn ein Fonds- oder Versicherungsdepot aus ETFs zusammengestellt wird, kann es auch bei ETFs zu einer Provision kommen. Aber dann gibt es eine übergeordnete Ebene (nämlich die Versicherung oder das Depot), aus der das Geld für die Provisionszahlung entnommen wird.

Wie finde und erkenne ich gute HonorarberaterInnen?

HonorarberaterInnen gibt es in der Regel in allen deutschen Städten.

So findest du sie:

  • Der Verbund Deutscher Honorarberater führt ein Register mit HonorarberaterInnen und vermittelt Adressen über ein Kontaktformular.
  • Auch die Verbraucherzentralen bieten Honorarberatung an.
  • Auf herMoney listen wir Beraterinnen, die sich speziell an Frauen richten (manche sind Honorarberaterinnen, andere arbeiten auf Provisionsbasis).
  • Natürlich kannst du auch einfach googeln – die meisten HonorarberaterInnen haben eine Webseite.

Auch der Bundesverband unabhängiger Honorarberater soll entsprechende ExpertInnen vermitteln. Laut Wirtschaftswoche handelt es sich dabei allerdings wohl nur um ein Marketinginstrument eines einzelnen Unternehmens, das vor allem sich selbst empfiehlt.

Das zeichnet eine gute Honorarberaterin aus:

  • Sie hat eine einschlägige Ausbildung im Finanzwesen oder ein Studium abgeschlossen.
  • Sie fährt nicht zweigleisig, kassiert also nicht Honorar und Provision.
  • Sie legt gleich beim Erstgespräch ihr Gebührenmodell offen.
  • Sie nimmt sich Zeit, deine Motivation und persönliche Situation zu erkunden und berät strukturiert, verständlich und bedarfsgerecht.

Mehr dazu findest du in unserer Checkliste („Woran erkennt man eine gute Finanzberatung?“).

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Wer darf sich „Honorarberater“ nennen?

2014 hat der Gesetzgeber den Begriff des „Honorarberaters“ eingeführt und ihn geschützt. Zertifizierten Honorarberatern ist es nicht gestattet, Provisionen oder sonstige wirtschaftliche Vorteile von Produktanbietern anzunehmen. Sie dürfen also nicht doppelgleisig fahren.

Vom Gesetzgeber aus kann nur HonorarberaterIn werden, wer über folgende Voraussetzungen verfügt:

  • Sachkundenachweis
  • Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung
  • hinreichender Marktüberblick als Beratungsgrundlage
  • unbeschränktes Angebot an Finanzprodukten

Ist eine Honorarberatung steuerlich absetzbar?

Eine Beratung ist dann steuerlich absetzbar, wenn sie dazu dient, steuerpflichtige Einkünfte zu erzielen, die nicht der Abgeltungsteuer unterliegen. Im Regelfall unterliegen Kapitalerträge aber der Abgeltungsteuer und du kannst den Sparerpauschbetrag geltend machen. Daher kannst du die Kosten für einen Honorar-Finanzberater nur in bestimmten Fällen steuerlich absetzen, zum Beispiel wenn es um eine Berufshaftpflichtversicherung oder um die Erzielung von Renteneinkünften geht (z.B. Riester oder Rürup-Rente). Eine Beratung über Fonds oder andere Wertpapiere ist hingegen nicht steuerlich absetzbar.

Im Grunde setzt du die Kosten für die Provisionsberatung automatisch steuerlich ab, denn die einkalkulierten höheren Kosten mindern die steuerpflichtigen Erträge.

herMoney Tipp

Es gibt sehr gute Beratungsangebote sowohl mit Provision- als auch mit Honorar-Vergütung. Das Potenzial für Interessenkonflikte ist bei der Honorarberatung niedriger, aber eine gute Provisionsberaterin klärt über mögliche Interessenkonflikte auf und kann ebenfalls eine Top-Beratung erbringen.

Zum Weiterlesen: Vielleicht ist auch ein Robo-Advisor etwas für dich? Hier erklären wir, wie die digitale Vermögensverwaltung funktioniert.

Finanzberatung gesucht? Eine Finanzberaterin in deiner Nähe findest du hier