Eine eiserne Reserve muss sein. Wir erklären, wie viel du brauchst und wo der Notgroschen am besten aufbewahrt wird.

Inhalt:

Das Wichtigste in Kürze

Drei Netto-Monatsgehälter sollten es mindestens sein. Familien, Selbstständige und Immobilienbesitzer sollten mehr ansparen.

Der Notgroschen muss jederzeit verfügbar sein. Ein Tagesgeldkonto ist deshalb besonders für die eiserne Reserve geeignet.

Ansparen kannst du das Geld Stück für Stück – zum Beispiel per Dauerauftrag vom Giro- aufs Tagesgeldkonto.

Was ist ein Notgroschen und wofür ist er gut?

Schnell ist es passiert: Die Waschmaschine ist kaputt oder das Auto muss in die Reparatur. Wer jetzt einen Notgroschen auf der Seite hat, kann auch höhere Rechnungen problemlos begleichen. Natürlich kann es auch sein, dass du länger krank bist oder deine Firma pleite geht. Auch in diesem Fall ist eine eiserne Reserve unerlässlich, um über die Runden zu kommen.

Auch wenn du ihn nie brauchen solltest: Ein Notgroschen schenkt Sicherheit in unsicheren Zeiten und ist schon deshalb von Bedeutung.

Höhe deines Notgroschens: Wie viel du auf der Seite haben solltest

Drei Monatsgehälter solltest du als finanzielle Reserve auf dem Konto haben. Das gilt für alle: Berufseinsteiger, Mini-Jobber, Studenten und Senioren. Schließlich kann es auch ihnen passieren, dass sie auf einmal Geld für eine Neuanschaffung brauchen.

Höhe des Notgroschen für

  • Geringverdiener: Auch Geringverdiener brauchen eine eiserne Reserve. 5.000 Euro sollten es mindestens sein!
  • Familien: Familien brauchen einen höheren Notgroschen als kinderlose Paare oder Singles. Wenn du Kinder hast, bilde am besten für jedes Kind Rücklagen. Denn Familien mit Kindern haben häufig mit höheren ungeplanten Ausgaben zu kämpfen. Je älter die Kinder, desto höher sollte die Reserve sein.
  • Immobilienbesitzer: Auch wenn du ein Haus oder eine eigene Wohnung hast, sollte der Notgroschen etwas höher ausfallen. So musst du notwendige Reparaturen nicht aus den laufenden Einnahmen zahlen oder dir Geld von Freunden oder den Eltern leihen.
  • Solo-Selbstständige sollten einen Notgroschen von sechs Monatsausgaben zur Verfügung haben. Falls eine Wirtschaftskrise kommt oder die Auftragslage aus anderen Gründen schlecht ist, bist du damit erst einmal abgesichert.

Gut zu wissen: Zum Ausgleich der Inflation kannst du deine Rücklagen alle paar Jahre um 10 % aufstocken.

Notgroschen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto?

Das Girokonto zahlt in der Regel keine Zinsen – es ist also nicht der richtige Ort, um Geld anzusparen. Wer Geld für Anschaffungen zurücklegt und es vorübergehend parkt, sollte über ein Tagesgeldkonto nachdenken.

Tagesgeld trotz Zinsflaute? Ja! Selbst bei Null- beziehungsweise Niedrigzinsen bis 0,4 Prozent ist das Tagesgeldkonto der richtige Ort für deinen Notgroschen. Oft erhältst du hier noch immer ein paar winzige Prozentpunkte mehr als auf dem Sparbuch, das übrigens hierzulande noch immer zu den beliebtesten Geldanlagen zählt. Zudem hat der Sparer jederzeit Zugriff auf die Einlage auf dem Tagesgeldkonto, egal ob Komplett- oder Teilbeträge. Es gibt keine Kündigungsfristen. Kaum eine Bank verlangt eine Mindestanlage, es funktioniert ab einem Euro.

Weiterer großer Pluspunkt: Tagesgeldkonten sind gebührenfrei. Es fallen weder Kontoführungsgebühren, Kosten für Online-Kontoauszug oder Kosten bei Eröffnung oder Schließung an. Selbst wenn es einige Zeit ruht, tut es dem Geldbeutel nicht weh.

Aber Achtung, Negativzinsen sind längst keine Seltenheit mehr! Es kann also sein, dass deine Bank Gebühren dafür verlangt, dass sie dein Geld verwahrt. Oft spricht man hier von einem sogenannten “Verwahrentgelt”, das ab einer gewissen Summe (in der Regel zwischen 50.000 und 250.000 Euro) fällig wird. Viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken gewähren allerdings sogar nur noch Freibeträge von bis zu 10.000 Euro. Auf jeden Euro mehr zahlst du dann Strafzinsen.

Dieser negative Zinssatz ist meist identisch mit dem negativen EZB-Einlagensatz (-0,50 Prozent im Jahr), den die Geschäftsbanken für das Geld zahlen, das sie kurzfristig bei der EZB parken.

Selbst wenn du bisher vielleicht sogar noch zu den Glücklichen gehörst, die für ihr gespartes Geld ein paar Prozentpunkte Zinsen erhalten, erschrecke dich nicht, wenn du plötzlich doch zur Kasse gebeten wirst: Tagesgeld wird variabel verzinst und die Kreditinstitute können je nach Marktentwicklung die Zinsen anpassen.

Karten gibt es zu einem Tagesgeldkonto übrigens nicht. Wie bitte, keine EC- oder Kreditkarte zur Eröffnung? Das schaut auf den ersten Blick nicht nach Riesen-Vorteil aus – ist es aber. Denn so ist selbst das Geld von weniger disziplinierten Sparer*innen vor Spontankäufen sicher.

Allerdings verliert Tagesgeld nach Inflation unter Umständen an Wert – selbst, wenn du von Strafzinsen nicht betroffen bist. Die Summe bleibt gleich, aber je nach Preisentwicklung und Laufzeit bekommst du weniger Waren für dein Geld.

Nach Negativ-Meldungen über Bankencrashs und -pleiten der letzten Jahre zögern viele, ihr Geld einer Bank anzuvertrauen. Zur Beruhigung: Einlagen von Tagesgeld, Spar- und Girokonten privater Bankkunden bei deutschen Banken sind durch den gesetzlichen Einlagensicherungsfonds bis maximal 100.000 Euro pro Konto und Kunde geschützt. Darüber hinaus bieten viele Banken zusätzlichen Schutz über freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Frag bei deiner Bank nach.

Schon gewusst? Tagesgeldkonten gibt es auch bei nachhaltigen Banken!

Für den Notgroschen in ETF oder Gold investieren?

Tagesgeld schwankt nicht im Wert, wie etwa das in Aktien oder Fonds investierte Vermögen. Das Geld, das eingezahlt ist, gibt es – bestenfalls mit Zins und Zinseszins – zurück. Bei ETFs und Gold ist das nicht zwangsläufig der Fall: Wenn die Waschmaschine gerade während eines Börsencrashs kaputt geht, musst du mit Verlusten verkaufen. Auch der Goldpreis schwankt und ist nicht unbedingt dann hoch, wenn eine Reparatur fällig ist. Um Verluste zu vermeiden, ist es sinnvoller, Rücklagen auf einem Tagesgeldkonto zu haben.

Dein Depot nutzt du am besten, um langfristig Vermögen aufzubauen. Wenn du in den nächsten zehn Jahren nicht über das Geld verfügen musst, das in Fonds oder ETFs liegt, sind die Risiken gering.

Notgroschen ansparen: So geht’s

Klar, drei Monatsgehälter hat kaum jemand mal eben im Portemonnaie. Effektive und einfache Möglichkeit, einen Liquiditätspuffer zu schaffen, ist der monatliche Dauerauftrag, direkt vom Gehaltskonto aufs Tagesgeldkonto. Konsequent und stur, Monat für Monat, bis das finanzielle Backup aufgebaut ist. Mit dieser Empfehlung sparst du dir einen Notgroschen an, ohne Verzicht üben zu müssen.


Sparen kann so einfach sein!
So hilft dir eine Haushaltskasse, überflüssige Ausgaben zu finden.

 


„Tagesgeldhopping“: Rechnet sich das?

Mittlerweile ein beliebter Sport unter Sparfüchsen ist das sogenannte Tagesgeldhopping. Hier hoppen Anleger von einem Konto zum nächsten, um immer den besten Zins zu erhaschen. Hintergrund: Um an Neukunden zu gelangen, gehen Banken mit attraktiven Angeboten auf Kundenfang. Sie bieten einen über mehrere Monate festgeschriebenen guten Aktionszins. Nach Ablauf zählt man zu den Bestandskunden und erhält unter Umständen gar keine Zinsen mehr.

Ob sich Zinshopping für dich lohnt? Dazu eine einfache Überschlags-Rechnung: Ein Vergleichsrechner berechnet für einen Betrag von 10.000 Euro über drei Monate rund 5,00 Euro Zinsen für den Neukunden. Der Bestandskunde erhält für den gleichen Betrag und Zeitraum rund 1 Euro. Vor Steuer! Denn 25 Prozent Kapitalertragssteuer und Soli gehen noch weg. Gewinn also unter 4 Euro. Möchtest du also alle drei bis sechs Monate ein Konto schließen, ein anderes neu eröffnen, Freistellungsaufträge hin und herschicken? Für weniger als vier Euro?

herMoney-Tipp:

Jetzt weißt du, wie viel Geld du als Notgroschen brauchst. Es macht Sinn, deine Rücklagen auf dem Tagesgeldkonto zu parken. Ein Vergleich der Konditionen lohnt, aufwändiges Zinshopping jedoch macht wenig Sinn. Die Zeit nutzt du besser mit der Lektüre eines Buches zur richtigen Geldanlage!

In sechs Schritten zum Tagesgeld-Konto:

Ein Tagesgeldkonto kannst du bei deiner Hausbank oder bei einer Direktbank eröffnen. Vorteil Hausbank: Man kennt sich, und der Antrag wird gleich am Schalter eröffnet. Vorteil Direktbank: Hier gibt es in der Regel die besseren Konditionen und wirklich kompliziert ist die Eröffnung nicht.

  1. Für einen guten Überblick in einem Online-Rechner Anlagebetrag und Laufzeit eingeben und vergleichen. Dabei nicht nur auf den Zins schauen, sondern zusätzlich einen Blick auf Sicherheit und Kundenbewertungen werfen.
  2. Kreditinstitut auswählen und Kontoeröffnungsformular online ausfüllen und abschicken.
  3. Der Eröffnungsantrag kommt wenige Tage später auf dem Postweg. Lesen, eventuell ergänzen und das Original eigenhändig unterschreiben.
  4. Mit Briefumschlag, Kontoeröffnungsformular, Freistellungsauftrag (falls der Sparerfreibetrag nicht aufgebraucht ist, gleich mitschicken) und Personalausweis zur nächsten Postfiliale gehen. Hier schnell und einfach die Legitimation mit Postident Verfahren durchführen.
  5. Nach ein paar Tagen kommen mindestens zwei Briefe mit Zugangsdaten, Pin, TANs und der Kundenausfertigung vom Vertrag.
  6. Geld auf Tagesgeldkonto überweisen oder gegebenenfalls Dauerauftrag einrichten.

Aktualisierung: Simin Heuser, März 2021