How to Portfolio

Aktien sind eine risikobehaftete Anlageklasse, aber manche sind sicherer als andere. So machst du dein Depot 2021 krisenfest.

Inhalt:

Das Wichtigste in Kürze

ETFs und Fonds investieren in viele Unternehmen und streuen dadurch das Risiko. Wenn es bei einer Firma nicht läuft, kann das die positive Entwicklung einer anderen ausgleichen.

Bei etablierten, finanziell stabilen Konzernen gibt es generell weniger Schwankungen – sowohl nach oben als auch nach unten.

Wenn ein Unternehmen eine hohe Dividende ausschüttet, fallen Kursschwankungen nicht mehr so stark ins Gewicht.

Auch in einer schwachen Konjunkturphase muss man essen, duschen und sich unterhalten. Die Aktienkurse von Unternehmen aus Branchen wie Gesundheit, Telekommunikation und Konsumgüter schwanken daher weniger stark.

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Sichere Aktien … Gibt es so etwas? Die schlechte Nachricht ist: Leider nein! Kursschwankungen sind das Wesen von Aktien und Aktienfonds. Dafür, dass wir diese Schwankungen ertragen, werden wir im Schnitt mit einer höheren Rendite belohnt, als wir sie von Festgeld, Sparbuch und von festverzinslichen Wertpapieren her kennen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Manche Aktien sind riskanter und manche sicherer als andere.

Welche Aktien lohnen sich im Jahr 2021 und sind möglichst sicher? Um die weniger riskanten Aktien und Branchen zu finden, muss man nicht unbedingt Finanzwissenschaften studiert haben, sondern gesunder Menschenverstand reicht aus.

Faustregel für sicherheitsbewusste Anlegerinnen: „Breit gestreut, nie bereut“

Die erste Überlegung ist: Wer sein Depot breit streut, also Aktien aus verschiedenen Regionen und unterschiedlichen Branchen kauft, ist breiter aufgestellt. Dadurch verringert sich das Risiko. Denn Spitzen-Risiken, die in einer Branche, Region oder bei einem einzelnen Titel auftreten, können in einem breit angelegten Aktiendepot durch andere Werte ausgeglichen werden. Hier kommt die alte Börsen-Empfehlung zum Tragen: „Nicht alle Eier in einen Korb legen!“

Realisieren kannst du eine breite Streuung am einfachsten über einen Aktienfonds, der auch gern ein Aktien-ETF sein kann. Wenn du beispielsweise in einen Fonds investierst, der wie der MSCI World-Index, der Euro Stoxx 50 oder EuroStoxx 600 investiert, bist du ziemlich breit aufgestellt. Diese Indizes eignen sich für ein Basis-Investment, das du mit einzelnen Themen-ETFs anreichern kannst.

Beispiele für Themen-ETFs:

Name 1-Jahres-Schwankungen Maximale Verlust innerhalb von 10 Jahren Rendite nach einem Jahr Rendite nach 5 Jahren
MSCI World / Telekommunikationsausrüstung 25,76 -28,60 0,40 10,82
MSCI World / Langlebige Konsumgüter 29,13 -20,62 25,00 15,01
MSCI World / Verbrauchsgüter 13,89 -12,31 -5,16 4,53
MSCI World / Energiewirtschaft 48,90 -54,43 -28,26 -3,30
MSCI World / Finanzen 32,10 -30,14 -9,79 7,01
MSCI World / Gesundheitswesen 16,70 -15,66 6,70 9,94
MSCI World / Industriewerte 27,80 -24,89 0,25 10,25
MSCI World / Informationstechnologie 24,59 -16,47 26,61 24,99
MSCI World / Werkstoffe 25,43 -26,78 14,78 14,19
MSCI World / Versorger 15,47 -17,52 -9,78 7,40

Wenn du dir einen entsprechenden Preis-Chart anschaust, wirst du feststellen, dass die Corona-Krise im März 2020 auch hier eine „V“-förmige Zacke nach unten verursacht hat. Das zeigt: Auch breit gestreute Aktien-ETFs sind nicht 100-prozentig sicher. Aber in diesem Fall hatten sich die Kurse bis zum Sommer 2020 wieder erholt. Hättest du beispielsweise in die Aktie des Kreuzfahrten-Anbieters Carnival Lines investiert, hättest du eine längere Durststrecke erdulden müssen. Deshalb gelten ETFs als vergleichsweise sichere Aktienanlage für Anfängerinnen.


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Standardwerte-Aktien von großen, stabilen Unternehmen

Eine weitere Möglichkeit, sich mit möglichst stabilen Aktien defensiv aufzustellen ist, in sogenannte Blue Chips zu investieren. Dabei handelt es sich um umsatzstarke Aktien von großen und finanziell stabilen Unternehmen.

Solche Standardwerte stehen im Kontrast zu kleinen Wachstumswerten, sogenannten Small Caps. Ein kleines Wachstumsunternehmen kann zum Beispiel durch eine einzelne Erfindung oder einen pfiffigen Vertriebsweg in kurzer Zeit erfolgreich werden und an der Börse durch die Decke gehen. Diese Chance hast du mit einem Blue Chip kaum.

Auf der anderen Seite sind Aktien von beispielsweise Siemens, General Electric oder Samsung behäbiger und sicherer. Bei ihnen sind die Ausschläge nach oben und nach unten geringer als bei den kleinen Flitzern, den Small-Caps. Wie die Tabelle zeigt, können zwar auch bei Blue-Chip-Unternehmen erhebliche Kursschwankungen auftreten, aber im Schnitt sind sie geringer als bei Small Caps.

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Auswahl an Blue-Chip-Aktien (Wertentwicklungsangaben in Euro):

Unternehmen ISIN Dividenden-Rendite (2022e) Wertentwicklung 5 Jahre Wertentwicklung 1 Jahr
SAP DE0007164600 1,63% 52,41% -17,30%
Coca-Cola US1912161007 3,43% 6,59% -25,18%
Deutsche Post DE0005552004 3,49% 96,43% 28,82%
Nestlé CH0038863350 2,92% 38,93% -8,21%

Hinweis: Das “e” bei “2022e” steht für „estimate“, also den geschätzten Wert. Die Dividenden für die Jahre 2020 – 2022 sind noch nicht bekannt, d.h. hier werden die Dividenden-Schätzungen der Analysten  ins Verhältnis zum aktuellen Kurs gesetzt.

Quelle: Onvista, Abruf 18.02.2021

Du siehst: Auch bei der Wertentwicklung über ein Jahr wirkt sich die Corona-Krise noch ziemlich stark aus. Erkennbar ist auch, dass die Deutsche Post ein Gewinner der Corona-Krise war, weil Online-Bestellungen so stark zugenommen haben.

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Aktien mit hohen Dividenden bieten etwas mehr Sicherheit

Eine gewisse Sicherheit nach unten bieten auch Aktien, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Die Dividendenrendite gibt an, wieviel die Dividendenzahlung vom aktuellen Kurswert ausmacht. Wenn eine Aktie zum Kurs von 100 Euro gehandelt wird und zuletzt eine Dividende von 5 Euro gezahlt hat, ergibt das eine Dividendenrendite von 5 %.

Natürlich ist nicht gesichert, dass das Unternehmen im nächsten Jahr wieder 5 Euro Dividende auszahlt, aber Firmen sind bestrebt, eine möglichst kontinuierliche Dividendenpolitik zu betreiben, sprich: Die Dividenden von Jahr zu Jahr nicht zu stark schwanken zu lassen. Und wenn du schon einmal 5 % Dividendenrendite einstreichen konntest, machen dir mögliche Schwankungen im Kurs der Aktie vermutlich gar nicht mehr so viel aus. Du behältst einfach die Aktie und kassierst die Dividende. Weil nicht nur du, sondern auch andere Anleger so denken, ist in Aktien mit hoher Dividendenrendite weniger Bewegung, sprich sie weisen weniger Schwankungen (Volatilität) auf.

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Das Analyse-Haus Morningstar hat für herMoney Top-Fonds herausgesucht, die auf Dividenden setzen. Es zeigte sich, dass die aktiven Fonds aktuell durchweg besser performen als die ETFs.

Name ISIN 5-Jahres-Rendite (pro Jahr) 3-Jahres-Rendite (pro Jahr) Kosten in % Bewertung 5-Jahres-Schwankungen (pro Jahr) 3-Jahres-Schwankungen (pro Jahr) Volumen in Mio.
M&G (Lux) Glb Dividend A EUR Acc LU1670710075 10,12 5,19 1,94 3 17,07 21,18 1.912
Jupiter Merian Glb Eq Inc (IRL) L $ Inc IE00BYM85152 9,26 4,38 1,82 4 14,94 18,09 60
JPM Global Dividend A (acc) USD LU0329201957 8,91 8,16 1,81 4 13,65 16,49 285
Name ISIN 5-Jahres-Rendite (pro Jahr) 3-Jahres-Rendite (pro Jahr) Kosten in % Bewertung 5-Jahres-Schwankungen (pro Jahr) 3-Jahres-Schwankungen (pro Jahr) Volumen
Aegon Global Equity Income EUR A Inc IE00BF5SW189 8,84 7,26 1,36 4 13,23 16,18 623
HSBC GIF Global Equity Div AC USD LU1236619661 8,29 7,12 1,85 4 12,84 15,78 33
ACATIS Value und Dividende A AT0000A146T3 8,25 6,83 1,59 4 11,28 13,89 62
Name ISIN 5-Jahres-Rendite (pro Jahr) 3-Jahres-Rendite (pro Jahr) Kosten in % Bewertung 5-Jahres-Schwankungen (pro Jahr) 3-Jahres-Schwankungen (pro Jahr) Volumen
Guinness Global Equity Inc C USD Dist IE00B42XCP33 7,92 7,51 1,84 4 11,72 14,26 1.496
MainFirst Global DividendStars A LU1238901240 7,69 3,20 1,99 3 16,12 20,29 30
LLB Aktien Dividendenperlen Glbl (CHF) T LI0008475134 7,40 5,00 0,80 4 12,80 15,53 112
Fidelity Global Equity Inc A-MInc(G)-EUR LU1084165056 6,83 9,01 1,94 4 10,17 11,94 200

Legende: Bewertung = Morningstar-Sterne (5 = top, 1 = schlecht), Volumen = enthaltene Gelder in Euro, Schwankungen = Risiko

Quelle: Morningstar, 19.02.2021

Die 10 DAX-Titel mit der aktuell höchsten Dividenden-Rendite

Unternehmen Branche ISIN Dividenden-Rendite
BASF Chemie / Pharma DE000BASF111 6,11%
Allianz Finanzsektor DE0008404005 5,95%
BMW Auto DE0005190037 5,31%
EON Versorger DE000ENAG999 4,55%
Bayer Chemie / Pharma DE000BAY0017 4,55%
Münchener Rück Finanzsektor DE0008430026 4,44%
Deutsche Telekom Telekommunikation DE0005557508 3,91%
Volkswagen Auto DE0007664039 3,54%
Covestro Industrie DE0006062144 3,48%
Continental Auto DE0005439004 3,45%

Quelle: Dividendenchecker, 18.02.2021

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Defensive Branchen, die immer gefragt sind

Außerdem gibt es zyklische und nicht-zyklische (= defensive) Branchen. „Nicht-zyklische Konsumgüter, beispielsweise Lebensmittel, werden in der Regel laufend nachgefragt, unabhängig vom Konjunkturzyklus. Die Aktienkurse nicht-zyklischer Unternehmen schwanken daher weniger stark als diejenigen zyklischer Unternehmen“, erklärt Barbara Claus, Direktorin für Investmentfonds beim Analysehaus Scope, und fährt fort: „Typische nicht-zyklische Sektoren sind beispielsweise Konsumgüter, Telekommunikation, Gesundheit. Deren Umsatz hängt weniger stark an der wirtschaftlichen Entwicklung.“ Sie funktionieren nach dem Motto: Gegessen und geduscht wird immer, egal was die Konjunktur macht.

Zyklische Unternehmen sind hingegen stark abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Zu den zyklischen Branchen gehören beispielsweise Rohstoffunternehmen oder Firmen aus dem Automobil-Sektor, denn Rohstoffe, Autos und andere langlebige Wirtschaftsgüter werden vermehrt nachgefragt, wenn die Konjunktur gut läuft.

Deutlich sichtbar wird das, wenn man sich den Öl-Preis während der Corona-Krise ansieht: Lag der Preis pro Barrel Bent Öl am 6. Januar 2020 noch bei 68,90 US-Dollar, fiel er am 15. April 2020 auf 28,07 US-Dollar – ein Rückgang von knapp 60 Prozent! Entsprechend fielen auch die Aktienkurse von Ölförder-Unternehmen wie Royal Dutch Shell, Total oder BP. Am 18. Februar 2021 lag der Ölpreis aber wieder bei über 63 US-Dollar.

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Am besten kamen noch die Branchen Gesundheit, Technologie und Versorger durch die Corona-Krise, obwohl auch sie deutliche Verluste hinnehmen mussten. Als besonders riskant erwiesen sich Unternehmen aus dem Energie- und dem Finanzsektor.

Wenn du zwar in Aktien investierst, dich aber trotzdem möglichst defensiv aufstellen willst, kannst du auf verschiedene ETFs setzen, die in eher defensive Branchen anlegen. Wenn du hier noch einen guten Mix aus verschiedenen Branchen zusammenstellst, hast du dein Aktien-Depot so gut es geht gegen Krisen abgesichert. Wie man an den Performance-Zahlen des Jahres 2020 sieht, schützt auch das nicht vor Kursrückgängen, denn die Corona-Krise bescherte letztlich allen Branchen Verluste. Aber zumindest sind auf diese Weise die Verluste nicht so groß.

Änderungen aufgrund der Energiewende oder anderer Trends
Ob eine Branche defensiv oder zyklisch ist, kann sich über die Zeit ändern. Während Versorgungsunternehmen vor etwa 25 Jahren aufgrund ihrer stabilen Geschäftsmodelle als defensiv galten, sind sie mittlerweile eher den Zyklikern zuzurechnen.

Die Gründe liegen in den hohen Fixkosten (z.B. für Kraftwerke), einem überdurchschnittlich hohen Verschuldungsgrad (wegen notwendiger Investitionen) und der Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energiequellen. So können aus ehemals defensiven Werten wie EON oder RWE über die Zeit durchaus offensive Werte werden.

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herMoney-Tipp

Welche Aktien am sichersten sind, ist schwer zu sagen. Tatsächlich gibt es 100-prozentig sichere Aktien nicht, denn Aktien sind immer mit Risiken behaftet. Sie stellen letztlich eine Beteiligung an einem Unternehmen dar, und dem kann es mal besser und mal schlechter gehen.

Wenn du Börsen-Anfängerin bist und vorsichtig diesen Markt erproben willst, solltest du für den Anfang eher auf defensive Fonds oder defensive Aktien setzen. Sonst erschreckst du beim ersten Crash so, dass du einen typischen Börsenfehler begehst und im Rahmen einer Rezession panisch alles verkaufst.

Dass es schlecht ist, zu sehr niedrigen Kursen zu verkaufen, dürfte jeder Anlegerin in der Theorie klar sein. Aber in der Praxis ist es oft schwierig, über gewisse Zeiten große Verluste auszuhalten und am Ende nicht doch panisch zu reagieren. Da hilft es, wenn die Verluste zumindest etwas milder ausfallen.

Weitere Tipps, wie du Risiken von Aktien, Fonds und ETFs senkst, erfährst du hier.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kaufe nicht irgendwelche Fonds. Mache dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu liest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitz die Kursschwankungen einfach aus. Ganz mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

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Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.