Als Aktionärin können Sie soziale und ökologische Ziele verfolgen. Manuela von Ditfurth stellt unterschiedliche Investment-Konzepte vor.

Seit Jahren steigen die Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Investmentlösungen. Stichworte wie ökologischer Fußabdruck, faire Arbeitsbedingungen oder ein guter Ordnungsrahmen (Corporate Governance) stehen stellvertretend für diesen Trend. Unabhängig von rein wirtschaftlichen Überlegungen wollen Anleger zunehmend Einfluss darauf nehmen, was mit ihrem Geld passiert. Denn wie beim Konsum bestimmt auch in der Geldanlage die Art, wie das Geld verwendet wird, darüber, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussieht. Geld bedeutet Macht. Und viele Anleger haben entschieden, dass sie diese Macht für ihre Ziele und Zwecke einsetzen wollen.

Ganz neu ist das nicht, wie die De-Investment­Kampagnen der Vergangenheit zeigen – so etwa die Initiative „Go Fossil Free“, die angesichts des Klimawandels öffentliche Einrichtungen, Organisationen oder Pensionsfonds aufforderte, keine Gelder mehr in Unternehmen aus dem Bereich fossiler Energien zu investieren.

Nachhaltig Geld verdienen

Heute tritt die ursprüngliche Idee nachhaltigen Investierens stärker in den Fokus – die Annahme, dass Unternehmen überdurchschnittliche Renditen erzielen und langfristig den Unternehmenswert steigern, wenn sie sich frühzeitig auf neue ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen vorbereiten. Denn dadurch lassen sich Risiken früher erkennen und Chancen schneller ergreifen – was am Ende auch den Aktionären (den sogenannten Shareholdern) zu Gute kommt. Nachhaltiges Wirtschaften stärkt das Vertrauen von Verbrauchern, Geschäftspartnern und Investoren, denen es nicht mehr gleichgültig ist, unter welchen Bedingungen Produkte und Leistungen entstehen.

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Ein Ziel. Fünf Strategien.

Beim Thema Nachhaltigkeit in der Vermögensanlage haben sich in den letzten Jahren verschiedene ESG­Strategien etabliert. ESG steht für „Environmental, Social, Governance“ (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung). Im Wesentlichen konzentrieren sich nachhaltige Investoren auf fünf Ansätze.

Ausschlusskriterien
Beim „Negativscreening“ werden bestimmte Branchen oder Themen wie etwa Rüstungsgüter, Atomkraft, Kohle komplett ausgeschlossen. Fondsmanager, die nach dieser Strategie arbeiten, können nicht in Unternehmen dieser Branchen investieren.

Positivliste
Hier landen Unternehmen, die bestimmte Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung überdurchschnittlich gut erfüllen – von Klimaeffizienz über geringen Wasserverbrauch bis hin zu Arbeitssicherheit und der Zufriedenheit der Mitarbeiter. Oft beschränkt sich die Auswahl auf Unternehmen besonders „nachhaltiger“ Branchen – wie Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Wassertechnik oder Recycling.

Best in class
Auch hier findet ein Positivscreening statt, jedoch ist der Ansatz für alle Branchen umsetzbar. Sortiert werden die Unternehmen zunächst nach Sektoren oder Branchen, dann filtert man aus jeder einzelnen Gruppe die Aktien heraus, die die Nachhaltigkeitskriterien am besten erfüllen.

Engagement
Beim aktiven Aktionärstum (auch „Active Ownership“ wiederum versuchen Investoren, durch einen direkten Dialog mit der Unternehmensführung und durch eine gezielte Ausübung Ihres Stimmrechts Einfluss auf Unternehmen mit kritischen Aktivitäten auszuüben.

Integration
Bei der Integration fließen alle Nachhaltigkeitsfaktoren in die Finanzanalyse mit ein. Die Qualität eines Unternehmens wird also nicht nur auf Basis der Finanzkennzahlen, sondern auch anhand der Umsetzung von ESG­Faktoren wie Umwelt, Menschenrechte oder Korruption gemessen.

Ausschluss oder Siegerehrung?
Wer nach ESG­Kriterien investieren möchte, muss sich grundsätzlich zwischen zwei Herangehensweisen entscheiden: Mit „Positivkriterien“ identifiziert man gezielt Unternehmen, die sich durch nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Produkte oder Prozesse auszeichnen. Mit Negativkriterien werden Unternehmen, Branchen oder Staaten aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen, die bestimmte ESG­Kriterien nicht erfüllen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen.

Relativ oder absolut?
Im nächsten Schritt können Investoren dann einen absoluten oder einen relativen Ansatz verfolgen. Sollen bestimmte Anforderungen zwingend erfüllt sein (Ausschluss, Positivliste), oder möchten Sie auf die Unternehmen setzen, die die ESG-Kriterien besser umsetzen als ihre Wettbewerber? Beide Ansätze haben unterschiedliche Konsequenzen für Ihr Investment.

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Ein absoluter Ansatz bietet den Vorteil, im Hinblick auf Nachhaltigkeit gewisse Mindeststandards zu setzen. Da aber bestimmte Aktien oder Branchen ausgeschlossen werden, könnte die Diversifikation Ihres Portfolios leiden.

Beim relativen Ansatz dagegen (Best in class) werden alle Branchen berücksichtigt. Die breite Streuung reduziert die Anlagerisiken, kann aber Ihrem Ziel zuwider laufen, nur in „nachhaltige“ Unternehmen investieren zu wollen. Denn nicht nur klassische Nachhaltigkeitsbranchen wie erneuerbare Energien und Umwelttechnologie werden berücksichtigt, sondern eben auch die nach dem ESG-Rating führenden Automobil-, Öl­ oder Chemiekonzerne.  Mit anderen Worten: Sie laufen Gefahr, in Aktien zu investieren, die zwar absolut gesehen nicht sehr nachhaltig sind, aber in ihrer Branche relativ gut dastehen. Auf der anderen Seite werden möglicherweise Aktien ausgeschlossen, die innerhalb ihrer Vergleichsgruppe nicht zu den Besten gehören, aber immer noch besser sind als die meisten Unternehmen aus einer anderen Branche.

Angesichts dieser Vielfalt bleibt es Ihre Aufgabe als Investor, den Nachhaltigkeitsansatz auszuwählen, der am besten zu Ihren Anlagezielen passt. Mit jedem Ansatz können Sie als Aktionärin dazu beitragen, die Politik der Konzerne in die gewünschte Richtung verändern.

von Ditfuhrt (herMoney)Gastbeitrag

 Manuela von Ditfurth hat sich bereits im Jahr 2000 auf nachhaltige Geldanlage spezialisiert. Die Fondsmanagerin begann ihre Karriere 1989 beim Bankhaus Metzler und arbeitet seit 1998 bei Invesco im Asset Management.