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Crowdfunding in Deutschland: So findest du gute Projekte und Plattformen

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Profilbild von Christiane Habrich-Böcker

Mit Crowdfunding kannst du Projekte unterstützen, die dich überzeugen und vielleicht sogar Rendite abwerfen. Wie hoch ist das Risiko?

Inhalt:

Crowdfunding in Deutschland: Das Wichtigste in Kürze

Beim Crowdfunding investieren viele KleinanlegerInnen in ein Projekt und ermöglichen damit die Realisierung. So können etwa Spenden gesammelt, Start-ups gegründet und Künstler unterstützt werden.

Einerseits beteiligst du dich so an Projekten, die du gut findest. Andererseits winkt eine Belohnung, etwa eine Gewinnbeteiligung, Sachgüter oder Rabatte.

Crowdfunding ist sehr riskant und eignet sich eher für „Spielgeld“, das du nicht unbedingt brauchst.

Bei der Auswahl von Plattformen und Projekten kannst du einerseits deinen Interessen folgen und andererseits objektive Kriterien betrachten, um die Erfolgsaussichten einzuschätzen.

Was ist Crowdfunding und wie funktioniert es?

Das Wort „Crowdfunding“ stammt aus dem Englischen und vereint auf Deutsch übersetzt die Begriffe „Crowd“ („Menschenansammlung“) und „Funding“ („Finanzierung“). Crowdfunding erlebt seit einigen Jahren ein Comeback, da die Digitalisierung vieles erleichtert.

Crowdfunding ist nicht neu: Ein historisches Projekt ist beispielsweise die Finanzierung des Sockels der Freiheitsstatue durch New Yorker Bürger. Damals riefen die Zeitungen dazu auf. Heutzutage laufen solche Aktionen übers Internet. So können Privatleute, gemeinnützige Vereine oder junge Unternehmen Geld einsammeln.

Im Jahr 2020 belief sich nach Angaben von Statista Research „das Finanzierungsvolumen am Crowdinvesting-Markt in Deutschland auf rund 327,8 Millionen Euro“. Das Gros (77,8 Prozent) floss in Immobilienprojekte. Die lohnen sich, da man mit kleinem Geld schon eine ordentliche Rendite erzielen kann. Doch hier kann genauso wie bei allen anderen Projekten der Totalverlust drohen.

Das Crowdfunding läuft immer nach demselben Prinzip ab: Auf speziellen Plattformen kann der Kapitalsuchende sein Projekt bewerben. Viele einzelne KapitalgeberInnen können sich dann überlegen, ob und wie viel Geld sie investieren oder bei sozialen Projekten spenden möchten.

Es gibt zudem Projekte, die eine Art Vorverkaufsmöglichkeit gegen deinen Beitrag bieten. Eine weitere Form des Crowdfundings ist das sogenannte Crowdlending. Hier werben Menschen um Kredite – mit dem Versprechen, die Summe plus Zinsen zurückzuzahlen. Allerdings hat das den Nachteil, dass du (anders als bei Aktien) als Investorin keinerlei Mitspracherecht hast.

Crowdfunding in Deutschland: So läuft der Prozess ab

  • Eine Organisation, ein Unternehmen oder eine Privatperson präsentiert ihr Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform.
  • Wird der geforderte Betrag durch InvestorInnen erreicht, bekommt der Urheber das Geld überwiesen, wenn nicht, wird es zurückgezahlt.
  • Investierst du in Unternehmen, wirst du mit einer Beteiligung, einem Rabatt oder sonstigen Privilegien belohnt.

Crowdfunder werden: Wir riskant ist Crowdfunding in Deutschland?

Investieren in Crowdfunding ist riskant und fällt in die Kategorie „Wagniskapital“. Wie das ausgehen kann, zeigen einige Beispiele aus Deutschland.

Negativbeispiele:
Wie schnell das Geld weg ist, illustriert das Beispiel Sion. Das Start-up aus München wollte mit einem Solarauto die Mobilitätswelt revolutionieren und scheiterte. Denn unterwegs ging den Gründern finanziell die Puste aus. In einer Crowdfunding-Kampagne wollten die Manager 100 Millionen Euro einsammeln, um weiterzumachen. Doch der Versuch scheiterte, Beschäftigte mussten entlassen werden und das Projekt Solar-Pkw ist erst einmal gestoppt. Die Kampagne hat die InvestorInnen offenbar nicht überzeugt.

Die Finanzierung von Immobilien in Deutschland klingt nach einem weniger riskanten Crowdfunding-Projekt. Doch auch hier können Probleme auftreten. „Es gibt auf jeden Fall ein hohes Risiko. Bis Ende 2019 wurden 260 Immobilienprojekte von Privatanlegern mitfinanziert. Davon sind 6 komplett schief gegangen, hier gab es Totalausfälle und die Anleger haben ihr Geld nicht zurückbekommen“, so ein Experte der SZ.

Positivbeispiele:
Das erfolgreiche Gegenbeispiel ist wohl FlixBus aus München. Das Reiseunternehmen lehrt Busunternehmen und sogar der Bahn mit ihren Billigreisen per Bus und Zug das Fürchten und ist heute – trotz Pandemie – eine feste Größe in der Reisebranche.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Spenden-Crowdfunding in Deutschland ist das gemeinnützige Rechercheportal für unabhängigen Journalismus „Correctiv“, das im Jahr 2014 gegründet wurde.

Guter Zweck oder Geldanlage?
Das macht klar: Du selbst muss das Chancen- und Risikopotenzial einschätzen. Dazu brauchst du die Information über das Projekt und die Realisierbarkeit und einen guten Riecher. Geht es dir nicht nur um Geld, sondern darum, eine Technologie, eine Studie oder eine Geschäftsidee zu unterstützen, kannst du die Investition auch als „Spende“ betrachten, die du nicht absetzen kannst. Läuft das Projekt aber in die richtige Richtung, kannst du auf gute Rendite hoffen.

Wenn es dir vor allem um Rendite geht, könnte auch ein ETF auf das Thema deiner Wahl eine Möglichkeit sein – zum Beispiel im Rahmen einer nachhaltigen Geldanlage.

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Crowdfunding-Plattformen Deutschland: Welche passt zu dir?

Wenn du dich nun informieren möchtest, lohnt ein Blick auf die einzelnen Anbieterseiten. Das Portal crowdfunding.de listet 67 Plattformen hierzulande mit unterschiedlichen Ausrichtungen auf.

Es gibt drei Crowdfunding-Arten:

  1. Spenden-Crowdfunding
  2. Vorverkauf-Crowdfunding
  3. Rendite-Crowdfunding (geteilt nach Crowdlending und Crowdinvesting)

Wenn du ausprobieren möchtest, ob du den richtigen Riecher für gewinnbringende Vorhaben hast, schau dich auf den Plattformen um. Es gibt spezialisierte, die sich beispielsweise mit Tech-Lösungen, Kulturprojekten oder Immobilien beschäftigen. Du kannst dich also am Bau eines neuen Büro-Gebäudes beteiligen, in Solarenergie investieren, Filmdrehs fördern oder gemeinnützige Vereine in deiner Stadt unterstützen.

Zunächst gilt es also herauszufinden, welcher Bereich es sein soll. Dann kannst du eine darauf spezialisierte Crowdfunding-Plattform auswählen. In Deutschland gibt es einige – manche sind auch regional tätig. Wir geben dir einige Beispiele.

Crowdfunding für Start-ups aus Deutschland
Companisto ist eine Investment-Plattform für Start-ups und Wachstumsunternehmen. Business Angels und InvestorInnen beteiligen sich mit Wagniskapital gemeinsam an erfolgversprechenden Innovationen und Unternehmungen.

Finanzierung per Crowdfunding/Crowdlending
Auxmoney aus Düsseldorf hat das private Darlehen erfunden. Über die Plattform können private GeldgeberInnen ein Vorhaben einer Privatperson oder eines Unternehmens mit einem Kredit abseits der Banken unterstützen. Nach Unternehmensangaben konnten so 450.000 Projekte finanziert werden. Auxmoney wurde bereits 2007 gegründet. Die Kreditplattform hat nach eigenen Angaben 3 Milliarden Euro ausgezahlt.

Crowdfunding für nachhaltige Projekte
startnext.com aus Deutschland hat nach eigenen Angaben bisher 14.500 Projekte erfolgreich abgeschlossen und eine Summe von 1.490.694 Euro eingefahren.

Wiwin ermöglicht Investments aus den Bereichen erneuerbare Energien (Wind- und Solarkraft), nachhaltige Start-ups und energieeffiziente Immobilien.

Real Estate: Crowdfunding für Immobilien aus Deutschland
bergfuerst.de verzeichnet nach eigenen Angaben 185.319.950 Euro von 106.000 KundInnen. Derzeit sind 111 Projekte auf der Plattform gelistet. Die AnlegerInnen stellen der Immobiliengesellschaft mit ihren Beträgen den fehlenden Teil der Finanzierung zur Verfügung „und erhalten dafür die marktüblichen Zinsen für Mezzanine-Kapital institutioneller Großanleger“, verspricht das Portal. Im Internet wird die Plattform allerdings schlecht bewertet.

Exporo hat bereits 1.077.000.000 Euro, 566 Projekte und 34.532 InvestorInnen vermittelt, so die Unternehmensangaben. Das Portal wirbt mit hohen Zinsen und kurzen Laufzeiten.

Crowdfunding für Publikationen aus Deutschland
Auf Steady kannst du beispielsweise Newsletter oder Podcasts publizieren, die User abonnieren können. Der von den InteressentInnen meistgezahlte Beitrag beträgt 5 Euro. Das soll die Kosten der EditorInnen decken. Das Ziel: den unabhängigen Journalismus fördern.

Verschiedene Crowdfunding-Formate
ROCKETS Investments mit Standorten in Österreich und Deutschland wurde schon öfter prämiert. Bisher wurden 175,62 Millionen Euro eingesammelt, davon knapp 58 Millionen wieder ausbezahlt. Die Investitionsmöglichkeiten sind vielfältig. Du kannst zwischen nachhaltigen Start-ups und Projekten aus den Bereichen Energie, Gesundheit, Innovation oder Immobilien wählen.

Crowdfunding für Spendenprojekte in Deutschland
betterplace.org ist Deutschlands größte Online-Spendenplattform. Neben der Möglichkeit, klassisch Spenden zu sammeln oder zu geben, kannst du auch Zeit spenden oder dich ehrenamtlich engagieren. Es können ausschließlich gemeinnützige Initiativen Spendenaktionen starten.

Wie findest du die besten Crowdfunding-Projekte in Deutschland?

Hast du eine Crowdinvesting-Plattform gefunden, wählst du das Projekt aus, bei dem dich die Beschreibung überzeugt.

Worauf du achten solltest:

  • Ist die Präsentation überzeugend?
  • Habe ich genug Wissen über das Projekt, um Chance und Risiko zu beurteilen?
  • Wie beurteilt die Internet-Gemeinde die Leistungen der Plattform?
  • Wie groß ist die bisherige Resonanz auf das Projekt?
  • Kann ich auch mit kleinem Geld investieren?
  • Muss ich das Geld für die Investition später unbedingt wiederbekommen oder kann ich einen Totalausfall verschmerzen?

Möchtest du etwa in Immobilien investieren, solltest du dich mit der Bewertung von Häusern und Wohnung auskennen. Wichtig ist etwa die Lage: Standorte in größeren Städten mit guter Verkehrsanbindung sind häufig lukrativer. Ein guter Zustand der Immobilie, eine hohe Vermietungsquote und erfahrene ProjektentwicklerInnen sind ebenfalls relevant.

Bei Start-ups wiederum ist es günstig, wenn Geschäftsmodelle bereits getestet wurden und die GründerInnen Erfahrung mitbringen. Geht es um Anlagen, die Energie aus Wind, Sonne und Co. generieren, sind sie idealerweise bereits in Betrieb, so die Stiftung Warentest.

Warnungen auf deutschen Crowdfunding-Portalen
Zum Teil geben die Plattformbetreiber selbst eine Empfehlung beziehungsweise Warnung ab. So warnt „Funder Nation“ beispielsweise bei der Projektvorstellung von Future House, das laut Angabe mit 2 Millionen Euro bewertet wird und ab einem Mindesteinsatz von 100 Euro gespielt wird: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Der in Aussicht gestellte Ertrag ist nicht gewährleistet und kann auch niedriger ausfallen.“ Das solltest du dir zu Herzen nehmen. Denn du investierst ohne Absicherung deines Geldes.

Schneeballsysteme erkennen
Es ist bereits vorgekommen, dass TrickbetrügerInnen verbotene Schneeballsysteme als Crowdfunding-Projekte darstellen. Bei diesem Geschäftsmodelle entstehen Gewinne, wenn neue TeilnehmerInnen akquiriert werden – als eine Art „Kopfgeld“. Am Ende verdienen allerdings oft nur die InitiatorInnen.

Wie viel Geld investieren?
Wer sich in Crowdinvesting ausprobieren möchte, sollte zunächst kleine Beträge einsetzen, also Spielgeld. Die Börsenweisheit von Warren Buffett „Investiere niemals in ein Geschäftsmodell, das du nicht verstehst“ sollte dein Leitfaden sein.

Du hast mehr Spielgeld zur Verfügung, mit dem du Crowdfunding-Projekte in Deutschland unterstützen möchtest? Dann lohnt es sich, das Geld auf mehrere Projekte und Plattformen zu verteilen. So setzt du nicht zu viel auf eine Karte. Viele AnlegerInnen beschränken sich etwa auf 1.000 Euro pro Projekt. Mehr dazu erfährst du hier.

Was kostet Crowdfunding?

Die meisten Plattformen nehmen Gebühren für die Abwicklung der Projekte und die Pflege der Technologie. Startnext, die deutsche Plattform für nachhaltige Projekte, betont, dass mit den Gebühren „die Plattformtechnologie, unser Beratungsteam und die Öffentlichkeitsarbeit finanziert werden“. Die Gebühr von 5 Prozent, den UnternehmerInnen und Organisation zahlen, ist auf dieser Plattform nur ein Vorschlag. „Der Betrag kann verringert und vergrößert werden, alles über 5 Prozent fließt automatisch in unseren SDG-Fördertopf.“ Dazu addieren sich möglicherweise noch Gebühren für den Zahlungsvorgang, die externe Firmen abwickeln.

Auch die UnterstützerInnen werden zur Kasse gebeten. 15 Prozent des Förderbetrags schlägt Startnext vor. Es kann auch weniger oder mehr sein.

Die Plattform „Steady“, auf der man Crowdfunding für Publikationen bewerben kann, behält 10 Prozent der Brutto-Einnahmen der Publizierenden. Kosten für die Zahlungsabwicklung liegen im Schnitt bei knapp 5 Prozent. Mehrwertsteuer kommt noch obendrauf. Der Start eines Projekts ist aber kostenlos. Das ist bei Spenden auch der Fall: betterplace.org, eine reine Spendenplattform, kassiert 2,5 Prozent Transaktionskosten.

Crowdfunding und die Steuer in Deutschland

Die Steuer spielt auch bei der sogenannten Schwarmfinanzierung eine Rolle. Handelt es sich bei deinem Betrag um ein Spenden-Crowdfunding oder um eine Investition in ein Start-up, hat das Bundesministerium für Finanzen einige steuerrelevanten Regeln aufgestellt.

Angenommen du investierst in ein junges Unternehmen, dessen Profil dich überzeugt hat. Das gilt beim Fiskus nicht als Spende. Damit kann der Betrag nicht steuermindernd angerechnet werden. Auch wenn das Unternehmen eine Spendenquittung ausgestellt hat.

Der Lohnsteuerhilfeverein erklärt, dass der Spendenabzug in den meisten Fällen scheitert, weil:

1.) Der/die Zuwendungsempfänger/in nicht steuerbegünstigt ist und

2.) die Crowd (also die Geber) für die Zahlung eine Gegenleistung wie ein Produkt bzw. einen Rabatt erhält oder am Gewinn beteiligt wird.

Bei reinen Spendenaufrufen über die Plattformen kannst du deine Spende wie alle anderen absetzen. Aber nur dann, wenn du eine Zuwendungsbestätigung von der Organisation bekommst.

herMoney Tipp: Wann lohnt sich Crowdinvesting?

Crowdfunding lohnt sich dann, wenn die Innovation zum Erfolg wird, das Geschäftsmodell eines Start-ups aufgeht oder die Spendenaktion bei den Hilfesuchenden ankommt. Beim Crowdfunding geht es also darum, ob du den richtigen Riecher hast.

Zum Weiterlesen: In unserem Artikel „Soll ich spenden?“ diskutieren wir Pro- und Contra-Argumente.

Disclaimer: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche kann herMoney keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Der Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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Christiane Habrich-Böcker

Christiane Habrich-Böcker ist langjährige Wirtschafts- und Nachrichtenredakteurin. Sie publizierte unter anderem für den Finanzen Verlag und schrieb für Euro am Sonntag und Börse Online.