(Nachhaltige) Akzente setzen im Depot: So geht’s

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Floriana Hofmann

25. April 2023

Mit Themen-ETFs können AnlegerInnen Schwerpunkte setzen. Wie das geht, erklärt Frederike Bauer von DWS Xtrackers im Interview.

Was sind Themen-ETFs?

Frederike Bauer: Themen-ETFs bilden sogenannte Megatrends ab. Man kann also in eine bestimmte Entwicklung in der Wirtschaft oder Gesellschaft investieren. Ein breit gestreuter ETF basiert auf vielen Sektoren oder Regionen. Es gibt Trends, die sich nicht mehr alleine in einem bestimmten Sektor oder einer Region abspielen, sondern die sich sektorübergreifend abspielen.

Ein Beispiel: Auf der einen Seite gibt es den Technologie-Sektor. Auf der anderen Seite gibt es sektorübergreifende Trends wie Smart Infrastructure mit Systemen, die den Verkehrsfluss erleichtern, das Internet of Things – der Kühlschrank, der Bescheid gibt, wenn die Milch leer ist –, Blockchain oder Fintech.

Bei Themen-ETFs wird zuerst ein Trend definiert. Dann werden mit bestimmten Methoden diejenigen Unternehmen identifiziert, die in diesem Trend aktiv sind, diesen Trend vorantreiben, und in Zukunft davon profitieren können.

Die Zahl der Themen-ETFs ist in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. Die meisten Themen-ETFs, die heute auf dem Markt sind, sind jünger als fünf Jahre. InvestorInnen haben so viele verschiedene Möglichkeiten, sich an verschiedenen Trends zu beteiligen.

Worin liegen Vorteile von Themen-ETFs für AnlegerInnen im Vergleich zu anderen ETFs?

Der Vorteil ist die Konzentration auf ein bestimmtes Thema und die Partizipation an dessen Wachstum. Ein Beispiel bei Fintech: Die Bedeutung dieses Themas ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Hätte man allein in den Technologiesektor investiert, hätte man den Fintech-Trend nicht spezifisch abbilden können, weil innerhalb des klassischen Tech-Sektors der Finanzteil keine oder nur eine sehr kleine Rolle spielt.

Und Nachteile?

Mit der Konzentration kommt immer auch ein höheres Risiko für die AnlegerInnen. Man investiert schließlich in einen ganz bestimmten Teil der Wirtschaft. Entwickelt sich dieser spezielle Teil schlecht, bemerken AnlegerInnen das auch in ihrem Portfolio.

Dazu kommt: Ein breit aufgestellter ETF hat mehrere hundert, wenn nicht sogar mehr als tausend Titel. Bei Themen-ETFs sind das meist zwischen 50 und 100.


Kannst Du ein Beispiel für einen erfolgreichen Themen-ETF nennen und erklären, warum er erfolgreich ist oder war?

Im Zuge der Corona-Pandemie waren die Impfungen ein großes Thema. Unternehmen aus diesem Sektor konnten große Gewinne erzielen, und entsprechend auch die AnlegerInnen in ETFs, die dieses Thema abgebildet haben.

Im Jahr 2022 rumpelte es an der Börse ordentlich. Machte sich das auch bei Themen-ETFs bemerkbar?

Das vergangene Jahr war kein gutes Jahr für Themen-ETFs. Das lag daran, dass viele Themen-ETFs sehr wachstumsorientiert sind. Das heißt, sie sind auf Wachstumsunternehmen ausgerichtet, die oft hoch bewertet sind. Wenn sich die Konjunktur abkühlt, sind diese Unternehmen davon stark betroffen. Und der Markt hat sich hin zu den sogenannten Value-Unternehmen gedreht: Solide, unterbewertete Unternehmen waren bei AnlegerInnen eher gefragt.

Welche Themen-ETFs sind bei AnlegerInnen beliebt?

In den vergangenen Jahren war alles, was im weitesten Sinne mit Technologie zu tun hat, sehr beliebt. Einer unserer größten Themen-ETFs ist der „Future Mobility ETF“, den wir 2018 aufgelegt haben. Hier werden Unternehmen abgebildet, die unsere Mobilität in Zukunft beeinflussen. Es geht natürlich um Elektrofahrzeuge, aber auch die Technologie und Software, die dafür nötig ist.

Wie schätzt du die Aussichten für Themen-ETFs aus dem Bereich Nachhaltigkeit ein?

Erneuerbare Energien sind definitiv ein Wachstumsthema. Wir sind noch nicht da, wo wir gerne wären, was die Energiegewinnung aus Wind, Solar und Wasser angeht. Auch durch die Politik entsteht eine große Nachfrage nach Technologien zur Gewinnung erneuerbarer Energien.

Zusammengefasst: Wer in seinem Depot Akzente setzen möchte, kann das mit Themen-ETFs relativ unkompliziert tun. Worauf sollten AnlegerInnen bei der Auswahl eines Themen-ETFs achten?

Um in Themen-ETFs zu investieren, muss man von einem bestimmten Trend überzeugt sein. Der erste Schritt ist, sich zu informieren, um sich eine Meinung bilden zu können: Welche Trends gibt es gerade? Wie sind die Aussichten eines spezifischen Trends?

Wenn man einen Trend gefunden hat, an dem man gerne partizipieren möchte, geht es im zweiten Schritt an die Auswahl eines konkreten Produktes. Man sollte sich die entsprechenden Indizes, auf die die ETFs aufgelegt sind, genauer ansehen: Denn jeder Index-Anbieter kann ein Thema ganz eigen definieren. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, wie ein Index zusammengestellt wird und welche Unternehmen er beinhaltet.

Bleiben wir beim Beispiel Erneuerbare Energien: Ist damit nur Windenergie gemeint, oder auch Solarenergie? Wie ist die Gewichtung? Sind das nur Hersteller von Windkraft- und/oder Solaranlagen, oder auch Unternehmen, die den Transport von Offshore Windstrom ermöglichen?

Was sind aussichtsreiche Themen-ETFs?

Da gibt es viele. Ein Beispiel wäre alles zum Thema Big Data/Artificial Intelligence (Künstliche Intelligenz, Anm. d. Red.) oder Mobilität. Außerdem viel, das mit Innovation zu tun hat. Bei DWS gibt es dafür eine Palette an ETFs, die Innovation-Indizes von MSCI abbilden. Damit beteiligen sich AnlegerInnen an Themen wie Fintech oder Next Generation Internet. Aber es gibt auch innovative Themen, die nichts mit dem Internet zu tun haben, wie Genomics: Diese Branche hat durch die Pandemie enorme Fortschritte gemacht, beispielsweise bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten durch die mRNA-Technologie.

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Und im Bereich Nachhaltigkeit?

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen geben einen geeigneten Rahmen vor, um zu definieren, was wichtige Zukunftsthemen sind.

Zu den UN-Nachhaltigkeitszielen zählen beispielsweise der Kampf gegen Armut und Hunger, für sauberes Wasser und Energie oder hochwertige Bildung und Geschlechtergleichheit…

Unternehmen, die in Einklang mit diesen Themen sind, sollten auch in Zukunft relevant sein. Sie haben das Potenzial, dazu beizutragen, bestimmte Probleme zu lösen oder Entwicklungsziele erreichen zu können. Unternehmen, die zu den entsprechenden Lösungen beitragen, werden auch in Zukunft eine große Rolle spielen.

Welchen Anteil sollte ein Themen-ETF in einem Portfolio maximal ausmachen?

Das kommt auf den Risikoappetit der Anlegerin an. Denn das Risiko von Themen-ETFs, also die erwarteten Schwankungen der Kursentwicklung, ist entsprechend höher als von stärker diversifizierten Produkten.  Daher stellen Themen-ETFs in der Regel eher eine Beimischung mit einer kleineren Prozentzahl als Anteil eines Portfolios dar. Das ist aber keine Investmentempfehlung.

Mit welchem Zeithorizont sollte man in Themen-ETFs investieren?

Themen-ETFs werden häufig auch taktisch genutzt. AnlegerInnen, die von bestimmten, kurzfristigen Entwicklungen profitieren möchten, können das über Themen-ETFs abbilden. Als Russland beispielsweise die Ukraine angegriffen hat, gab es ein erhöhtes Interesse an Cyber Security ETFs. Aber in die meisten Themen-ETFs sollte man schon mittel- bis langfristig investieren, weil die Trends ja Zukunftstrends sind. Die Zukunft endet hoffentlich nicht übermorgen.

Zur Person: Frederike ist Produktspezialistin für Indizes bei DWS Xtrackers. Zuvor hat sie als Analystin gearbeitet.

herMoney Tipp

Mit Themen-ETFs können AnlegerInnen, wie Frederike erklärt hat, in ihrem Depot bestimmte Akzente setzen. Als Basisinvestment kommen sie aber nicht in Frage. Hier können eher breit gestreute Indizes wie der MSCI All Country World oder der FTSE All World Sinn machen.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

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Floriana Hofmann

Die Finanzjournalistin Floriana Hofmann war Content Lead bei herMoney. Sie schreibt seit mehreren Jahren für Finanzmedien über Aktien und Börsenthemen. So war sie etwa beim Finanzen Verlag als "Leitung Digital" für die Online-Redaktion von "Börse online" und "Courage" verantwortlich.