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Frauen als Führungskräfte sind noch immer die Ausnahme. Woran es liegt und was wir tun können, verrät Führungskräftecoach Gudrun Happich.

herMoney: Nur jede fünfte Führungsposition ist von einer Frau besetzt. Warum kommen Führungskräfte ausgerechnet zu einer Frau, um das Führen zu lernen?

Gudrun Happich: Frauen überzeugt wohl, dass ich selbst lange Jahre als Führungskraft gearbeitet habe. Motto: Wenn sie das geschafft hat, wird sie wohl wissen, wie das geht…

herMoney:…und Männer?

Gudrun Happich: Männer glauben manchmal, dass sie mit einem Mann als Coach schnell in Konkurrenz gehen würden, und sie haben die Vorstellung, dass sie das, was sie oft lernen wollen -„mehr Soziale Kompetenz“ – eher von einer Frau lernen können. Aber ich würde da gar keinen so großen Unterschied machen. Am Ende geht es immer darum, ein Problem zu lösen, das im Selbstwert verankert ist.

herMoney: Und da gibt es keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Gudrun Happich: Männer treten vielleicht erst einmal selbstbewusster auf. Aber selbst gestandene Manager zweifeln plötzlich an ihrer Kompetenz und befürchten, dass sie nicht gut genug seien. Und diese Zweifel haben Frauen auch.

herMoney: Woran liegt es denn, dass so wenige Frauen in gut bezahlten Führungspositionen sitzen?

„Jungs können Jungsspiele einfach besser“

Gudrun Happich: Vor allem an der Tradition. Und dann haben Männer natürlich über Jahrzehnte die Spielregeln geschaffen. Wenn Frauen diese Regeln einfach übernehmen, dann haben sie es schwer, in Führungspositionen aufzurücken. Jungs können Jungsspiele einfach besser.

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herMoney: Ist das Geschlecht eine Karrierebremse?

Gudrun Happich: Wenn eine Frau zu mir kommt und vorgibt, sie komme auf der Karriereleiter nicht weiter, weil sie eine Frau sei, dann frage ich provokant, woran sie denn eigentlich arbeiten wolle. Da sie wahrscheinlich auch in Zukunft eine Frau sein wird, könnten wir die Sitzung nach ihrem Eingangsstatement direkt beenden.

herMoney: Frauen schieben das also nur vor?

Gudrun Happich: Es gibt ja immer die Möglichkeit, sich als Opfer oder als Täter zu positionieren. Und wenn ich sage, ich bin eine Frau und also ein Opfer und deshalb bekomme ich den Job nicht, dann muss ja nicht mehr viel passieren, damit das auch bestätigt wird. Ist der Glaube an Benachteiligung erst einmal zementiert, wird das Ergebnis vorweg genommen – ein klassischer Fall von selbsterfüllender Prophezeiung.

herMoney: Wie kommen Frauen aus diesem Teufelskreis raus?

Gudrun Happich: Sie sollten sich ganz einfach auf Ihre Stärken besinnen, sich also bewusst machen, wo ihre Stärken  liegen und wie sie sie einsetzen können. Männer pflegen beispielsweise raue Umgangsformen, wenn es um Machterhalt geht. Frauen schweigen dann oft – oder sie werden kämpferisch und als Zicken wahrgenommen. Aber sie müssen das Jungsspiel nicht mitspielen.

herMoney: Wie sollten sie denn reagieren?

Gudrun Happich: Ruhe und Klarheit bewahren und sich nicht verbiegen! Ich muss nicht laut werden, nicht gewollt schlagfertig reagieren, wenn ich weder ein lauter noch ein schlagfertiger Mensch bin. Warum nicht einfach sagen, dass der Ton unangemessen ist und man so nicht behandelt werden will?

herMoney: Sind fachliche Zweifel bei Frauen ausgeprägter?

Gudrun Happich: Ich habe oft erlebt, dass Klientinnen an ihrer Fachkompetenz zweifeln und deshalb der Meinung sind, für Führungspositionen nicht ausreichend qualifiziert zu sein….

herMoney: Wie wichtig ist die Fachkompetenz denn?

„Führen heißt kommunizieren“

Gudrun Happich: Sie ist wichtig, aber nicht entscheidend. Gute Führung bedeutet, gemeinsam mit den Mitarbeitern zu guten Ergebnissen zu kommen. Das heißt: Führungskräfte müssen delegieren können, sie müssen Mitarbeiter dazu befähigen, Leistungen zu erbringen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Expertise auch einbringen zu können. Führen heißt also, Kompetenzen zu bündeln und gute Teams zu bilden, die eine Sache voranbringen können.

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herMoney: Welche Eigenschaften müssen Führungskräfte mitbringen?

Gudrun Happich: Sie müssen reden, reden, reden – also gut kommunizieren können. Und sie müssen das eigene Ego zurückstellen können und akzeptieren, dass es Experten gibt, die ihnen fachlich überlegen sind.

herMoney: Müssten Frauen dann nicht im Vorteil sein?

Gudrun Happich: Im Grunde spricht das für Frauen, weil ihre kommunikativen Fähigkeiten oft sehr gut ausgeprägt sind. Auch kommen Männer häufig weniger gut damit klar, wenn Mitarbeiter mehr Fachkompetenz haben als sie selbst.

herMoney: Sie sind Diplom-Biologin. Was hat Sie dazu bewogen, sich mit Führung zu beschäftigen und Führungskräfte zu coachen?

Gudrun Happich: Ich habe mich im Studium mit komplexen biologischen Systemen beschäftigt und bereits in meinem ersten Job als Führungskraft gearbeitet. Schon damals hatte ich die Idee, dass vieles aus der Natur übertragbar sei – auch ein Unternehmen ist ein komplexes biologisches System. So habe ich eine eigene Strategie entwickelt, das zu übertragen.

herMoney: Haben Sie sich als Frau denn nie benachteiligt gefühlt?

Gudrun Happich: Nein, das war für mich nie ein Thema. Anfragen eines großen Konzerns, die „benachteiligten Frauen“ zu stärken, habe ich deshalb auch abgelehnt – das wäre kein Job für mich. Ich denke, Frauen sollten mehr auf ihr Inneres hören. Wenn ich im Inneren von etwas überzeugt war, dann war ich auch immer erfolgreich.

 

Gudrun Happich (herMoney)Vita: Gudrun Happich, Inhaberin des „Galileo . Institut für Human Excellence“, unterstützt als Executive Coach und Sparrings-Partnerin seit 20 Jahren Unternehmenslenker und Leistungsträger in der Wirtschaft. Ihr biosystemik®-Managementkonzept verbindet ihr unternehmerisches, systemisches und naturwissenschaftliches Know -how. Für ihre Arbeit wurde die Diplom-Biologin, Blog- und Buchautorin („Was wirklich zählt“, „Ärmel hoch!“) mehrfach ausgezeichnet. Mehr Infos unter www.galileo-institut.de und www.leistungstraeger-blog.de.

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