Du möchtest deine Rente aufbessern? Wir erklären, wann eine Direktversicherung sinnvoll sein kann und wo die Fallstricke liegen.

Inhalt

Was ist eine Direktversicherung?

Wie funktioniert die Auszahlung im Alter?
> Wie hoch ist die Krankenversicherung bei Auszahlung der Direktversicherung?
> Wird eine Direktversicherung im Alter versteuert?

Ist die Auszahlung der Direktversicherung vor Rentenbeginn möglich?

Fazit: Direktversicherung abschließen – Soll ich oder lasse ich es besser?

herMoney Tipp

Das Wichtigste in Kürze

Das Prinzip der Direktversicherung: Du zahlst einen kleinen Teil deines Gehalts pro Monat in die Direktversicherung ein und sparst so Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Deine Chefin gibt mindestens 15 % des von dir gesparten Beitrags dazu.

Die Auszahlung ist mit Renteneintritt fällig, meist frühestens ab 60 Jahren (je nach Vertrag). Vorher kannst du den Vertrag nur ruhen lassen.

Später musst du auf die Auszahlungen der Direktversicherung in der Regel Steuern und Krankenversicherungsbeiträge zahlen. Diese Abzüge können die Beträge so stark schmälern, dass du dir vorher genau ausrechnen solltest, ob sich diese Form der Altersvorsorge für dich lohnt.

Deine Chefin schätzt deine Leistung. Doch anstelle einer Gehaltserhöhung bietet sie dir den Abschluss einer Direktversicherung an. Darüber hattest du bisher gar nicht nachgedacht. Deshalb fragst du dich jetzt, ob du zustimmen sollst. Vielleicht hast du auch schon längst eine Direktversicherung abgeschlossen und möchtest wissen, ob eine vorzeitige Auszahlung möglich ist? Wir gehen der Sache auf den Grund und erklären dir alles Schritt für Schritt.

Was ist eine Direktversicherung?

Eine Direktversicherung ist eine von mehreren möglichen Spielarten – auch Durchführungswege genannt – einer betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Dabei schließt die Chefin die Versicherung für dich als Versicherte ab.

Gut zu wissen: In Deutschland hat jede Beschäftigte Anspruch darauf, über ihren Arbeitgeber fürs Alter vorzusorgen. Bei der Auswahl des Durchführungswegs hat dein Arbeitgeber die Wahl.  Direktversicherungen sind vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen beliebt.

Es gibt Direktversicherungen in verschiedenen Spielarten, als klassische kapitalbildende Lebensversicherung, als Rentenversicherung sowie als fondsgebundene Varianten von beiden. Was du abschließen darfst, hängt in aller Regel davon ab, mit welchem Versicherungsanbieter dein Arbeitgeber eine Zusammenarbeit beschlossen hat und welche Konditionen hier gelten. Häufig schließen Arbeitgeber Rahmenverträge für eine größere Gruppe von Versicherten ab. Idealerweise erhältst du bessere Konditionen, weil dein Arbeitgeber quasi einen Mengenrabatt für viele Personen bekommt.

Bei der Finanzierung gibt es zwei Varianten:

a) Die Chefin finanziert die Beiträge für deinen Vertrag komplett.

b) Du als Arbeitnehmerin finanzierst einen Teil der Einzahlungen aus deinem Bruttolohn – in diesem Fall spricht man von Entgeltumwandlung. Und die Chefin spendiert dir darüber hinaus einen Zuschuss. Seit 2019 gibt es für neue Verträge eine Zuschusspflicht. Dazu später mehr.

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Wie funktioniert die Entgeltumwandlung im Detail?

In der Ansparphase werden dir die Beiträge für die betriebliche Altersvorsorge vom Bruttogehalt abgezogen. Netto betrachtet wendest du daher für die zusätzliche Altersvorsorge weniger auf als die eigentliche Rate, die in den Vertrag fließt. Das ist der Kern der „Entgeltumwandlung“.

Seit 2019 müssen Arbeitgeber seither abgeschlossene baV-Verträge in aller Regel bezuschussen. Bei bAV-Verträgen mit Entgeltumwandlung muss der Arbeitgeber mindestens 15 Prozent des Bruttobeitrags beisteuern, sofern er sich durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart. Wichtig: Für vor 2019 abgeschlossene Verträge greift der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss erst ab dem Jahr 2022.

Gut zu wissen: Arbeitnehmer dürfen maximal 4 Prozent der jeweils geltenden Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung der alten Bundesländer (Achtung: der Wert ändert sich jährlich) ohne Abzug von Sozialabgaben in eine Direktversicherung investieren. Bis zu acht Prozent sind steuerfrei. Die Beitragsbemessungsgrenze lag 2020 bei 82.800 Euro, für 2021 befindet sie sich bei 85.200 Euro. Daher durften 2020 monatlich 276 Euro, für 2021 nun 284 Euro sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung fließen. Steuerfrei sind also Einzahlungen bis 552 Euro respektive 568 Euro (Werte für 2020/2021).

Beispiel: Eine Arbeitnehmerin verdient 3000 Euro brutto, sie spart 100 Euro per Entgeltumwandlung. Ihr Bruttogehalt sinkt dadurch auf 2900 Euro. Dadurch spart sie sich Steuern und Sozialabgaben in Höhe von rund 45 Euro. Ihr Arbeitgeber sponsert ihren Vertrag mit 15 Prozent, gibt also 15 Euro dazu. Obgleich sich ihr Nettogehalt nur um rund 55 Euro reduziert, fließen 115 Euro pro Monat in die Direktversicherung. (Quelle: Stiftung Warentest)

Das ist aber nur die eine, die positive Seite der Rechnung. Denn du must auch berücksichtigen, dass du wegen des niedrigeren Bruttogehalts durch die Entgeltumwandlung geringere Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung aufbaust.

Denn wegen der Entgeltumwandlung reduzieren sich die Beiträge, die du an die gesetzliche Sozialversicherungen abführst – und damit minderst du auch deine Ansprüche auf Arbeitslosen-, Kranken- und Elterngeld sowie eine etwaige Erwerbsminderungs- und die spätere Altersrente.

Und noch etwas solltest du einkalkulieren: Die Auszahlung deiner Direktversicherung im Alter kommt nicht komplett bei dir an. „Ob der Einspareffekt in der Ansparphase die Nachteile in der Bezugsphase ausgleicht, ist daher im Vorhinein nahezu unmöglich zu kalkulieren“, sagt Stefanie Kühn, freie Finanzplanerin aus Grafing bei München.

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Wie funktioniert die Auszahlung im Alter?

Im Alter musst du auf die Auszahlungen aus der Direktversicherung nämlich Steuern und Sozialabgaben zahlen. Und das wird beim Abschluss leider oft vergessen.

Wie hoch ist die Krankenversicherung bei Auszahlung der Direktversicherung?

Es werden in aller Regel die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Das heißt: Im Alter zahlst du nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberbeitrag.

Beiträge zahlst du nur dann, wenn deine Rentenauszahlung einen Freibetrag von derzeit 164,50 Euro (Wert für 2021) übersteigt. Hinzu kommt aber die Pflegeversicherung auf die volle Rentenzahlung ab dem ersten Euro. Zur Info: Der volle Krankenversicherungsbeitrag beträgt 2021 14,6 Prozent zuzüglich etwaige kassenindividuelle Zusatzbeiträge. Der Beitragssatz für die Pflegeversicherung beträgt 3,05 Prozent, für Kinderlose 3,3 Prozent. Daher ist es so wichtig, dass dein Vertrag in der Ansparphase möglichst großzügig bezuschusst wird.

Wird die Direktversicherung auf einen Schlag ausgezahlt, wird die Kapitalzahlung auf zehn Jahre verteilt. Auf den resultierenden Wert werden dann abzüglich des Freibetrags von 164,50 Euro die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung fällig.

Und noch eine Hiobsbotschaft: Der Freibetrag greift nicht für Versicherte, die freiwillig gesetzlich krankenversichert sind – sie zahlen also schon für den ersten Euro Rente im Alter Sozialversicherungsbeiträge. Auch Rentnerinnen, die mit ihren Einkünften im Alter oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung liegen (2021: 58.050 Euro), zahlen schon ab dem ersten Euro. Nur als privat krankenversicherte Rentnerin musst Du auf Deine Betriebsrente keine Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

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Beispielrechnung für die Auszahlung einer Direktversicherung:

Bei einer Rente von 300 Euro pro Monat und einem Kassen-Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent zahlt eine kinderlose Rentnerin an Beiträgen für Kranken- und Pflegeversicherung für ihre Betriebsrente derzeit rund 32,00 Euro pro Monat.

Fakt ist: Das bedeutet eine erhebliche Belastung, die man im Hinterkopf haben sollte. Daher ist es so wichtig, dass man in der Ansparphase vom Chef eine ordentliche Zuzahlung bekommt, sonst lohnt sich eine Direktversicherung gar nicht.

Wird eine Direktversicherung im Alter versteuert?

Bei der Besteuerung der Kapitalauszahlung einer Direktversicherung kommt es darauf an, wann du sie abgeschlossen hast. Die Besteuerung eines Altvertrags, der vor 2005 abgeschlossen wurde, funktioniert anders als bei einem heute abgeschlossenen Vertrag.

Die Auszahlung einer Direktversicherung im Rahmen eines Altvertrag ist steuerfrei, wenn

  • seine Laufzeit mindestens 12 Jahre betrug
  • du mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt hast und
  • die Beiträge in der Ansparphase pauschal versteuert wurden.

Entscheidest du dich nicht für eine Kapitalauszahlung über zehn Jahre, sondern für eine Rentenauszahlung, gelten bei Altverträgen andere Regeln. Hier greift die vergleichsweise günstige Ertragsanteilsbesteuerung. Die Höhe des Ertragsanteils richtet sich danach, in welchem Alter du in Rente gehst. Als Faustregel kann gelten: Je später, desto niedriger ist der steuerpflichtige Ertragsanteil.

Bei aktuellen Verträgen ab 2005 hingegen gilt das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Das heißt, Steuern sind erst auf die Auszahlungen in Form von Renten und Kapitalleistungen zu zahlen, und zwar zum persönlichen Steuersatz im Alter. Der ist häufig niedriger als der Steuersatz während deines Berufslebens.

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Ist die Auszahlung der Direktversicherung vor Rentenbeginn möglich?

 Die Auszahlung einer Direktversicherung erfolgt mit Vertragsablauf, aber eine vorzeitige Auszahlung vor Renteneintritt ist in aller Regel nicht möglich. Frühestens ab 60 Jahren kannst du mit der Auszahlung der Direktversicherung rechnen, je nach Vertrag. Es kann aber auch sein, dass erst eine spätere Auszahlung festgeschrieben wurde.

Hast du den Vertrag erst ab dem Jahr 2012 abgeschlossen, dann erhältst du die Auszahlung erst mit 62 Jahren.

Es gibt aber Berufe, die ein früheres gesetzliches Rentenalter vorsehen. Genaueres entnimmst du deinem Arbeitsvertrag und dem Tarifvertrag für die Branche, in der du tätig bist.

Wenn du schon mit 55 Jahren vorzeitig in Rente gehen möchtest, bleibt dir die Möglichkeit, dass du deinen Direktversicherungsvertrag bis zum Ablaufdatum ruhen lässt.


Wann kann ich in Rente?
Wer schon ab 63 in Rente gehen darf

 


Fazit: Direktversicherung abschließen – Soll ich oder lasse ich es besser?

Ob sich eine Direktversicherung für dich lohnt, ist im Vorhinein nicht leicht zu beantworten. „Es gibt zu viele Bedingungen und Eventualitäten, von denen das erfolgreiche Auslaufen einer Direktversicherung abhängig ist“, sagt Verbraucherschützerin Weidenbach.

Du solltest die Vorteile, die du eventuell in der Ansparphase genießt, den Nachteilen gegenüberstellen, die du in der Auszahlphase im Rentenalter in Kauf nehmen musst. „Man tauscht de facto Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung gegen Ansprüche an eine betriebliche Altersvorsorge. Was lohnender für mich ist, lässt sich im Voraus nur sehr schwer kalkulieren. Am besten müsste man schon seine gesamte Erwerbsbiografie im Voraus kennen“, sagt Expertin Weidenbach. „In meiner Praxis sehe ich leider oft, dass sich eine Direktversicherung nicht lohnt“, warnt auch Finanzplanerin Kühn.

Wenn dein Arbeitgeber dir also anbietet, für dich eine Direktversicherung abzuschließen, solltest du dir die folgenden Fragen stellen:

  • Zentral ist die Frage: Wie hoch ist der Vertrag vom Arbeitgeber bezuschusst? Verbraucherschützerin Weidenbach meint: „Wenn der Arbeitgeber die Beiträge für die Direktversicherung in der Ansparphase nicht mit mindestens 20 Prozent bezuschusst, lohnt sich der Abschluss für den Arbeitnehmer in aller Regel nicht. Besser, der Arbeitgeber zahlt noch einen höheren Zuschuss oder übernimmt die Beitragszahlung komplett. Dann sollte man als Arbeitnehmer in den meisten Fällen das Angebot annehmen.“
  • Zahlt der Arbeitgeber nur einen überschaubaren Zuschuss, solltest du gut überlegen, ob sich der Aufbau einer bAV auf Kosten einer etwas niedrigeren gesetzlichen Rente im Alter wirklich lohnt. Denn man zahlt wegen der Entgeltumwandlung ja weniger in die Rentenkasse ein und kriegt daher später auch weniger heraus. „Wenn man nicht so viel verdient, knabbert der Beitrag, den man während der Ansparphase zahlt, an den Rentenansprüchen, die ich mir für die gesetzliche Rente im Alter erwerbe“, gibt Kühn zu bedenken.
  • Passt die Direktversicherung wirklich zu deinem Leben? Wie häufig hast du vor, den Job zu wechseln? Die Mitnahme von Direktversicherungen ist immer noch schwierig, gegebenenfalls müsstest du den Vertrag stilllegen oder privat weiterführen. Letzteres schmälert dann die Möglichkeiten, auf anderen, flexibleren Wegen – etwa mit Hilfe von ETFs – privat fürs Alter vorzusorgen. „Wenn man schon weiß, dass man häufiger mal den Arbeitgeber wechseln wird, ist der Abschluss einer Direktversicherung in der Regel nicht zu empfehlen“,  sagt Weidenbach.

herMoney Tipp

Bei der Altersvorsorge solltest du nie allein auf einem Bein stehen. Eine Direktversicherung sollte daher nicht der einzige Baustein deiner privaten Altersvorsorge sein. „Je breiter man seine Anlagen streut, desto geringer ist das Gesamtrisiko“, rät auch Weidenbach.

Zum Weiterlesen: Du hast keine Ahnung, wie viel Rente du im Alter eigentlich brauchst? Wir haben hier für dich ausgerechnet, wie hoch dein Bedarf sein könnte. Wie viel gesetzliche Rente du voraussichtlich bekommst, entnimmst du der Renteninformation – wenn du sie richtig lesen kannst! Warum Frauen auf jeden Fall privat vorsorgen sollten, um der Altersarmut zu entgehen, kannst du hier nachlesen.