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Warum es am Hexensabbat Turbulenzen an der Börse geben könnte

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Simin Heuser

30. Januar 2024

Am 15. März ist Hexensabbat an der Börse. Wir erklären, was dieser Tag für dein Depot bedeutet.

Inhalt

Hexensabbat 2024: Das Wichtigste in Kürze

Am sogenannten Hexensabbat versuchen GroßanlegerInnen, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu bewegen. Deshalb kommt es an diesen Tagen häufig zu Kursschwankungen.

Die nächsten Hexensabbate finden am 15. März und am 21. Juni 2024 statt.

TraderInnen, die kurzfristig Aktien handeln, können sinkende Kurse nutzen, um günstig nachzukaufen. Für langfristig orientierte AnlegerInnen sind Hexensabbate weniger relevant.

In diesem Artikel tauchen wir in ein Thema ein, das auf den ersten Blick vielleicht ein wenig mystisch klingt: der Hexensabbat an der Börse. Keine Sorge, es geht nicht um Zauberei, sondern um ein Ereignis im Finanzkalender, das besonders tradingaffinen AnlegerInnen bekannt sein sollte.

Definition: Was ist der Hexensabbat an der Börse?

Der Hexensabbat (auch „großer Verfallstag“ genannt) ist ein besonderer Tag an der Börse, an dem Terminkontrakte auf Aktien und Indizes auslaufen.

Das klingt zunächst kompliziert, ist es aber im Grunde genommen gar nicht, wenn man den Begriff „Terminkontrakt“ versteht: Ein Terminkontrakt ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft ein Geschäft abzuschließen. Das kann zum Beispiel der Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge von Aktien zu einem festgelegten Preis sein. Mehr dazu im Video:

Warum „Hexensabbat“?

Der Begriff „Hexensabbat“ mag zunächst verwirrend sein, aber er hat eine interessante Geschichte. Er stammt aus der frühen Neuzeit und bezieht sich auf geheime Treffen von Hexen. In der Börsenwelt wird der Begriff verwendet, um die scheinbar chaotischen und unvorhersehbaren Auswirkungen auf die Aktienkurse an diesen speziellen Tagen zu beschreiben.

Wann ist Hexensabbat?

Der Hexensabbat findet viermal im Jahr statt, jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. An diesen Tagen kann es zu heftigen Kursausschlägen kommen, da viele AnlegerInnen versuchen, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu bewegen.

Der Hexensabbat fällt übrigens an allen wichtigen Börsen dieser Welt auf denselben Tag. Es verfallen also auch in den USA Kontrakte auf Indizes wie Dow Jones, Nasdaq und den S&P 500.

Neben dem großen Verfallstag gibt es auch den monatlichen kleinen Verfallstag. Er findet an jedem dritten Freitag im Monat statt. Der Einfluss auf die Börsen ist hier allerdings wesentlich geringer. Denn im Gegensatz zum Hexensabbat sind hier nur Optionen auf Indizes und Aktien betroffen. Mit Optionen kannst du auf fallende oder steigende Kurse etwa von Aktien oder Rohstoffe setzen.

Was passiert am Verfallstag an der Börse?

An einem Hexensabbat laufen verschiedene Arten von Terminkontrakten aus und die Abrechnungspreise für diese Kontrakte werden festgelegt. Zum Beispiel wird um 13 Uhr der Kurs des DAX ermittelt, der dann als Grundlage für auslaufende Terminkontrakte auf den DAX dient.

Das Auslaufen dieser Kontrakte kann zu volatilen, also schwankungsintensiven Kursbewegungen führen. Das bedeutet, die Preise können sehr schnell steigen oder fallen. Das ist besonders wichtig für AnlegerInnen, die in solchen Finanzprodukten investiert sind. Betroffen sind vor allem institutionelle Anleger und Großanleger, die mit Futures und Optionen handeln. Trotzdem können auch die regulären Aktienmärkte reagieren. Vielleicht möchtest du auch nur die Auswirkungen der Verfallstage auf die Börsen oder dein Portfolio verstehen.

Exkurs: Was du über den Verfall von Terminkontrakten wissen solltest

Du weißt nun, dass Terminkontrakte Verfallsdaten haben. Aber was bedeutet das für dich und wie kannst du damit prinzipiell umgehen?

Expiration und Rollover: Die Schlüsselbegriffe

Beim Handel mit Terminkontrakten gibt es zwei Begriffe, die du unbedingt kennen solltest:

  1. Expiration (Ablaufdatum): Das ist der letzte Tag, an dem du den Kontrakt handeln kannst. Ab diesem Zeitpunkt können keine weiteren Transaktionen mehr durchgeführt werden.
  2. Rollover (Verschieben): Damit bezeichnet man die Möglichkeit, einen auslaufenden Kontrakt in einen neuen Kontrakt mit einem späteren Ablaufdatum zu übertragen.

Deine Optionen vor dem Ablaufdatum

Wenn du einen Terminkontrakt hältst, hast du grundsätzlich drei Möglichkeiten, wie du vor dem Ablaufdatum verfahren kannst:

  1. Transaktion auflösen: Das ist die einfachste und gebräuchlichste Methode. Du schließt die Position und realisierst damit alle Gewinne oder Verluste.
  2. Verlängerung: Du kannst den Kontrakt auf ein späteres Ablaufdatum verschieben.
  3. Ware liefern: Diese Option ist eher theoretischer Natur für die meisten PrivatanlegerInnen, aber theoretisch könntest du den Kontrakt auslaufen lassen und die zugrunde liegende Ware liefern oder erhalten.

Was sagen Studien über den Hexensabbat?

Werfen wir einen Blick auf wissenschaftliche Studien zum Thema. Denn ja, es gibt tatsächlich Forschung zu diesem faszinierenden Phänomen!

Die Vorboten des Hexensabbats: Aktivität am Vortag

2011 untersuchten Chia-Cheng Chen und seine Kollegen den Aktienindex Taiwans, den TAIFEX. Sie fanden heraus, dass die abnormalen Renditen an Verfallstagen signifikant höher sind als an Nicht-Verfallstagen. Interessanterweise beginnt diese erhöhte Aktivität bereits am Tag vor dem eigentlichen Verfallstag. Für AnlegerInnen bedeutet das, dass sie schon vor dem Hexensabbat ein Auge auf ihre Portfolios haben sollten.

Die Richtung der Kurse: Ein ungelöstes Rätsel

Frühere Studien, zum Beispiel die von Klemkosky (1978) und Officer und Trennepohl (1981), deuten auf negative Preiseffekte an Verfallstagen hin. Neuere Studien, vor allem auch in anderen weltweiten Indizes, konnten diesen Effekt jedoch nicht bestätigen. Das zeigt: Die Marktdynamik ist extrem komplex und kann nicht einfach vorhergesagt werden. Für AnlegerInnen heißt das: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Der Zeitpunkt der Volatilität: Nach dem Verfall ist vor dem Verfall

Die Studien zeigen, dass die stärksten Kursausschläge am Verfallstag nach den Verfallszeitpunkten auftreten. Das ist ein wichtiger Hinweis für alle, die in kurzfristigen Handel involviert sind. Insbesondere der Nachmittag eines Verfallstags kann für Trader interessant sein, da hier die Volatilität am höchsten ist.

Fazit: Was bedeuten die Studien für AnlegerInnen?

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass der Hexensabbat ein Tag voller Unwägbarkeiten ist. Während klare Renditemuster schwer zu identifizieren sind, ist die Volatilität ein wiederkehrendes Phänomen.

Wann ist Hexensabbat an der Börse? Termine für 2024 und 2024

Verfallstage für 2024

  • März 2024
  • Juni 2024
  • September 2024
  • Dezember 2024

Verfallstage für 2025

  • März 2025
  • Juni 2025
  • September 2025
  • Dezember 2025

Hexensabbat 2024: Uhrzeiten

Die Uhrzeiten variieren je nach Börse und Produkt, aber hier sind einige allgemeine Zeitpunkte, die du im Auge behalten solltest:

  • STOXX-Familie: Verfall gegen 12 Uhr
  • DAX, MDAX und TecDAX: Verfall gegen 13 Uhr zur Mittagesauktion
  • XETRA-Aktien: Verfall zur Schlussauktion gegen 17:30 Uhr

Der Handelsschluss für Aktienoptionen in den USA findet am Hexensabbat um 16 Uhr EST (Eastern Standard Time) statt. 16 Uhr in den USA entspricht 22 Uhr in Mitteleuropa (Sommerzeit).

Warum sind diese Termine wichtig?

Diese Termine sind besonders für kurzfristige AnlegerInnen und TraderInnen relevant. Wie wir aus den Studien wissen, kann die Volatilität an diesen Tagen und sogar am Tag davor erhöht sein. Wenn du also in kurzfristigen Handel involviert bist, solltest du diese Termine rot im Kalender markieren.

Für langfristige AnlegerInnen sind diese Termine weniger kritisch, aber es schadet nicht, informiert zu sein und eventuell das Portfolio im Vorfeld zu überprüfen.

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Auswirkungen: Wie reagierst du am besten auf den Verfallstag an der Börse?

Jetzt, da wir wissen, wann die Hexensabbate stattfinden und was die Studien darüber sagen, ist es an der Zeit, den Blick auf das eigene Depot zu richten. Was passiert mit deinem Portfolio und wie kannst du am besten reagieren?

Auswirkungen eines Hexensabbats auf dein Portfolio

Der Hexensabbat kann je nach Zusammensetzung deines Portfolios unterschiedliche Auswirkungen haben:

  • Aktien: Besonders wenn du einzelne Aktien besitzt, könnten sie stärkeren Schwankungen unterliegen.
  • Optionen und Futures: Wenn du sie besitzt, solltest du die Verfallsdaten genau im Auge behalten.
  • ETFs und Fonds: Sie sind in der Regel weniger anfällig, können aber dennoch von Marktschwankungen betroffen sein.

Wie reagierst du am besten?

Je nach deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft gibt es verschiedene Wege, wie du reagieren kannst:

1.     Ruhe bewahren

Für langfristige AnlegerInnen ist der Hexensabbat oft ein „Non-Event“. Überlege, ob dein Portfolio gut diversifiziert ist und deinen langfristigen Zielen entspricht.

2.     Aktives Handeln

Für die Abenteuerlustigen bietet der Hexensabbat Chancen, aber auch Risiken. Stelle sicher, dass du gut informiert bist und nur Geld einsetzt, dessen Verlust du verschmerzen kannst.

Strategien zur Absicherung

  • Diversifikation: Eine breite Streuung deiner Anlagen kann helfen, das Risiko zu minimieren.
  • Stop-Loss-Orders: Diese können dich vor großen Verlusten schützen. Wie du mit Stop-Loss-Limits umgehst, erfährst du hier.
  • Hedging: Mit dem Kauf von Optionen kannst du dein Portfolio absichern.
  • Cash-Reserve: Halte Bargeld bereit, um bei starken Kursrückgängen günstig einkaufen zu können.

herMoney Tipp

Der Hexensabbat ist ein Tag, der besondere Aufmerksamkeit erfordert. Aber mit der richtigen Vorbereitung und Strategie kannst du die Risiken minimieren und vielleicht sogar von den Marktchancen profitieren.

Du interessierst dich für exotische Geldanlagen? Vielleicht ist dann folgender Podcast zum Thema Zertifikate spannend für dich:

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu findest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Simin Heuser am 14.09.2023 verfasst und zuletzt am 30.01.2024 von Simin Heuser aktualisiert.

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Simin Heuser

Simin Heuser hat Volkswirtschaftslehre studiert und war bereits für verschiedene Fondsgesellschaften und Fintechs tätig. Sie schreibt unter anderem als freie Autorin über Finanz- und Versicherungsthemen.