Werteorientiert investieren: So funktionieren SRI-ETFs

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Simin Heuser

13. April 2023

Grünes Geld liegt voll im Trend. Wir durchleuchten SRI-Fonds und -ETFs und erklären, wie du mit ihnen nachhaltig anlegen kannst.

Inhalt

SRI-ETFs: Das Wichtigste in Kürze

Wer bei seinen Investments SRI-Kriterien berücksichtigt, möchte mit seiner Geldanlage sozialen Standards genügen (SRI = Socially Responsible Investing).

Eine einheitliche Definition gibt es für „SRI“ leider nicht. Im Großen und Ganzen investieren SRI-ETFs in Unternehmen, die sich etwa um soziale Gerechtigkeit, gute Arbeitsbedingungen und Menschenrechte bemühen. Umweltschutz spielt teilweise eine eher untergeordnete Rolle.

Mit SRI-ETFs und -Fonds kannst du in Aktien und Anleihen, in weltweit tätige Firmen oder einzelne Länder investieren. Der beste SRI-ETF ist laut Morningstar ein USA-Fonds. Er erhielt 5 Sterne und erreicht aktuell eine 5-Jahres-Rente von 14,53 % pro Jahr (Stand 28.03.2023).

Wenn du dich schon einmal mit nachhaltigen aktiven Fonds und ETFs auseinandergesetzt hast, wirst du sicher bemerkt haben, wie groß die Welt der grünen Finanzprodukte ist. Die Kürzel im ETF-Namen, die auf Nachhaltigkeit hinweisen, reichen von einem einfachen „ESG“ über „ESG Screened“ („ESG-geprüft“), „ESG Enhanced“ („ESG-verbessert“) bis hin zu „ESG Leaders“ („ESG-Vorreiter“). Als wäre das nicht genug, kommen weitere Begriffe hinzu. So zum Beispiel „Low Carbon“ („kohlenstoffarm“) oder „Ex Fossil Fuels“ („ohne fossile Brennstoffe“).

Und dann gibt es da noch die SRI-Fonds. Die Abkürzung steht für „Socially Responsible Investment“ (etwa „sozial verantwortliches Investment“). Die genaue Bedeutung des Kürzels SRI bei Fonds und ETFs ist nicht immer eindeutig und kann je nach Produktanbieter variieren.

Was bedeutet das Kürzel „SRI“ bei ETFs?

Per Definition ist SRI (Socially Responsible Investing) eine Anlagestrategie, die neben der finanziellen Rendite soziale und ökologische Faktoren berücksichtigt. Bei einem Fonds oder ETF bedeutet das Kürzel SRI also, dass solche Unternehmen bevorzugt werden, die sich verantwortungsvoll und ethisch verhalten und positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt haben.

Wie genau diese Strategie umgesetzt wird, ist durchaus unterschiedlich. Es gibt verschiedene Ansätze und Kriterien für SRI-Produkte.

Zum Beispiel:

  • Ausschlusskriterien: Unternehmen werden ausgeschlossen, die in Bereichen wie Tabak, Waffen, Alkohol oder fossilen Brennstoffen tätig sind.
  • Positives Screening: Unternehmen werden aufgrund ihrer sozialen und ökologischen Leistung ausgewählt, beispielsweise Unternehmen, die erneuerbare Energien produzieren oder sich für soziale Gerechtigkeit engagieren.
  • Engagement: InvestorInnen engagieren sich aktiv bei Unternehmen, um positive Veränderungen in Bezug auf soziale und ökologische Fragen zu fördern.

ESG oder SRI? Was denn nun?

Genau wie SRI steht ESG (Environmental, Social, Governance; zu Deutsch: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) für nachhaltiges Investieren. Beide Anlagestrategien beziehen soziale und ökologische Faktoren bei der Unternehmensauswahl ein.

Der wichtigste klar definierbare Unterschied zwischen beiden ist, dass ESG-Investing die ESG-Kriterien als Maßstab für Nachhaltigkeit heranzieht, während SRI sich mehr auf die sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Investitionen konzentriert. Die ESG-Faktoren werden als Indikatoren für die Nachhaltigkeit eines Unternehmens betrachtet und können beispielsweise den Umgang mit Umweltbelastungen und ethische Standards umfassen.

SRI hingegen legt den Fokus eher auf soziale Themen wie soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, gute Arbeitsbedingungen und ähnliche Aspekte. Es geht darum, in Unternehmen zu investieren, die einen positiven sozialen Einfluss haben oder sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Obwohl die beiden Strategien sich ein wenig in ihren Schwerpunkten unterscheiden, gibt es eine Menge Überschneidungen zwischen ESG und SRI. Viele ESG-Fonds und -InvestorInnen verwenden ebenfalls soziale Kriterien, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu beurteilen. Gleichzeitig beziehen SRI-Produkte auch ESG-Kriterien in ihre Investitionsentscheidungen ein.

Letztlich geht es bei beiden Anlagestrategien darum, positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt zu erzielen. Ob nun ESG oder SRI die „nachhaltigere“ Strategie ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Viel wichtiger ist es, sich mit den einzelnen Produkten zu beschäftigen.

Die besten aktiven SRI-Fonds und -ETFs laut Morningstar

Tabelle: Die besten aktiven SRI-Fonds

Generated by wpDataTables


Quelle: Morningstar (28.03.2023)
Legende: Bewertung: 5 = top, 1 = schlecht

Tabelle: Die besten SRI-ETFs

Generated by wpDataTables


Quelle: Morningstar (28.03.2023)
Legende: Bewertung: 5 = top, 1 = schlecht, Replikation: Nachbildung des Index

Auf den ersten Blick scheinen sich SRI-ETFs in den letzten fünf Jahren besser zu entwickeln als aktiv gemanagte Fonds mit einem expliziten SRI-Fokus. Allerdings hinkt der Vergleich. Filtert man aktiv gemanagte Fonds und ETFs nach dem SRI-Kürzel im Namen, kommen unterschiedliche Anlageklassen heraus.

So ist der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy Fonds sicher nicht mit einem iShares MSCI World SRI ETF vergleichbar. Während der Allianz-Fonds Aktien und schwankungsärmere Anleihen mischt, investiert der MSCI World ausschließlich in Aktien der größten Unternehmen der Welt. Naturgemäß haben beide Fonds unterschiedliche Anlageziele – das schlägt sich auch in der Wertentwicklung nieder.

Das Gute: Du siehst, dass du nahezu jede Strategie mit allen möglichen Anlageklassen auch mit nachhaltigen Produkten umsetzen kannst. SRI-Fonds und -ETFs gibt es mit jedem Anlageschwerpunkt – auch mit unterschiedlichen Chancen und Risiken.

Ganz so einfach ist ein direkter Vergleich dieser unterschiedlichen Produkte aber nicht. Das zeigt erneut, dass die Beschränkung auf das Kürzel „SRI“ nicht ausreicht, um nachhaltige Fonds oder ETFs zu finden. Nicht zuletzt haben viele aktiv gemanagte Fonds das Kürzel gar nicht im Namen.

Ob aktiv gemanagte Fonds “grüner” sind als ETFs, erfährst du in diesem Podcast:

Wie nachhaltig sind SRI-ETFs? Zwei ETFs im Check

Immerhin: Im Morningstar-Nachhaltigkeitsrating schneiden die ETFs sehr gut ab. Grund genug, sich noch mehr mit den Produkten zu beschäftigen. Wir schauen uns einen weltweit anlegenden und einen europäischen ETF genauer an:

1. iShares MSCI World SRI UCITS ETF

Der ETF bildet den MSCI WORLD SRI Select Reduced Fossil Fuel Index nach. Aufgelegt wurde er 2017 und die Gesamtkostenquote liegt bei 0,2 Prozent. Da kann man kaum meckern. Auch finanziell hat sich der ETF gut entwickelt. Über einen Horizont von fünf Jahren brachte er seinen AnlegerInnen immerhin 11,89 Prozent jährlich ein.

Die größten Branchen innerhalb des ETFs sind das Gesundheitswesen, IT, Finanzdienstleistungen und zyklische Konsumgüter. Die geografische Aufteilung sieht wie folgt aus: 63 Prozent Vereinigte Staaten, gefolgt von Japan und Kanada mit 6,68 und 3,92 Prozent. Auch Europa ist mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und der Schweiz in den Top-Regionen vertreten.

Wirft man einen Blick auf die Aktienpositionen im Fonds, finden sich leider auch solche, auf die nachhaltige InvestorInnen vielleicht lieber verzichten würden. So zum Beispiel der Raffineriebetreiber Ampol aus Australien und Phillips 66 aus den USA. Das kann man dem ETF aber kaum vorwerfen, immerhin heißt es im Indexnamen „reduced fossil fuels“, sprich „reduzierte“ und nicht „ohne“ fossile Brennstoffe.

Weitere Investments aus dem SRI-ETF, die viele Anlegerinnen sicher als No-Go ansehen: Der Getränkehersteller Coca Cola und der US-Baumaschinenhersteller Caterpillar, der Motoren für Panzer und bewaffnete Marineboote baut.

Explizit nachhaltige Unternehmen, an denen der ETF beteiligt ist, sind die Energieversorger Orsted aus Dänemark und Verbund aus Österreich. Im Wesentlichen investiert der ETF in gängige Großkonzerne, überwiegend aus den USA. Unter den Top-Positionen finden sich Unternehmen wie Microsoft, Tesla, Adobe oder der schweizerische Pharmakonzern Roche.

2. BNP Paribas Easy MSCI Europe SRI S-Series 5% Capped

„Easy“ in europäische Aktien investieren: Das verspricht der BNP Paribas Europa ETF. Er startete 2018 und bildet den MSCI Europe SRI S-Series PAB 5% Capped Index nach. Sowohl finanziell als auch kostenseitig können AnlegerInnen sich nicht beschweren: 0,25 Prozent Gesamtkostenquote und eine durchschnittliche jährliche Rendite von 9,7 Prozent in den vergangenen drei Jahren.

Der ETF schließt Unternehmen aus, die mindestens 5 Prozent ihrer Umsätze mit Alkohol, Pornografie, Glücksspiel, genetisch veränderten Organismen oder Schusswaffen erzielen. Zusätzlich dazu gibt es vollständige Tabus: Unternehmen, die Öl, Kohle und Gas fördern oder damit Strom erzeugen, werden ausgeschlossen, ebenso wie Betreiber von Atomkraftwerken und Tabakproduzenten. Auch in Unternehmen, die kontroverse Waffen wie Landminen oder Streumunition herstellen, investiert dieser ETF nicht.

So ist der ETF konsequenter als viele andere. Schaut man mit der Lupe hin, lassen sich aber doch einige Schlupflöcher erkennen. So kann der SRI-ETF in Aktien investieren, die Umsätze mit Öl erzielen, ohne es zu fördern. Auch im ETF vertreten ist der Industriekonzern CNH Industrial, der über eine Tochterfirma Kampffahrzeuge wie Schützenpanzer produziert. Der Pharmakonzern Merck, der Lebensmittelproduzent Danone und andere Unternehmen im ETF führen gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche durch.

Insgesamt investiert der ETF in mittlere und große europäische Unternehmen. Viele davon weisen eine gute bis sehr gute Nachhaltigkeitsbilanz auf. So etwa der dänische Windturbinenbauer Vestas und der schwedische Hygienekonzern Essity.

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Fazit: Manche SRI-ETFs sind grüner als andere

In annähernd allen Fonds und ETFs dürften wir Unternehmen finden, die mit nachhaltiger Geldanlage nicht viel zu tun haben. Darüber solltest du als Anlegerin nicht verzweifeln. Was es dir zeigen sollte: Den einen perfekten grünen ETF gibt es wahrscheinlich gar nicht.

Orientieren kannst du dich an den Morningstar-Ratings. Du könntest auf eine hohe Gesamt-Bewertung und ein „hoch“ oder „überdurchschnittlich“ beim Faktor „Nachhaltigkeit“ achten. Der bereits genannte BNP-ETF bekommt fünf von fünf Sternen und ist „hoch“ nachhaltig. Genauso auch der USA-ETF von Amundi, ein globaler ETF von BNP Paribas und ein Europa- und USA-ETF von iShares. Der globale iShares-ETF, den wir ebenfalls näher vorgestellt haben, ist „überdurchschnittlich“ nachhaltig, bekommt aber ebenfalls die beste Gesamtbewertung.

Bei den aktiven Fonds schneiden bei Gesamtbewertung und Nachhaltigkeit die Produkte von Allianz und Lazard am besten ab.

Wenn dir Nachhaltigkeit bei der Geldanlage wichtig ist, dann ist es sinnvoll, sich mit den einzelnen Produkten zu beschäftigen. Egal ob das nun einer der SRI-ETFs aus unseren Tabellen ist oder ein aktiver ESG-Fonds. Nicht-nachhaltige Unternehmen wirst du wahrscheinlich niemals ganz ausschließen können. Und das ist auch kein Wunder. Denn eine einheitliche Definition, was nachhaltig ist und was nicht, gibt es nicht.

Zum Weiterlesen: Du möchtest mit deinem Geld noch mehr bewirken? Vielleicht sind Impact Investments ein interessanter Baustein in deinem Portfolio.

Chancen und Risiken von SRI-ETFs

In der Regel sind nachhaltige ETFs nicht riskanter als die herkömmlichen Varianten, trotz der geringeren Diversifikation. Ein Beispiel: Der klassische MSCI World beinhaltet etwa 1.500 Positionen, der MSCI World SRI lediglich 370. Morningstar schätzt das Risiko der nachhaltigen Variante als überdurchschnittlich ein. Das Risiko des MSCI World liegt im Mittelfeld.

Die Rendite des nachhaltigen ETFs lag in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr knapp zwei Prozentpunkte unter der des konventionellen ETFs. Diese Differenz macht sich auf die lange Sicht zwar bemerkbar. Allerdings stellen viele InvestorInnen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, bestimmte Werte in den Vordergrund. Das könnte sich langfristig sogar auszahlen, weil nachhaltig agierende Unternehmen perspektivisch besser performen könnten.

Coaching by herMoney

herMoney Tipp

Wie kannst du nun einen SRI-ETF sinnvoll in dein Portfolio integrieren? Ein breit gestreuter ETF könnte durchaus als Basis-Investment Sinn machen. Ein nischiger aktiver Fonds hingegen dürfte sich eher als Spezialbaustein lohnen. Mehr zum Aufbau eines Portfolios erfährst du in diesem Artikel.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu findest du hier.

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Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

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Simin Heuser

Simin Heuser hat Volkswirtschaftslehre studiert und war bereits für verschiedene Fondsgesellschaften und Fintechs tätig. Sie schreibt unter anderem als freie Autorin über Finanz- und Versicherungsthemen.