How to Portfolio

Egal ob beim Einkaufen, beim Coffee-to-go oder bei der Urlaubsplanung: Immer mehr Frauen wollen ihren Beitrag dazu leisten, dass es der (Um-)Welt ein bisschen besser geht. Auch in der Geldanlage reicht es vielen nicht mehr, nur nach Rendite und Risiko zu investieren. Viele Anlegerinnen wollen sicher gehen, dass sie mit ihrem Geld weder die Waffenindustrie noch Kinderarbeit unterstützen. Ziel ist zudem, ökologische oder soziale Vorreiter zu stärken.

Die gute Nachricht: Für jeden Anlegertyp gibt es inzwischen ein Produktangebot, das solche Aspekte berücksichtigt. Und richtig ausgewählt bringen solche Investments in aller Regel genauso viel oder noch mehr Rendite wie vergleichbare Geldanlageprodukte. Der herMoney-Guide soll Frauen helfen, gute Entscheidungen zu treffen. Viel Spaß!

Definition: Was ist Nachhaltigkeit?

Wir alle kennen „Bio“ und „Fairtrade“ vom Einkaufen. Doch was genau unterscheidet eine Bio-Kartoffel von der herkömmlichen Ware? Hand aufs Herz: Viele von uns wissen nur, dass „Bio“ irgendwie gesünder und weniger belastend für die Umwelt ist. Beim nachhaltigen Investieren ist es ähnlich.

So kommt der Begriff „Nachhaltigkeit“ ursprünglich aus der Forstwirtschaft und bedeutet, nicht mehr Bäume zu fällen, als in einer Generation nachwachsen können. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sollten also zukunftsorientiert denken. Sie sollten sparsam mit Ressourcen sein, Emissionen vermeiden und verantwortlich mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen umgehen. Außerdem sollen sie Frauen fördern!

Nachhaltige Geldanlage: Pro und Contra

Pro
Die Rendite ist oftmals genauso hoch oder höher als bei herkömmlichen Anlagen.
Manche Anlegerin sorgt sich, dass die Rendite nachhaltiger Investments dauerhaft niedriger sein könnte als bei herkömmlichen Anlagen. Offenbar ist eher das Gegenteil der Fall, wie ein Vergleich bekannter Aktienindizes zeigt. Dazu legt man beispielsweise die Entwicklungen des bekannten globalen Aktienindex MSCI World sowie des nachhaltig orientierten MSCI World Low Carbon SRI Leaders Index übereinander. Ergebnis: Sowohl über die vergangenen fünf Jahre als auch über die vergangenen zehn Jahre gerechnet schnitt der nachhaltige Fonds besser ab als der herkömmliche Welt-Index. Gerade auch in der Corona-Krise haben sich viele nachhaltig ausgerichtete Indizes besser entwickelt als vergleichbare, die keinen nachhaltigen Ansatz verfolgen. Der Investment-Research-Dienstleister Morningstar zum Beispiel kam zum Ergebnis, dass im ersten Quartal 2020 24 von 26 nachhaltig orientierten Indexfonds besser abschnitten als ihre konventionellen Pendants. Dies führt Morningstar darauf zurück, dass die höhere Orientierung an Nachhaltigkeit offenbar zu einer höheren Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten führt.
Das Risiko ist häufig gering.
Das Risiko ist häufig geringer als bei herkömmlichen Anlagen, weil bestimmte Risiken (zum Beispiel durch Arbeitsunfälle, Image-Verlust eines Unternehmens, schlechte Unternehmensführung) reduziert werden.
Mit nachhaltigen Geldanlagen kannst du deine Werte leben.
Mit deinem Geld werden nur solche Unternehmen finanziert, die deinen Wertvorstellungen entsprechen. So hast du ein besseres Gefühl bei deiner Geldanlage. Das soziale und ökologische Bewusstsein nimmt mittlerweile bei vielen zu. Deshalb sind nachhaltige Geldanlagen im Trend. Und gewinnen stark an Bedeutung. Dazu ein Beispiel: Das für deutsche Kunden verwaltete Vermögen nachhaltiger Fonds ist im ersten Quartal 2021 auf einen neuen Höchststand von 254 Milliarden Euro geklettert, berichtet der Fondsverband BVI. Das entspricht inzwischen einem Anteil von 8 Prozent des gesamten Fondsmarkts. Zum Vergleich: Mitte 2020 waren es erst 4 Prozent.
Contra
Standards entstehen gerade erst und müssen noch implementiert werden.
Ende 2019 präsentierte die EU-Kommission den „Green Deal“. Denn die EU soll zu einer Wirtschaftszone umgestaltet werden, die mit den natürlichen Ressourcen verantwortlich umgeht. Bis 2050 sollen netto keine die Atmosphäre schädigenden Treibhausgase mehr ausgestoßen werden. In diesem Zusammenhang wurden auch einige Vorhaben auf den Weg gebracht, die für private Anleger wichtig sind. Beschlossen wurde zum Beispiel die EU-Taxonomieverordnung. Sie soll ein einheitliches Klassifikationssystem für nachhaltige Investitionen schaffen. So werden zum Beispiel Begriffe vereinheitlicht und genauer festgelegt, was als ökologisch nachhaltig gelten darf. Anleger sollen auf diese Weise bessere und vergleichbare Informationen bekommen. Anbieter von Finanzanlagen sollen zum Beispiel standardisierte Infos über die Nachhaltigkeit veröffentlichen. Außerdem wird es zukünftig Pflicht für Anlageberater, ihre Kunden im Beratungsgespräch explizit danach zu fragen, wie wichtig ihnen Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist. Am 6. Juli 2021veröffentlichte die EU-Kommission außerdem die neue EU-Strategie für die Finanzierung des Umbaus hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und für den weiteren Ausbau eines nachhaltigen Finanzsystems. Du siehst also: Die Welt der nachhaltigen Geldanlagen ist gerade sehr in Bewegung.
Nachhaltige Geldanlagen sind nicht jedem nachhaltig genug.
Wer regelmäßig für das Klima auf die Straße geht und Zero Waste (ohne Müll) lebt, stellt wahrscheinlich auch sehr hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit seiner Geldanlagen. Doch bisher war es oft nicht leicht zu erkennen, wie nachhaltig eine Geldanlage wirklich ist. Die EU-Vorgaben sollen es Anlegerinnen nun leichter machen. Trotzdem bleibt es wichtig, genau zu prüfen, ob eine Geldanlage zu deinen persönlichen Vorstellungen in puncto Nachhaltigkeit passt. Wichtig ist daher für dich zu wissen, wie zum Beispiel aktiv gemanagte Fonds und ETFs bei der Auswahl ihrer Investments vorgehen.
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Beispiel

ETFs sind Wertpapiere, in die sowohl professionelle Vermögensverwalter, als auch Privatanlegerinnen investieren können.
Es gibt sie für alle Risikoklassen und sie eignen sich für alle Anlegerinnen, die gezielt in bestimmte Regionen oder Sektoren investieren möchten.

Geldanlage in nachhaltige Wirtschaft: So funktioniert's

Welche nachhaltige Anlage passt zu mir? Portfolios für jede Frau

Für dich als bewusste Anlegerin lohnt ein genauer Blick darauf, nach welchen Kriterien die Investments ausgewählt werden. Der klassische Weg, um ökologische oder ethische Kriterien bei der Geldanlage anzulegen, sind Negativlisten: So schließen beispielsweise religiös orientierte Banken bereits seit Jahrzehnten Investments in Unternehmen aus, die in Branchen wie Alkohol, Tabak oder Glücksspiel tätig sind. Auch Rüstungsgüter zählen zu den No-Gos. Viele aktiv gemanagte Öko-Fonds gehen ebenfalls anhand von Negativlisten vor – und sortieren Unternehmen aus umweltschädigenden Branchen wie etwa die Betreiber von Kohlekraftwerken komplett aus. Wichtig zu wissen: Durch den Ausschluss bleiben für die nachhaltigen Indizes allerdings weniger Titel übrig als für die vergleichbaren herkömmlichen Varianten. Du musst also unter Umständen in Kauf nehmen, dass das Anlagerisiko etwas weniger breit gestreut wird.

Die zweite Möglichkeit, nachhaltig Geld anzulegen, arbeitet nach dem Prinzip der "Musterschüler", auch Best-in-Class-Prinzip genannt. Dafür werden beispielsweise Unternehmen einer Branche nach den so genannten ESG-Kriterien bewertet. Die Abkürzung ESG steht für die englischen Begriffe environment (Umwelt), social (Soziales) und governance (Unternehmensführung). Zur guten Unternehmensführung gehört übrigens auch, Frauen zu fördern. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen achten insgesamt darauf, möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen und Mitarbeiter anständig zu behandeln. In einen Nachhaltigkeitsfonds kommen daher nur die Musterschüler einer Branche.

Die Vorreiter einer Branche streben danach, Zulieferer und deren Subunternehmen zur Einhaltung hoher Nachhaltigkeitsstandards zu bewegen. Je transparenter Unternehmen diese Themen angehen, desto besser fällt in der Regel die Bewertung hinsichtlich der Unternehmensführung aus. In der Praxis weit verbreitet ist oft auch eine Kombination beider Strategien. Unternehmen können aber auch themenbasiert ausgewählt werden. So werden zum Beispiel für einen Neue-Energien-Index nur Unternehmen ausgewählt, die auf Solar- oder Windenergie setzen.

Oft werden beide Strategien kombiniert.

Beispiel: So entsteht ein Nachhaltigkeitsindex

Die Schweizer Robeco SAM ist seit 20 Jahren Researchpartner für die Nachhaltigkeitsindizes des US-Anbieters Dow Jones, die als Klassiker in diesem Bereich gelten. Dazu analysieren die Experten Unternehmen nach den ESG-Kriterien, deren Wertentwicklungen in ausgewählten Aktienindizes gespiegelt werden. Von den 2.500 größten Konzernen der Welt, die im S&P Global Broad Market Index gelistet sind, werden die Unternehmen herausgefiltert, die die besten Nachhaltigkeitsleistungen hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Gesichtspunkte in ihrer jeweiligen Branche erbringen.

Anhand eines Fragebogens werden die Unternehmen einer Branche bewertet und dann nach der erreichten Punktzahl gerankt. Die besten zehn Prozent gelangen in den weltweiten Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Global Sustainability, bei den regionalen Indizes wie dem Dow Jones Euro Sustainability sind es die besten 20 Prozent.

Da in jeder Branche andere Anforderungen gestellt werden, unterscheiden sich die Bewertungskriterien. Beispielsweise zählt von bedeutenden deutschen Aktiengesellschaften derzeit die BMW Group (Stand: November 2020) zu den Klassenbesten im Bereich Automobile und Zulieferer. In der Branche Software und Services punktet die SAP SE.

Marktbericht: Enormes Wachstum

Ende 2020 wurden in Deutschland insgesamt 335,3 Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen investiert. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Plus von 35 Prozent. Das zeigt der Marktbericht 2020, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) erstellt hat. Nachhaltige ETFs, Fonds und Mandate von Vermögensverwaltern machten etwa 248 Milliarden Euro aus. Allein das verwaltete Fondsvolumen legte um 69 Prozent zu. Sie sind der wohl wichtigste Treiber für das Wachstum nachhaltiger Geldanlagen. Viele Fondshäuser haben ihr Angebot an nachhaltigen Fonds deutlich ausgeweitet. Insgesamt gab es Ende 2020 rund 350 nachhaltige Publikumsfonds – und damit fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Weitere 43 Milliarden Euro gingen auf das Konto von Banken mit Nachhaltigkeitsfokus. Bei all diesen Anlagen sind Nachhaltigkeitskriterien explizit in den Produktprospekten verankert. Sie wuchsen in den vergangenen zwölf Monaten um 45 Prozent. Weitere 38 Milliarden Euro gingen auf das Konto grüner Banken. Bei all diesen Anlagen sind Nachhaltigkeitskriterien explizit in den Produktprospekten verankert. Vor allem das Maßnahmenpaket der EU-Kommission zur Umsetzung des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums dürfte auch in Zukunft großen Einfluss auf die Weiterentwicklung des Marktes haben. Nach Auskunft des FNG werden die nachhaltigen Geldanlagen auch 2021 ein weiteres kräftiges Wachstum aufweisen – etwa drei von vier Befragten gehen von einen Wachstum von 15 Prozent und mehr aus.

Mit speziellen Nachhaltigkeitsfonds oder -ETFs können Anlegerinnen auf die Aktien nachhaltig wirtschaftender Unternehmen setzen. Diese Produkte versprechen ein ähnliches oder sogar besseres Chancen-Risiko-Profil als vergleichbare weltweit oder europaweit investierende Aktienfonds. Das bedeutet, Anlegerinnen sollten ihr Geld langfristig investieren, also beispielsweise für die Altersvorsorge sparen. Du kannst dafür auch bequeme monatliche Sparpläne nutzen. Je nach Depotbank sind sie üblicherweise ab 25 oder 50 Euro pro Monat erhältlich. Ein paar Direktbanken bieten das ETF-Sparen sogar schon ab zehn Euro oder sogar ab einem Euro an.

Für den Sicherheitsbaustein im Depot gibt es festverzinsliche Produkte von Banken mit ökologischen und sozialen Ansprüchen sowie Fonds, die vor allem Unternehmensanleihen nachhaltig wirtschaftender Unternehmen oder Staaten kaufen.

Aus einer Mischung aus beiden lassen sich nachhaltige Portfolios aufbauen, die für jede Anlegerin passen, egal wie risikofreudig sie ist: Sicherheitsorientierte Anlegerinnen, für die der Kapitalerhalt im Vordergrund steht, legen den Schwerpunkt des Portfolios auf festverzinsliche Anlagen oder Rentenfonds. Etwa 20 Prozent können in chancenorientierte Anlagen wie Nachhaltigkeitsfonds- oder ETFs investiert werden.

Strategien für risikofreudigere Frauen

Wer etwas risikobereiter ist, richtet sich nach der Faustformel: 100 minus Lebensalter gleich empfohlener Aktienanteil. Demnach könnte eine 30-Jährige also bis zu 70 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren, für eine 60-Jährige wären 40 Prozent sinnvoll. Und wer überdurchschnittliche Renditen anstrebt, sollte ohnehin mehrheitlich in chancenreiche Nachhaltigkeitsfonds oder ETFs anlegen.

Mehr über nachhaltige Investment-Konzepte erfährst du hier. Etwas unkonventionellere Ansätze sind Mikrofinanzfonds und Impact Investing. Beides eignet sich allerdings nur zur Beimischung in einem breit gestreuten Nachhaltigkeitsdepot.

Wo sind die grünen Zinsen sicher?

Was sind Nachhaltigkeits-ETFs und -Fonds?

Insgesamt zeigt eine Erhebung von Finanztest, dass elf Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen und Organisationen ethische, ökologische oder soziale Kriterien anwenden. Auch manche Banken und Sparkassen bieten zum Beispiel Sparbriefe zum Thema Energiewende an. Das eingesammelte Spargeld ist damit zweckgebunden für erneuerbare Energien. Die Sparer wissen dann, dass ihr Geld zum Beispiel keine Atomkraftwerke oder Waffenfabriken finanziert. Leider ist die Verzinsung bei allen Produkten derzeit äußerst niedrig und liegt unter der Inflationsrate.

Grüne Anleihen als sichere Anlageform

Grüne Zinsen versprechen auch Green Bonds, deren Erträge in Klimaschutz- oder Umweltprojekte fließen sollen. Das Gros der Green Bonds in Deutschland vergeben Förderbanken wie zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), aber auch Geschäftsbanken, Unternehmen und Staaten. Zum Beispiel legen Belgien, Chile, Polen, Frankreich und die kanadische Provinz Quebec solche Papiere auf. Die Börse Frankfurt unterhält eigens ein Handelssegment für grüne Anleihen. Dort sind knapp 330 Wertpapiere (Stand: 30.6.2021) gelistet.

Zielgruppe sind Anleger und Anlegerinnen, die bei Zinsanlagen auf ethisch-ökologische Grundsätze achten. Wie bei normalen Anleihen borgen sich die Herausgeber dieser Papiere (Emittenten) Kapital und zahlen für die Laufzeit einen festgelegten Zinssatz. Bei Green-Bonds soll das Geld in nachhaltige und klimafreundliche Projekte fließen. Doch es gibt kein einheitlich reglementiertes System dafür, was grün ist. Das Green-Bond-Segment an der Börse Frankfurt bündelt Anleihen, die die Leitlinien der International Capital Markets Association (ICMA) erfüllen. So wird in den Anleiheprospekten unter anderem genau beschrieben, wofür die Emissionserlöse verwendet werden und nach welchen Kriterien der Emittent die grünen Projekte auswählt, in die investiert wird.

Indizes wie der Bloomberg Barclays MSCI Global Green Bond Index oder der Solactive Green Bond EUR USD IG Index des Indexanbieters Solactive spiegeln den Markt. Das Problem: In den Indizes finden sich laut Finanztest auffällig viele Anleihen, die von Konzernen herausgegeben werden, die nicht unbedingt ein grünes Image haben. So ist zum Beispiel die französische Elektrizitätsgesellschaft Électricité de France aufgeführt – obwohl das Unternehmen überwiegend auf Atomkraftwerke setzt. Auch die Agricultural Bank of China wird gelistet. Das Kreditinstitut gilt als eines der größten Kohlefinanzierer weltweit. Allerdings geben die Anbieter an, dass das mit den Green Bonds eingenommene Geld komplett in umweltfreundliche Projekte investiert wird.

Die drei Buchstaben ETF stehen für Exchange Traded Fund, zu Deutsch: börsengehandelter Indexfonds. Während bei klassischen Investmentfonds, etwa Aktien-, Renten- oder Mischfonds ein Manager seiner Meinung nach aussichtsreiche Wertpapiere für seinen Fonds aussucht, bildet ein ETF eins zu eins einen Index ab – sie kommen also ohne einen Manager aus.

Zahlreiche ETFs bilden die Wertentwicklung von Nachhaltigkeitsindizes nach. Für ETFs sprechen die niedrige Gesamtkostenquote zwischen rund 0,25 und 0,6 Prozent pro Jahr. Außerdem sind ETFs besonders transparent, da jederzeit klar ist, welche Werte im zugrundliegenden Index enthalten sind. Und als Anlegerin bleibt man flexibel, da man ETFs jederzeit während der Börsenöffnungszeiten kaufen oder verkaufen kann. Die Finanzbranche bringt inzwischen einige ETFs auf den Markt, deren zugrundeliegende Indizes sich an den Pariser Klimazielen von 2015 und den EU-Vorschlägen von 2020 orientieren. Laut Finanztest (Juni 2021) ist der Grundgedanke hinter den klimaschonenden Varianten der Indizes folgender: Die darin enthaltenen Unternehmen müssen insgesamt eine besser CO2-Bilanz als ihr Mutterindex – etwa der bekannte Welt-Aktien-Index MSCI World – aufweisen. Dabei gibt es eine strengere und eine weniger strenge Messlatte: Die erste orientiert sich an den Vorgaben der Pariser Klimazielen und heißt daher „Paris-Aligned Benchmark“ (PAB). Die etwas niedrigere Messlatte nennt sich „Climate Transition Benchmark“ (CTB). Beide sehen vor, dass der CO2-Ausstoß jährlich um 7 Prozent sinkt. Bei PAB-Indizes muss der CO2-Ausstoß außerdem um die Hälfte geringer ausfallen als beim Mutterindex, bei der CTB-Variante nur 30 Prozent. Bei PAB werden außerdem fossile Energieträger ausgeschlossen. Bekannte Indexanbieter wie MSCI oder S & P haben nach diesen Vorgaben bereits Indizes entwickelt. Klimafreundlichere Unternehmen werden in den PAB- und CTB-Indizes höher gewichtet als im herkömmlichen Vergleichsindex – und weisen daher eine bessere CO2-Bilanz auf.

Aktiv gemanagte Fonds sind etwas teurer. Dafür können ihre Manager Mehrrenditen die Indexrendite hinaus erzielen. Sie haben beispielsweise in schlechten Börsenzeiten die Möglichkeit Verluste besser auszugleichen. Studien zeigen indes immer wieder, dass auf längere Sicht nur den wenigsten Fonds eine dauerhafte Outperformance gelingt. Mit ETFs schneidest du hingegen immer so gut oder schlecht wieder der zugrundeliegende Index ab.

Der Test: Wie finden Frauen gute ETFs und Fonds?

Diese Möglichkeiten haben Klima-Aktivistinnen

Bei der Auswahl von Nachhaltigkeitsfonds solltest du dir folgendes überlegen: Ausgewiesene Nachhaltigkeitsfonds streben aktiv die Einhaltung ökologischer und sozialer Auswahlkriterien an. Die Verpflichtung dazu ist im Fondsprospekt festgehalten. ETFs auf Nachhaltigkeitsindizes folgen in der Regel weniger strengen Nachhaltigkeitskriterien. Wenn das Thema Nachhaltigkeit für dich absolute Priorität genießt, sind derzeit aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds die bessere Wahl. Du musst aber damit rechnen, dass die Kosten höher sind. Und je strenger die Auswahlkriterien, desto geringer ist möglicherweise die Anlagestreuung eines Fonds. Das kann sich negativ auf das Chance-Risiko-Profil auswirken.

Die Rating-Agentur Morningstar hat ein quantitatives Sustainability-Rating entwickelt, das sehr viele Fonds und ETFs bewertet. Diese Bewertung stuft für jedes Produkt das Nachhaltigkeitsrisiko in eine von fünf Stufen ein. Ein Globus signalisiert ein niedriges Rating, zwei Globen ein unterdurchschnittliches, drei Globen ein durchschnittliches, vier Globen ein überdurchschnittliches und fünf Globen ein hohes Sustainability-Rating. Das erstaunliche Ergebnis: Spitzenbewertungen in punkto Nachhaltigkeit erzielen nicht nur spezielle Nachhaltigkeitsfonds. „Das kann durchaus der Fall sein, da alle Fonds mit entsprechender Abdeckung ein Sustainability-Rating erhalten, nicht nur reine ESG-Fonds“, erläutert Natalia Wolfstetter von Morningstar.

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Bei der Morningstar-Bewertung wird gemessen, wie die Unternehmen in einem Fondsportfolio die mit ESG-Fragen zusammenhängenden Chancen und Risiken managen. Aber auch die Branche, in der ein Unternehmen tätig ist, wirkt sich auf das Rating aus. Der Researchanbieter Sustainalytics liefert die Daten für das Rating.

So gehst du vor

Für Anlegerinnen gibt es mehrere geeignete Vorgehensweisen. Bei der ersten setzen sie auf Spitzenfonds mit ausgezeichnetem Morningstar-Sustainability-Rating. Im Fund Screener lässt sich über eine Suchmaske gezielt nach Vier- und Fünf-Sterne-Fonds und -ETFs beispielsweise in der Morningstar-Kategorie „Aktien weltweit Standardwerte Blend“ suchen. Die aufscheinende Liste sortieren Interessierte nach der Wertentwicklung über eine Laufzeit von fünf Jahren. Die besten Fonds dieser Liste zeigen Spitzenportfolios nach Rendite-Risiko-Gesichtspunkten. Sie können jeweils angeklickt werden und im Fonds- oder ETF-Porträt findet sich das Morningstar-Sustainability-Rating. So lassen sich Spitzenfonds ausschließen, die ESG-Ansprüchen nicht genügen. Als dritte Möglichkeit kannst du auch direkt nach dem Sustainability-Rating filtern, und zwar hier.

Du willst es dir leicht machen? Dann schau in unseren Artikeln über nachhaltige Fonds und nachhaltige ETFs nach, welche Titel gut abschneiden.

Bei der zweiten Suchstrategie beschränken sich Anlegerinnen auf Fonds, die Nachhaltigkeitsstrategien in ihren Anlagerichtlinien festgeschrieben haben. Sie erstellen dieselbe Liste wie bei der ersten Strategie, gehen aber nur bei Anlageprodukten ins Detail, die den Begriff „Sustainable“ im Namen tragen.

How to Portfolio

Wer Zero-Waste lebt und sein Leben radikal umwelt- und klimafreundlich ausrichtet, dem reicht Nachhaltigkeit oft nicht. Ökofonds setzen oft radikalere Standards als Nachhaltigkeitsratings. Bei Morningstar kannst du die schon erwähnte Liste nach der Morningstar-Anlageklasse „Branchen: Ökologie“ filtern, um die Liste nach der Wertentwicklung der Fonds in den letzten fünf Jahren zu sortieren.

Momentan (Oktober 2019) sind ganz oben:

Zudem gibt es wie bei Lebensmitteln weitere bekannte Siegel für nachhaltige Geldanlagen, die du bei der Auswahl für dich geeigneter Nachhaltigkeitsfonds berücksichtigen kannst:

  • FNG-Siegel: Das Forum Nachhaltige Geldanlagen nimmt hier gemeinsam mit Finanzfachleuten und Experten aus Sozial- und Umweltorganisationen Fonds unter die Lupe. Das Siegel erhalten die Anbieter nur, wenn sie unter anderem nachweisen, dass alle Titel im Portfolio nach ESG analysiert sind. Außerdem müssen Unternehmen tabu sein, die mit Waffen, Atomkraft, Kohlebergbau und -Verstromung Geld verdienen oder schwerwiegend gegen Menschenrechte oder Umweltschutz verstoßen. Die höchste Bewertungsstufe drei Sterne erhielten 2021 mehr als 40 Fonds. Info: fng-siegel.org
  • Ecoreporter-Siegel. Hier werden Unternehmen, Fonds und andere Finanzprodukte beurteilt. Die Prüfkriterien wurden gemeinsam mit dem Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen (INAF) entwickelt. Info: www.ecoreporter.de
  • Climetrics. Das ist ein Klima-Rating für aktive Fonds und ETFs. Es soll Auswirkungen auf den Klimawandel zeigen. Hinter Climetrics stehen internationale Klimaexperten. Infos: climetrics-rating.org

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