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Ein prominenter Betrugsskandal mit einem DAX-Titel, das ist ärgerlich! Welche Möglichkeiten Sie als Investorin jetzt haben.

Inhalt:

Es fühlt sich übel an: Da hat man sich über Aktien informiert, schließlich investiert und dann das: ein prominenter Betrugsfall, bei dem tausende Aktionäre viel Geld verloren haben! Mit Wirecard, einem DAX-Titel! Dabei gelten die 30 Aktien als top, die im deutschen Aktien-Index DAX vertreten sind. Noch dazu war Wirecard ein nachhaltiger Titel.

Der Bezahldienstleister machte weder böse Schlagzeilen mit CO2 noch mit NOx. Ansonsten findet sich nur noch SAP als modernes Technologie-Unternehmen im DAX. Vieles sprach also für Wirecard. Nun werden in den Medien die Details des Bilanz-Skandals aufgearbeitet.

In unserem neuesten Podcast erklärt Verbraucheranwältin Corinna Ruppel, was Sie tun können, wenn Sie Geld verloren haben:

Lieber doch die Finger von Aktien lassen?

Einige Anlegerinnen sind nach dem Wirecard-Skandal verschreckt und überlegen, ob sie nicht generell die Finger von Aktien lassen sollten. Schnell lassen sich auch andere Negativ-Beispiele finden: Steinhoff, Enron, Parmelat und der neue Markt! Ein ganzes Marktsegment ging 2003 nach dem Platzen der Dotcom-Blase baden. Zahllose Insolvenzen trafen die Aktieninhaber.

Aber bleiben wir entspannt: Das sind über einen Zeitraum von 20 Jahren ein paar wenige Aktien aus tausenden, die weltweit an den Börsen gehandelt werden! Gegen intelligent gemachten Betrug ist kein Kraut gewachsen. Keine Anlegerin, die in Wirecard investiert war oder ist, muss sich vorwerfen, ein schlechtes Aktien-Händchen zu haben.

Die Regel ist nun einmal, dass man sich auf veröffentlichte Unternehmensbilanzen verlassen darf. Was Wirtschaftsprüfer, Banken, ein Heer von Analysten und Portfoliomanagern und sogar die Finanzaufsicht nicht gesehen haben, hätte vermutlich keine von uns im Blick haben können. Also ziehen Sie sich diesen Schuh nicht an!

Aber was ist nun zu tun?

Aktien von insolventen Unternehmen kaufen? Besser nicht!

Wenn Sie bisher nicht in Wirecard investiert waren, ist alles gut! Dann haben Sie kein Geld verloren und sind von dem Betrugsskandal nicht betroffen.

Vielleicht überlegen Sie, zu den super-günstigen Kursen einzusteigen und ein Schnäppchen zu machen? Schließlich war die Aktie einmal über 190 Euro wert und notiert jetzt an der Börse zu weniger als 2,50 Euro! Die drohende Insolvenz hat den Aktienwert in den Keller fallen lassen.

Das ist eine hochriskante Sache. Es ist für Börsen-Einsteigerinnen nicht empfehlenswert, in ein Unternehmen zu investieren, das in erheblichen Schwierigkeiten steckt und in die Insolvenz rutscht. Egal ob Wirecard zerschlagen wird, die Insolvenz in Eigenverwaltung meistert oder ob es vom Staat aufgefangen wird: Der Kurs der von Insolvenz bedrohten Aktiengesellschaft wird gehörig auf und ab gehen und das ist kein Kindergeburtstag!

Viele Vertragspartner distanzieren sich jetzt von Wirecard, weil sie sich das Heckmeck nicht antun wollen. Außerdem hat Wirecard starke Wettbewerber! Denken Sie nur an Adyen aus den Niederlanden oder Square aus den USA. Es ist besser, auf gesunde, zukunftsgerichtete Unternehmen zu setzen als zu versuchen, mit der Hand ein fallendes Messer auffangen zu wollen.

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Insolvenz: Soll ich meine Aktien verkaufen oder nicht?

Wenn Sie die Aktie in Ihrem Depot haben, haben Sie vermutlich immerhin anfangs Gewinne gemacht. Leider sind die nun dahingeschmolzen. Was also jetzt? Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Verkaufen:
    Sie haben die Nase voll und möchten sich über diesen Titel nicht mehr ärgern. Dann verkaufen Sie wenigstens nicht zum absoluten Tiefstkurs, sondern nutzen Sie das starke Auf und Ab der Aktie: Setzen Sie ein der aktuellen Situation entsprechendes relativ hohes Limit. Sobald bei den vielen Informationen, die jetzt herauskommen, dieser Limit-Kurs einmal erreicht wird, werden Ihre Aktien verkauft. Eins sollten Sie aber bedenken: Wenn Sie die Aktie nicht mehr im Depot haben, wird es schwer, sich einer Sammelklage anzuschließen
  2. Sammelklage:
    Wenn Sie mitmachen, sitzen Sie mit Fondsmanagern und ebenfalls betroffenen Groß-Investoren in einem Boot. Die Frage ist: Bleibt für Aktionäre aus der Insolvenzmasse oder bei den Schuldigen noch etwas zu holen? Zuerst werden Anleihen-Investoren und andere Gläubiger bedient. Als Aktionärin vertreten Sie das Eigenkapital und kommen erst zum Schluss dran. Überlegen Sie sich: Wie hoch ist der Betrag, den Sie in weiter Ferne aus einer Sammelklage erhalten könnten? Lohnt sich der Aufwand für Sie persönlich?

Insolvenz: Aktienverluste senken die Steuerlast

Vielleicht ist es nur ein kleiner Trost, aber immerhin: Steuerlich können Sie Aktienverluste mit Aktiengewinnen verrechnen. Das heißt. Die Verluste, die Sie jetzt mit Wirecard realisieren, schmälern Gewinne aus anderen Aktien-Investitionen. Bei der Steuer sind zwei Dinge zu beachten:

  1. Steuerlich werden Aktienverluste nur dann anerkannt, wenn Sie die Aktie wirklich verkauft haben. Buch-Verluste zählen nicht!
  2. Die Bank verrechnet automatisch Aktiengewinne mit Aktienverlusten. Wenn Sie aber die Gewinn-Aktien in einem Depot und die Wirecard-Aktie in einem anderen Depot halten, müssen Sie Gewinne und Verluste über Ihre Steuererklärung in der Anlage KAP selbst verrechnen. Dazu müssen Sie eine Verlustbescheinigung bei Ihrer Bank beantragen.

herMoney-Tipp

Lassen Sie sich durch einen Betrugsfall wie Wirecard nicht von der Idee abbringen, in Aktien zu investieren! Es kann immer etwas passieren – morgen kann jeder von uns ein Ziegel auf den Kopf fallen.

Damit ein ärgerlicher Fall wie Wirecard Sie finanziell nicht aus der Bahn wirft, ist es wichtig, das Risiko breit zu streuen. Das können Sie entweder über Aktienfonds tun, die in viele Titel investieren, oder indem Sie viele unterschiedliche Einzeltitel halten. Letzteren Ansatz vertritt zum Beispiel die Börsen-Millionärin Beate Sander. Lesen Sie im Interview, wie ihre Erfolgsstrategie funktioniert.

Zum Weiterlesen: 27 Aktien, ETF und Fonds für sicherheitsbewusste Anlegerinnen

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