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Wenn du eine Aktie kaufen möchtest, solltest du einige Kennzahlen kennen. Eine der Wichtigsten: das KGV.

Inhaltsverzeichnis:

Definition

KGV berechnen

Gutes KGV

Beispiele

KGV von Aktien: Das Wichtigste in Kürze

Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird der Preis einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie gesetzt. Daran siehst du also, ob eine Aktie günstig ist.

Die Formel, um das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie zu berechnen, lautet: KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie

Geht es an den Börsen nach unten, so wie 2022, spiegelt sich das auch an den Bewertungen wider: Die KGVs fallen, Aktien werden also günstiger.

Was ein gutes KGV ist, kann man pauschal nicht sagen. Im Technologiebereich sind die Bewertungen tendenziell höher, gerne auch mal im dreistelligen Bereich. Ab dem höheren zweistelligen Bereich kann man von attraktiven KGVs sprechen. In der Industriebranche hingegen können KGVs unter 10 interessant sein. Du solltest das KGV aber nie isoliert betrachten.

Damit dein Aktienkauf nicht zum Lotterielos wird, solltest du die wichtigsten Kennzahlen verstehen und bewerten können. Als eine der wichtigsten gilt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie.

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Hintergrund: Aktien sind keine abstrakten Konstrukte, sondern Beteiligungen an einem Unternehmen. Die Frage ist, ob dein Anteil seinen Preis auch wert ist.

Profis nehmen dazu Unternehmen und deren Bewertung an der Börse gründlich unter die Lupe, bevor sie investieren. Dafür nutzen sie komplexe Modelle, für die Laien das Handwerkszeug fehlt. Keine Sorge, mit einigen Kennzahlen kannst du dir bereits einen guten Überblick über ein Unternehmen verschaffen.

Das Ziel von Profis und PrivatanlegerInnen ist, Aktien mit hohen Renditechancen zu finden. An der Börse heißt es dazu: Im Einkauf liegt der Gewinn. Das kennst du auch aus dem Alltag. Du greifst vielleicht nach Sonderangeboten im Supermarkt. Im Schuhgeschäft freust du dich über heruntergesetzte Schnäppchen.

Das gilt auch für die Börse. Als Anlegerin hast du tendenziell die besten Renditechancen, wenn du wenig Geld für deine Unternehmensbeteiligung zahlst. Wann ist aber eine Aktie tatsächlich günstig? Anders als im Supermarkt fehlt an der Börse ein Vergleich.

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Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Aktienkurse permanent bewegen – nach oben oder nach unten. Denn der Kurs einer Aktie steigt, wenn die Nachfrage steigt, sich also viele InvestorInnen an einem Unternehmen beteiligen möchten. Die Mehrheit der InvestorInnen ist dann also optimistisch, dass sich eine Beteiligung an dem Unternehmen rechnet. Und wer schon Aktien des Unternehmens hält, verkauft sie lieber zu einem höheren Preis!

Genauso wird die Aktie „billiger“, wenn die Mehrheit der InvestorInnen dem Unternehmen keine positive Entwicklung zutraut. Sie wollen ihre Aktien dann verkaufen, aber KäuferInnen finden sich nur zu einem niedrigeren Preis, so dass der Kurs fällt.

Was aber ist ein „guter“ Preis? Ist die Aktie ihren Preis wirklich wert? Oder ist sie überteuert und damit anfällig für Kursverluste?

Bedeutung des KGV: Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie?

Eine Indikation gibt die Mutter aller Kennzahlen, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV setzt den Preis einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Daran siehst du also, ob eine Aktie günstig ist – im Fachjargon heißt das auch oft „niedrig bewertet“.

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Du siehst: Eine Aktie ist nicht günstig, weil sie nominal einen niedrigen Wert hat. Eine Aktie, die bei zehn Euro notiert, kann viel teurer sein als eine Aktie, die 100 Euro kostet – je nachdem, wie hoch das KGV ist.

KGV einer Aktie berechnen (Formel und Rechner)

Wenn du verstehen möchtest, was das KGV einer Aktie ist, hilft es, die drei Bestandteile des Begriffs „Kurs-Gewinn-Verhältnis“ anzusehen:

„Kurs“: Der Aktienkurs ist der Preis, den du für eine Aktie bezahlen musst.

„Gewinn“: Hier ist der Gewinn je Aktie gemeint. Diese Kennzahl ergibt sich, indem man den Gewinn des Unternehmens (den Jahresüberschuss) durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien teilt. Oft wird sie auch als „EPS“ angegeben, die Abkürzung für „Earnings per Share“. Der Gewinn je Aktie gibt also den Teil des Gewinns an, der auf eine Aktie entfällt.

„Verhältnis“: Wir stellen nun den Kurs der Aktie dem Gewinn je Aktie gegenüber.

Die Formel, um das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie zu berechnen, lautet:

KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie

Oder nutze unseren neuen KGV-Rechner:

KGV einer Aktie berechnen: Beispiel

Eine Aktie notiert bei einem Kurs von 100 Euro. Der erwartete Gewinn je Aktie beträgt 6 Euro. Das KGV liegt dann bei 16,6 (100 geteilt durch 6). Die Aktie kostet nun das 16,6-Fache ihres Anteils am Unternehmensgewinn. Oder anders ausgedrückt: Treffen die Prognosen zu, hast du bei gleichbleibendem Gewinn den Kaufpreis in 16 Jahren wieder raus!

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Fällt der Kurs der Aktie auf 80 Euro, verringert sich das KGV auf 13,3 (80 geteilt durch 6) – die Aktie wird also günstiger. Fällt hingegen der Gewinn je Aktie auf 5 Euro, steigt das KGV auf 20 (100 geteilt durch 5) – die Aktie wird also teurer.

Der Haken der Kennzahl: Sie wird nicht mit dem Gewinn je Aktie aus dem Vorjahr, den man im Jahresabschlussbericht nachschlagen kann, berechnet. Sondern mit dem Gewinn je Aktie, der in der Regel für das laufende Jahr erwartet wird. Diese Zahl basiert also auf Prognosen. Deshalb steht hinter dem KGV auch oft eine Zahl, die angibt, auf welchen Zeitraum sich die Prognose bezieht: 2022er KGV oder KGV 22.

Wie clever es ganz grundsätzlich ist, einzelne Aktien zu kaufen und frau den Kauf am cleversten anstellt, ohne unnötige Kosten zu bezahlen, kannst du dir in dieser Folge des Podcasts “herMoney Talk” anhören:

Was ist ein gutes KGV bei einer Aktie?

Was ein guter Wert für das KGV ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Denn du solltest das KGV nie isoliert betrachten – die Kennzahl lebt vielmehr vom Vergleich.

Beispielsweise gibt es regionale Unterschiede: Beim deutschen Leitindex DAX liegt das KGV im historischen Mittel bei 15 (Quelle: Handelsblatt). US-Aktien sind tendenziell höher bewertet. So liegt der 5-Jahres-Durchschnitt beim US-Standardwerteindex S&P 500 bei 18,5 (Quelle: Factset).

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Wichtiger als die schiere Zahl ist also, wie sich das KGV einer Aktie im Vergleich zu der eigenen Historie und im Vergleich zu Unternehmen der gleichen Branche entwickelt. Denk auch daran, die ökonomischen Rahmenbedingungen zu beachten.

Geht es an den Börsen so massiv nach unten wie im Jahr 2022, spiegelt sich das auch in den Bewertungen wider. Aktuell werden deutsche und US-Aktien – gemessen am DAX und S&P 500 – zum zehn- bzw. 16-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, sind also im Vergleich zum langjährigen Schnitt extrem günstig.

KGV von Aktien richtig interpretieren

Wie aber kannst du die Kennzahl nutzen? Vergleiche das KGV von Unternehmen einer Branche: Sind die Unternehmen ähnlich aufgestellt, bietet das Günstigere vielleicht mehr Potenzial und ist vorzuziehen.

Achte auch darauf, ob das KGV eines Unternehmens vom einen aufs andere Jahr stark nach oben oder unten zieht. Wenn das der Fall ist, ist es ratsam, die Ursache zu checken. Rein rechnerisch steigt die Kennzahl, wenn der Kurs bei gleichbleibendem Gewinn anzieht. Aber auch, wenn der Gewinn bei gleichbleibendem Kurs einbricht. In einer Rezession, wie sie derzeit droht, kann es durchaus dazu kommen, dass die Gewinne der Unternehmen massiv einbrechen.

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Beispiele für deutsche Aktien mit gutem KGV

Mit dem derzeitigen Kursrutsch an den Börsen sind auch die Bewertungen der heimischen Unternehmen deutlich nach unten gegangen. Besonders viele Aktien mit niedrigem KGV findet man im Industriebereich.

So wird beispielsweise der Stahlkonzern Salzgitter derzeit nur mehr mit dem 1,45-Fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet (Quelle: onvista.de). Ob das bedeutet, dass man die Aktie jetzt kaufen sollte? Nun ja. Der Stahlkonzern benötigt in der Herstellung viel Energie, die steigenden Gaspreise schlagen sich in der Bilanz nieder. Die schwache Konjunktur belastet zudem das Geschäft. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 25 Prozent an Wert verloren.

Traditionell niedrige KGVs findet man hierzulande auch in der Automobilbranche: Die Aktien von Herstellern wie BMW (KGV: 3,24) oder Mercedes (KGV: 4,28) gelten als konjunktursensibel und leiden daher unter der derzeit schlechten wirtschaftlichen Lage. Die Sorge: In einer Rezession könnten sich die KundInnen zurückhalten und weniger – vor allem weniger hochpreisige – Autos bestellen. Außerdem stehen die Auto-Konzerne vor der Herausforderung, auf Elektromobilität umzustellen. Die hohen Preise für Rohstoffe und Energie treiben zudem die Kosten in der Produktion.

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In der Übersicht der 2022er KGVs der DAX-Konzerne kann man gut sehen, wie sich diese Kennziffer bei den unterschiedlichen Branchen unterscheidet. Niedrige, teilweise sogar einstellige KGVs finden sich im Automobilsektor, in der Chemiebranche oder im Bereich Immobilien. Die Bewertungen steigen im Online- und Softwaregeschäft oder im Geschäft mit Konsumgütern.

Name 2022er KGV Branche
Adidas 28,82 Sportartikel
Airbus Group (ex EADS) 22,67 Luftfahrt
Allianz 11,46 Versicherung
BASF 8,62 Chemie
Bayer 10,56 Pharma
Beiersdorf 27,72 Konsumgüter
BMW 3,24 Automobil
Brenntag 10,15 Chemie
Continental 12,44 Automobil
Covestro 11,96 Chemie
Daimler Truck 8,91 Automobil
Deutsche Bank 5,4 Finanzen
Deutsche Börse 19,94 Finanzen
Deutsche Post 8,32 Logistik
Deutsche Telekom 13,38 Telekommunikation
E.ON 9,48 Energie
Fresenius Medical Care 11,90 Gesundheit
Fresenius 8,06 Gesundheit
Hannover Rück 14,37 Rückversicherung
HeidelbergCement 6,12 Baustoffe
Henkel Vz. 21,85 Konsumgüter
Infineon 15,44 Chips
Linde 32,96 Gas
Mercedes-Benz Group (ex Daimler) 4,82 Automobil
Merck 19,00 Pharma
MTU Aero Engines 25,94 Luftfahrt
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft 14,82 Rückversicherung
Porsche Automobil Holding 3,55 Automobil
Puma 18,52 Sportartikel
Qiagen 23,44 Pharma
RWE 9,58 Energie
SAP 42,77 Software
Sartorius Vz. 33,75 Pharma
Siemens 23,00 Industrie
Siemens Energy -18,49* Energietechnik
Siemens Healthineers 24,56 Medizintechnik
Symrise 31,28 Duftstoffe
Volkswagen (VW) Vz. 3,97 Automobil
Vonovia 8,00 Immobilien
Zalando 196,43 Onlinehandel

Quelle: onvista.de, Stand: 07.11.2022
* eigene Berechnung

Bei Siemens Energy steht ein negatives KGV. Das bedeutet, dass das Unternehmen keinen Gewinn, sondern Verluste macht. Bei dem Energietechnikkonzern wird für 2022 ein Ergebnis je Aktie von -0,67 Euro erwartet.

herMoney Tipp

Du musst genau hinschauen, wenn du an der Börse günstig einkaufen möchtest! Steigt der Kurs und damit das KGV, weil sich die Aussichten auf Gewinn verbessert haben? Oder haben einmalige Restrukturierungskosten den Gewinn reduziert? Vielleicht sind aber auch die laufenden Kosten explodiert. Dann solltest du womöglich die Finger von dem Papier lassen!

Zum Weiterlesen: Mehr Informationen zu Aktienkennzahlen findest du hier. Wie du das Kurs-Umsatz-Verhältnis berechnest, kannst du hier nachlesen.

Dieser Artikel wurde 2018 von Birgit Wetjen verfasst und 2022 durch Floriana Hofmann überarbeitet und aktualisiert.

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Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
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Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

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