Academy by herMoney

Der abgabenfreie Minijob ist verlockend – bringt dich aber nicht weiter. Besser ist oft Teilzeit ab 450,01 Euro, der sogenannte Midijob.

Viele verheiratete Frauen möchten oder müssen neben Kindern, Familie, Pflege von Angehörigen und Haushalt Geld verdienen. Ein zehn bis zwölf Stunden-Job pro Woche sollte auch neben den anderen Aufgaben machbar sein. Nicht wenige beschließen, dass ein Minijob genau das Richtige wäre. Aber ganz ehrlich – selbst, wenn sich Mini nett anhört – es bringt dich nicht weiter.

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Midijob – mehr Geld, mehr Sicherheit durch Teilzeit

Der auf maximal 450 Euro pro Monat beschränkte Minijob bringt dir nicht wirklich viel finanziellen Spielraum, noch hilft er bei Ihrer Altersvorsorge oder erleichtert deine beruflichen Entwicklung. Und – Achtung Wiedereinsteigerinnen! – schon gar nicht funktioniert er für das „Zurück ins Berufsleben“.

Das ergab eine Studie des Familienministeriums zum Thema Frauen in Minijobs. Der Minijob habe eine „schnell einsetzende und hohe Klebewirkung“. Frauen, die einmal im Minijob waren, würden nur zu einem geringen Teil den Übergang in reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse schaffen. Die Spirale in Richtung finanzielle Abhängigkeit vom Gatten, Karriere-Aus und mögliche Altersarmut droht.

Minijob oder Teilzeit: Kleiner Betrag, großer Unterschied

Etwas anders verhält es sich, wenn du mit deinem Arbeitgeber einen Euro mehr pro Monat vereinbaren. Denn wer zwischen 450,01 und 1.300 Euro verdient, zahlt reduzierte Abschläge, ist aber im Gegensatz zum Minijob voll sozialversichert.

Nun denkst du vielleicht: „Ne, da muss ich ja Abgaben zahlen. Dann bleibt ja nichts übrig.“ Jein – Abgaben zahlst du, aber nicht soviel, wie du vielleicht befürchtest. Beispiel: Bei einem Verdienst von 451 Euro pro Monat liegen die Abgaben bei rund 50 Euro im Monat. Dafür profitierst du schon nach einem Jahr Arbeit von den Sozialleistungen:

  • Bei Kündigung hast du einen Anspruch auf Arbeitslosengeld.
  • Du hast Rentenansprüche.
  • Im Krankheitsfall, nach dem Ende der sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, erhältst du Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse.
  • Bei einer Schwangerschaft bekommst du Mutterschaftsgeld von der GKV. Aktuell 13 Euro pro Kalendertag. Insgesamt kommen in der Regel während der gesamten Mutterschutzfrist rund 1.300 Euro zusammen.

Es ist nun aber nicht so, dass du über 1.000 Euro verdienst und minimal Steuern und Sozialabgaben zahlen musst. Bei den Midijobs werden die Sozialabgaben im unteren Einkommens-Bereich reduziert – für den Arbeitnehmer. Im oberen Bereich gleichen sich die Beiträge den regulären Beitragssätzen an, bis sie bei 0,00 Euro Unterschied liegen. Ziel: Der Wechsel vom versicherungs­freien Minijob zur versicherungs­pflichtigen Beschäftigung soll finanziell nicht weh tun.

Zum Vergleich die Sozialleistungen beim Minijob:

  • Es gibt kein Arbeitslosengeld.
  • Im Krankheitsfall hast du nur sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.
  • Bei einer Schwangerschaft erhältst du lediglich einmalig 210 Euro Mutterschaftsgeld.

Beim Thema Rentenversicherung gilt: Minijobs unterliegen der Versicherungspflicht der gesetzlichen Rentenversicherung. Der Arbeitgeber zahlt für den Minijobber einen Pauschalbeitrag. Und der Arbeitnehmer – wenn er sich nicht davon befreien lässt – zusätzlich seinen Eigenbeitrag. So kommt auch er in den Genuss der gesetzlichen Rentenversicherung.

Langfristig denken

Für Frauen ist es wichtig, langfristig zu denken, nicht nur an den Ist-Zustand. Sicherlich, 450 Euro pro Monat mehr im Portemonnaie sind gut. Aber eine soziale Grund-Absicherung ist besser. Rechne doch mal mit Hilfe eines Gehaltsrechners nach, wie viel (oder wenig) du letztendlich an Abgaben zahlen musst. Dazu einfach das monatliche Bruttogehalt, Steuerklasse sowie mögliche Kinderfreibeträge eintippen und berechnen lassen.

Neben der sozialen Absicherung hat der Midijob einen weiteren Vorteil: Sozialer Status und die Aussicht auf eine reguläre Beschäftigung sind beim Midijob besser als bei einem Minijob. Ausnahme: Du nutzt die neuen Regelungen der Brückenteilzeit! Allerdings legst du dich damit bereits im Vorfeld fest, wann du die Arbeitszeit wieder aufstocken willst.

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Wo Licht ist, ist auch Schatten

Und so gibt es zum Thema Midijob auch kritische Stimmen. Nach Berechnungen des DIW (Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung) profitieren vor allem Frauen von der Erhöhung auf 1.300 Euro, die vor kurzem stattfand. Das kann jedoch zur Folge haben, dass noch mehr Frauen in der Teilzeitfalle hängenbleiben. Denn mit dieser finanziellen Erleichterung sinkt der Anreiz, sich einen Vollzeitjob zu suchen.

herMoney-Tipp: Besser Teilzeit statt Minijob

Setze am besten auf Teilzeit und verliere auch die Vollzeitarbeit nicht aus den Augen! Denn auch mit Midi wirst du finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen können! Obacht also, wenn du im Job vorübergehend kürzer treten musst oder möchtest: Prüfe die Möglichkeiten des Wiedereinstiegs (und -aufstiegs) und denk an die Altersvorsorge! Denn: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Wir erklären, warum private Altersvorsorge immer wichtiger wird.