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Wer keine Möglichkeit hat, Kursbewegungen „just in time“ zu verfolgen, kann mit einer Stop Order auf Schnäppchenjagd gehen.

Inhalt

Stop Buy Order: Günstig kaufen

Stop Sell Order: Clever verkaufen

Stop Limit Order: Rahmen festlegen

Trailing Stop Order 

Stop Buy Order: Das Wichtigste in Kürze

Mit einer Stop Buy Order legst du einen Kurs fest, zu dem du eine bestimmte Aktie oder einen ETF kaufen möchtest. Ist der Kurs erreicht, wird der Kauf automatisch abgewickelt.

Mit einer Stop Sell Order bestimmst du den Kurs, zu dem du verkaufen möchtest.

Bei einer Stop Limit Buy Order legst du zwei Grenzen fest, innerhalb derer du kaufen möchtest. So vermeidest du extreme Preise bei stark schwankenden Titeln.

Mit einer Trailing Stop Buy Order kannst du bestimmen, dass du ein Papier beispielsweise zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs kaufen möchtest.

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Selbst Börsen-Profis haben nicht ständig alle Börsenbewegungen im Blick. Sie bedienen sich verschiedener Ordermöglichkeiten, um keine Kauf- oder Verkaufsgelegenheit zu verpassen. Das kannst du genauso gut.

Definition: Was sind Stop Buy und Stop Sell Orders?

An irgendeiner Börse dieser Welt herrscht immer Betrieb. Wolltest du zum günstigsten Einstiegskurs kaufen, müsstest du also rund um die Uhr auf deinen Bildschirm schauen. Das geht natürlich nicht. Doch Gott sei Dank gibt es dafür kleine intelligente Assistenten. Im Börsenvokabular heißen die „Stop Market Orders“. Mithilfe der verschiedenen Stop-Kauforder-Typen minimierst du dein Risiko, dein Budget zu überziehen.

Man unterscheidet zwischen Stop-Sell- und Stop-Buy-Aufträgen. Fangen wir mit letzterer Form an: Eine Stop Buy Order (auch Buy Stop Order genannt) wird dann ausgelöst, wenn ein von dir festgesetzter Kurs erreicht ist. Ist das der Fall, wird der Kauf zum nächstmöglich notierten Börsenkurs ausgeführt.

Beispiel für den Aktien-Kauf mit einer Stop Buy Order

Nehmen wir an, du interessierst dich für die Aktie von Biontech, weil du gelesen hast, dass ein neuer Wirkstoff gegen die aktuelle Covid-Variante zur Zulassung eingereicht wurde. Bevor du aber kaufst, checkst du die Analystenkommentare und siehst dir auf dem Chart (Kursverlauf) an, wo der Widerstand des Kurses liegt.

Das ist ein Fachbegriff der technischen Analyse und meint die Zone im Chart, in denen Kurse oft nach unten hin gestützt werden. Der ist in dem Fall bei 173,50 Euro. Du gibst daher ein Stop Buy bei 174,60 Euro ein. Bewegt sich der Kurs oberhalb der Unterstützungslinie, verringert die Stop Buy Order die Wahrscheinlichkeit, dass beim Durchbrechen des Widerstands der Preis der Aktie fällt. Das hätte zur Folge, dass du zu teuer gekauft hättest. Wäre das nämlich der Fall und der Kurs durchbricht den Widerstand bei 173,50 Euro, könnte die Aktie weitaus billiger werden. Du würdest aber gleich nach dem Kauf Verluste machen.

Du beauftragst nun am Abend deinen Broker, zum angegebenen Kurs zu kaufen. Doch nachbörslich gab es eine Aufwärtsbewegung und das Biontech-Papier notiert nun bei 174,65 Euro. Also wird der Kauf nicht ausgeführt.

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Die Stop Sell Order

Wenn du eine Aktie verkaufen willst, kannst du die Stop Sell Order erteilen. Mit dem Auftrag legst du einen Kurs fest. Wird er berührt, wird der Verkauf ausgeführt.

Beispiel für eine Stop Sell Order

Bleiben wir bei Biontech. Du bist im Besitz von 100 Aktien und brauchst kurzfristig Geld. Darum stellst du die Papiere für Montagmorgen zum Verkauf. Du beauftragst deinen Broker, „bestens“ zu verkaufen. Das bedeutet aber nicht, dass der Broker zum höchsten Tageskurs verkauft, sondern dann die Papiere losschlägt, wenn entsprechend nachgefragt wird. In unserem Beispiel würde die Order zeitnah nach Öffnen der Börse bei einem Kurs von 175 Euro ausgeführt. Hättest du bei Börsenschluss verkauft, hättest du pro Aktie 3,50 Euro mehr eingenommen, also gehen dir 350 Euro flöten.

Du siehst: Die Krux dieser Order steckt im Begriff „bestens“. Darum macht die Stop Sell Order auf jeden Fall Sinn, um den Gewinn zu optimieren.

Beim Kauf heißen die Pendants „bestmöglich“ oder „billig“. Beauftragst du mit dem Vermerk „billig“ zu kaufen, wird der Titel zeitnah, also so schnell wie möglich geordert.

Das ist vor allem an volatilen Börsentagen (wenn besonders munter gehandelt wird) riskant. Denn Kurse werden in „Realtime“ aktualisiert. Ehe also die Verkaufsorder im System angekommen ist, springt die Kurstafel möglicherweise wieder nach oben oder unten.

Möglich ist auch, dass sich an irgendeinem Handelsplatz oder im nachbörslichen Handel die Kurse noch ändern. Also auch hier gilt: Eine Stop Order minimiert das Risiko, zu billig zu verkaufen.

Grundsätzlich hilft auch in diesem Fall ein Blick auf den Chart, um zu sehen, ob der Kurs einen Widerstand hat, der nicht weit vom aktuellen Kurs entfernt ist. Dadurch könnten steigende Kurse möglicherweise korrigiert werden.

Doch dir muss klar sein, dass der Stopp nicht immer eingehalten wird. Denn von dem Auftrag bis hin zur Ausführung kann sich der Kurs noch einmal bewegen. Das kannst du gut bei Börsenschluss am DAX beobachten. Dann korrigiert sich der Kurs so lange, bis alle Aufträge abgearbeitet sind.

Börsenplatzstrategie

Bei einer Stop Order spielt der Börsenplatz eine Rolle. So macht XETRA um 17:30 Uhr Feierabend. Die danach publizierten Gewinnwarnungen oder das Geschehen in den USA und Asien spielen für den Auftrag keine Rolle mehr und preist sich im XETRA-Handel erst am kommenden Tag ein. Kaufst du also zum Börsenschluss, kann sich der Kurs noch in ganz andere Richtungen bewegen, als du möchtest. Das solltest du beim Order-Timing bedenken.

Handelt es sich um einen kleinen Börsenplatz wie Berlin (den man aus Kostengründen gewählt hat), kann zwischen Realtime-Kursen und Ausführung eine Lücke entstehen.

Auch bei einer wenig gehandelten Aktie kann es dauern, ehe ein Verkauf oder Kauf zustande kommt.

Kannst du bei ETFs eine Stop Buy oder Stop Sell Order setzen?

Ja, kannst du. Wenn du etwa denkst, die Börsenkurse gehen in eine Abwärtsbewegung, hast du die Möglichkeit, zu einem bestimmten Kurs auszusteigen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Stop Order und einer Stop Limit Order?

Hast du keinen hohen Liquiditätsdruck und möchtest zum guten Preis verkaufen? Dafür haben die Börsen-Götter ebenfalls ein Format geschaffen: die Limit Order. Damit haben die AnlegerInnen eine Option, bei der es nicht auf Schnelligkeit, sondern auf den Preis ankommt.

In dem Fall erteilst du einen bedingten Auftrag für den Aktien-Kauf, die Stop Limit Order. Diese Form kombiniert den Stopp (also der Kurs, der den Start der Auftragsausführung markiert) mit einem Limit (dem Börsenkurs, zu dem du maximal kaufen oder verkaufen willst). Damit sind Leitplanken für den Händler gesetzt, in welcher Bandbreite er aktiv werden kann.

Beispiel für den Aktien-Kauf mit einer Stop Limit Buy Order

Die Energiekrise rückt die Versorger wieder in den Fokus der AnlegerInnen. Damit sind börsennotierte Unternehmen attraktiv, die sich mit alternativen Energien beschäftigen. Nehmen wir an, du überlegst dir am Donnerstag, ob du dir Aktien von RWE ins Depot legst. Das Unternehmen ist über die Tochter RWE Renewable einer der Großen im Geschäft mit erneuerbaren Energien. Freitagmorgen tätigst du eine Stop Limit Order und legst den Stopp bei 40,50 Euro fest. Das Limit setzt du bei 40,40 Euro. Nun lief es an dem Handelstag aber gut für RWE. Ein positiver Analystenkommentar beflügelte den Kurs. Der tiefste Stand betrug 40,66 Euro.

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Deine Order wurde also nicht ausgeführt. Am Dienstag hat sich die Euphorie der AnlegerInnen wieder gelegt oder es gab einen negativen Analystenkommentar. Der Kurs fällt auf 40,40 Euro. Dein Broker führt die Order aus, schließlich hast du einen Rahmen von 40,40 und 40,50 Euro festgelegt.

Die Spanne in diesem Beispiel ist sehr eng. Du könntest sie natürlich weiter fassen. Nehmen wir an, du entdeckst eine günstige Aktie, die aktuell bei 15 Euro notiert. Du möchtest sie aber gerne kaufen, wenn sie noch günstiger ist und zwischen 10 und 12 Euro kostet. Dann setzt du den Stopp bei 10 Euro und das Limit bei 12:

Stop Buy Limits

Wie ist es beim Verkauf? Nun, auch in dem Fall kannst du eine Handelsspanne bestimmen. Eine Grenze könnte sein, wenn deine anvisierte Rendite von beispielsweise zehn Prozent erreicht ist. Oder der Einstiegspreis, wenn du deine Aktien nicht günstiger verkauft möchtest. Mehr über Stop Loss Limits erfährst du hier.

Die (Sell oder Buy) Trailing Stop Order

Eine Trailing Stop Order ist eine variable Stop- oder Stop-Limit Order, die in Beträgen oder Prozentsätzen angegeben wird, die den Abstand zum Kurs markieren. Wird der Wert erreicht, wird automatisch verkauft oder gekauft.

Beispiel für eine Trailing Stop Buy Order

Kommen wir auf das Beispiel RWE zurück. Die Aktie notiert aktuell bei 41,40 Euro. Willst du mindestens zehn Prozent billiger kaufen, setzt du den Stopp bei 41,40 Euro und gibst als Limit zehn Prozent an. Die Aktie wird dann gekauft, wenn sie bei 37,26 Euro steht. Steigt jedoch der Kurs der Aktie, wird der Stopp entsprechend nachgezogen und der Kauf wird dann eingelöst, wenn die zehn Prozent unter dem aktuellen Stopp notiert.

Für die Anpassung des Stop Limits gelten feste Regeln, erklärt man bei der Deutschen Börse:

  • Steigt bei einer Sell Trailing Stop Order der Referenzpreis (also der Kurs bei der letzten Handelsbewegung), passt das Handelssystem das Stop Limit gemäß der Vorgabe an.
  • Fällt der Referenzpreis, bleibt das Stop Limit unverändert. Erreicht oder unterschreitet der Referenzpreis das Stop Limit, wird die Trailing Stop Order ausgelöst.
  • Fällt bei einer Buy Trailing Stop Order der Referenzpreis, passt das Handelssystem das Stop Limit gemäß der Vorgabe an.
  • Steigt der Referenzpreis, bleibt das Stop Limit unverändert. Erreicht oder überschreitet der Referenzpreis das Stop Limit, wird die Trailing Stop Order ausgelöst.

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Wie lange läuft eine Order?

Bei einer normalen Stop Order wird tagesaktuell gehandelt. Das ist bei der Limit Order anders. Hier kannst du bestimmen, in welcher Zeitspanne der Auftrag läuft. Das kann ein genaues Datum sein, ein Tag oder ultimo (der Begriff steht für Monatsende). Die längste Laufzeit für eine Limit Order beträgt ein Jahr.

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Wie legt man einen Stopp fest?

Zunächst musst du dir die Frage beantworten, wie hoch dein Risiko sein soll. Willst du es bei einer wenig bewegten Aktie geringhalten, orientiert sich zum Beispiel der Verkauf eng über deinem Einstiegspreis. So hast du auf keinen Fall einen Verlust. Hast du starke Nerven, dann setzt du den Stopp bei dem Preis, den du dir als Gewinn vorstellst. Das kann aber dazu führen, dass ein Verkauf nicht zustande kommt.

Weiter gefasste Stopps oder Limits sind auch dann empfehlenswert, wenn der Kursverlauf der Aktie größere Ausschläge nach unten und oben ausweist. Dann handelt es sich um ein volatiles Papier. Darum liegt es auf der Hand, die Schwankungen durch einen weniger engen Stoppkurs aufzufangen.

Ansonsten kannst du dich an den historischen Kursverläufen orientieren. Entscheidend ist hier der Blick auf die Tiefs der Aktie in den vergangenen Wochen an der Börse. Das ist ein guter Anhalt.

Bei all diesen Stop Orders solltest du jederzeit deinen Stopp beobachten und mitunter nachziehen, wenn du keine Trailing Order erteilt hast.

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herMoney Tipp

Wenn du mit der Stop Order dein Risiko minimieren möchtest, informiere dich zunächst, ob das jeweilige Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm, eine neue Ausgabe an Aktien oder einen Aktiensplit angekündigt hat. Denn das kann deinen gewünschten Stopp beeinflussen. Entsprechende Informationen findest du in den einschlägigen Medien, auf den Onlineseiten der Börsenplätze oder auf der Investor-Relation-Seite des aktiennotierten Unternehmens.

Zum Weiterlesen: Du interessierst dich für Aktien-Strategien? Wir erklären hier, wie Beate Sander mit Aktien zur Börsen-Millionärin wurde.

Anhang: Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kaufen Sie nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie deom Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu liest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Sofern du ein international breit gestreutes ETF-Depot hast, behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.