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Kommt der Ex-Partner seinen finanziellen Verpflichtungen für gemeinsame Kinder nicht nach, kannst du Unterhaltsvorschuss bekommen.
Wir informieren über Voraussetzungen, Höhe und Beantragung des Unterhaltsvorschusses.

Inhalt:

Das Wichtigste in Kürze:

Höhe des Unterhaltsvorschusses: je nach Alter meist 165 bis 293 Euro

Beantragung: schriftlich bei der Unterhaltsvorschussstelle des Jugendamtes deines Wohnortes

Konsequenzen für den Vater: möglicherweise ein Verfahren zur Rückzahlung des Unterhaltsvorschusses an das Land

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Ein minderjähriges Kind hat von Rechtswegen einen Anspruch auf Naturalunterhalt und auf Barunterhalt. Trennen sich Elternpaare, lebt das Kind in der Regel bei der Mutter und der Vater zahlt. In der Realität verhält es sich so: Mama sorgt für einen vollen Kühlschrank, Essen am Tisch, frische Socken im Schrank, geputzte Zähne, morgendliches Aufstehen und für vieles mehr. Papa sollte sein Kind finanziell unterstützen. Sollte.

Denn leider warten viele Kinder beziehungsweise deren Mütter vergeblich auf den monatlichen Geldeingang. Bleibt der immer wieder aus, können sie den sogenannten Unterhaltsvorschuss beantragen.

Wie hoch ist der Unterhaltsvorschuss pro Kind? Wird bei der Berechnung das Kindergeld abgezogen? Wann wird der Unterhaltsvorschuss gezahlt? Wir geben Antworten.

Was ist Unterhaltsvorschuss?

Unterhaltsvorschuss ist eine Ersatzleistung für den Kindesunterhalt eines Elternteils. Bekommt dein Kind keinen oder weniger als den gesetzlichen Mindestunterhalt, kannst du beim Jugendamt einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss stellen.

Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung und soll die finanzielle Lebensgrundlage von Kindern sichern. Vater Staat springt quasi ein, wenn der leibliche Vater nicht zahlt.

Wie hoch ist der Unterhaltsvorschuss?

Die Höhe des Unterhaltsvorschusses hängt vom Alter des Kindes ab. Er errechnet sich aus dem Mindestunterhalt nach der „Düsseldorfer Tabelle“. Auf den wird das volle Kindergeld für ein erstes Kind angerechnet.

Damit beträgt die Höhe des Unterhaltsvorschusses 2021 pro Monat:

Alter des Kindes 0 – 5 6 – 11 12 – 17
Mindestunterhalt (Regelbetrag lt. Düsseldorfer Tabelle) 369 Euro 424 Euro 497 Euro
Abzug Kindergeld  204 Euro 204 Euro 204 Euro
Unterhaltsvorschuss  165 Euro  220 Euro 293 Euro

Quelle: eigene Berechnung, Stand 2020

Was das Jugendamt pro Kind an Unterhalt zahlt, hängt davon ab, ob das Kind weitere Leistungen bezieht. Wenn du die Höhe des Unterhaltsvorschusses berechnen willst, achte also auf Zahlungen, die dein Kind aktuell erhält.

Von den genannten Unterhaltsvorschussbeträgen werden weiter abgezogen:

  • Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils
  • Waisenbezüge, die das Kind nach dessen Tod oder nach dem Tod eines Stiefelternteils bekommt
  • anderes Einkommen des Kindes, wenn es nicht mehr in eine allgemeinbildende Schule geht

Wichtig: Solltest du erneut heiraten, wird der Unterhaltsvorschuss für das Kind eingestellt. Wenn du dagegen mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin unverheiratet zusammenlebst, bekommst du weiterhin Unterhaltsvorschuss für dein Kind. Allerdings kann es sein, dass du die Steuerklasse II verlierst.

Wie und wo kann ich Unterhaltsvorschuss beantragen?

Der Antrag läuft über die Unterhaltsvorschussstelle. Die findest du in der Regel beim Jugendamt deines Wohnorts. Dein zuständiges Jugendamt kannst du der Postleitzahl-­Suche im Familienportal entnehmen.

Den entsprechenden Antrag musst du schriftlich einreichen. Ein Anruf reicht nicht aus. Antragsformulare gibt es bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Du kannst teilweise zwar online abgerufen werden, den Unterhaltsvorschuss kannst du aber meist nicht per E-Mail beantragen. Wer beim Ausfüllen des Antrags Unterstützung benötigt oder Fragen hat, kann sich an das Jugendamt wenden.

Wichtig: Das Thema Unterhalt ist für viele eine sehr private und emotionale Angelegenheit. Viele Betroffene treten lieber mit einem Mitarbeiter des Jugendamts in Kontakt, um ihren Fall zu bereden.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Das Kind und der Elternteil leben gemeinsam in einem Haushalt. Das muss nicht immer zwingend ein eigener sein. Bist du bei den Großeltern untergekommen oder lebst du in einer Wohngemeinschaft, gilt das auch als gemeinsamer Haushalt. Weitere Voraussetzungen sind:

  • Du lebst mit deinem Kind in Deutschland.
  • Du betreust dein Kind alleine und trägst die hauptsächliche Verantwortung für die Erziehung.

Für ein Kind von zwölf bis Ende 17 gilt zudem:

  • Das Kind ist nicht auf Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) angewiesen.
  • Wenn du Arbeitslosengeld II erhältst, musst du ein eigenes Einkommen von mindestens 600 Euro brutto monatlich verdienen.

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Wann ist der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss ausgeschlossen?

Ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss kann auch ausgeschlossen oder abgelehnt werden. Etwa wenn die alleinerziehende Mutter sich weigert, über den zahlungspflichtigen Elternteil Auskunft zu erteilen. Oder ablehnt, bei der Feststellung der Vaterschaft mitzuwirken.

Weiteres Negativ-Kriterium ist, wenn du und dein Ex weiterhin verheiratet oder verpartnert seid – auch wenn nur auf dem Papier – aber nicht dauernd getrennt lebt.

Teilen sich getrennte Eltern die Betreuung 50:50, entfällt der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Beispielsweise wenn man das Wechselmodell lebt und die Elternteile das Kind paritätisch versorgen.

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Wann wird der Unterhaltsvorschuss ausgezahlt?

Der Unterhaltsvorschuss wird zum Beginn des Kalendermonats gezahlt. Vorauszahlungen sind nicht möglich. Eine rückwirkende Zahlung des Unterhaltsvorschusses kannst du für einen Monat erhalten. Beispiel: Wenn du etwa im Oktober den Antrag stellst, kann dein Kind den Vorschuss für September erhalten.

Ist der nicht zahlende Elternteil von der Pflicht befreit, für sein Kind aufzukommen?

Kann es tatsächlich so einfach sein? Ein Elternteil beantragt Unterhaltsvorschuss und der andere ist raus aus der Nummer? Nein! Der barunterhaltspflichtige Elternteil ist mitnichten entlastet, wenn Vater Staat an seiner Stelle das Kind unterstützt.

Etwaigen Unterhaltsansprüche des Kindes gehen an das Land über. Und das versucht die Ansprüche geltend zu machen und fordert Rückzahlungen der Unterhaltsvorschüsse. Wenn es gar nicht anders geht, klagt es diese Ansprüche ein und vollstreckt sie.

Die sogenannte Rückgriffsquote lag 2019 bei rund 17 Prozent. Dabei sprechen wir über eine Summe von 360 Millionen Euro. Die Unterhaltsvorschuss-Stellen kümmern sich intensiv darum, diese Gelder zurückzuholen. Die höchste Geld-zurück-Quote erreichte letztes Jahr mit 26 Prozent Baden-Württemberg, gefolgt von Bayern mit 23 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 20 Prozent.

Familienministerin Franziska Giffey hat mit ihrem Stab über weitere produktive Maßnahmen gegrübelt, Drückeberger zu Zahlungen zu bewegen. Ein Sprecher des Familienministeriums verwies etwa auf die neue rechtliche Möglichkeit, säumigen Zahlern den Führerschein zu entziehen: „Es ist bekannt, dass es durchaus geeignete Einzelfälle gibt, in denen ein Verweis auf Fahrrad oder Bus statt schickem Auto als deutlicher Fingerzeig des Staates verstanden wird.“

Kann er nicht zahlen oder will er nicht?

Viele Frauen möchten nicht, dass dem Vater der Gerichtsvollzieher ins Haus geschickt wird. Du möchtest nicht die „Böse“ sein und machst einen Rückzieher oder gehst erst gar nicht zum Amt.

Bitte bedenke, es gibt zwei Arten des Nicht-Unterhalt-Zahlens. Kann der Ex-Partner nicht oder will er nicht zahlen?

  1. Wenn er nicht kann, erhältst du die Unterstützung, die der Staat deinem Kind zugesteht.
  2. Wenn er nicht zahlen will, überlege, wer hier nicht fair spielt. Es geht um das Wohl deines Kindes. Nicht um ein privates Kräftemessen.

So mancher Ex-Partner ist von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Insolvenz betroffen. Leider stecken viele Väter selbst in finanziellen Schwierigkeiten und es ist kein Geld zu holen. Vielleicht ist es aber für den einen oder anderen Vater (oder für die Mutter) sogar eine Erleichterung, wenn der Staat vorschießt, bis er oder sie wieder für das gemeinsame Kind aufkommen kann.

Wer hilft mir bei weitergehenden Unterhaltsansprüchen?

Hast du mit deinem solventen Ex über eine Scheidungsvereinbarung den Kindesunterhalt geregelt? Und er – sagen wir – hält sich nicht so ganz an die Abmachung? Dann kannst du dich ebenfalls an das Jugendamt wenden. Das vertritt bei Unterhaltsfragen als neutrale Stelle die Interessen deines Kindes.

Ist das Kind in deiner Obhut, kannst du den Antrag auf Beistandschaft des Jugendamts in Unterhaltsfragen stellen – auch bei gemeinsamer elterlicher Sorge. Damit ist das Jugendamt der gesetzliche Vertreter für den beauftragten Aufgabenkreis. Beim Unterhalt gehören die Berechnung des Unterhaltsanspruchs, Überwachung der Zahlungseingänge, die Geltendmachung und Durchsetzung der Unterhaltsansprüche dazu.

Erhöhung des Kindergelds ohne Änderung des Unterhaltsvorschusses

Die Tatsache, dass Kindergeld auf den Unterhaltsvorschuss angerechnet wird, ist oft in der Diskussion. Die letzte Erhöhung des Kindergeldes kommt genau bei denen nicht an, die es unter Umständen am meisten brauchen. Laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes war 2016 gut ein Drittel aller Alleinerziehenden-Haushalte von Armut bedroht. Und neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen.

„Wir bekommen viele empörte Reaktionen von Alleinerziehenden, die es als geradezu zynisch empfinden, dass ausgerechnet ihnen die Kindergelderhöhung nicht gegönnt wird“, berichtete Daniela Jaspers, Bundesvorsitzende des VAMV e. V. „Dabei haben sie finanziell höhere Belastungen und strampeln sich redlich ab, um alle Herausforderungen des Alltags mit Kindern allein zu bewältigen.“

herMoney-Tipp

Alleinerziehenden, die ihren Unmut kämpferisch loswerden möchten, empfiehlt der VAMV e. V., eine entsprechende Petition zu unterstützen und sich mit einer E-Mail direkt an Ministerin Giffey zu wenden.

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