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Was Natascha Wegelin alias „Madame Moneypenny“ anpackt, wird zu Gold. Wie sie das macht erklärt sie im Interview.

herMoney: Aus Miss Moneypenny wurde Madame Moneypenny: Was haben Sie mit der berühmten Sekretärin von James Bond gemeinsam?

Natascha Wegelin: …dazu gibt es keine Story und es gibt auch keine nennenswerte Verbindung zu James Bond…

Vielleicht Ihre Durchsetzungskraft? Was bedeutet Geld denn für Sie?

Geld ist das Mittel, das Freiheit ermöglicht. Ich kann mir damit zum Beispiel Zeit kaufen, und Zeit ist nun einmal unser wichtigstes Gut…

Was muss frau denn machen, um zu mehr Freiheit zu gelangen?

….sich auf jeden Fall mit den eigenen Finanzen beschäftigen. „Von nichts kommt nichts“ hat meine Oma gesagt…

Das haben Sie offensichtlich im Blut. Sie haben BWL studiert und bereits mit 26 Jahren Ihr eigenes Unternehmen gegründet. Wie kam es dazu?

…aus eigener Erfahrung. Ich war auf Wohnungssuche und mir fiel auf, dass es keine Plattform gab, auf der man schon online mehr über die Mitbewohner erfahren kann. Die Suche nach einem Zimmer in einer WG war deshalb extrem kompliziert. Also habe ich WG-Suche.de gegründet. Heute arbeiten wir dort in einem Team von ein paar  Mitarbeitern, im vergangenen Jahr haben wir 25 Prozent der Anteile an Immoscout24 verkauft.

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Das Geschäft läuft offensichtlich gut, wieso haben Sie angefangen, sich zusätzlich noch um Finanzen zu kümmern?

(lacht) Wieder waren es persönliche Erfahrungen – als Selbständige musste ich mich ja um meine Altersvorsorge kümmern. Da ich auf dem Gebiet völlig ahnungslos war, habe ich mich an eine Provisionsberaterin gewandt. Sie hat mir eine private Rentenversicherung empfohlen und ich habe unterschrieben – ganz einfach, weil ich von der Materie gar nichts verstanden habe…

Und?

…dann hatte ich drei Jahre später ein komisches Bauchgefühl wegen meiner Rentenversicherung und ließ sie von einer unabhängigen Honorarberaterin prüfen. Mein Bauchgefühl hatte mich nicht getäuscht – auch die Honorarberaterin kam zu dem Ergebnis, dass das kein gutes Produkt war. Ich hatte bereits etliche tausend Euro an Gebühren bezahlt, von denen ich nichts wusste. Zum Glück konnten wir einer weiteren Kostenbombe noch entkommen.

Das passiert anderen auch, ohne dass sie gleich beruflich um- bzw. aufsatteln. Was hat Sie daran gereizt, gleich selbst finanzielle Aufklärung zu leisten?

Ich bin wohl per se neugierig, also habe ich mich ans Selbstlearning gemacht und begonnen, einen Blog zu schreiben. Es gibt ja nur wenige Frauen, die sich mit Finanzen beschäftigen. Und ich dachte mir, vielleicht ist es authentischer, von einem Laien zu hören, welche Erfahrungen er macht – meine Leserinnen konnten mir bei jedem Erfahrungsschritt folgen.

Heute sind Sie als Madame Moneypenny erfolgreich, Sie haben 5.000 Abonnentinnen Ihres Newsletters und im vergangenen Jahr den Finanzblog-Award der comdirect gewonnen. Haben Sie keine Angst vor der Verantwortung, wenn Sie Geldanlagen empfehlen?

Ich kommuniziere so, dass ich nichts empfehle – ich bin ja keine Meinungsführerin, sondern möchte die Welt der Finanzen zusammen mit meinen Leserinnen entdecken. Ich sehe ich mich also als Impulsgeberin und Inspirateurin, nicht aber als Beraterin.

Sie äußern sich ja aber schon sehr deutlich zu Anlageprodukten und auch zu politischen Themen…

…ich habe zu vielen Dingen tatsächlich eine dezidierte Meinung – manche finden das gut, andere nicht, damit muss ich als Bloggerin umgehen können. Viel Kritik gab es zum Beispiel, als ich am Beispiel Frittenbräter und Bill Gates mal über Verteilungsgerechtigkeit schrieb – Tenor: Jeder kann das Beste aus seinem Leben machen. Ich bin der Meinung, wir sollten weniger jammern und uns nicht dauernd fragen, was Frau Merkel oder wer auch immer für uns tun kann. Das kam bei manchem nicht gut an. Aber es geht mir dabei ja nicht um Einzelfälle oder soziale Gerechtigkeit…

…sondern?

Jeder einzelne muss Verantwortung für sein Leben übernehmen. Meine zentrale Frage lautet also: Was kann ich tun? Wie kann ich mein Leben verbessern und meine Ziele erreichen?

Geben Frauen die Verantwortung für ihre Finanzen zu schnell ab?

Sie verlassen sich in Gelddingen gerne auf Männer. Aber nach meiner Einschätzung ist da gerade einiges im Umbruch. Frauen wollen ihre Finanzen zunehmend selbst in die Hand nehmen.

Muss denn jede und jeder immer alles allein erledigen können? Das Auto bringe ich doch auch zur Reparatur in die Werkstatt. Warum sind Sie bei der Geldanlage gegen Berater?

Ich bin nicht prinzipiell gegen Berater. Honorarberater etwa machen oft einen guten Job und wer ihre Expertise in Anspruch nehmen möchte: bitte sehr! Viele tun sich jedoch schwer, für die Beratung Geld zu investieren, weil es die ja vermeintlich auch kostenlos gibt. Die „kostenlose“ Beratung ist am Ende häufig teuer – denn wenn ein Berater am Tropf von Provisionen hängt, handelt er wahrscheinlich nicht in meinem, sondern in seinem eigenen Interesse. Das ist ein Interessenkonflikt, ein Fehler im System. Zudem bin ich überzeugt, man kann es gut auch selber machen. Aktieninvestments sind nicht so kompliziert. Zu Anfang ist etwas Arbeit erforderlich – quasi die Anfangsinvestition – aber auf lange Sicht sollte sich das rechnen.

Investieren Frauen und Männer unterschiedlich bzw. gehen sie unterschiedlich an Investments ran?

Von meinen Lesern sind 20 Prozent männlich und 80 Prozent weiblich. Mein Eindruck ist, dass Männer schneller kaufen – und Frauen erst einmal Umwege gehen. Das liegt vielleicht am weiblichen Perfektionismus: Frauen wollen immer auch alle Details verstehen. Sie haben mehr Angst vor Fehlern und kommen schlechter ins Handeln.

Welchen Rat können Sie Frauen geben?

Ich persönlich investiere in ETFs und achte auf breite Streuung – das heißt, ich berücksichtige Aktien aus den Industrienationen, aus Schwellenländern sowie Rohstoffe und Immobilien.

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ETFs sind nicht in allen Marktsegmenten überlegen. Warum setzen Sie ausschließlich auf ETFs?

Ich möchte mich nicht auf das Geschick eines Fondsmanagers verlassen und dafür dann auch noch Geld bezahlen. Für mich sind ETFs die einfachste und effizienteste Form der Geldanlage – sie sind transparent und kostengünstig.

Haben Sie keine Angst vor der Wut und Enttäuschung Ihrer Leser/innen, wenn die Börsen einbrechen?

Nein, ich verkaufe ja keine heißen Aktientipps, sondern motiviere, eigene Entscheidungen zu treffen. Und ich weise immer wieder darauf hin, dass Rückschläge dazugehören. Darauf sollte jeder Investor vorbereitet sein und dann nicht in Panik verkaufen…

Verluste an der Börse tun weh, zumal, wenn nur wenig finanzieller Spielraum vorhanden ist….

…und deshalb rate ich dringend, vor jeder Investition ein Notfallbudget aufzubauen – mindestens drei Monate sollte man mit den Rücklagen auf dem Tagesgeldkonto gut über die Runden kommen. Und natürlich ist es wichtig, die eigene Risikobereitschaft zu überprüfen: Man sollte nachts auch dann gut schlafen können, wenn es an der Börse mal nicht so gut läuft.

Sie sprachen eingangs von dem Wert der Zeit, die man sich mit Geld erkauft. Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Sie haben zwei Fulltime-Jobs. Keine Lust, sich mit dem Geld etwas Zeit zu kaufen?

Ich arbeite tatsächlich viel, rund 40 Stunden für WG-Suche und 30 Stunden als Moneypenny. Aber für mich ist diese unternehmerische Arbeit Teil meines Lebens, solange sie mir Spaß macht, es keine Routine gibt und ich mich weiterentwickeln kann.

 

Madame Moneypenny

Copyright: Jacqueline Häußler

Natascha Wegelin ist 32 Jahre alt und lebt in Berlin. Nach kurzen Festanstellungen bei Google und Parship gründete sie 2012 und mit 26 Jahren ihr eigenes Unternehmen „wg-suche.de“. Anfang 2017 verkaufte sie einen Teil des Unternehmens an ImmobilienScout24. Seit Anfang 2016 betreibt Natascha Wegelin den Finanzblog „madamemoneypenny.de“.

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