Wer seine Arbeitszeit reduzieren will, sollte Arbeitgeber, Wochenstunden, Urlaub und weniger Cash in seine Überlegungen einbeziehen.

Inhalt

Ab welcher Stundenzahl spricht man von „Teilzeit“?

Wann kann ich von Vollzeit auf Teilzeit wechseln?

Wie lange vor der Umstellung sollte ich meinen Teilzeit-Wunsch ankündigen?

Wie beantrage ich Teilzeit beim Arbeitgeber?

Wie berechne ich mein Gehalt bei einer Teilzeit-Arbeit?

Wie wirkt sich der Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit auf die Urlaubsansprüche aus?

Welche Nachteile habe ich, wenn ich von Vollzeit auf Teilzeit reduziere?

Wechsel von Vollzeit auf Minijob – keine gute Idee!

Kann ich irgendwann wieder zurück?

herMoney Tipp

Das Wichtige in Kürze

Grundsätzlich hat jeder das Recht, von Vollzeit auf Teilzeit zu wechseln. Betriebliche Gründe können aber dagegensprechen.

Wer seine Arbeitszeit um 25 % reduzieren möchte, verdient auch rund 25 % weniger. Wie viel es bei dir genau ist, findest du mit einem speziellen Teilzeit-Rechner heraus.

Reiche deinen Antrag mindestens drei Monate vor der gewünschten Umstellung bei deinem Arbeitsgeber schriftlich ein.

Um nicht in der Altersarmut zu landen, ist es sinnvoll, in absehbarer Zeit wieder Vollzeit zu arbeiten. Ein Recht, die Stunden zu erhöhen, gibt es allerdings nicht.

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Irgendwann sind viele Frauen erschöpft. Kinder, Gatte und obendrauf ein Vollzeit-Job – das zehrt. Sie merken, dass es an der Zeit ist, auf die Bremse zu treten. Vorübergehend von Vollzeit auf Teilzeit zu wechseln, kommt zum Beispiel nach der Elternzeit oder für Frauen mit pflegebedürftigen Angehörigen infrage. Auch wer sich eine Weiterbildung wünscht oder einen Nebenjob hat, kann profitieren.

Mit weniger Wochenstunden sind Familie, Weiterbildung und Beruf meist einfacher zu bewerkstelligen. Doch ab wann spricht der Gesetzgeber von Teilzeit? Ist der Wechsel von Voll- auf Teilzeit so mir nichts, dir nichts möglich? Und wie leicht ist es, später wieder aufzustocken?

Ab welcher Stundenzahl spricht man von „Teilzeit“?

Ist ein 30-Stunden-Job noch Vollzeit oder bereits Teilzeit? Eine nach Stunden orientierte, einheitliche Auslegung gibt es nicht. Teilzeit wird generell als Tätigkeit definiert, deren normale Arbeitszeit geringer ist als diejenige eines vergleichbaren Vollzeitarbeitnehmers.

Beispiel: Die Angestellten eines Frauen-Finanzportals haben eine 40-Stunden-Woche. Eine Kollegin mit pflegebedürftiger Mutter arbeitet jedoch nur 25 Stunden. Sie ist in Teilzeit.

„Teilzeit“ meint nicht zwingend die Reduzierung der täglichen Arbeitsstunden. Denn Teilzeitbeschäftigung gibt es in unterschiedlichen Arten. Neben dem Herunterfahren der täglichen Arbeitszeit gibt es beispielsweise noch die Varianten Jobsharing, Saisonarbeit oder das Sabbatical.

Wann kann ich von Vollzeit auf Teilzeit wechseln?

Jeder hat grundsätzlich das Recht, von Vollzeit auf Teilzeit zu wechseln. Spielst du mit dem Gedanken, deine Arbeitsstunden zu verringern, kannst du mit der Geschäftsleitung reden. Ist deine Chefin eher eine harte Nuss, hast du sicher bessere Karten, wenn die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind.

Dazu gehören:

  • Dein Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens sechs Monaten.
  • Dein Arbeitgeber sollte in der Regel mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen. Es zählen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unabhängig von ihrer Arbeitszeit. Nicht dazu zählen Auszubildende.
  • Wer auf Brückenteilzeit setzt (zeitlich begrenzte Teilzeit, gilt seit Januar 2019), hat grundsätzlich einen Anspruch auf Teilzeit bei Arbeitgebern mit mehr als 45 Mitarbeitern.

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Wie lange vor der Umstellung sollte ich meinen Teilzeit-Wunsch ankündigen?

Stress im Job ist nie gut. Daher ist es ratsam, zuerst mit dem Chef zu reden und deinen offiziellen Antrag auf Teilzeitarbeit anzukündigen. Den schriftlichen Antrag solltest du mindestens drei Monate vor gewünschtem Teilzeit-Beginn einreichen.

Deinem Gesuch wiederum muss die Geschäftsleitung allerspätestens einen Monat vor dem Teilzeitbeginn schriftlich zustimmen. Hüllt sie sich in Schweigen und reagiert einfach nicht, verringert sich deine Arbeitszeit automatisch in dem vom dir gewünschten Umfang (§ 8 Abs. 5 TzBfG).

Ausnahme: Betriebliche Gründe sprechen gegen die Reduzierung. Etwa, wenn die Verringerung deiner Stundenzahl den Arbeitsablauf oder die betriebliche Sicherheit aus dem Konzept bringt oder unverhältnismäßig hohe Kosten verursacht. Kommen Arbeitnehmerin und Geschäftsleitung nicht auf einen Nenner, wird der Gang zum Arbeitsgericht nicht zu vermeiden sein.

Wie beantrage ich Teilzeit beim Arbeitgeber?

Das Gesetz verlangt, dass die Beantragung in Textform erfolgt. Du bist nicht verpflichtet, deinen Wunsch auf Teilzeit zu begründen. Wir haben für dich ein Muster erstellt, an dem du dich orientieren kannst, wenn du von Vollzeit auf Teilzeit wechseln willst.

Wie berechne ich mein Gehalt bei einer Teilzeit-Arbeit?

Teilzeit bedeutet weniger Stunden, weniger entlohnte Arbeit und weniger Gehalt. Bei ihrer Wahl stecken Arbeitnehmerinnen nicht selten in der Klemme. Denn halbieren sie ihr Pensum, reicht das Geld vielleicht nicht aus. Doch wenn sie bei der Verringerung ihrer Arbeit zu zaghaft sind, werden sie womöglich nicht viel davon merken. Rechne dir vor deinem Antrag einmal durch, ob du dir deinen Plan leisten kannst.

Wenn du von Vollzeit auf Teilzeit wechseln willst, spiele ein paar Alternativen mit dem Rechner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (kurz BMS) durch. Wie hoch wäre dein neues Gehalt? Oder andersherum – wie viele Stunden weniger die Woche kannst du dir leisten?

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Wie viel Gehalt bleibt bei 30 Stunden übrig?

Beispielberechnung: Mona ist Marketing-Leitung in einer mittelständischen Firma und verdient 4.500 Euro brutto. Der Vollzeitjob und ihre Weiterbildung zur Ernährungsberaterin sind ihr zu viel. Sie überlegt, auf 30 Stunden zu reduzieren. Das würde sich wie folgt auswirken:

  Vollzeit Teilzeit Differenz
Bruttolohn 4.500,00 € 3.375,00 € – 1.125,00 €
Lohnsteuer-Klasse I 806,00 € 490,75 € – 315,25 €
Krankenversicherung 357,75 € 268,31 € – 89,44 €
Pflegeversicherung 68,63 € 51,47 € -17,16 €
Rentenversicherung 418,50 € 313,88 € -104,62 €
Arbeitslosenversicherung 54,00 € 40,50 € -13,50 €
Abzüge 1.704,88 € 1.164,91 € -539,97 €
Auszahlung 2.795,12 € 2.210,09 € -585,03 €
Stundenlohn (netto) 16,06 € 16,94 € 0,88 €
Wochenstunden 40 30 -10

Weitere Infos zur Berechnung: Kinder wurden erzogen, Bundesland: Bayern, Rentenversicherung: Arbeiter und Angestellte, Lohnsteuertarif: allgemeiner Tarif, Anspruch auf Krankengeld: ja, Einkommensabhängiger Zusatzbeitragssatz: 1,30 Prozent. Für die Richtigkeit der Berechnung kann keine Haftung übernommen werden.

Quelle: Teilzeitrechner 2021, Bundesministerium für Arbeit und Soziales


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Wie wirkt sich der Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit auf die Urlaubsansprüche aus?

Der Arbeitgeber hat zu berechnen, wie viele Urlaubstage die Angestellte während der Vollzeitbeschäftigung erworben hat. Dazu addiert er die Urlaubstage, die dem Arbeitnehmer künftig zustehen.

Beispiel: Du hast 30 Urlaubstage pro Jahr als Vollzeit-Angestellte. Zum 01.09. wechselst du von fünf auf zwei Arbeitstage pro Woche. Damit stehen dir von Januar bis August 20 Urlaubstage zu. Für September bis Dezember bekommst du vier Urlaubstage.

Manche Chefs möchten die sehr komplizierte Urlaubsentgeltberechnung beim Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit umgehen. Sie können ihre Angestellten dann einfach bitten, noch vorhandene Urlaubstage zu nehmen, bevor die Teilzeittätigkeit startet.

Welche Nachteile habe ich, wenn ich von Vollzeit auf Teilzeit reduziere?

Viele Frauen planen, nach der Elternzeit langsam wieder in den Job einzusteigen. Und hier lauert sie, die Teilzeitfalle mit Klebeeffekt. Denn häufig gilt: einmal Teilzeit – immer Teilzeit. Viele Frauen, die von einer vollen Stelle in eine Teilzeitbeschäftigung gewechselt sind, sind dort kleben geblieben. Das kann sich auf die Karriere und wird sich auf jeden Fall auf dein Geld und deine Rente auswirken.


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Wechsel von Vollzeit auf Minijob – keine gute Idee!

Hier raten wir: Bitte tue es nicht! Der Minijob ist prima nur für Seniorinnen, Schülerinnen oder Studentinnen als Zuverdienst. Wann immer es geht, bestehe auf einen Midijob, damit deine Sozialabgeben gezahlt sind und du im Falle des Falles eine minimale Absicherung hast.

Der Wechsel von Minijob auf Vollzeit beim gleichen Arbeitgeber ist da schon eher ein interessantes Ziel. Der Arbeitgeber wird dich gegebenenfalls bei der Minijobzentrale abmelden und bei den anderen Sozialversicherungsträgern melden.

Durch den Wechsel von Minijob auf Vollzeit ändert sich nämlich der versicherungsrechtliche Status. Dein Minijob war im Grunde versicherungsfrei (außer bei der Rentenversicherung, falls du keinen Befreiungsantrag gestellt hat). Eine Teil- oder Vollzeitbeschäftigung ist in komplett versicherungspflichtig.

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Von Teilzeit auf Vollzeit: Kann ich irgendwann wieder zurück?

Das hängt vom Arbeitgeber ab. Denn nach aktueller Rechtslage haben Arbeitnehmerinnen bis dato kein Anrecht auf die Rückkehr in die Vollzeit. Wenn der Chef zustimmt, könnt ihr schriftlich vereinbaren, dass die Teilzeit befristet ist. Dieses Modell der Brückenteilzeit, bei dem eine Rückkehr von Anfang an eingeplant ist, kommt für Arbeitnehmerinnen in Betrieben über 45 Mitarbeitern in Frage.

herMoney Tipp

Auszeit, Sabbatical oder Kindererziehung – wer vorübergehend in die Teilzeit geht, sollte immer das Ziel „zurück in die Vollzeit“ vor Augen haben.

Zum Weiterlesen: Wie du deinen Teilzeitjob richtig versteuerst, erfährst du hier. Und wie du trotz magerem Teilzeit-Verdienst deine Rente aufbessern kannst, erklären wir dir in diesem Artikel.

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