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Über ETFs berät Sie meist weder Ihre Bank noch Ihr Anlageberater. Hier erfahren Sie, wie Sie passende ETFs auswählen können.

Sie haben sich über Vor- und Nachteile von ETFs informiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Sie in ETFs investieren wollen? Fein, ETFs stellen eine kostengünstige Investmentmöglichkeit dar!

Weil die Kosten so niedrig sind, können ETF-Anbieter im Regelfall keine Provisionen an Berater zahlen, wie es die Anbieter von aktiven Fonds tun. Und weil kein Berater so richtig damit Geld verdient, wenn Sie in ETFs investieren (außer Sie schließen eine Vermögensverwaltung mit ETF-Bausteinen ab), werden Sie Ihr Portfolio entweder über einen Robo Advisor oder aber in Eigenregie zusammenstellen müssen. Aber keine Angst, so schwierig ist es nicht, passende ETFs auszuwählen!

Inhalt:

Das Wichtigste in Kürze:

Anfänger wählen oft einen ETF auf den MSCI World, ein Index, der weltweit Unternehmen abbildet. Sie können aber auch stärker auf Europa und Schwellenländer setzen.

SWAP-basierte ETFs können riskanter sein als physische ETFs, da sie nicht immer nur in die Unternehmen des jeweiligen Index investieren, den sie abbilden sollen.

Wenn Sie Kosten vergleichen, schauen Sie sich die TER an. Diese Kennzahl enthält sowohl die Management- als auch die Depotgebühren.

Ein hohes Fondsvolumen ist ein Indikator, dass der ETF sehr liquide ist. Dann ist der sogenannte Spread niedrig, der als eine Art Verkaufsgebühr fungiert.

Überlegen Sie sich, ob Sie per Sparplan oder per Einmalanlage investieren wollen. Nicht jeder ETF ist sparplan-fähig.

Welche Märkte wollen Sie abdecken?

Zunächst überlegen Sie, welche Regionen und Märkte Sie abdecken möchten. Gehen wir einmal davon aus, Sie wollen ein Aktien-ETF-Portfolio zusammenstellen. Wenn Sie es sich ganz einfach machen möchten, investieren Sie in den weltweiten Aktienindex MSCI und suchen sich einen entsprechenden ETF.

In dem Fall hat Ihr Portfolio genau die Gewichtung des MSCI World Index, der sich übrigens aus über 1.600 Einzelwerten aus 23 Industrieländern zusammensetzt. Hier handelt es sich um einen typischen Anfänger-ETF, den viele wählen, die nur einen ETF kaufen und per Sparplan investieren wollen.

Allerdings hat der MSCI-World-Index ein starkes Gewicht (weit über 50%) im US-Markt, während deutsche Unternehmen gerade einmal mit gut drei Prozent vertreten sind.

Wenn Sie lieber die Gewichtung der einzelnen Märkte selbst bestimmen möchten, überlegen Sie, wie Ihre Portfolio-Struktur aussehen soll. Vielleicht ein Drittel USA, ein Drittel Europa, ein Drittel Asien bzw. Schwellenländer (Emerging Markets)? Gut! Sie sind jetzt schon einen Schritt weiter und nah dran, den für Sie richtigen ETF auszuwählen.

Den passenden ETF finden: Wählen Sie einen Index aus

Im nächsten Schritt suchen Sie für den jeweiligen Bereich einen Index aus. Es spricht nichts dagegen, einfach auf die bekannten Index-Familien von den Anbietern MSCI, STOXX oder FTSE zu setzen, aber andere Indizes kommen natürlich auch in Frage.

Wenn Sie sich beispielsweise nicht sicher sind, ob Sie lieber in den Emerging Market-Index von MSCI (Morgan Stanley Capital International) oder von FTSE (Financial Times Stock Exchange) gehen sollen, schauen Sie sich im Internet die aktuelle Zusammensetzung der Indizes an und entscheiden Sie dann, was Sie bevorzugen.

MSCI betrachtet beispielsweise Südkorea als Schwellenland, FTSE hingegen nicht. Entsprechend kann die Entwicklung der beiden Schwellenländer-Indizes erheblich voneinander abweichen. Aber nicht verzagen, alle Börsenentscheidungen sind letztlich Prognosen, die unter Unsicherheit getroffen werden. Kein Mensch kann Ihnen wirklich verlässlich sagen, ob sich nächstes Jahr der eine oder der andere Index besser entwickeln wird, dann müssen Sie das auch nicht können!

Wir haben eine Liste mit ETFs zusammengestellt, die in die genannten Indizes anlegen.

Wenn Sie wissen, welche ETFs Ihre Wunsch-Indizes nachbilden, werden Sie überrascht sein, wie viele es sind. Es müssen also weitere Entscheidungskriterien her, damit Sie die Auswahl weiter eindampfen können.

SWAP-basierter oder replizierender ETF?

Ein wichtiges Kriterium ist, ob es sich um einen sogenannten „replizierenden“ oder einen SWAP-basierten ETF handelt. Bei einem replizierenden ETF kauft der Fonds tatsächlich die einzelnen Wertpapiere, die im Index enthalten sind. Das kann sehr aufwändig sein, denn einige Indizes enthalten mehrere hundert oder sogar über Tausend einzelne Wertpapiere.

Die SWAP-basierten ETFs machen es sich hier leichter: Sie schließen einen SWAP-Vertrag mit einer Investmentbank ab. Dabei handelt es sich um eine Art Tausch-Vertrag, bei dem sich die Investmentbank verpflichtet, Zahlungen in der Form an den ETF zu leisten, dass es genau der jeweiligen Index-Entwicklung entspricht. Bei dieser Konstruktion hält der ETF also nicht die Wertpapiere, sondern bildet lediglich die Wertentwicklung des Index nach.

Solange alles gut geht, gibt es keine großen Unterschiede zwischen beiden Varianten. Vielleicht liegt der SWAP-basierte ETF noch exakter auf der Index-Linie als der ETF, der die Wertpapiere physisch kauft. Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt, den Sie berücksichtigen können, um den passenden ETF zu finden.

Swap-ETF mit Emittentenrisiko

Manche Investoren sehen jedoch bei SWAP-basierten ETFs ein Haar in der Suppe: Die Gegenpartei, die mit dem ETF den SWAP-Vertrag schließt, könnte in Schwierigkeiten geraten. Dann sind Verluste jenseits der Kursverluste möglich.

Der Grund: ETFs sind – wie auch Fonds – Sondervermögen, das heißt, dass das Vermögen der Anleger auch dann geschützt ist, wenn der Anbieter (Emittent) pleite geht. Bei swap-basierten ETFs trifft das nicht für 100 Prozent des Kapitals zu. Geht ein Tauschpartner (Swap-Partner) pleite, ist dieser Anteil am Vermögen unter Umständen verloren. Deshalb darf der Swap-Anteil zehn Prozent des Fondsvermögens nicht übersteigen.

Einige Fondsgesellschaften hinterlegen zudem Sicherheiten, um das Risiko weiter zu begrenzen. Wenn Sie das verbleibende Ausfallrisiko nicht tragen möchten, können Sie SWAP-basierte ETFs links liegen lassen und physisch replizierende ETFs auswählen.

Den richtigen ETF auswählen: Was ist mit den Kosten?

Das nächste Kriterium ist einfacher: Kosten. Hierzu schauen Sie einfach im Prospekt, den „Wesentlichen Anlagebedingungen“ oder in einer Datenbank nach, wie hoch die laufenden Kosten des ETF sind. Klar: Je günstiger desto besser! Achtung: In den Datenbanken finden Sie statt „Kosten“ oft auch die Abkürzung „TER“. Das bedeutet „Total Expense Ratio“ und beinhaltet sowohl die Managementgebühren eines Fonds als auch die Kosten für die Depotbank, also die “Verwahrstelle” des ETFs.

Liquidität ist wichtig

Als nächstes wollen Sie, dass Ihr ETF auch wirklich satt gehandelt wird, denn je mehr Liquidität es für ein Wertpapier an der Börse gibt, desto geringer ist der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs (Geld-Brief-Kurs), dem sogenannten „Spread“.

Einen Hinweis gibt bereits das Fondsvolumen. Normalerweise gilt: Je höher das Fondsvolumen, desto breiter der Handel. Wollen Sie es genauer wissen, können Sie entweder für jeden ETF, der für Sie in die engere Auswahl kommt, das Handelsvolumen nachsehen (z.B. bei www.comdirect.de oder www.consors.de), oder Sie nehmen eine spezialisierte Datenbank zu Hilfe.

www.eeetf.com ist eine solche spezialisierte ETF-Datenbank. Hier können Sie z.B. „DAX, replizierend“ eingeben, und das Programm listet Ihnen ETFs auf, die physisch in DAX-Titel investieren. Solide DAX-ETFs finden Sie aber auch hier.

Sie können dann sortieren nach der Auflagewährung des Fonds, den Kosten („TER“), der Fondsgröße (AUM, d.h. Assets under Management) oder der durchschnittlichen Geld-Brief-Spanne. Sie können auch „etf+nachhaltig“ eingeben, dann listet Ihnen die Website ETFs auf, die nach Nachhaltigkeits-Kriterien investieren. Alternativ haben wir hier nachhaltige ETFs für Sie aufgelistet.

Sie können in den Datenbanken auch nach „aktien+dividenden+physisch+usa“ suchen, dann finden Sie physisch investierende ETFs, die in dividendenstarke US-Titel investieren.

Ist der ETF sparplan-fähig?

Vielleicht wollen Sie ja Ihre ETFs über Sparpläne besparen? In dem Fall ist wichtig, ob die Bank oder der Discount-Broker, bei dem Sie Ihr Depot führen, den jeweiligen ETF auch als sparplan-fähig im Angebot hat. Schauen Sie nach, um den passenden ETF zu finden!

Wenn Sie so vorgehen, haben Sie bald Ihr eigenes Wunsch-ETF-Portfolio ausgewählt. Das kostet zugegebenermaßen ein wenig Zeit, aber die ist sicher gut investiert.

herMoney Tipp

Es ist sinnvoll, sich einmal richtig Gedanken zu machen, um sich einen passenden ETF oder ein Portfolio an ETFs auszusuchen. Spezialisierte Datenbanken helfen Ihnen bei der Auswahl. Und dann… setzen Sie Ihre Gedanken in die Tat um und legen Sie einfach los! Nichts-Tun ist nämlich auch ein Risiko, das Risiko verpasster Chancen!

Mehr Infos zu ETFs und Fonds. Sie wünschen eine persönliche Beratung? Einfach hier schauen. 

 

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