Selbständige sollten beim Elterngeldantrag genau hinschauen. Wir haben einige Fallstricke gefunden und für dich nach Lösungen gesucht.

Inhalt

Haben Selbstständige Anspruch auf Elternzeit oder Mutterschutz?

Haben Selbständige Anspruch auf Elterngeld?

Wann und wo beantragen Selbständige Elterngeld?

Wie hoch ist das Elterngeld für Selbständige?

Der vorläufige Elterngeldbescheid

Angestellt und gleichzeitig selbstständig: Was bedeutet das fürs Elterngeld?

Wie viel dürfen Selbstständige dazuverdienen?

Was gilt beim Elterngeld Plus für Selbstständige?

Elterngeld Plus, Basiselterngeld oder Partnerschaftsbonus – welche Variante ist am rentabelsten für Selbständige?

herMoney Tipp

Das Wichtigste in Kürze

Selbstständige bekommen Elterngeld, wenn sie weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Deine Einkünfte werden aufs Elterngeld anrechnet. Willst du während des Elterngeld-Bezuges berufstätig sein, kannst du über Elterngeld Plus nachdenken.

Rechnen kannst du mit 65 bis 67 Prozent deines Nettoeinkommens, maximal mit 1.800 Euro. Basiselterngeld gibt’s ein Jahr.

Bereite deinen Antrag bereits vor der Geburt vor, damit du keinen Stress hast.

 

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Haben Selbstständige einen Anspruch auf Elternzeit oder Mutterschutz?

Nein. Elternzeit und Mutterschutz sind Gesetze für schwangere Arbeitnehmerinnen. Wer in keinem Arbeitsverhältnis steht, hat keinen Anspruch auf Elternzeit. Das gilt beispielsweise für Studierende ohne Job, Kandidatinnen eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres und Selbständige. Bist du deine eigene Chefin, kannst du dir eine Auszeit gönnen. Doch mit der gesetzlichen Elternzeit hat das nichts zu tun.

Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) steht für den Schutz einer angestellten Schwangeren und den ihres ungeborenen Kindes am Arbeitsplatz. Das Gesetz gilt für Arbeitnehmerinnen, geringfügig Beschäftigte, Auszubildende, Heimarbeiterinnen und unter bestimmten Voraussetzungen für Schülerinnen und Studentinnen. Unternehmerinnen und Hausfrauen haben keinen gesetzlichen Mutterschutz.

Haben Selbständige Anspruch auf Elterngeld?

Ja! Selbständige können Elterngeld beantragen. Diese finanzielle Unterstützung steht so ziemlich allen Eltern zu. Geregelt ist das in Paragraf 1 (1) BEEG:

„Anspruch auf Elterngeld hat, wer

  • einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat,
  • mit seinem Kind in einem Haushalt lebt,
  • dieses Kind selbst betreut und erzieht und
  • keine oder keine volle Erwerbstätigkeit ausübt.

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Wann und wo beantragen Selbständige Elterngeld?

Um die Maschinerie in Gang zu setzen, sollte der Antrag zeitnah nach der Geburt an die entsprechende Elterngeldstelle gehen. Spätestens innerhalb von drei Monaten, da die Leistung rückwirkend maximal für drei Monate bezahlt wird. Wer schludert, verschenkt Geld. Das Formular für den Antrag gibt es bei der Elterngeldstelle, bei Gemeinde-Verwaltungen, in vielen Krankenhäusern mit Geburtenstation oder beim Familienportal.

Fallstrick: Jede Mutter wird es bestätigen – ist das Baby da, wirst du dich um vieles kümmern. Aber du wirst weder Zeit noch Nerven für Papierkram haben. Den Antrag auf Elterngeld im Wochenbett auszuarbeiten, ist in etwa genauso nett, wie die Steuererklärung für das letzte Jahr zu machen. Wer sich einen großen Gefallen tun möchte, arbeitet den Antrag vor der Geburt komplett aus. Nach der Geburt kommt nur noch das Datum drauf und die Geburtsurkunde dazu. Und ab damit zur Post.

Wie hoch ist das Elterngeld für Selbständige?

Das Basiselterngeld beträgt je nach Einkommen zwischen 300 und 1.800 Euro im Monat. Das Elterngeld Plus zwischen 150 und 900 Euro, läuft aber doppelt so lange. Wer schon Kinder hat oder Zwillinge erwartet, kann höhere Beträge erhalten. Erfahre, wie hoch der Geschwisterbonus ist.

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Wie berechnet sich das Elterngeld für Selbständige?

Für deine eigene Planung kannst du den aktuellen Steuerbescheid nehmen und den genannten Betrag durch zwölf teilen. Damit hast du in etwa ein Monatsnetto. Die Elterngeldstelle berechnet das „Elterngeld-Netto” mit einem vereinfachten Verfahren und der Unterschied zum Steuerbescheid fällt oft nicht recht groß aus. Falls kein aktueller Steuerbescheid vorliegt, tut es auch der vorherige (vorausgesetzt die Zahlen sind in etwa gleich). Selbstständige können auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung zur Gewinnermittlung nutzen, um die Höhe des Elterngelds abzuschätzen.

Bei einem monatlichen Nettoeinkommen bis zu 1.200 Euro kannst du 67 Prozent als Ersatzeinkommensbetrag (=Elterngeld) ansetzen. Liegen deine selbstständigen Einkünfte über 1.200 Euro, sind es 65 Prozent. Wer über der sogenannten Kappungsgrenze von 2.770 Euro liegt, rechnet mit diesem Betrag. Andernfalls überschreitest du das Maximum von 1.800 Euro. Je mehr man im Wirtschaftsjahr vor der Geburt des Kindes verdient hat, desto höher wird Elterngeld ausfallen.

Fallstrick:

  • Unternehmerinnen sollten vor der Geburt gut abwägen, ob sie Abschreibungen und Betriebsausgaben, die den Gewinn schmälern, nicht besser auf später verschieben. Weniger Gewinn bedeutet weniger Elterngeld.
  • Mancher Frau setzt die Schwangerschaft gesundheitlich sehr zu. Eventuell kann sie vor der Geburt nicht wie gewohnt arbeiten und fährt Verluste ein. Das schmälert das Elterngeld. In dem Fall macht es für Selbstständige Sinn zu versuchen, einen anderen Bemessungszeitraum für das Elterngeld zu beantragen.

Der vorläufige Elterngeldbescheid

Selbstständige erhalten grundsätzlich einen vorläufigen Elterngeldbescheid. Das bedeutet, die angestellte Berechnung ergibt eine Elterngeldhöhe, die der selbstständige Vater oder die selbstständige Mutter während der Elternzeit erhält. Dieses Geld gibt es unter Vorbehalt. Es wird dir genaugenommen zur Verfügung gestellt, aber es gehört dir nicht.

Wenn Selbstständige während der Elternzeit dazu verdienen, etwa weil ein Kunde eine Rechnung zu spät bezahlt, wird diese Einkünfte mit dem Elterngeld verrechnen. Am Ende des Elterngeldbezugs geben Selbständige Änderungen an. Es wird neu berechnet und dann wird der finale Bescheid zugestellt. Wer Gewinn erwirtschaftet hat, bekommt eine Rückzahlungsforderung, wer zu knapp geplant hat, eine Nachzahlung der Elterngeldstelle.

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Fallstricke:

  • Wer das Wirtschaftsjahr falsch eingeschätzt hat, verspätete Rechnungsbeträge erhält und dementsprechend verdient, muss mit einer Rückerstattung rechnen. Um hier böse Überraschungen zu vermeiden, solltest du alle Rechnungen vor der Geburt eingetrieben haben oder gegebenenfalls Rücklagen bilden.
  • Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Sind deine Prognosen hinfällig, kannst du eine Änderung beantragen, um unnötige Nachzahlungen zu vermeiden. Ändern kannst du nach Absprache mit der Elterngeldstelle unter anderem die Elterngeldart.

Angestellt und gleichzeitig selbstständig: Was bedeutet das fürs Elterngeld?

Wer in den zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes Einkünfte aus einem Angestellten-Verhältnis und einer selbstständigen Nebentätigkeit hatte, gilt als selbständig. Für die Berechnung des Elterngeldes gibt man sämtliche Mischeinkünfte an. Diese Summe, abzüglich Steuern, Pauschalen und gegebenenfalls Sozialabgaben, ergibt das Elterngeld-Netto.

Fallstrick: Vielleicht denkt man nicht daran. Doch schon eine Photovoltaikanlage am Hausdach ist ein Gewerbe, der Inhaber gewerbetreibend und somit selbständig.

Wie viel dürfen Selbstständige dazuverdienen?

Den Stift komplett aus der Hand legen – für Selbständige schwer vorstellbar. Zuverdienst, ohne Einfluss aufs Elterngeld? Nein. Wie bereits erwähnt wird jeder Cent angerechnet, den du während des Elterngeld-Bezugs verdienst. Wer mehr als 30 Stunden pro Woche arbeitet, bekommt gar kein Elterngeld mehr. Kleiner Trost: Als Verdienst gelten Erwerbseinkommen. Einkommen aus Kapitalanlagen, wie Dividenden, zählen nicht als Verdienst und werden nicht auf das Elterngeld angerechnet.

Fallstrick: Einkünfte werden nach dem Elterngeldbezug abgerechnet und die Elterngeldstelle wird entsprechend Geld zurückfordern. Um nicht in die Bredouille zu kommen, kannst du deinen Notgroschen aufpolstern, um die Nachforderung zahlen zu können. Oder denke über das Elterngeld Plus nach.

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Was gilt beim Elterngeld Plus für Selbstständige?

Seit 2015 können Elternteile, die während des Elterngeldbezugs weiterhin arbeiten wollen, „Elterngeld Plus“ beantragen. Sie können den Bezugszeitraum auf bis zu 28 Monate verdoppeln. Im Gegenzug halbiert sich der Elterngeldbetrag pro Monat.

Vorteil des Elterngeld Plus ist, dass erst ab einem sogenannten Deckelungsbetrag der Zuverdienst angerechnet wird. Einkommen unter diesem Betrag wirken sich nicht auf die Höhe des Elterngeldes aus. Das Elterngeld Plus kann Selbständigen entsprechende Flexibilität bieten.

Elterngeld Plus, Basiselterngeld oder Partnerschaftsbonus – welche Variante ist am rentabelsten für Selbständige?

Das können wir dir leider nicht beantworten. Das Thema Elterngeld ist gerade für Selbständige eine ganz individuelle Angelegenheit. Jeder Fall ist anders. Ans Herz legen möchten wir dir, die unterschiedlichen Varianten durchzuspielen und dann eine Entscheidung zu treffen.

Um einen Schritt weiter zu kommen, können Selbstständige den Elterngeldrechner nutzen, zum Beispiel den des BMFSFJ. So kannst du dir unterschiedliche Szenarien ansehen. Der Elterngeldrechner bietet praktischerweise sämtliche Ergebnisse als PDF zum Herunterladen an. Das macht den finalen Vergleich übersichtlich.

Zum Beispiel:

  • Basiselterngeld ohne Zuverdienst
  • Basiselterngeld mit Zuverdienst
  • Elterngeld Plus ohne Zuverdienst
  • Elterngeldplus mit Zuverdienst
  • Partnerschaftsbonus mit und ohne Zuverdienst

Fallstrick: Die Berechnungen entsprechen nicht dem Elterngeldbescheid. Sie verschaffen einen Überblick über unterschiedliche Varianten und Gelder, die der betreuende Elternteil während des Bezugs hat.

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Elterngeld ist eine Wissenschaft für sich, vor allem bei gleichzeitiger Selbstständigkeit. Beratungsstellen kosten, doch wer vor der Geburt keinen Kopf für das Thema hat und die frühzeitige Planung verpasst hat, sollte sich die Beratung beim Experten gönnen. Das kann viel Zeit und Verdruss sparen.

Zum Weiterlesen: Welche Kinder-Policen sinnvoll sind und welche nicht, erfährst du hier. Außerdem verraten wir dir, wie du Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen kannst und was du beachten musst, wenn du ohne Trauschein ein Kind bekommst.