How to Portfolio

Wann lohnt sich ein Bausparvertrag für Kinder? Welche Förderung gibt es? Was du übers Bausparen für Kinder wissen solltest.

Inhalt

Wie funktioniert ein Bausparvertrag für Kinder?

Wohnungsbauprämie: So viel bekommt dein Kind!

Was kostet ein Bausparvertrag für Kinder?

Sind Bausparverträge für Kinder sinnvoll?

Worauf muss ich beim Vertragsabschluss achten?

Was ist besser: Sparbuch oder Bausparvertrag fürs Kind?

Bausparvertrag für Kinder: Das Wichtigste in Kürze

Ein Bausparvertrag ist eine sichere, aber renditeschwache und unflexible Geldanlage. Spezielle Verträge können sowohl Eltern für ihre Babys als auch junge Erwachsene selbst bis 24 abschließen.

Sie lohnen sich nur, wenn das Kind die Wohnungsbauprämie bekommt. Sie kann für alles Mögliche verwenden werden, beispielsweise auch für den Führerschein.

Um den Zuschuss zu erhalten, muss das Kind den Bausparvertrag selbst abschließen und bei Beantragung der Prämie über 16 sein. Sie wird auch zwei Jahre rückwirkend gezahlt.

Mit der Wohnungsbauprämie ist eine Rendite von 2,3 Prozent möglich. Bei hohen Abschlussgebühren sind es nur 1,87 Prozent. Ohne Wohnungsbauprämie ist die Rendite sogar negativ (-0,95 Prozent).

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Bausparverträge stehen bei den Deutschen traditionell hoch im Kurs. Ihre Beliebtheit stammt noch aus einer Zeit, in der sich die Sparzinsen sehen lassen konnten und die Kosten weniger ins Gewicht fielen. In Zeiten von Niedrig- oder Nullzinsen stellt sich aber die Frage: Lohnen sich Bausparverträge für Kinder – oder gibt es bessere Alternativen?

Wie funktioniert ein Bausparvertrag für Kinder?

Was ist ein Bausparvertrag ganz allgemein?

Grundsätzlich ist ein Bausparvertrag ein kombiniertes Finanzprodukt, in das du zunächst eine Weile Geld ansparst. Unter bestimmten Umständen kannst du eine staatliche Wohnungsbauprämie erhalten. Hast du das vertraglich vereinbarte Mindestsparguthaben erreicht, kannst du im Anschluss ein Bauspardarlehen für den Erwerb oder die Renovierung einer Immobilie erhalten. Du kannst aber auch einfach so sparen, ohne später das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen.

Was ist ein Bausparvertrag für Kinder?

Ein Bausparvertrag für Kinder und junge Leute funktioniert prinzipiell genauso wie ein Vertrag eines Erwachsenen. Kinder ab 16 Jahren und junge Erwachsene, die bei Vertragsabschluss jünger als 25 Jahre sind, haben gegenüber älteren Bausparern aber einen Vorteil.

Sie können die staatliche Wohnungsbauprämie bekommen, ohne dass sie später das Ersparte plus die Wohnungsbauprämie für wohnwirtschaftliche Zwecke verwenden müssen.

Ein Bausparvertrag mit Kinderbonus sozusagen. Viele sehen daher in einem Bausparvertrag für Kinder und Jugendliche eine Alternative zum Kontensparen.

Wohnungsbauprämie: So viel bekommt dein Kind!

Jugendliche Sparer erhalten die Wohnungsbauprämie ab 16 Jahren auf Antrag. Die Prämie kann auch noch bis zu zwei Jahre rückwirkend beantragt werden. Sie müssen dafür selbst einen Bausparvertrag abschließen.

Seit 2021 beträgt die staatliche Wohnungsbauprämie für alle Berechtigten egal welchen Alters zehn Prozent oder höchstens 70 Euro pro Jahr. Maximal gefördert wird ein jährlicher Sparbetrag von 700 Euro.

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Wichtig: Der Sparer, in diesem Falle das Kind oder der junge Erwachsene, darf bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, um die Wohnungsbauprämie zu bekommen. Maximal darf man ein zu versteuerndes Einkommen von 35.000 Euro pro Jahr erzielen. Lehrlinge oder Studenten dürften in aller Regel keine Probleme haben, unterhalb dieser Einkommensgrenze zu bleiben.

Vorteil: Junge Bausparer unter 25 dürfen später das angesparte Bausparguthaben inklusive Prämie frei verwenden, zum Beispiel zur Finanzierung des Führerscheins. „Das gibt es aber nur einmal im Leben, und die Laufzeit des Vertrags muss sieben Jahre betragen“, erzählt Stefanie Kühn, freie Finanzplanerin aus Grafing bei München.

Neben der Wohnungsbauprämie können Jugendliche und junge Erwachsene oft auch noch die Arbeitnehmersparzulage bekommen. Und zwar dann, wenn ihr Chef ihnen vermögenswirksame Leistungen zum Beispiel für einen Bausparvertrag spendiert.

Was kostet ein Bausparvertrag für Kinder?

Um die volle staatliche Förderung zu erhalten, muss man jährlich 700 Euro einzahlen können. Es können aber auch Eltern oder Großeltern beim Sparen helfen und Geld einzahlen. Man bindet sich außerdem recht lange und muss den Vertrag auch durchhalten können, um in den Genuss der Prämie zu kommen.

Zum Teil zahlen Bausparkassen für Kinder und junge Erwachsene höhere Guthabenzinsen, was sich in der derzeitigen Nullzinsphase aber kaum auswirkt. Ohne Wohnungsbauprämie sind die Renditen eines Bausparvertrags in der Ansparphase derzeit in aller Regel schlecht.

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Beispiel

Die Verbraucherzentrale Bayern hat für herMoney ein Beispiel durchgerechnet:

  • Bausparsumme: 10.000 Euro
  • Abschlussgebühr: 1 % (100 Euro)
  • jährliche Kosten: 5 Euro (eher niedrig angesetzt)
  • monatliche Sparrate: 59 Euro
  • Guthabenzins: 0,1 % (aktuell eher überdurchschnittlich)
  • Wohnungsbauprämie: 420 Euro
  • Rendite: 2,3 Prozent

Bei einer höheren Abschlussprovision von 1,6 Prozent, die durchaus marktüblich ist, sinkt die Rendite trotz Wohnungsbauprämie bei ansonsten gleichen Annahmen auf 1,87 Prozent. Und ganz ohne Wohnungsbauprämie erzielt der Sparer eine Negativrendite von -0,95 Prozent. Denn die Kosten eines Bausparvertrags fallen bei den aktuellen Niedrigzinsen stark ins Gewicht.

Sind Bausparverträge für Kinder sinnvoll?

Vorteile

  • Ein Bausparvertrag ist ein sicheres Geldanlageprodukt. Die festgesetzten Zinsen bekommst du auf jeden Fall und es gibt kein Verlustrisiko.
  • Der Hauptvorteil liegt darin, das junge Bausparer zumeist die Einkommensgrenzen für die Wohnungsbauprämie erfüllen.

Nachteile

Nachteile sind die lange Bindungsdauer eines Bausparvertrags, für den jährlich die Rate aufgebracht werden muss, die geringe Flexibilität und die mauen Renditeaussichten. Die Abschlusskosten von einem bis 1,6 Prozent und jährliche Kontoführungsgebühren drücken die Ansparrendite schnell in den negativen Bereich.

Wenn junge Erwachsene später das Bauspar-Darlehen nutzen möchten, müssen sie damit rechnen, dass es nicht punktgenau zum Wunschtermin zur Verfügung steht. „Denn man hat keinesfalls die Gewähr, genau zum Zeitpunkt X sein Darlehen zu bekommen“, warnt Finanzplanerin Kühn. Dann kann eine Zwischenfinanzierung erforderlich werden.

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Lohnt sich ein Bausparvertrag fürs Kind?

„Nur wenn man die Wohnungsbauprämie bekommt, kann ein Bausparvertrag interessant sein“, sagt daher Merten Larisch, Teamleiter Altersvorsorge-, Geldanlage- und Immobilienfinanzierungsberatung bei der Verbraucherzentrale Bayern e.V.

Bei Interesse hole am besten mehrere Angebote für Kinder-Bausparverträge ein. Vergleichen kannst du sie mit Rechnern im Internet. So kannst du den besten Bausparvertrag für junge Leute finden.

Extra-Tipp: Manche Bausparkassen bieten für junge Sparer bis 25 Jahren sogenannte Jugendprämien an. Die Prämie wird aber erst am Ende der Sparzeit ausbezahlt und meist müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein, um sie zu bekommen.

Worauf muss ich beim Vertragsabschluss achten?

Kommt ein Bausparvertrag fürs Kind in Frage, dann solltest du bei reinen Sparverträgen auf eine möglichst niedrige Bausparsumme achten – 10 000 Euro reichen aus. Wichtig ist auch, auf niedrige Abschluss- und laufende Kosten zu schauen. Manchmal gibt es auch Bausparverträge für Kinder ohne Abschlussgebühr.

Bei Verträgen mit geringer Bausparsumme sollte man vor allem bei pauschalen Abschlussgebühren genau nachrechnen, denn sie können eine hohe prozentuale Belastung bedeuten. Dann ist ein Vertrag schnell uninteressant.

Ab welchem Alter können Eltern einen Bausparvertrag für ihre Kinder abschließen?

Es gibt keine Altersbeschränkung. Eltern können auch für Babys einen Bausparvertrag abschließen oder Großeltern einen Bausparvertrag an Enkel verschenken.

Außerdem ist eine Übertragung eines bestehenden Vertrags mitsamt Guthaben an Angehörige in der Regel problemlos möglich. Man kann also einen Bausparvertrag fürs Baby abschließen, besparen und später, wenn das Kind 16 Jahre alt ist, den Vertrag dem Kind schenken.

Auch Sonderzahlungen oder Geldgeschenke zu Kommunion oder Konfirmation können auf den Vertrag gehen. Allerdings gibt es Tarife, bei denen die Einzahlung auf einen bestimmten prozentualen Wert der Bausparsumme beschränkt ist.

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Was ist besser: Sparbuch oder Bausparvertrag fürs Kind?

Unabhängige Finanzexperten wie Merten Larisch oder Stefanie Kühn sind keine Fans von Bausparverträgen für Kinder. Denn es gibt flexiblere und chancenreichere Alternativen, für Kind oder Enkelkind ein Startkapitel für später aufzubauen. Egal ob das Ersparte später einmal in eine Immobilie fließt oder nicht.

Mit Sparplänen auf Tagesgeld bei einem leistungsstarken Anbieter sowie mit Sparplänen auf internationale Aktien-ETF kann man oft schon ab 10 oder 25 Euro pro Monat loslegen. Außerdem bleibt man jederzeit flexibel und kann mit dem Sparen auch mal pausieren, wenn es finanziell knapp ist. Und auf längere Sicht sind die Renditechanchen erheblich höher.

herMoney-Tipp

Nur wenn junge Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren selbst Vertragspartner werden und die Voraussetzungen für die Wohnungsbauprämie erfüllen, sind Bausparverträge derzeit akzeptabel. Für den langfristigen Vermögensaufbau – egal, wofür das Geld später verwendet werden soll – ist man mit einer Kombination aus Sparplänen auf Aktien-ETF und Tagesgeld in aller Regel besser beraten.

Zum Weiterlesen: Hier findest du einen Vergleich von Bank- und ETF-Sparplänen für Kinder.

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Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.