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Die Arbeitszeit der MinijobberInnen variiert je nach Stundenlohn. herMoney erklärt, wie viel abzuleisten ist und welche Rechte du hast.

Inhalt

So berechnest du
> die Stunden, wenn dein Stundensatz feststeht
> die Wochenstunden, wenn die Monatsarbeitszeit feststeht

Beispiel Pflege

Pausen, Feiertage, Urlaub

Stunden im Minijob: Das Wichtigste in Kürze

Wer einen 450-Euro-Job hat und den Mindestlohn erhält (seit 01.07.2022: 10,75 Euro pro Stunde), kann maximal 43,06 Stunden pro Monat arbeiten. Das sind rund 10 Stunden pro Woche.

Du kannst aber auch in der einen Woche mehr und in der anderen weniger arbeiten, falls deine Chefin zustimmt.

Ab Oktober 2022 wird der Mindestlohn auf 12 Euro angehoben. Dadurch verringern sich die Wochenarbeitsstunden auf 37,5 Stunden, solltest du weiter auf 450-Euro-Basis arbeiten. Allerdings darfst du ab Oktober bis zu 520 Euro im Minijob verdienen.

Krankenschwestern und Pflegepersonal auf Minijob-Basis verdienen häufig mehr als den Mindestlohn. Teile deinen Lohn von 450 Euro durch deinen Stundensatz, um die Arbeitszeit pro Monat zu berechnen.

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Im Jahr 2020 hatte etwa jeder elfte Mann und jede sechste Frau einen Minijob, so das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Frauen nutzen diese Beschäftigungsart gerne, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Grund genug, sich die Details näher anzuschauen.

Geringfügige Beschäftigung: So berechnest du die Stunden, wenn dein Stundensatz feststeht

Die Stunden, die du als geringfügig Beschäftigte zu leisten hast, orientieren sich an dem monatlichen Vollzeitarbeitsentgelt. Die Gewerkschaft ver.di rechnet das anhand eines Beispiels vor. Bekäme eine Mitarbeiterin ein Gehalt von 2.000 Euro bei einer tariflich festgelegten regelmäßigen Arbeitszeit von 37,5 Stunden pro Woche, sind das in Summe 162,5 Stunden pro Monat. Anhand dieser Angaben kann man nun den Stundenlohn im Minijob errechnen. Das ist die Voraussetzung, um herauszufinden, wie viele Arbeitsstunden abzuleisten sind.

Die Formel dafür lautet:

Monatslohn :  monatliche Arbeitsstunden = Stundenentgelt

Um beim Beispiel zu bleiben, wären das 2.000 geteilt durch 162,5. Das ergibt ein Stundenentgelt von 12,31 Euro.

Danach teilst du den 450-Euro-Verdienst durch den Stundenlohn. Das ergibt die für dich zu leistenden Stunden. In dem Fall 36,55 Stunden pro Monat. Das wären also 8 bis 9 Stunden pro Woche, wenn du deine Arbeitszeit gleichmäßig verteilst. Du könntest aber – je nach Firma – auch in einer Woche mehr und in der anderen weniger arbeiten. Zum Beispiel 6 oder sogar nur 3 Stunden pro Woche und in den anderen Wochen dafür mehr. Minijobber sind häufig flexibel. Mehr über Gleitzeit erfährst du hier.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, die wöchentliche Stundenanzahl zu vermitteln – unabhängig von deinem Gehalt als Minijobberin.

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450-Euro-Job: Wie viele Stunden fallen wöchentlich an, wenn die Monatsarbeitszeit feststeht?

Willst du die wöchentliche Stundenanzahl berechnen, wird der Monatsstundenanteil mit drei Monaten multipliziert. Das ergibt die Quartalsarbeitszeit. Das teilst du dann durch den statistischen Wochenwert von drei Monaten. Der beträgt 13 Wochen. Legen wir zum Beispiel 32,5 Stunden zugrunde, ergibt sich folgende Rechnung:

32,5 monatliche Arbeitsstunden mal 3 ergibt 97,5 Stunden pro Quartal.
97,5 Stunden geteilt durch 13 Wochen ergeben 7,5 Stunden Wochenarbeitszeit.

Multipliziert man das mit dem Stundenlohn von 12,31, kommen wir auf 92,32 Euro pro Woche. Wenn wir das mal 13 Wochen nehmen, sind wir bei 1.200,16 Euro Lohn. Das teilen wir durch 3 Monate und erhalten nun 400 Euro. Das wäre also der reale Verdienst. Du könntest entweder in diesem Monat noch 4 Stunden aufstocken oder sie im kommenden Monat ableisten.

Das geht, erklärt die Minijob-Zentrale. Wenn ein festes Entgelt vereinbart ist, kann die Minijobberin mit beispielsweise 450 Stunden bei 12 Euro Stundenlohn – ohne Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Prämie – den Gegenwert ableisten. Ab Oktober liegt die Verdienstgrenze bei 5.400 Euro pro Jahr.

Wie diese Stunden auf die Monate verteilt sind, kann flexibel gehandhabt werden, heißt es bei der Minijob-Zentrale. „Falls erforderlich, können Sie Ihren Minijobber sogar bis zu drei Monaten ganz von seiner Arbeitsleistung freistellen. Ihre Abgaben an die Minijob-Zentrale richten sich nach dem vereinbarten Monatsverdienst.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Stunden pro Monat für MinijoberInnen so zusammengestellt:

Monatliche Höchststunden für MinijobberInnen, wenn sie Mindestlohn erhalten:
Mindestlohn: 10,45 Euro (seit 1.7.2022)                                                                               43,06 Stunden
Mindestlohn: 12,00 Euro (ab Oktober 2022)                                                                       37,50 Stunden

Es funktioniert aber nicht, wenn du (beispielsweise bei einem Projekt) die erforderliche Stundenanzahl in kurzer Zeit abarbeitest und dafür regelmäßig 600 Euro ausgezahlt bekommst. In dem Fall sind das laut Minijobzentrale erhebliche Schwankungen und es handelt sich nicht mehr um einen Minijob.

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Wie das aussieht, belegt die Minijob-Zentrale anhand eines Rechenexempels:

Du als Beschäftigte bekommst pro Stunde 15 Euro. Deine Chefin zahlt dir 450 Euro (ab Oktober 520 Euro) im Monat aus. Das nennt man im Amtsdeutsch „verstetigtes Arbeitsentgelt“. Arbeitest du in den ersten zwei Monaten des Jahres das Gros ab und reduzierst danach deine Arbeitszeit auf 8 Stunden, gilt nur dieser Zeitraum als Minijob. Das Problem: Deine Arbeitszeit schwankt zu stark, als dass die Arbeit als Minijob angesehen werden kann.

Beispiel Pflege: Wie viele Stunden fallen bei einem 450-Euro-Job im Jahr 2022 an?

Rund 1,2 Millionen Beschäftigte arbeiten in Einrichtungen, die unter den Pflegemindestlohn fallen, gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) an. Beim bisherigen Mindestlohn sind 38,8 Stunden im Monat abzuarbeiten, um auf 450 Euro zu kommen.

Wie viele Stunden arbeiten Krankenschwestern, die auf 450-Euro-Basis angestellt sind?

Arbeitest du im Krankenhaus, kann dein Verdienst auch höher ausfallen. Denn die Kliniken bestimmen selbst, wie viel sie zahlen. Dazu kommt, dass du Zuschläge erhältst, wenn du an Sonn- oder Feiertagen, am Wochenende oder in der Nacht arbeitest. Als nebenberufliche Krankenschwester kannst du also mit zwei bis drei Arbeitseinsätzen pro Monat die 450 Euro erreichen.

Beim maximalen Stundeneinsatz spielen zwei Faktoren eine Rolle:

  • die Verdienstgrenze von noch 450 Euro (ab Oktober 520 Euro)
  • Diejenigen, die neben dem Pflegejob einer Vollzeit- oder einer weiteren Teilzeittätigkeit nachgehen, „dürfen mit ihren Jobs in Kombination auf nicht mehr als 48 Stunden pro Woche kommen“, informiert die Plattform medi-karriere.de.

Gute Nachrichten: Die Pflegekommission spricht eine höhere Verdienstempfehlung aus.

Das bedeutet, dass die Mindestlöhne für Aushilfen bis Ende 2023 von 12 auf 14,15 Euro steigen, für qualifizierte Hilfskräfte von 12,50 auf 15,25 Euro und für Pflegefachkräfte von 15 Euro auf 18,25 Euro.

Für Pflegehilfskräfte:

ab 01.09.2022 13,70 Euro
ab 01.05.2023 13,90 Euro
ab 01.12.2023 14,15 Euro

Für qualifizierte Pflegehilfskräfte (Pflegekräfte mit einer mindestens 1-jährigen Ausbildung und entsprechenden Tätigkeit):

ab 01.09.2022 14.60 Euro
ab 01.05.2023 14,90 Euro
ab 01.12.2023 15,25 Euro

Für Pflegefachkräfte:

ab 01.09.2022 17,10 Euro
ab 01.05.2023 17,65 Euro
ab 01.12.2023 18,25 Euro

Quelle: BMAS

Außerdem wird der Mindesturlaub von 26 Tagen auf zunächst 27 Tage und ab 2023 auf 29 Tage angehoben, so der Plan.

Die schlechte Nachricht: Wie schnell und ob das von allen Firmen umgesetzt wird, ist noch offen. „Das Bundesarbeitsministerium strebt an, die Kommissionsempfehlung per Verordnung für alle Pflegeeinrichtungen verbindlich vorzugeben“, sagt dazu das BMAS.

Arbeitszeit im 450-Euro-Job: Was gilt bei Pausen und Feiertagen?

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Der Gesetzgeber formuliert im Arbeitszeitgesetz „die Arbeitszeit als die Zeit, die zwischen dem Beginn und dem Ende der Arbeit liegt – und zwar ohne die Ruhepausen“.

Das gilt auch für die geringfügig Beschäftigte. Dazu der Deutsche Gewerkschaftsbund: „Es sind dabei zwei Formen von Minijobs zu unterscheiden, die ,Entgeltgeringfügigkeit‘ und die ,Zeitgeringfügigkeit‘“. Im ersten Fall gibt es eine Grenze für das Entgelt (Lohn/Gehalt), im zweiten Fall eine Grenze für die Arbeitszeit.

Feiertage: Gleiches Recht für alle

Nichts ändern wird sich die Feiertagsregelung. Doch auch hier bekommen MinijoberInnen gesetzlichen Flankenschutz. Fällt ein Arbeitstag auf einen Feiertag, müssen MinijobberInnen – wie alle anderen Beschäftigten – nicht zur Arbeit gehen. Die Gehaltsuhr läuft aber weiter.

„Wichtig: Arbeitgeber dürfen die Fortzahlung des Verdienstes an Feiertagen nicht dadurch umgehen, indem sie Minijobber die ausgefallene Arbeitszeit an einem sonst arbeitsfreien Tag vor- oder nacharbeiten lassen“, erklärt die Minijob-Zentrale.

Wenn du in der Gastronomie beschäftigt ist und trotz oder gerade am Feiertag arbeitest, solltest du mit deiner Chefin eine Regelung vereinbaren. Das könnte ein Zuschlag sein. Das ist jedoch dann nicht nötig, wenn es dazu bereits eine Regelung im Tarifvertrag gibt.

Sind Feiertagszuschläge vereinbart, können sie laut Minijob-Zentrale steuer- und beitragsfrei gezahlt werden. Das Sahnehäubchen für FeiertagsarbeiterInnen: Steuer- und beitragsfreie Feiertagszuschläge sind für die Einhaltung der monatlichen Verdienstgrenze im Minijob nicht anzurechnen.

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Urlaub: Auch für MinijobberInnen

Das Bundesurlaubsgesetz schließt auch MinijobberInnen ein. Das bedeutet: mindestens 24 Werktage Urlaub bei 6 Arbeitstagen, 20 bei 5 oder je nach Tarif. Wie viel das ist, berechnet sich nach der Formel: Jahresurlaub bei einer 5-Tage-Woche mit angenommenen 20 Tagen Mindesturlaub (bei 6 Arbeitstagen 24), geteilt durch fünf Wochenarbeitstage (bei 6 dividiert durch 6), multipliziert mit den tatsächlich gearbeiteten Wochentagen. Beispiel: Du arbeitest an drei Tagen in der Woche bei einer vereinbarten 5-Tage-Woche. Dann musst du rechnen: 20 : 5 x 3 = 12).

Übrigens kann sich die Anhebung des Mindestlohns auf das Urlaubs- oder Weihnachtsgeld positiv auswirken. Und zwar dann, wenn die Gehaltsabrechnung auf Basis von Stunden-, Wochen- oder Monatsgehaltszahlungen basiert.

Dokumentation im Minijob: Arbeitsstunden müssen festgehalten werden

Damit es keine Missverständnisse gibt, sind die Unternehmen verpflichtet, Beginn, Dauer und Ende der täglichen Arbeitszeit zu dokumentieren oder diese Dokumentation dem Beschäftigten aufzutragen. Der Arbeitsnachweis muss spätestens nach sieben Arbeitstagen vorliegen. Dabei werden oft die Pausen zur Streitfrage. Doch dafür gibt es eine klare Gesetzesvorschrift: Pausenzeiten zählen auch bei MinijobberInnen nicht zur Arbeitszeit.

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herMoney Tipp

Verweigert dein Arbeitgeber die Anhebung auf den Mindestlohn, hast du das Recht, ihn innerhalb einer dreijährigen Verjährungsfrist einzufordern. Grundsätzlich gelten auch für MinijobberInnen die Tarifverträge.

Wenn du weitere Fragen hast, kann du sie dem Bundesarbeitsministerium stellen. Auskünfte zu Teilzeit, Altersteilzeit und Minijobs erhält du unter der 030 221 911 005 (Montag bis Donnerstag von 8 bis 20 Uhr).

Noch ein Tipp: Teilzeit ist oft besser als ein Minijob. Warum erfährst du hier.