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Gleitzeit wird in vielen Branchen immer beliebter. Welche Modelle gibt es und welche Vor- und Nachteile hat die flexible Arbeitszeit?

Inhalt

Definition & Modelle

Beispiel

Vor- und Nachteile

Überstunden abbauen mit Gleittagen

Probleme vermeiden

Gleitzeit: Das Wichtigste in Kürze

Wer in Gleitzeit arbeitet, hat keine festen Arbeitszeiten. ArbeitnehmerInnen können selbst entscheiden, wann sie ihren Arbeitstag beginnen und beenden.

Je nach Gleitzeit-Modell kann vereinbart werden, dass du zur Kernarbeitszeit vor Ort sein musst.

Entweder ist deine Arbeitest pro Tag fest definiert (z.B. acht Stunden). Oder du kannst an einem Tag länger arbeiten und dafür an einem anderen früher gehen.

Hast du viele überschüssige Stunden auf deinem Gleitzeitkonto, kannst du dir einen ganzen Gleitzeittag frei nehmen.

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Was ist Gleitzeit? Bedeutung, Definition und Modelle

Tschau tschüssi „9 to 5“ – hallo flexible Arbeitszeiten! Wer einen Vertrag mit Gleitzeit ergattert, kann sich in der Regel glücklich schätzen. Denn egal ob du Typ „Lerche“ oder „Eule“ bist – mit einem Gleitzeitmodell arbeitest du dann, wenn du am produktivsten bist.

Du leistest also deine vertraglich vereinbarten Wochenarbeitsstunden, aber eben in der Zeit, in der es für dich am angenehmsten ist. Feste Arbeitszeiten gibt es nicht.

Es wird zwischen zwei Formen der betrieblichen Gleitzeit unterschieden:

  • Einfache Gleitzeit: Der Arbeitgeber legt den Rahmen für den frühestmöglichen Arbeitsbeginn und das spätmöglichste Arbeitsende fest. Auch die Kernarbeitszeit wird definiert, zu der ArbeitnehmerInnen vor Ort sein müssen. Innerhalb dieser Grenzen kann jeder selbst entscheiden, wann er kommt und geht. Die Gesamtdauer der Arbeitszeit pro Tag ist in der Regel trotzdem zu leisten. Sind acht Stunden pro Tag vereinbart, musst du also auch acht Stunden arbeiten.
  • Qualifizierte oder variable Gleitzeit: Hier legt der Arbeitgeber in der Regel nichts fest. Du kannst also Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ganz frei bestimmen. Außerdem kannst du mal weniger und mal mehr arbeiten. Am Ende musst du aber auf die vereinbarte Wochen-, Monats oder Jahresarbeitszeit kommen.

Es gibt also Gleitzeitmodelle mit und ohne Kernarbeitszeiten. Dadurch ist es zumindest in einem gewissen Rahmen möglich, die Arbeitszeit trotz Gleitzeit vorzuschreiben.

Eine weitere Option ist die Gleitzeit mit Funktionszeit:

Hier muss sichergestellt werden, dass der jeweilige Unternehmensbereich für KollegInnen und KundInnen funktionsfähig und erreichbar ist. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass immer ein Vertriebsmitarbeiter vor Ort sein muss. Ist diese Bedingung erfüllt, können die ArbeitnehmerInnen ihre Arbeitszeiten frei gestalten. Das Modell eignet sich gut für Abteilungen, in der sich die KollegInnen gegenseitig vertreten können.

Was ist das Gleitzeitkonto?

Wenn dein Betrieb Gleitzeit einführt, bedeutet das, dass er auch ein manuelles oder elektronisches Gleitzeitkonto bereitstellen muss. Somit lassen sich Plus- und Minusstunden dokumentieren. Das Gleitzeitkonto dient dir also auch als Grundlage dafür, einen Gleitzeitausgleich zu beantragen und zu nehmen.

Achtung! Gleitzeit ist nicht mit der „Gleitzone“ zu vergleichen, die bei der Lohnsteuer relevant ist und bei der ArbeitnehmerInnen regelmäßig zwischen 450 und 850 Euro verdienen.

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Beispiel: Gleitzeitregelung in der Praxis

Linda hat einen Job als Projektmanagerin in einem Medienunternehmen ergattert. Sie soll den Online-Videobereich des Unternehmens aufbauen. Da sie vorerst allein an dem Projekt arbeitet, spielt es für ihre Arbeitgeberin keine Rolle, wann sich Linda darum kümmert.

Da es jedoch häufig Abstimmungen zwischen den ManagerInnen und GeschäftsführerInnen bedarf, erwartet Lindas Chefin von ihr, dass sie von Montag bis Freitag zwischen 10 und 14 Uhr im Büro ist. Das ist die Kernarbeitszeit des Medienunternehmens.

Ob Linda morgens um 6 Uhr anfängt oder erst 10 Uhr, ist dabei irrelevant, so lang sie von 10 bis 14 Uhr zur Verfügung steht. Wichtig ist dem Unternehmen außerdem, dass Linda ihre Aufgaben erledigt und sie dafür durchschnittlich 40 Stunden pro Woche aufwendet.

Vor- und Nachteile der Gleitzeit

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Schauen wir uns an, welche Vor- und Nachteile ein flexibles Arbeitszeitmodell hat.

Vorteile:

  • bessere Work-Life-Balance
  • Vermeidung von Berufsverkehr
  • Termine bei Arzt, Friseur, Behörden & Co. können flexibel wahrgenommen werden
  • höhere Motivation der MitarbeiterInnen
  • Loyalität der MitarbeiterInnen dem Unternehmen gegenüber wächst

Nachteile:

  • MitarbeiterInnen müssen sich selbst organisieren und darauf achten, die vereinbarte Arbeitszeit einzuhalten
  • Zusammenarbeit kann erschwert sein
  • häufig ist die Anschaffung eines Zeiterfassungssystems vonnöten und dadurch ein höherer Verwaltungsaufwand

Wie du siehst, überwiegen die Vorteile eines Gleitzeitmodells für ArbeitnehmerInnen in der Regel bei weitem. Für den Arbeitgeber hat Gleitzeit ebenfalls Vorteile. Dazu zählt nicht nur die höhere Motivation und Loyalität der ArbeitnehmerInnen. Noch wichtiger: Die Arbeitszeiten können besser an den betrieblichen Bedarf angepasst werden.

Ihr entscheidet euch für die Einführung von Gleitzeit? Super! Hier findest du ein Muster für die Gleitzeitregelung.

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Für wen eignet sich Gleitzeit?

Gleitzeit eignet sich für dich, wenn du unabhängig von deinen KollegInnen tätig sein kannst. Wer weder im Schichtsystem noch in der Pflege, in einer gastronomischen Einrichtung, einem Geschäft oder dem Service allgemein arbeitet, könnte Gleitzeit in Erwägung ziehen.

Arbeitest du kreativ, projektbezogen oder online, spielt es in der Regel keine Rolle, zu welchen Zeiten du produktiv bist. Egal ob du gleich zu Sonnenaufgang oder erst spät in der Nacht ins Machen kommst – das Ergebnis zählt. Natürlich müssen Fristen eingehalten werden – ob nun mit flexiblen Arbeitszeiten oder ohne.

Gleitzeit nehmen kann man häufig in den folgenden Branchen:

  • Verwaltung
  • Forschungseinrichtungen
  • Medienunternehmen
  • Hochschulen
  • Herstellungsunternehmen

Regelungen bei Überstunden im Gleitzeit-Arbeitsmodell

Arbeitest du mal freiwillig länger, handelt es sich um einfache Gleitzeit, auch „positiver Gleitzeitsaldo“ genannt. Den kannst du ausgleichen, indem du an einem anderen Gleitzeittag später kommst, früher gehst oder einen Gleittag einlegst. Ein positiver Gleitzeitsaldo wird anders gehandhabt als Überstunden.

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Ordnet deine Arbeitgeberin wegen erhöhtem Arbeitsbedarfes Mehrarbeit an, die die vertraglich vereinbarte Anzahl an Arbeitsstunden überschreitet, spricht man von Überstunden. In diesem Fall steht dir ein finanzieller oder zeitlicher Ausgleich zu. Lies in deinem Arbeits- oder Tarifvertrag nach, ob und wie dein Unternehmen dich für deine geleistete Mehrarbeit entschädigt.

Gibt es keine betriebliche Vereinbarung, kann deine Vorgesetzte von ihrem Weisungsrecht Gebrauch machen. Sie kann den Abbau deiner Überstunden dann anordnen, wenn es der betriebliche Ablauf gerade erlaubt.

In Paragraf 3 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) findet sich zum Thema Überstunden folgende Regelung: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“

Achtung! Du kannst nur Überstunden geltend machen, die

  • von deiner Chefin angeordnet wurden
  • du nachweisen kannst, zum Beispiel durch ein Zeiterfassungssystem
  • deine ArbeitgeberIn stillschweigend akzeptiert, zum Beispiel weil deine Arbeit temporär nicht anders zu schaffen wäre

Wenn du deinen Job kündigst oder dein Vertrag aufgelöst wird, solltest du selbst dafür sorgen, dass du die Stunden, die du in deiner Gleitzeit zusätzlich gearbeitet hast, bis zum Vertragsende wieder abbaust. In Überstunden umgewandelt und ausbezahlt werden sie dir bei einer Kündigung nämlich nur, wenn du die zusätzlichen, freiwilligen Arbeitsstunden aus betrieblichen Gründen nicht abbauen kannst.

Überstunden abfeiern mit Gleittagen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Überstunden abzubauen. Du kannst zum Beispiel an manchen Arbeitstagen früher nach Hause gehen, also Gleitzeitstunden nehmen. Nach Absprache mit deiner Chefin kannst du in jenen Zeiten, in denen weniger in eurem Unternehmen los ist, auch ganze Tage frei nehmen. Diese Tage nennt man Gleittage.

Krankmeldung bei Gleitzeit

Du wirst krank, während du Gleittage nimmst? Leider werden dir die Gleitzeitstunden bei einer Krankmeldung nicht gutgeschrieben, so wie es zum Beispiel an deinen Urlaubstagen der Fall wäre. Bummelst du also beispielsweise an einem Tag acht Überstunden ab und wirst ausgerechnet an diesem Tag krank, gehen dir die acht Überstunden verloren.

Minusstunden bei Gleitzeit – Und jetzt?

Im Leben lässt sich nicht alles planen, auch die Arbeitszeit variiert in manchen Phasen. Ein Gleitzeit-Arbeitsmodell bietet dir den Vorteil und die Souveränität, dir deine Arbeitszeit frei einzuteilen. Wenn privat viel ansteht, rutscht frau aber auch mal in den Minusstunden-Bereich. Und dann?

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In der Regel gibt es ein Gleitzeitkonto. Deine Vorgesetzte wird darauf achten, dass du deine vertraglich festgeschriebene Wochenarbeitszeit weder über- noch unterschreitest. Arbeitest du also an einem Tag 30 Minuten weniger, solltest du diese Fehlzeit alsbald nachholen.

In manchen Unternehmen kannst du Über- und Minusstunden in den Folgemonat, das Folgequartal oder sogar Folgejahr übertragen. Andere Firmen bestehen darauf, dass du sie noch im laufenden Monat abbaust.

So vermeidest du häufige Probleme und Fehler

  1. Problem: Keine schriftliche Vereinbarung

Wenn deine Firma Gleitzeit anbietet, sollte das schriftlich in einer Betriebsvereinbarung oder im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Denn mündliche Vereinbarungen sind nicht rechtswirksam, was zum Beispiel bei einer Steuerprüfung problematisch werden kann.

  1. Problem: Kollegen lästern

Wer Gleitzeit nutzt und gerne später anfängt, muss sich manchmal hämische Kommentare der KollegInnen anhören. Denn schnell entsteht der Eindruck, man komme gar nicht auf die vereinbarte Stundenzahl. Da hilft nur, freundlich, aber bestimmt auf das Gleitzeitkonto zu verweisen, das die vorschriftsgemäße Anwesenheit dokumentiert.

  1. Problem: Überstunden abfeiern nicht abgesprochen

Du hast jede Menge Überstunden auf deinem Konto und denkst, es wäre kein Problem, mal 30 Minuten früher zu gehen? Ja und nein. Sprich mit deiner Vorgesetzen, wenn du Überstunden abbauen und das Büro früher verlassen möchtest. Sonst entsteht der Eindruck, du würdest dich einfach so aus dem Staub machen.

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herMoney-Tipp

Gleitzeitarbeitsmodelle sind super, aber sie bergen auch Risiken und Herausforderungen. Sinn und Zweck des Ganzen ist es nicht, ständig möglichst viele Überstunden anzuhäufen, um sie später völlig ausgebrannt abzufeiern. Genieße dieses Arbeitsmodell lieber, indem du eine für dich optimale Work-Life-Balance kreierst.

Zum Weiterlesen: Wenn dir Gleitzeit immer noch nicht flexibel genug ist, könnte Teilzeit eine Alternative sein. Hier erfährst du, was zu beachten ist, wenn du von Vollzeit auf Teilzeit wechselst. Und hier erklären wir, warum ein Minijob mit Vorsicht zu genießen ist.

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