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Viele MinijobberInnen wissen nicht, dass ihnen eine Lohnfortzahlung zusteht, wenn sie krank werden. Wir erklären dir deine Rechte!

Inhalt

Lohntfortzahlung & Krankengeld

Krankmeldung

Krank im Urlaub

Wann gibt es keine Entgeltfortzahlung?

Wie viel Geld gibt es?

Berechnung der Krankheitstage

Krankmeldung im Minijob: Das Wichtigste in Kürze

Als Minijobberin hast du sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Du bekommst damit das Geld, das du in dieser Zeit verdient hättest. Zahlt deine Firma nicht, kann die Kasse einspringen.

Arbeitest du in deiner Hauptbeschäftigung Vollzeit, gibt es nach den sechs Wochen Krankengeld von der Kasse. Reine 450-Euro-JobberInnen gehen hier leider leer aus.

Auch im 450-Euro-Job ist eine Krankmeldung erforderlich. Teile deiner Firma möglichst schnell per E-Mail oder Telefon mit, dass du nicht kommen kannst. Ab drei Tagen ist meist ein Attest erforderlich.

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Minijob auf Stundenbasis: Anspruch auf Lohnfortzahlung und Krankengeld?

Die Minijobzentrale bestätigt: 450-Euro-Kräfte (ab Oktober 520 Euro) haben einen „Anspruch darauf“, dass Arbeitgeber ihnen den regelmäßigen Verdienst im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen weiterzahlen.

Das bedeutet, sie müssen den Verdienst für die Tage zahlen, an denen der Minijobber oder die Minijobberin ohne Arbeitsunfähigkeit arbeiten müsste. Das ist auch dann so, wenn dein Kind unter 12 Jahren nachweislich krank ist und du es betreuen musst.

Wer zahlt Krankengeld im Minijob?

Nach sechs Wochen endet die Lohnfortzahlung. Sind MinijobberInnen länger krank, erhalten sie kein Krankengeld von der Kasse wie Vollzeitangestellte. Das gilt für alle MinijobberInnen – auch für RentnerInnen. Sind MinijobberInnen länger als sechs Wochen krank, müssen sie also an ihr Erspartes, um die fehlenden Einnahmen auszugleichen.

Da im 450-Euro-Job kein Anspruch auf Krankengeld besteht, entfällt auch die Möglichkeit, Kinderkrankengeld zu beziehen.

Krankengeld trotz Minijob

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Anders sieht es aus, wenn du einen Minijob und eine Vollzeitstelle hast. In dem Fall kannst du durchaus Krankengeld beziehen. Theoretisch kannst du sogar deinen Minijob parallel weiter ausüben, es sei denn, die Genesung dauert dadurch länger. Doch das wirft mit Sicherheit beim hauptsächlichen Arbeitgeber die Frage auf, wie krank du bist. Also solltest du hier gut überlegen.

Wenn du einen Vollzeit- und einen Minijob hast, wird das Krankengeld nicht angerechnet. Denn der Krankengeldanspruch basiert auf der Haupttätigkeit.

Wann ist man krank?

Hier hat das Bundesarbeitsgericht eine klare Definition parat. Du bist dann arbeitsunfähig, wenn du aufgrund der Krankheit nicht mehr die Arbeitsleistungen erbringen kannst, die im Arbeitsvertrag stehen. Darüber hinaus bist du ebenfalls als arbeitsunfähig einzustufen, wenn sich durch Antritt beim Job eine Verschlimmerung der Gesundheit ergeben würde.

„Der Anspruch besteht auch, wenn die Arbeitsunfähigkeit durch einen Arbeits-, Sport- oder Verkehrsunfall verursacht wurde“, erklärt die Techniker Krankenkasse (TK). „Die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit muss die alleinige Ursache für den Ausfall der Arbeitsleistung sein. Anspruch auf die Entgeltfortzahlung besteht also nur dann, wenn der Arbeitnehmer ohne die Arbeitsunfähigkeit die Arbeitsleistung erbracht hätte.“

Bist du allerdings erst weniger als vier Wochen bei deinem Unternehmen tätig, hast du laut Anwalt Jan Paul Seiter keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Krankmeldung im Minijob: Muss ich den Arbeitgeber informieren?

Sowohl als MinijobberIn als auch Vollzeitbeschäftigte musst du deine Arbeitsstelle unverzüglich informieren, wenn du krank bist. Auch darüber, wie lange du schätzungsweise ausfällst. „Unentschuldigtes Fehlen könnte eine Lohnkürzung nach sich ziehen“, warnt Fachanwalt Jan Paul Seiter.

Zieht sich die Genesung länger als drei Kalendertage hin, benötigst du eine ärztliche Krankschreibung. Es sei denn, in deinem Arbeitsvertrag stehen andere Angaben. „Häufig finden sich auch solche Regelungen, dass ein Attest bereits ab dem ersten Tag erforderlich ist“, so Jan Paul Seiter.

Ist der Krankheitstag zugleich ein Feiertag, gilt der nächste Werktag als Vorlagedatum. „Wenn du ab Freitag krank zu Hause bleibst und am Montag noch immer arbeitsunfähig bist, muss das Attest am Montag dem Arbeitgeber vorliegen – auch dann, wenn Samstag und Sonntag für dich freie Tage sind“, erklärt die Rechtsschutzversicherung Advocard.

Die Krankenkasse muss ebenso unterrichtet werden. Kann deine Ärztin oder Arzt schon elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen, übernimmt die Praxis die Versendung an die Krankenkasse. Also nachfragen, ob das so funktioniert.

Musst du dein krankes Kind zu Hause pflegen, benötigst du ebenfalls ein ärztliches Attest. Und zwar ab dem ersten Tag des Fernbleibens.

Die Krankmeldung ist auch dann verpflichtend, wenn du keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hast. Das Gleiche gilt bei Verlängerung der Krankschreibung durch den Arzt. Legst du die Bescheinigung nicht vor, kann dir dein Unternehmen die Entgeltfortzahlung so lange verweigern, bis du sie nachreichst.

Krankheit im 450-Euro-Job: Wann gibt es außerhalb des Arbeitsalltags Lohnfortzahlung?

Krank im Urlaub

Auch die schönste Zeit des Jahres kann durch Krankheit getrübt werden. Diese verlorenen Urlaubstage werden dir ersetzt, wenn du per Attest nachweist, dass du krank warst. Zudem hast du Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Außer du hast unbezahlten Sonderurlaub eingereicht. In dem Fall kriegst du nur dann Geld, wenn sich die arbeitsfreie Zeit direkt an den üblichen Erholungsurlaub anschließt. Die Fortzahlungsregeln gelten auch für den Bildungsurlaub.

Krank am Feiertag

Erkrankst du an einem Feiertag, hat das keinen Einfluss auf deinen Lohn, wie er laut Arbeitsvertrag an Feiertagen gezahlt würde. Die Frist der sechs Wochen Entgeltfortzahlung wird nicht berührt.

Krank in der Kurzarbeit

Bist du in Kurzarbeit und wirst an freien Tagen krank, gibt es in diesem Zeitraum keine Gehaltsweiterzahlung. „Wäre verkürzt gearbeitet worden, so wird Entgeltfortzahlung für diese verkürzte Arbeitszeit geleistet. Lag die Arbeitsunfähigkeit bereits vor Beginn der Kurzarbeit vor und wäre bei Arbeitsfähigkeit Kurzarbeitergeld zu zahlen, so zahlt die Krankenkasse neben der (verminderten) Entgeltfortzahlung Krankengeld“, heißt es im Infoblatt der Techniker Krankenkasse.

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Krank im Minijob: Wann gibt es keine Entgeltfortzahlung?

Krank in der Elternzeit

Wenn du während der Elternzeit nicht arbeitest, hast du im Krankheitsfall keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Arbeitest du in der Zeit allerdings Teilzeit, gibt es für die anteilige Arbeitszeit Entgelt bei Krankheitsausfall.

Krank im freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr

In dem Fall sind die engagierten jungen Leute keine ArbeitnehmerInnen. Demzufolge bekommen sie auch keine Zahlung, während sie krank sind.

Krank durch eigenes Verschulden

Verstößt du als Arbeitnehmerin gegen „Vernunftregeln“, kann das nach der Rechtsprechung als eigenes Verschulden gewertet werden. Beispiel: Du baust alkoholisiert einen Unfall oder du hältst dich nicht an die Anweisungen des Arztes. Wenn du eine waghalsige Sportart wie Autorennen ausübst, kläre das mit deinem Arbeitgeber oder deiner Arbeitgeberin. Denn das könnte ein Grund sein, eine Selbstverschuldung zu unterstellen, solltest du einen Unfall haben.

Krank durch Überlastung

Jobbst du neben deiner Hauptbeschäftigung noch nebenbei und wirst aufgrund der Überlastung krank, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung einstellen. Denn das könnte man dir als genesungswidriges Verhalten vorwerfen. Das hätte möglicherweise sogar noch mehr Folgen. Zum Beispiel, dass du eine Abmahnung erhältst ober sogar die Kündigung im Raum steht.

Lohnfortzahlung für geringfügig Beschäftigte: Wie viel Geld bekommst du?

Grundlage für die Entgeltberechnung ist das Bruttogehalt. Dazu kommen noch die Zuschüsse wie die zur Verpflegung und es addieren sich auch Feiertags-, Sonntags- und Nachtschichtzuschläge hinzu, wenn dein Dienst in diese Zeit gefallen wäre. Überstundenzuschläge entfallen natürlich.

Bei stundenabhängigen Minijobs wird die Anzahl der angeforderten Stunden als Grundlage genommen. Wie viele Stunden MinijobberInnen in der Regel arbeiten, erfährst du hier.

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Berechnung der Entgeltfortzahlung bei unregelmäßigen Arbeitszeiten

Springst du als Minijobberin ohne feste Arbeitszeiten immer wieder ein, richtet sich die Lohnfortzahlung nach der durchschnittlichen Arbeitszeit der letzten drei Monate.

Nehmen wir an, du hast als Aushilfe im April 25 Stunden, im Mai 15 Stunden und Juni 20 Stunden gearbeitet. Dann sind das im Schnitt 20 Stunden pro Monat.

Stundenlohn: 15 Euro

Entgeltfortzahlung: 1.7. bis 11.8.2022

Höhe der Entgeltfortzahlung

15 Euro x 20 Stunden = 300 Euro für den Juli

15 Euro x 10 Stunden = 150 Euro für den August

Arbeitest du regelmäßig an einem Tag in der Woche 5 Stunden und bekommst 15 Euro pro Stunde, wird das Entgelt wie folgt berechnet:

Stundenlohn: 15 Euro

Regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit: 5 Stunden

Entgeltfortzahlung: 1.7. bis 11.8.2022

Juli 2022: 4 Arbeitstage

1. bis 11.8.2022: 2 Arbeitstage

Höhe der Entgeltfortzahlung

Juli 2022: 4 x 5 x 15 Euro = 300 Euro

August 2022: 2 x 5 x 15 Euro = 150 Euro

Wie werden Krankheitstage im Minijob berechnet?

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Der Beginn der Lohnfortzahlung ist etwas kompliziert. Die sechs Wochen oder 42 Kalendertage starten an dem Tag, nachdem du krank geworden und arbeitsunfähig bist. Erkrankst du also an einem Sonntag, zählt für die Entgeltfortzahlung die Zeit ab Montag.

Die Sechs-Wochenfrist beginnt auch einen Tag später, wenn du deine Arbeit innerhalb kurzer Zeit nach Arbeitsbeginn abbrichst, weil du aufgrund der Krankheit nicht weitermachen kannst.

Hast du deinen Arbeitsplatz noch nicht erreicht und kehrst um, weil es dir nicht gut geht, gilt das als erster Tag der Lohnfortzahlung.

Wirst du mehrfach krank, aber die Ursache ist eine andere, läuft die Sechs-Wochen-Frist jeweils von vorne, aber nur dann, wenn es innerhalb eines Jahres ist. Warst du also von April bis Mai aufgrund eines Beinbruchs nicht in der Arbeit und hast Ende Juni eine Blinddarm-OP, gibt es ab Juni erneut sechs Wochen Entgeltzahlungen.

Hat deine Arbeitsunfähigkeit denselben Grund, tritt die Kasse für die Zeiten bei Vollbeschäftigten mit Krankengeld ein. Es sei denn, zwischen den Krankschreibungen liegt mehr als ein halbes Jahr.

Sollte dein Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung nicht tätigen, springt die Krankenkasse auch bei MinijobberInnen ein und zahlt dir Krankengeld. Wurde die Lohnzahlung zu Unrecht verweigert, gehen deine Ansprüche auf die Kasse über. Die betroffene Arbeitnehmerin sollte sich an einen Anwalt wenden.

Ob ein Krankheitsfall bei MinijobberInnen vorliegt, verzeichnen die Krankenkassen meist, weil der Arbeitgeber einen Nullbeitragsnachweis oder gar keine Meldung macht. Die Minijob-Zentrale macht die Unternehmen darauf aufmerksam, dass „aufgrund des Anspruches auf Entgeltfortzahlung jedoch auch für den Zeitraum der Erkrankung Pauschalbeiträge zur Sozialversicherung für den Minijobber nachzuweisen und zu zahlen sind“. Doch der Staat unterstützt die Arbeitgeber und erstattet 80 Prozent des fortgezahlten Entgeltes.

Dauert die Erkrankung sehr lange, kann das Unternehmen der Minijobberin oder dem Minijobber kündigen. Das geht dann, wenn der oder die Beschäftigte durch die Krankheit langfristig beeinträchtigt wird. Doch bevor es so weit ist, muss das Unternehmen einen betrieblichen Eingliederungsprozess ermöglichen.

herMoney Tipp

Wer etwas mehr als 450 Euro (ab Oktober 520 Euro) verdient, ist nicht mehr MinijobberIn, sondern arbeitet in Teilzeit. Hier bist du voll abgesichert und zahlst nur geringe Sozialversicherungsbeiträge. Gleichzeitig ist es im Midijob leichter, wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zu rutschen. Mehr über die Unterschiede zwischen Minijob und Teilzeit erfährst du hier.

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