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Aya Jaff gilt als das Wunderkind der deutschen Tech-Szene. Sie ist Studentin, Gründerin und Autorin des Bestsellers „Money Makers“.

Wir reden mit Aya Jaff über ihre Karriere als Programmiererin, was sie als Gründerin gelernt hat und warum sie Aktien so faszinieren. Sie gibt uns auch Einblicke in ihr neues Buch und erklärt uns, warum sie die Zweifel an ihrem Studium ins Silicon Valley brachten.

Hier gibt’s das Interview mit Aya Jaff auch als Podcast:

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herMoney: Ich habe den Eindruck, dass du ein Freigeist bist. Stimmt das?

Aya Jaff: Ja, absolut. Als ich jünger war, ist mir überhaupt nicht aufgefallen, wie frei ich denke. Aber später habe ich bemerkt, welche Grenzen mir die Uni und meine Eltern gesetzt haben. Ich denke, heute bin ich in so vielen Bereichen unterwegs, weil es diese Grenzen für mich nicht mehr gibt oder sie für mich keinen Sinn machen.

Du bist im Irak geboren, im Kindesalter mit deinen Eltern geflohen und hier aufgewachsen. Jetzt bist du 24 Jahre alt und wurdest bereits in die Forbes-Leadership-Liste „30 under 30“ aufgenommen. Das ist eine tolle Auszeichnung. Außerdem lobt dich die Tech-Größe Frank Thelen. Sind deine Eltern stolz auf dich und deinen Lebenslauf? Ist dir das überhaupt wichtig?

Ja klar, es ist mir wichtig, was meine Eltern denken. Ich liebe sie über alles und sie haben mich bei jedem Schritt begleitet. Insofern kennen sie mich sehr gut und ich bin froh, dass sie stolz sind. Als ich mein Studienfach wechselte und mich für Ökonomie und Sinologie statt für Wirtschaftsinformatik einschreiben wollte, haben wir lange diskutiert. Ich beziehe meine Eltern in meine Entscheidungen ein.

Du hast dir selbst programmieren beigebracht, warst Technology Officer und bist Mitgründerin von Tradity, einem Börsenspiel für Jugendliche. Wie kamst du dazu, schon so früh durchzustarten?

An meiner Schule haben vor allem Nerds programmiert, die wenige Freunde hatten. Deswegen habe ich mich erst nur zu Hause im stillen Kämmerlein mit Online-Kursen an das Programmieren herangewagt. Ich wollte den Stundenplan meiner Klasse digitalisieren und dachte mir: „Dann lernst du eben am Wochenende programmieren.“ Natürlich hatte ich das unterschätzt. Ich habe dann einen Programmierclub gegründet, um mein Wissen zu vertiefen. So waren auch meine Freundinnen motiviert, zu coden und ihre eigenen Projekte zu starten. All das hat mir viel Spaß gemacht.

Außerdem habe ich früh die Forbes gelesen. Dort wurden immer wieder Berichte über die großen Tech-Gründer veröffentlicht. Die haben mich so beeindruckt, dass ich die Bilder aus den Heften riss und sie mir an die Wand hängte. Ich wollte wie Larry Page sein. Es war sehr wichtig für mich, Vorbilder zu haben, zu denen ich aufschauen konnte.

Später habe ich angefangen, mich für die Börse zu interessieren. Im Internet stieß ich auf eine Gruppe, die ein Börsenspiel aufbauen wollte. Ich dachte: „Wenn ich mitmache, lerne ich bestimmt viel dazu.“ So war es auch. Mittlerweile ist Tradity das größte soziale Börsenspiel Deutschlands. Ich bin dort immer noch gut vernetzt und es macht mir nach wie vor Freude, mein Wissen weiterzugeben.

Du hast auch die Codedesign Factory mitgegründet, bist aber ausgestiegen. Was hast du in dieser Zeit gelernt?

Die Gründung war eine Bauchentscheidung. Ich kannte meine Mitstreiter schon länger – es war eine verrückte Mischung unterschiedlichster Berufe und Altersstufen. Wir überlegten, wie wir mit unserer Idee am besten Geld verdienen könnten. Dann wurde uns klar, dass aus der Beratung eine Speaker-Gesellschaft werden musste. Ich sah eine große Chance darin, aber dieses Business war nicht meine Leidenschaft. Dann haben sich unsere Wege getrennt, zumindest teilweise. Wir sind im Guten auseinander gegangen und ich bin nach wie vor als Speakerin für Codedesign Factory tätig.

Mein Tipp ist, Experimente zu wagen! Hätte man mir vor zwei Jahren gesagt, dass ich aus der Codedesign Factory aussteigen würde, hätte ich das als etwas Schlechtes angesehen. Aber rückblickend kann ich sagen, dass mir dieses Experiment sehr viel gegeben hat. Ich würde es nicht als Versagen bezeichnen. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.


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Du warst im Rahmen eines Stipendiums auch im Silicon Valley. Was hat dich motiviert, nach Amerika zu gehen? Mit welchen Erfahrungen bist du zurückgekehrt?

Ich stand an einem Scheideweg in meinem Leben. Denn ich hatte das Gefühl, dass Wirtschaftsinformatik nicht das Richtige für mich ist. Da war ich wirklich an einem Tiefpunkt angelangt, denn ich habe vorher immer gern programmiert. Aber auf einmal hatte ich keine Freude mehr daran. Deshalb wollte ich mit anderen Programmierern darüber sprechen, was mich in diesem Beruf erwarten würde. In Silicon Valley waren die ganz großen Tech-Unternehmen, deshalb habe ich wie besessen nach Möglichkeiten gesucht, dort hinzukommen. Ich nahm an vielen Ausschreibungen teil und irgendwann hat es geklappt. Da war ich super glücklich. Das Abenteuer Silicon Valley konnte beginnen!

Ich begegnete viele Gründern und Programmierern. Sie sagten mir: Werde doch Coder statt Computer Scientist! Ich kannte den Unterschied anfangs gar nicht. Computer Scientists gehen in die Tiefe und analysieren Algorithmen. Coder sind praktischer orientiert und bauen kleinere Apps und Webseiten. Das ist mein Ding! Es hat mir sehr geholfen, mich selbst zu akzeptieren, etwas Neues auszuprobieren und den Kurs zu wechseln.

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Dein Buch Money Makers ist schnell zum Spiegel-Besteller geworden. Darin erklärst du auch die größeren Zusammenhänge der Wirtschaft. Hier kommen die berühmten Ökonomen Keynes und von Hayek ins Spiel. Kannst du kurz erklären, wofür die beiden Herren stehen?

Beide sind wichtig, um die Wirtschaftssysteme zu verstehen, die wir heute haben. Die Zusammenhänge zu begreifen, gibt mir ein Gefühl der Kontrolle und der Ruhe. Also: Keynes war dafür, dass der Staat und die Wirtschaft immer wieder zusammenarbeiten. Der Staat solle eingreifen, wenn es sein muss. Hayek vertrat das Gegenteil: Er meinte, dass sich die Wirtschaft selbst regulieren kann. Denn die Preise seien ein perfektes Spiegelbild von Angebot und Nachfrage. Hayek war also gegen Finanzhilfen. Wenn ein Unternehmen untergeht, ist das laut Hayek eben so. Beide Ansätze konkurrieren ständig, das kann man in den Nachrichten beobachten. Ob man Konzerne retten sollte, wird auch gerade jetzt wieder eifrig diskutiert.

Bist du eher auf der Seite von Hayek oder von Keynes?

Hayek war lang in Mode. Aber ich bin für eine soziale Marktwirtschaft, die Firmen unter die Arme greift. Mein Vater ist Taxi-Unternehmer. Wegen der Corona-Krise würde er ohne staatliche Hilfen nicht über die Runden kommen.

In deinem Buch schreibst du auch über neue Trends wie KI oder Blockchain. Würdest du selbst in Bitcoins investieren?

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Nein. Bitcoins schwanken sehr stark. Außerdem habe ich zwar die Grundidee verstanden, aber keine Ahnung, welche News die Kurse stark beeinflussen und ob es sich nicht vielleicht um eine Blase handelt. Solche Trends sollte man verfolgen, aber die Finger davonlassen, wenn man die Hintergründe nicht versteht!

Was hast du gekauft, als du das erste Mal Geld an der Börse investiert hast?

Als ich 16 war, habe ich einen Fonds gekauft, der den DAX abgebildet hat. Das hat mir mein Bankberater empfohlen. Ich war bereit, fast mein ganzes Taschengeld zu investieren. Das hat sich gelohnt: Meine Freunde gingen kellnern, um ihren Führerschein zu finanzieren, und ich nahm einfach das Geld aus meinem Fonds. Seitdem bin ich ein Fan der Börse.

Und wie geht’s dir jetzt im Corona-Crash?

Mir persönlich geht es gut. Ich habe meine Sparpläne weiterlaufen lassen. Denn ich bin überzeugt, dass sich die Lage entspannen wird.

Du bist in einer Männer-Domäne unterwegs. Tust du etwas für Frauen in der Tech-Branche?

Ich beschwere mich bei meinen Bekannten von Tradity, wenn sie sexistische Werbung ausspielen. Oder ermutige sie, auch mal eine Frau im Anzug zu zeigen, die Aktien empfiehlt.


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Du bist ein großer Fan von Melinda Gates. Was fasziniert dich so an ihr?

Das ist eine Mischung aus ganz vielen Faktoren. Sie kommt aus dem Tech-Bereich und hat sich einen Teil ihres Vermögens, ihre erste Million, ohne Bill Gates erarbeitet. Außerdem engagiert sie sich auf der ganzen Welt dafür, Krankheiten auszurotten, Leben zu retten und die Bildung zu verbessern. Es geht mir unter die Haut, wie sie beschreibt, welchen Einfluss ein Förderprogramm haben kann.

Was hältst du denn von den aktuellen Verschwörungstheorien rund um Bill Gates?

Die Stiftung von Bill Gates ist dafür bekannt, dass sie versucht, Infektionskrankheiten einzudämmen. Er unterstützt außerdem Christian Drosten, unseren Star-Virologen. Man sollte die Verschwörer aufklären und die Vorwürfe dann ad acta legen.

Hast du einen letzten Tipp für unsere Leserinnen?

Für mich ist es wichtig, jeder einzelnen Frage im Kopf nachzugehen. Wie funktioniert ein Flugzeug? Was befindet sich unter dem Asphalt? Kleine Fragen führen zu großen Dingen. Man sollte keine Grenzen im Kopf haben!

Vielen Dank für das Gespräch, Aya Jaff!

Fotos: © Felix Birkenseer

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