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Gefühle können uns an der Börse in eine falsche Richtung jagen. Wie Sie häufige Fehler vermeiden und clever Aktien kaufen.

Was soll denn falsch sein an menschlichen Emotionen? Wirklich falsch sind Gefühle natürlich nicht, denn sie beruhen ja auf tiefsitzenden Erfahrungen, die wir oder uns nahestehende Personen gemacht haben. Aber an der Börse können sich unsere Emotionen hier und da zu Fallstricken entwickeln, wenn sie uns unpassend agieren lassen. Beispielsweise wenn wir Hals über Kopf alle Wertpapiere verkaufen, weil wir Angst vor einem langanhaltenden Börsen-Crash haben.

Das Fachgebiet Behavioural Finance setzt sich mit den Zusammenhängen von unserer menschlichen Psyche und den Finanzmärkten auseinander. Wenn wir wissen, in welche Richtung sich unsere Gefühle manchmal verlaufen können, ist es leichter, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Dazu sprechen wir mit Leo Willert, dem Gründer und CEO von ARTS Asset Management. Er hat sich mit den Emotionen an der Börse befasst und arbeitet jetzt lieber mit einem automatisierten Handelssystem, als sich von seinen Gefühlen leiten zu lassen.

Herr Willert, Ihr Haus hat sich darauf spezialisiert, einen Fonds nach einem technischen Handelssystem zu managen, das sämtliche Anlage-Entscheidungen unabhängig von menschlichen Gefühlen trifft. Warum soll man an der Börse denn alle Gefühle ausschließen?

Die Anlage-Entscheidungen eines Computers werden im Gegensatz zu denen eines menschlichen Fondsmanagers nicht durch Emotionen verzerrt. Gerade in schwankungsintensiven Börsenphasen agieren Fondsmanager selten rational und neigen dazu, auf Kursverluste entweder panisch zu reagieren oder aufgrund ihrer Selbstüberschätzung zu lange an einem Investment festzuhalten. Das kann zu falschen Anlage-Entscheidungen an der Börse führen und die wirken sich folglich negativ auf die Rendite aus.

Ein Computer hingegen setzt Algorithmen immer emotionslos ohne „Wenn und Aber“ um. Dadurch ist gewährleistet, dass erfolgreiche Handelsregeln auch in stressigen Börsenzeiten konsequent verfolgt werden. Im Falle des ARTS-Handelssystems heißt das: Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen. Aufgrund seiner Rechenleistung kann der Computer auch eine enorme Menge an Daten in kürzester Zeit auswerten und somit fundierte Anlage-Entscheidungen auf der Grundlage einer viel breiteren Datenbasis treffen.


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Haben nicht einige Experten das gewisse „Bauchgefühl“, so dass sie vielleicht einen Börsencrash vorausahnen und entsprechend vorher ihre Schäfchen ins Trockene bringen können?

Durchaus hat das Bauchgefühl dem einen oder anderen Fondsmanager Erfolge eingebracht. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch das beste Bauchgefühl die Zukunft nicht vorhersagen kann. Auch ein professioneller Fondsmanager unterliegt psychologischen Fallstricken und ist vor Trugschlüssen nicht gefeit. Politische Großereignisse, wie die Wahl Trumps zum US-Präsidenten, sind ein Beispiel dafür. Prognostiziert wurde für den unwahrscheinlichen Fall seines Sieges ein auf seine Wahl folgender Marktabsturz. Passiert ist genau das Gegenteil: Er wurde Präsident und eine langjährige Aktienrallye begann.

Fehlprognosen wie diese sind der Grund, dass für uns die einzige Wahrheit im Preis beziehungsweise im Kurs steckt. Alles andere sind Hypothesen. Wir versuchen, der Marktentwicklung bestmöglich zu folgen, unabhängig ob die Kursbewegung von einem politischen oder wirtschaftlichen Ereignis oder einer Twitter-Meldung ausgelöst wurde.

Wenn Sie sagen, dass Prognosen an der Börse kaum möglich sind, warum gibt es dann so viele Experten, die sich zur künftigen Entwicklung an den Börsen und den Kapitalmärkten äußern?

Gerade Börsenexperten verweisen gerne auf ihre Erfahrung und ihren „Riecher“. Möglicherweise halten sie aber dennoch aufgrund ihres übersteigerten Selbstbewusstseins zu lange an Titeln fest und orientieren sich nicht strikt an den Kursverläufen. Dabei sind die Kursverläufe ein objektiverer Maßstab als das Bauchgefühl des Experten. Im Börsenindex sind mehr Informationen eingepreist, als der einzelne Fondsmanager je verarbeiten kann. Ein menschlicher Fondsmanager kann generell nur begrenzt Informationen aufnehmen. Seine Anlage-Entscheidungen stehen also auf einem weniger breiten Fundament als jene eines technischen Handelssystems.

Wenn Sie sagen, dass uns die Gefühle an der Börse gern einen Streich spielen, ist es vermutlich gut, die Gefahren seiner Emotionen zu kennen. Was sind denn die wichtigsten psychologischen Fallen an der Börse?

Angst und Gier sind zwei gegensätzliche Emotionen, die an der Börse in wechselvoller Spannung zueinanderstehen. Gier führt dazu, dass man Verlustrisiken ausblendet. Vor allem, wenn man mit seiner Anlagestrategie gut gefahren ist, schreibt man diesen Umstand eher seinen eigenen Fähigkeiten zu. Verluste werden im Gegenzug gerne auf externe Einflussfaktoren geschoben.

Ein weiterer psychologischer Effekt ist die selektive Wahrnehmung. Unser Gehirn filtert gerne die Informationen heraus, die in unser eigenes Weltbild, oder um bei der Börse zu bleiben, zu unserer eigenen Anlagephilosophie passen. Ähnliches gilt für den Herdentrieb: Wir Menschen neigen dazu, uns an anderen Menschen zu orientieren. Setzen viele Anleger und Analysten auf eine Aktie, lassen wir uns gerne durch diese Euphorie anstecken. Die Home Bias ist ein weiterer häufiger Anlegerfehler. Anleger vertrauen Aktien aus dem eigenen Land eher als Aktien ausländischer Emittenten.

Können Sie uns verraten, welche Fallstricke besonders für Frauen relevant sind?

Viele Frauen agieren tendenziell vorsichtiger und neigen weniger zur Selbstüberschätzung. Das kann langfristig zu einer besseren Rendite führen. Klassische Anlegerfehler wie die Home Bias oder der Herdentrieb dürften aber unter den Geschlechtern gleich stark ausgeprägt sein. Unter dem Strich kommen übrigens zahlreiche Studien zu dem Schluss, dass Frauen im Durchschnitt am Kapitalmarkt erfolgreicher sind als Männer.


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Was tun wir am besten mit diesem Wissen, wenn wir langfristig an der Börse erfolgreich agieren wollen?

Anleger sollten eine klare Anlagestrategie verfolgen und sich vorher bewusst machen, wie viel Rendite sie pro Jahr erzielen wollen und wieviel Risiko damit verbunden ist. Sie sollten sich am mittelfristigen Kursverlauf orientieren und Kursmarken setzen, bei denen automatisch verkauft wird, eine sogenannte Stopp-Loss-Order. Und natürlich möchte ich an dieser Stelle auf die Vorteile Computer gestützter Momentum-Strategien verweisen, die einen hohen Grad an Flexibilität bei den Anlage-Entscheidungen aufweisen und aktives Risikomanagement beinhalten.

Unterliegen auch Sie diesen psychologischen Fallstricken, obwohl Sie schon viele Jahre an der Börse agieren?

Nein, ich bin gegen sämtliche Fehler gefeit (lacht). Das ist leider nicht der Fall – selbstverständlich bin ich genauso anfällig wie andere Marktteilnehmer auch. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Wissen um solche Fehler leider nicht bedeutet, dass man sie selbst vermeidet. Deshalb setze ich auf ein quantitatives Handelssystem und konzentriere mich lieber auf die Entwicklung von Algorithmen.

Sie sagen, dass Sie ein quantitatives Handelssystem entwickelt haben, also ein Modell, mit dem Sie Ihren Fonds managen. Liegt denn ein solches Modell immer richtig? Was kann man von einem Handelsmodell erwarten?

Natürlich liegt unser Modell in der Rückschau auch nicht immer richtig. Um langfristig erfolgreich zu agieren, muss man aber auch nicht immer Recht haben. Entscheidend ist vielmehr das Risiko zu kontrollieren, um schwerwiegende Verluste zu vermeiden. Aber Recht haben und Geld verdienen sind zwei verschiedene Dinge. Die Trefferquote ist nicht entscheidend, solange man die Verluste begrenzt und die Gewinne laufen lässt. Es reicht eine Trefferquote von nur rund 50 Prozent, wenn wie im Falle des ARTS Handelssystems, der durchschnittliche Gewinntrade mehr als doppelt so hoch ist wie der durchschnittliche Verlusttrade. Langfristig ist so ein Handelsansatz hochprofitabel.

Welche Entwicklungen kann ein Handelssystem weitgehend richtig prognostizieren, und bei welcher Art von Entwicklungen sind Prognosen schlicht nicht machbar?

Eine Stärke des Trendfolgemodells ist es, Trends aufzuspüren und sich bestmöglich danach zu richten. Der Auslöser des Trends spielt dabei aber keine besondere Rolle. Das technische Handelssystem steigt dann ein, wenn sich ein mittelfristiger Trend etabliert hat. Er steigt aus, wenn sich ein negativer Trend zeigt. Ein bereits etablierter und erfolgreicher Trend wird eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, weiterhin erfolgreich zu sein.

Sie betreiben ein „systematisches Risikomanagement“. Was kann man sich denn darunter genau vorstellen? Blendet das auch menschliche Gefühle aus?

Systematisches Risikomanagement bedeutet nach meinem Verständnis, dass man nicht auf sein eigenes Bauchgefühl vertraut, sondern klare quantitative Regeln aufstellt, ab wann man sich von einem Investment trennen sollte und ab wann sich ein Einstieg lohnt. Ein Anleger freut sich über Gewinne, aber noch mehr über die Sicherung seines Vermögens.

Haben Sie am Ende noch einen besonderen Tipp für die Geldanlage, den insbesondere Frauen beherzigen sollten?

Scheuen Sie sich nicht vor dem Aktienmarkt! Aktien sind eigentlich die einzige liquide Assetklasse, die in der Vergangenheit auf lange Sicht signifikant über der Inflationsrate liegende Gewinne erzielen konnte. Allerdings verbunden mit sehr hohen zwischenzeitlichen Kursverlusten und folglich langen Erholungsphasen. Um diese Verluste in Grenzen zu halten, führt kein Weg an einem systematischen Risikomanagement vorbei.

Ich würde in einen Mix verschiedener aktiv gemanagter vermögensverwaltender Investmentfonds setzen, die in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie an positiven Börsenphasen partizipieren können und in negativen Zeiten Verluste begrenzen können und deren Handelsansätze sich langfristig sinnvoll ergänzen. Das ist schon mehr als die halbe Miete. Und ganz wichtig: Beschäftigen Sie sich aktiv mit dem Kapitalmarkt, denn Frauen sind dort immer noch unterrepräsentiert!

Herr Willert, vielen Dank für das Gespräch!

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