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Mütterrenten sollen Geschlechterungleichheit bei der Rente ausgleichen. Wie das funktioniert und mit wie viel Geld Sie rechnen können.

Inhalt:

Altersarmut ist viel zu oft weiblich. Ein häufiger Grund ist, dass wir Frauen unsere Karriere unterbrechen für etwas viel Wichtigeres: unsere Kinder. Wegen Schwangerschaft, Kindererziehung und Kinderbetreuung erzielen Mütter oft geringere Rentenanwartschaften, da sie kürzer in die Rentenkasse einzahlen. Und später auf Teilzeitbeschäftigung oder Minijob ausweichen.

Andererseits sind gerade Kinder – abgesehen von ihrer Wertigkeit und emotionalen, biologischen und ethischen Gesichtspunkten – wichtige Grundlage für den Generationenvertrag. Es gehört sich, dass Frauen für die Zeiten, in denen sie ihr Kleinkind betreuen und nicht erwerbsmäßig arbeiten können, einen Ausgleich erhalten.

Das haben die Regierungen europaweit eingesehen. Und hier kommt die Mütterrente ins Spiel, eine Rentenleistung für Elternschaft. Wem werden Kindererziehungszeiten angerechnet? Wie lange dauert die Kindererziehungszeit? Kann man sie aufteilen?

Die 5 wichtigsten Infos:

Für die Zeit der Kindererziehung werden Mütter oder Väter ungefähr so gestellt, als hätten sie die Beiträge nach Berechnung eines Durchschnittwertes gezahlt.

Wie viel Mütterrente frau 2020 bekommt, hängt davon ab, wie lange sie Kinder erzogen hat. Ein Jahr Kindererziehungszeit erhöht Ihre Rente pro Monat um rund 32 Euro.

Ihr Kind ist vor 1992 geboren: Ihnen werden pro Kind bis zu 2 Jahren und 6 Monaten an Kindererziehungszeiten gutgeschrieben.

Ihr Kind ist ab 1992 geboren: Ihre Gutschrift an Kindererziehungszeit kann bis zu drei Jahren pro Kind betragen.

Mütterrente müssen Sie nicht beantragen, Kindererziehungszeiten schon. Das geht mittlerweile bequem online.

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Definition: Was ist Mütterrente und wer bekommt sie?

Zuallererst sollte man wissen, dass die Mütterrente keine eigene Rente ist. Es ist auch keine Rente von Müttern. Manche Stimmen bezeichnen den Begriff als Schlagwort aus dem Wahlkampf. Ja, mag sein. Nichtsdestotrotz soll die „Mütterrente“ für verbesserte rentenrechtliche Anerkennung von Kindererziehungszeiten stehen. Und zwar für Kinder, die vor 1992 geboren wurden. Für sie wurden vor Jahren erst ein Jahr Erziehungszeit, dann zwei und mittlerweile zweieinhalb Jahre anerkannt.

Mit der Mütterrente II und den zusätzlichen sechs Monaten soll eine gerechtere Behandlung der Eltern erreicht werden. Man strebt eine Angleichung an die Eltern an, die nach 1992 Kinder bekommen und von Haus aus drei Jahre Erziehungszeit angerechnet bekommen.

Dank der Anpassung durch die Mütterrente kann eine Mutter (oder Vater), die ihr Kind erzieht, ihre gesetzliche Rente erhöhen. Und manche Frauen können damit überhaupt erst einen Rentenanspruch erwerben. Einen recht mickrigen, aber immerhin. Denn für die Kindererziehungszeiten werden ihnen Rentenpunkte (auch Entgeltpunkte genannt) gutgeschrieben.

Wer Mütterrente bekommt

Die Rentenansprüche für die Kindererziehung bekommt das Elternteil, das das Kind überwiegend erzogen hat. Demzufolge fast ausschließlich die leiblichen Mütter.

Haben Sie Ihr Kind gemeinsam mit dem Partner erzogen, wird die Kindererziehungszeit in der Regel automatisch der Mutter zugeordnet. Sie könnten aber sagen, dass Sie die Erziehungszeiten untereinander aufzuteilen möchten. Neben leiblichen Eltern dürfen sich auch Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern Erziehungszeiten anrechnen lassen.

Erforderlich für die Anrechnung der Mütterrente ist, dass die Erziehung in Deutschland stattfindet beziehungsweise stattgefunden hat. Erziehungszeiten im Ausland werden nur in Ausnahmefällen berücksichtigt und müssen bei der Rentenversicherung beantragt werden.

Alle Infos zusammengefasst im Video

Wie viele Jahre werden pro Kind für die Rente angerechnet?

Werfen wir einen Blick in das Sozialgesetzbuch § 56: „Kindererziehungszeiten sind Zeiten der Erziehung eines Kindes in dessen ersten drei Lebensjahren“. Bedeutet, dass Mütter für jedes Kind, das sie derzeit zur Welt bringen, von der gesetzlichen Rentenversicherung drei Jahre als Pflichtbeitragszeiten angerechnet bekommen.

Das gilt – wie bereits erwähnt – für alle Geburten ab dem 1. Januar 1992. Müttern oder Vätern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, werden pro Kind 2,5 Kindererziehungsjahre anerkannt. Kindererziehungszeiten bis zum 10. Lebensjahr werden leider nicht angerechnet.

Beispiele zur Berechnung der Kindererziehungszeit:

Beispiel 1: Susanne und ihr kleiner Leo

Geburt von Leo 8. Juni 2005
Kindererziehungszeit 1. Juli 2005 bis 30. Juni 2008

Beispiel 2: Martina und ihre Jessica

Geburt von Jessica 8. Juni 1989
Kindererziehungszeit 1. Juli 1989 bis 31. Dezember 1991

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Sie betreuen gleichzeitig mehrere Kinder? Etwa Zwillinge oder weil während einer Kindererziehungszeit noch ein Baby kommt, für das ebenfalls Kindererziehungszeiten zu berücksichtigen sind? Dann verlängert sich die Kindererziehungszeit um die Zeit, in der Sie gleichzeitig mehrere Kinder betreut haben.

Beispiel 3: Simone und ihre Kinder Jacob und Miriam

Geburt des ersten Kindes Jacob 17. April 2002
Kindererziehungszeit 1. Mai 2002 bis 30. April 2005
Geburt des zweiten Kindes Miriam 2. Januar 2004
Kindererziehungszeit 1. Februar 2004 bis 31. Januar 2007
Verlängerungszeit 15 Monate 1. Februar 2007 bis 30. April 2008

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Fazit: Für jedes Kind, das ab 1992 geboren wurde, können von der Deutschen Rentenversicherung im Versicherungsverlauf bis zu drei Jahre als Pflichtbeitragszeiten angerechnet werden. Wenn eine Frau vier Kinder ab 1992 geboren und sie erzogen hat, werden ihr bis zu zwölf Jahre Kindererziehungszeit angerechnet.Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Die ungleiche Behandlung von Müttern stellt laut Gesetzgebung keine Diskriminierung dar. Aber die Kindererziehungszeiten für vor und nach 1992 geborene Kinder sind in Bezug auf die Rente nicht gleichwertig. Das Bundessozialgericht entschied das in einem am 11. Oktober 2018 bekanntgegebenen Urteil (Az.: B 13 P 34/17 R). Viele Verbände, unter anderem der Sozialverband VdK, wenden sich seit langem gegen die Ungleichbehandlung.

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Höhe des Zuschusses: Wie wird die Mütterrente berechnet?

Ihre Kindererziehungszeiten zählen, wenn es um die Erfüllung der Wartezeiten der verschiedenen Renten geht. Und sie bringen ein kleines Rentenplus, also mehr Geld bei der Rentenauszahlung.

Denn pro Jahr Kindererziehungszeit wird Ihnen fast ein Entgeltpunkt auf Ihrem Rentenkonto gutgeschrieben. So bringt ein Jahr Kindererziehung eine monatliche Rentenerhöhung von 33,05 Euro in West und 31,89 in Ost (Stand Juli 2020). Die letzte Erhöhung der Mütterrente fand im Zuge der Rentenreform 2019 statt, als die Mütterrente II eingeführt wurde.

Gilt die Mütterrente auch für Väter?

Grundsätzlich werden die Kindererziehungszeiten automatisch der Mutter angerechnet. Betreuen beide Elternteile das Kind, können sie sich die Kindererziehungszeiten aufteilen.

Die Eltern dürfen die Zeiten unter sich aufteilen. Sie könnten etwa festlegen, dass die ersten 24 Monate Kindererziehungszeit die Mutter und die folgenden zwölf Monate der Papa angerechnet bekommt.

Eine Erklärung zur Aufteilung müssen sie gemeinsam bei der Deutschen Rentenversicherung abgeben. Damit wird die Kindererziehung ohne weitere Belege und in der Regel ohne Nachfrage der Rentenversicherung so aufgeteilt, wie Sie es möchten.

Die Aufteilung können Sie eigenmächtig vornehmen. Selbst wenn sich der eine Elternteil kaum um die Erziehung des gemeinsamen Kindes gekümmert hat, kann er sich Zeiten anrechnen lassen. Das dürfte niemand überprüfen. Eine solche Verteilung kann dann Sinn machen, wenn Sie als erziehender Elternteil von der Kindererziehungszeit kaum profitieren würden. Da Sie zum Beispiel durch Ihre beitragspflichtige Beschäftigung in dieser Zeit hohe Rentenansprüche erworben haben.

Wer also zu den Gutverdiener*innen zählt, sollte eine Kontrollrechnung mit einem Fachmann anstellen. Gemeinsam prüfen Sie, ob es nicht sinnvoller wäre, die Kindererziehungszeit Ihrem Mann zu übertragen, um seine Rentenansprüche zu erhöhen. Wer Entgeltpunkte übertragen möchte oder generell Fragen zu seinem Versicherungsstand hat, sollte einen Termin bei der deutschen Rentenversicherung beantragen.

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Muss die Mütterrente beantragt werden?

Um die Mütterrente zu erhalten, ist grundsätzlich kein gesonderter Antrag notwendig. Nur Adoptiv- und Pflegeeltern, die eine Mütterrente beanspruchen wollen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Damit die Mütterrente jedoch ausgezahlt werden kann, müssen die Kindererziehungszeiten beantragt und im Rentenkonto erfasst sein. Das Formular für den Antrag finden Sie hier.

Wird die Mütterrente besteuert?

Laut Bundesfinanzministerium ist die Mütterrente als Teil der Altersrente steuerpflichtig. Dabei handelt es sich um eine außerordentliche Rentenanpassung, der Rentenfreibetrag ist demnach neu zu berechnen.

Wer Mütterrente bezieht, muss sie in der Steuererklärung nicht gesondert ausweisen. Sie wird als Teil der Altersrente von der Deutschen Rentenversicherung Bund dem Finanzamt gemeldet. Das berechnet aufgrund der Daten automatisch den Rentenfreibetrag neu. Wer eine genaue Berechnung oder weitere Beratung möchte, sollte sich an die Lohnsteuerhilfe oder einen anderen Experten wie den Steuerberater wenden.


Frauen erhalten im Schnitt 26 % weniger Rente als Männer.
Warum das so ist und was Sie gegen den Gender Pension Gap tun können.

 


Anrechnung der Mütterrente auf die Grundsicherung im Alter

Wenn eine Frau eine zu niedrige Rente hat, wird sie vielleicht die Grundsicherung im Alter beantragen. Die Krux ist, dass die Mütterrente diesen Betrag schmälern kann, denn sie wird als Einkommen auf die Grundsicherung angerechnet.

Die Begründung: Sie ist ein Bestandteil der Rente und entspricht dem Grundsatz des Nachrangs der Grundsicherung. „Es wäre Versicherten mit Pflichtbeitragszeiten aus Erwerbstätigkeit nicht zu vermitteln, dass Rentenerträge aus Kindererziehungszeiten im Hinblick auf das auf die Grundsicherung anzurechnende Einkommen besser behandelt würden als Rentenerträge aus einer Erwerbstätigkeit“, schreibt das das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dazu.

Hier gibt es Kritik und auch Verbesserungsvorschläge von vielen Seiten. Der Sozialverband VdK etwa fordert, dass es einen Freibetrag von 200 Euro geben sollte.

Als weitere Sonderleistung für Eltern gibt es für die Zeit zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag eines Kindes die sogenannte Kinderberücksichtigungszeit der gesetzlichen Rentenversicherung. Diese Sonderleistung kann in vielen Fällen dafür sorgen, dass sozialversicherungspflichtige Beschäftigungszeiten höher bewertet werden und die Mütter einen Anspruch auf die Grundrente haben.

Beispiel: Eine Mutter hat jeweils im Januar 1973, 1978 und im Dezember 1984 ein Kind zur Welt gebracht. Die Zeit von Januar 1973 bis Dezember 1994 – 22 Jahre – wird als Kinderberücksichtigungszeit gewertet und damit als Grundrentenzeit. Um auf einen Grundrentenanspruch zu kommen, bräuchte die Frau noch 13 Jahre Pflichtbeitragszeiten.

Die Kinderberücksichtigungszeit können Frauen bei der Deutschen Rentenversicherung über das Formular V0820 beantragen. Ohne diese Antragstellung zählen die Zeiten nicht bei der Berechnung der Rente.

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Was können Frauen ohne Rentenanspruch versuchen?

Ältere Frauen, die nie erwerbsmäßig gearbeitet, sondern sich ausschließlich um Kinder und Haushalt gekümmert haben, können seit Einführung der Mütterrente eventuell eine eigene kleine Rente beantragen.

Für den eigenen Rentenanspruch benötigt man mindestens fünf Beitragsjahre. Diese Voraussetzung erfüllen auch Frauen, die zwar nie einen Job hatten, aber früher zwei Kinder großgezogen haben. Sie kommen nun auf die fünf wichtigen Beitragsjahre.

Einer reinen Hausfrau, die „nur“ ein Kind großgezogen hat, fehlen immer noch 2,5 Beitragsjahre. Achtung: Die können Sie sich erwerben. Und zwar durch Nachzahlung von Beiträgen. Ob sich das rechnet und über welche Beträge wir sprechen, klären Sie am besten bei einem Gespräch mit der Deutschen Rentenversicherung.

Ob die Mütterrente tatsächlich die Einkommenseinbußen der Frauen im Alter kompensiert, ist ein anderes Thema. Auch woher die Gelder für die Mütterrenten stammen und ob die Verteilung 2,5 / 3 eine gerechtfertigte Aufteilung ist.

herMoney Tipp

Die gesetzliche Rente steht zum einen auf einem wackeligen Gerüst, zum anderen sollte sie tatsächlich nur ein Baustein der Altersvorsorge sein. Kümmern Sie sich bitte rechtzeitig um weitere Bausteine für Ihre Absicherung im Alter. Selbstständige können zum Beispiel über die Rürup-Rente nachdenken, Angestellte über die Betriebsrente oder Riester. Weitere Möglichkeiten finden Sie in unserem Artikel über das sogenannte Langlebigkeitsrisiko von Frauen.

Sie möchten wissen, wie viele Rentenpunkte Sie bereits angesammelt haben? In der Renteninformation können Sie nachlesen, wie hoch Ihre Rente inklusive Mütterrente voraussichtlich sein wird. Nicht zu verwechseln mit dem Rentenbescheid, den Sie später als Rentnerin erhalten.

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