How to Portfolio

Wir erklären dir, was zu tun ist, wenn einer deiner Angehörigen als Pflegegrad 2 eingestuft wird.

Inhalt

Wie kann ich einen Pflegegrad beantragen?

Welche Voraussetzungen gelten für Pflegegrad 2?

Welche Leistungen und wie viel Geld gibt es bei Pflegegrad 2?

Pflegegrad 2: Das Wichtigste in Kürze

Beim Pflegegrad 2 ist die Selbstständigkeit im Alltag stark beeinträchtigt. Ein Gutachter prüft, welcher Pflegegrad vorliegt.

Freunde oder Familie können für die Pflege 316 Euro im Monat erhalten. Alternativ kann ein ambulanter Pflegedienst kommen. Beide können sich die Arbeit auch teilen.

Zusätzlich steht beim Pflegegrad 2 ein Entlastungsbetrag für eine Haushaltshilfe oder Putzfrau zur Verfügung (125 Euro pro Monat). Außerdem kann der Pflegebedürftige mehrere Tage pro Monat in eine Einrichtung gebracht werden.

Wenn pflegende Angehörige krank sind oder in den Urlaub fahren, können sie einen Ersatz beauftragen, für den ebenfalls ein Budget zur Verfügung steht (1.612 Euro pro Jahr).

Werbung
Werbung: DJE - Dividende & Substanz: Für die Zukunft investieren

Die Finanzierung der Pflege ist für viele ein heißes Eisen, denn nicht jede von uns beschäftigt sich gern damit, dass sie oder ihre Angehörigen einmal pflegebedürftig werden. Aber irgendwann ist es so weit: Ein Elternteil oder ein sonstiger Angehöriger hat immer mehr Einschränkungen, sich selbst zu versorgen – es läuft einfach nicht mehr so geschmeidig.

Das heißt noch lange nicht, dass nun ein Umzug ins Pflegeheim ansteht. Aber die Person benötigt Hilfe bei den Dingen des täglichen Lebens. Genau hier springt die Pflegeversicherung ein, die sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung angeschlossen ist.

Oft hört man so etwas wie: „Skandal! Die Pflegeversicherung kommt nicht für sämtliche Kosten auf, sondern wir müssen aus unserem Ersparten etwas dazulegen!“ Das ist in der Tat so. Bloß weil wir Beiträge zur Pflegekasse zahlen, heißt das nicht, dass sie im Fall der Fälle sämtliche Kosten abdeckt. Dafür betreiben wir ja Altersvorsorge! Wir bauen während unseres Berufslebens Vermögen auf, auf das wir im Alter zugreifen können. Zusätzlich greift die Pflegeversicherung unter die Arme.

Pflegegrad beantragen: So geht’s

Wenn sich ein Angehöriger oder Freund um das Pflege-Management kümmern soll, muss entweder eine Patientenverfügung oder eine Vollmacht für die Pflegekasse vorliegen. Der oder die Pflegebedürftige selbst beziehungsweise die betreuende Person stellen dann den Antrag auf Pflegegrad.

Pflegegrad beantragen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Schritt: Der Pflegebedürftige oder der Bevollmächtigte schicken ein formloses Schreiben an die zuständige Pflegeversicherung (sie ist der Krankenversicherung des Pflegebedürftigen angegliedert). Du kannst auch anrufen und die Pflegebedürftigkeit melden.

2. Schritt: Der Pflegebedürftige erhält nun ein Formular, das ausgefüllt und zurückgeschickt werden muss.

3. Schritt: Daraufhin schickt die Pflegekasse den Gutachter des Medizinischen Dienstes ins Haus, der die Selbständigkeit und den Grad der Beeinträchtigung untersucht. Bei privat Versicherten ist es übrigens nicht der MD, sondern „Medicproof“.

Pflegegrad berechnen: Welche Voraussetzungen gelten für Pflegegrad 2?

Der Gutachter untersucht die Möglichkeit der Selbstversorgung, den Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen, die Gestaltung des Alltags und der sozialen Kontakte, die Mobilität, kommunikative Fähigkeiten und vieles mehr. Anschließend legt die Pflegekasse den Pflegegrad fest.

Werbung
Werbung: DJE - Dividende & Substanz: Für die Zukunft investieren

Die Einstufung erfolgt anhand eines Punktesystems. Nach der Pflege-Reform unterscheidet man jetzt fünf Pflegegrade. Bei Pflegegrad 1 braucht der Betroffene nur wenig Hilfe, bei Pflegegrad 5 ist er bettlägerig und muss rund um die Uhr versorgt werden.

Rechner: Ab wann gilt Pflegegrad 2?

Pflegegrad 2 bedeutet, dass Gutachter und Pflegekasse eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit anerkennen. Um das herauszufinden, vergeben sie Punkte etwa im Bereich „Mobilität“ oder „Selbstversorgung“. Nach dem Punkte-System liegt Pflegegrad 2 zwischen 27 und 47,5 Punkten. Um grob einschätzen zu können, ob der Pflegegrad 2 vorliegt, kannst du den Pflegegrad-Rechner des VdK nutzen. Er orientiert sich an den Richtlinien der Krankenkassen.

Früher war der Zeitaufwand früher ein wichtiges Kriterium. Anhand einer Tabelle wurden die Pflegestufen 1, 2 und 3 eingeteilt. Heute funktioniert die Beurteilung des Pflegegrads anders: Wie viele Stunden für die Pflege pro Woche aufzuwenden sind, hat inzwischen keine Bedeutung mehr.

Bis Dezember 2016 gab es nur 3 Pflegestufen und leichte Demenz war nicht als Pflegefall anerkannt. Erst mit dem Pflegestärkungsgesetz II gibt es nun 5 Pflegegrade statt 3 Pflegestufen und leichte wie schwerere Demenz-Grade werden berücksichtigt.

Tipp: Um den Pflegeaufwand zu dokumentieren, ist es hilfreich, ein Pflegetagebuch zu führen. Alle Personen, die helfen oder pflegen, tragen kurz ein, was sie gemacht haben oder welche Auffälligkeiten es bei der pflegebedürftigen Person gab. So fällt es dem Gutachter leichter, den richtigen Pflegegrad festzustellen.

How to Portfolio

Fallbeispiel für Pflegegrad 2

Janine besucht ihre Mutter und stellt fest, dass sie nicht mehr so gut allein zurechtkommt wie früher. Das Haus ist nicht sauber, weil sie es nicht mehr schafft, es zu putzen. Die Post liegt ungeöffnet auf einem Stapel, weil sie mit den Rechnungen und Behördenbriefen überfordert ist. Auch der tägliche Einkauf fällt ihrer Mutter schwer und das Auto hat auffällig viele Beulen. Sie spricht ihre Mutter darauf an. Die erklärt, dass die täglichen Arbeiten ihr immer schwerer fallen, aber weist kategorisch zurück, dass sie gelegentlich kleinere Autounfälle verursacht. Und Pflege? Nein, die benötigt sie eigentlich nicht!

Dieses Szenario ist typisch für den Anfang der Pflegebedürftigkeit. Menschen, die ihre Selbständigkeit immer genossen haben, wollen nicht wahrhaben, dass ihre Tüchtigkeit nachlässt. An Pflege will man nicht denken, weil man sich nicht gern vorstellt, dass regelmäßig fremde Menschen ins Haus kommen. Und den Komfort und die Unabhängigkeit, die ein Auto bietet, will man auf keinen Fall aufgeben. Dann ist keine Ausrede zu dumm, woher die Beulen stammen.

Welche Leistungen und wie viel Geld gibt es bei Pflegegrad 2?

Kurz-Übersicht 2021: Geld und weitere Leistungen bei Pflegegrad 2

Leistungsart Erklärung Geldzuschuss
Pflegegeld Bei Betreuung durch Familie oder Freunde 316 € / Monat
Pflegesachleistung Bei Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst (kombinierbar mit Pflegegeld, allerdings wird dann nur ein Bruchteil ausgezahlt) 689 € / Monat
Tages- und Nachtpflege Betreuung in einer Einrichtung tagsüber oder nachts (6 bis 13 Tage oder Nächte pro Monat je nach Kosten der Einrichtung) 689 € / Monat
Pflegehilfsmittel  Verbrauchsmaterial für die Pflege, z.B. Desinfektionsmittel 40 € / Monat
Hausnotruf Hilfe per Knopfdruck, z.B. bei Stürzen 23 € / Monat
Entlastungsbetrag Kann für professionelle Betreuungskräfte genutzt werden, z.B. für eine Haushaltshilfe 125 € / Monat
Vollstationäre Pflege Im Pflegeheim 770 € / Monat
Kurzzeitpflege Z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt 1.612 € / Jahr
Verhinderungspflege Wenn die Pflegeperson krank oder im Urlaub ist 1.612 € / Jahr
Wohnraumanpassung Z.B. für ein barrierefreies Bad oder einen Treppenlift 4.000 € / Gesamtmaßnahme
Wohngruppenzuschuss Z.B. für eine Haushaltshilfe in einer Pflege-Wohngemeinschaft 214 € / Monat

Wie hoch ist das Pflegegeld für pflegende Angehörige?

Ab Pflegegrad 2 gibt es entweder Pflegegeld (§37 SGB XI) oder Pflegesachleistungen. Pflegegeld wird bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder Freunde gezahlt. Die Geldleistung beträgt bei Pflegegrad 2 genau 316 Euro pro Monat und wird von der Pflegekasse auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen. Er kann entscheiden, wie er das Geld ausgeben möchte, zum Beispiel ob für eine Putzhilfe, eine Haushaltshilfe oder eine Pflege-Person.

How to Portfolio

Was zählt zur Pflege bei Pflegegrad 2?

Zur Pflege gehören sowohl Unterstützung bei der Köperpflege, Ernährung und Bewegung als auch Hilfe bei der Hausarbeit, zum Beispiel beim Putzen oder Einkaufen.

Im Einzelnen gehören zur Pflege bei Pflegegrad 2:

  • Ganzkörperwaschung oder Teilwaschung im Bett
  • Hilfe beim Duschen oder Baden
  • Hilfe beim Umsetzen
  • Hilfe beim Ankleiden
  • Hilfe bei Ausscheidungen
  • Hilfe bei der Nahrungsaufnahme
  • Einkäufe
  • Zubereiten von Mahlzeiten
  • Reinigen der Wohnung

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2: Wenn Profis aushelfen

Bei „Pflegesachleistungen“ (§36 SGB XI) geht es nicht um Sachen, wie man vermuten könnte. Der Pflegebedürftige wird vielmehr zu Hause durch einen professionellen Pflegedienst versorgt und nicht durch Angehörige oder Freunde. Ist das der Fall, zahlt die Pflegekasse mehr, denn ambulante Pflegedienste sind nicht gerade billig.

Der Betrag, den die Kasse bei Pflegegrad 2 zahlt, liegt bei 689 Euro im Monat. Dabei rechnet der ambulante Pflegedienst im Regelfall direkt mit der Pflegekasse ab. Wenn die 689 Euro nicht ausreichen, muss der Pflegebedürftige das restliche Geld aus eigener Tasche zuschießen.

How to Portfolio

Kombileistung bei Pflegegrad 2: Private und professionelle Pflege kombiniert

Von „Kombinationspflege“ (§38 SGB XI) spricht man, wenn Pflegegeld und Pflegesachleistung miteinander kombiniert werden. Das ist dann der Fall, wenn jemand zu Hause durch Angehörige gepflegt wird, aber beispielsweise ein professioneller Pflegedienst einmal in der Woche die Tabletten einteilt und die Pflegeperson duscht.

Wird beispielsweise die Pflegesachleistung nur zu 60 % in Anspruch genommen, werden dazu noch 40 % des Pflegegeldes gezahlt. Bei der Kombileistung können Betroffene nicht ständig hin- und herwechseln, sondern sind an ihre Entscheidung für mindestens sechs Monate gebunden.

Fallbeispiel: Kombinationspflege

Janine wohnt nicht in der Nähe ihrer Mutter und kann sich daher nicht selbst täglich um sie kümmern. Deshalb verabredet sie mit der netten Nachbarin der Mutter, dass sie jeden Tag einmal nach ihr schaut und für sie einkauft. Dafür zahlt sie der Nachbarin im Monat 210 Euro und die Auslagen für die Einkäufe.

Zusätzlich beauftragt sie einen ambulanten Pflegedienst vor Ort, einmal in der Woche nach ihrer Mutter zu sehen, sie zu duschen und die Tabletten einzuteilen. Sie greift also auf die Kombinationspflege zurück. Für beides zusammen reichen die Leistungen der Pflegekasse gerade so aus.

Nach einiger Zeit ruft Janines Mutter bei ihrer Tochter an und beschwert sich über den ambulanten Pflegedienst. „Die Damen sind sehr nett, aber sie sind kaum im Haus, dann sind sie schon wieder fort“, meint sie. So gehetzt mache das Duschen keinen Spaß und für ein Schwätzchen sei erst recht keine Zeit.

Tatsächlich werden den professionellen Pflegekräften für die einzelnen Tätigkeiten nur eine bestimmte Anzahl von Minuten zugestanden. In dieser Zeit müssen sie ihre Arbeit erledigen. Dauert es bei einer Patientin länger, geht das zulasten der nächsten Pflegebedürftigen. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft ein anderes Zeitgefühl haben als Jüngere, die im Arbeitsleben stehen. Janine erklärt ihrer Mutter, dass die Pflegerinnen leider nur wenig Zeit haben und verspricht, alle zwei Tage bei ihr anzurufen.

Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 2: Wofür du ihn nutzen kannst

Alle, die sich in häuslicher Pflege befinden, haben Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Er liegt bei 125 Euro monatlich und gilt nicht nur für den Pflegegrad 2, sondern auch für Pflegebedürftige in Pflegegrad 1. Die Entlastungsleistung ist im Prinzip eine Kostenerstattung durch die Pflegekasse und damit zweckgebunden.

How to Portfolio

Er steht für qualitätsgesicherte Leistungen zur Verfügung, die pflegende Angehörige entlasten oder die der Förderung der Selbständigkeit des Pflegebedürftigen dienen. Das kann von haushaltsnahen Dienstleistungen bis hin zu Tags- oder Nachtpflege sehr vieles sein.

Wird der Entlastungsbetrag in einem Monat nicht ausgeschöpft, kann der Restbetrag in die folgenden Monate vorgetragen werden. Zur Kostenerstattung musst du bei der Pflegekasse die Belege und einen Erstattungsantrag einreichen.

Tages- und Nachtpflege: Welche Leistungen gibt es bei Pflegegrad 2?

Zusätzlich zu Pflegegeld, den Pflegesachleistungen und dem Entlastungsbetrag übernimmt die Pflegekasse auch Kosten für die Tages- und Nachtpflege (§41 SGB XI). Ähnlich wie du Kinder in einer Tagespflege unterbringen kannst, können auch pflegebedürftige Senioren tagsüber in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden. In einer Tagespflegeeinrichtung wissen Betroffene ihre Angehörigen in guten Händen, wenn sie tagsüber arbeiten müssen.

Der Vorteil: Der Lebensmittelpunkt ist weiterhin in den eigenen vier Wänden. Trotzdem hat der Pflegebedürftige Gesellschaft und trainiert in der Einrichtung seine körperlichen und kognitiven Fähigkeiten. Gleichzeitig sind die Angehörigen während dieser Zeit entlastet.

Genauso kann der Pflegebedürftige auch mal nachts in eine Betreuungseinrichtung gebracht werden. So können die pflegenden Angehörigen nachts durchschlafen, wenn die Pflegeperson vielleicht einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus hat oder nachts Medikamente einnehmen muss.

How to Portfolio

Die Kosten sind von Einrichtung zu Einrichtung und auch regional sehr unterschiedlich. Sie können pro Tag beziehungsweise pro Nacht zwischen 50 und 100 Euro liegen.

Oft übernehmen die Pflegeeinrichtungen auch den Transport des Pflegebedürftigen von der Wohnung in die Einrichtung und wieder zurück. Steht kein Fahrdienst zur Verfügung, kann auch ein Taxiunternehmen für den Transport eingesetzt werden.

Bei Pflegegrad 2 zahlt die Pflegekasse monatlich 689 Euro für die Tages- und Nachtpflege, inklusive Fahrdienst. Die Kosten für Betreuung und Transport, die darüber hinausgehen, zahlt der Pflegebedürftige aus eigener Tasche. Die Fahrt zur Tagespflege ist kein abrechnungsfähiger Krankentransport, für den die Krankenkasse aufkommt. Daher ist zu überlegen, ob die Angehörigen den Pflegebedürftigen selbst in die Einrichtung bringen können.

Zuschüsse für Pflegehilfsmittel und Hausnotruf

Darüber hinaus haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 Anspruch auf Kostenerstattung für Pflegehilfsmittel in Höhe von 40 Euro pro Monat. Darunter fällt Verbrauchsmaterial, das zur häuslichen Pflege notwendig ist, wie zum Beispiel Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel oder Betteinlagen.

Außerdem übernimmt die Pflegekasse monatlich 23 Euro für einen Hausnotruf, den Personen mit Pflegegrad 2 wie eine Armbanduhr oder wie eine Halskette tragen können.

Fallbeispiel: Hausnotrufsystem

Die Nachbarin ruft bei Janine an und erzählt, wie es ihrer Mutter geht. Dabei erwähnt sie, dass die Mutter mittlerweile etwas unsicher geht und empfiehlt, ein Hausnotrufsystem zu besorgen. Das macht Janine umgehend und bestellt ein solches System bei den Johannitern. Das kostet monatlich 25 Euro, die Pflegekasse übernimmt davon 23 Euro. Eine einmalige Anschlussgebühr von 50 Euro kommt hinzu. Der Hausnotruf gibt Janine das gute Gefühl, dass ihre Mutter nun jederzeit Hilfe holen kann, wenn sie einmal hinfallen sollte.

Sichere dir jetzt den herMoney Depotvergleich als PDF

Erholung für Angehörige: Geldleistung für Verhinderungspflege bei Pflegegrad 2

Wenn die private Pflegeperson ein paar Tage verreist oder krank wird, kann sie ihren pflegerischen Arbeiten nicht nachkommen. In dieser Zeit kann eine Ersatzpflege einspringen. Für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr zahlt die Pflegeversicherung die Kosten für diese sogenannte Verhinderungspflege oder Urlaubspflege. Einspringen können sowohl ambulante Pflegedienste als auch Einzelpflegekräfte oder ehrenamtlich Pflegende.

Wenn der Pflegebedürftige krank wird: Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 2

Etwas anderes ist die Kurzzeitpflege. Hier muss der Pflegebedürftige für kurze Zeit in eine vollstationäre Pflegeeinrichtung. Zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt oder nach einer Krisensituation bei der häuslichen Pflege. Für einen solchen vorübergehenden Aufenthalt von bis zu 8 Wochen zahlt die Pflegekasse 1.612 Euro pro Kalenderjahr.

Während der Kurzzeitpflege wird das Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige noch zur Hälfte weiter gezahlt, also monatlich 158 Euro.

Nicht verbrauchte Gelder für Verhinderungspflege und die Kurzzeitpflege können teilweise gegeneinander eingetauscht werden. In solchen Fällen solltest du mit deiner Pflegekasse sprechen, wie du es am besten aufteilst.

Förderung neuer Wohnformen: Zusätzliche Leistungen bei Pflegegrad 2

Mittlerweile gibt es auch neue Wohnformen wie Pflege-Wohngemeinschaften. Hier leben mehrere Pflegebedürftige gemeinsam in einer Wohnung und werden ambulant betreut. Für solche Pflege-WGs zahlt die Pflegekasse eine Anschubfinanzierung von 2.500 pro Person beziehungsweise von 10.000 pro Wohngruppe. Insofern wird davon ausgegangen, dass vier Personen für eine solche WG eine gute Größe ist, aber sie kann auch kleiner oder größer sein.

Erfüllt die Wohngruppe bestimmte Voraussetzungen, kann noch ein Wohngruppenzuschlag von monatlich 214 Euro hinzukommen. Damit kann zum Beispiel eine Person finanziert werden, die in der Pflege-WG organisatorische Aufgaben übernimmt oder sich um den Haushalt kümmert. Sie wird „Präsenzkraft“ genannt.

Zuschuss für Wohnraumanpassung

Oft muss die Wohnung eines Pflegebedürftigen ein wenig angepasst werden. Beispielsweise müssen Türschwellen weg, um besser mit dem Rollator in der Wohnung laufen zu können. Oder das Bad muss barrierefrei gemacht werden. Manchmal ist auch der Einbau eines Treppenlifts angebracht. Für solche Umbauten zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 2 einen Zuschuss von 4.000 Euro. Auch in einer Pflege-WG zahlt die Kasse einen Zuschuss von 4.000 Euro pro Person, aber pro Pflege-WG maximal 16.000 Euro.

How to Portfolio

Geld für Krankenfahrten bei Pflegegrad 2: Wie bekommst du einen Transportschein?

Viele Pflegebedürftige können nicht mehr allein zum Arzt oder zur Therapie fahren. Wenn der Patient aus medizinischen Gründen kein privates Auto oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen kann, sollte der Hausarzt eine Verordnung für eine Krankenfahrt oder einen Krankentransport ausstellen. Er wird auch als Transportschein oder Krankentransportschein bezeichnet. Die Abrechnung für solche Transporte erfolgt allerdings nicht mit der Pflegekasse, sondern mit der Krankenkasse. Personen mit Pflegegrad 2 benötigen neben der ärztlichen Verordnung vorab eine Genehmigung von der Kasse.

herMoney-Tipp

Die Zuschüsse und Leistungen sind vielfältig und manchmal auch komplex. Wenn Pflegebedürftigkeit eintritt, ist es daher sinnvoll, sich genau einzulesen. Auskünfte erteilt auch die zuständige Pflegekasse. Du kannst dich außerdem mit Freunden und Bekannten austauschen, die sich ebenfalls um pflegebedürftige Angehörige kümmern.

Zum Weiterlesen: Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr ausreicht, ist ein Umzug ins Altersheim oft die einzige Möglichkeit. Erfahre, wann Angehörige zur Kasse gebeten werden.