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Betriebliche Altersvorsorge kündigen & auszahlen lassen: Geht das?

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Die bAV ist grundsätzlich eine gute Sache. Aber was, wenn du den Job wechselst oder spontan an dein Geld willst?

Inhalt

Betriebliche Altersvorsorge kündigen: Das Wichtigste in Kürze

Wird ein betrieblicher Altersvorsorgevertrag (bAV) gekündigt, wird das angesparte Geld in der Regel erst beim Erreichen des Rentenalters ausgezahlt.

Die Kosten der Vertragskündigung, die Rückzahlung der steuerlichen Vorteile und die Differenz der geringeren Sozialabgaben musst du selbst tragen.

Eine bAV kann allerdings auf Antrag beitragsfrei gestellt werden.

Bei einer Kündigung deines Arbeitsverhältnisses kannst du die Betriebsrente eventuell mitnehmen oder in einen neuen Vertrag überführen.

Durch die bAV kannst du dich neben der gesetzlichen Rente im Alter besser absichern. Laut ver.di haben aktuell 58 Prozent der 55- bis 65-jährigen Frauen einen entsprechenden Vertrag. Problematisch kann es jedoch werden, wenn du vorzeitig Geld aus dem bAV-Vertrag entnehmen möchtest. Ob das geht und was bei einer Kündigung zu beachten ist, erklären wir dir in diesem Artikel.

Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV)

Wer einen Vertrag einer Pensionskasse, Direktversicherung und Co. unterschreibt, muss wissen, dass eine Kündigung mit vorzeitiger Auszahlung in der Regel unmöglich ist, wenn man mal nicht so liquide ist.

Wann kann man Direktversicherungen und Co. kündigen?

Im Prinzip jederzeit. Doch wenn du die betriebliche Altersvorsorge kündigst, wird die ersparte Summe erst beim Erreichen des Ruhestandsalters an dich ausgezahlt. Du erhältst das Geld frühestens mit dem 60. Lebensjahr.

Kosten bleiben an dir hängen

Die steuerlichen Vorteile und die Differenz der Sozialabgaben musst du bei einer Kündigung deinerseits zurückzahlen. Mögliche Abwicklungsgebühren kommen auch noch dazu. Das ist vom Gesetzgeber so vorgeschrieben. Damit will er dafür sorgen, dass die zusätzliche private Altersvorsorge möglichst lange läuft. Die lange Laufzeit belohnt er eben mit Steuer- und Sozialabgabenfreiheit. Doch das gilt nur, wenn du auch langfristig einzahlst.

Also ist eine bAV als Anlageobjekt nur langfristig sinnvoll.

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Betriebsrente kündigen: Diese 5 Nachteile solltest du kennen

  • Die Auszahlung der angesparten Summe wird erst beim Renteneintritt vorgenommen.
  • Die Versicherungsträger können für die Kündigung Gebühren berechnen.
  • Alle steuerlichen und sozialabgabepflichtigen Vorteile, die du während der aktiven Vertragslaufzeit hattest, müssen zurückgezahlt werden.
  • Ein Rückkaufswert ist, anders als bei Lebensversicherungen, bei der betriebliche Altersvorsorge nicht vorgesehen.
  • Dein Arbeitgeber muss einer Kündigung zustimmen.

Es gibt nur eine Ausnahme: die Kleinanwartschaft.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV) kündigen und vorzeitig auszahlen lassen: Wann geht es doch?

Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds ist eine Auszahlung vor Rentenbeginn möglich, wenn lediglich eine Kleinstanwartschaft besteht. Das ist dann der Fall, wenn du nach Ablauf deines Vertrags monatlich nur knapp 30 Euro Rente ausbezahlt bekämst.

Auch interessant: Warum die Auszahlung einer Direktversicherung oft niedriger ist als gedacht

Betriebliche Altersvorsorge beitragsfrei stellen: Die bessere Alternative zur Kündigung?

Geht es dir um die monatliche Beitragssumme, die du nicht mehr aufbringen willst oder kannst, könntest du die betriebliche Altersvorsorge beitragsfrei stellen. Das kann ebenfalls mit Gebühren seitens des Versicherungsträgers verbunden sein. Willst du den Vertrag dennoch beitragsfrei stellen, schicke ein formloses Schreiben an den Träger.

Hier haben wir ein Muster für dich vorbereitet, mit dem du die betriebliche Altersvorsorge kündigen, auszahlen oder beitragsfrei stellen kannst.

Eine weitere Alternative ist, mit den Einzahlungen zu pausieren oder die Summe zu senken (natürlich kannst du auch umgedreht den Beitrag erhöhen). Änderst du also die Höhe oder setzt für eine Weile aus, wird die Leistung neu berechnet.

Pausierst du, hast du keine rechtliche Handhabe, wenn der Versicherer eine Obergrenze der Pause festlegt. Denn er ist frei in der Vertragsgestaltung. Im Vertrag steht aber, wenn es eine zeitliche Einschränkung gibt. Das trifft auch auf mögliche Gebühren zu, die anfallen könnten.

Minimum einzahlen statt bAV beitragsfrei stellen?

Bist du im Moment nicht so liquide, könntest du deinen Beitrag auch reduzieren. Wie hoch das Minimum ist, das du selbst in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen kannst, hängt von vielen Dingen ab: Steht die Summe im Tarifvertrag oder in einer betrieblichen Vereinbarung? Um welchen Vertrag handelt es sich (Pensionskasse, Direktversicherung etc.)? Hier liegt es bei dir, dich zu informieren.

 

Betriebliche Altersvorsorge kündigen: Worauf achten bei einem Arbeitgeberwechsel?

Nach der Kündigung deines aktuellen Arbeitsverhältnisses ist die neue Firma nicht dazu verpflichtet, deinen alten Vertrag der betrieblichen Altersvorsorge zu übernehmen. Der neue Arbeitgeber kann das angesparte Vermögen in seine Versorgung übertragen. Du solltest aber auch wissen, dass die Höhe der Arbeitgeberzuschüsse von den Unternehmen bestimmt werden.

Doch normalerweise ist das beim Bewerbungsgespräch Thema. Du kannst also vorab klären, ob du die Möglichkeit hast, deinen Vertrag bei deinem neuen Arbeitgeber fortzuführen.

Es gibt einige Bedingungen, die du einhalten musst:

  • Die Kapitalsumme liegt unter 87.600 Euro (die Höhe entspricht der Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung für das laufende Jahr, aktuell also 2023).
  • Du bist noch nicht länger als ein Jahr bei deinem neuen Arbeitgeber.

Doch laut Versicherungsdienstleister Clark sind noch andere Dinge zu beachten:

Verlässt du deinen Arbeitgeber und der Vertrag kann nicht übertragen werden, ist der Vertrag „unverfallbar“. „Bei dem Teil, den dein Arbeitgeber in die Altersversorgung eingezahlt hat, kommt es in der Regel darauf an, wie lange du dem Unternehmen angehört hast“, erklärt man bei Clark. Die Fristen, ab wann die Leistung unverfallbar ist, sind abhängig vom Vertragsabschlussdatum.

Für Verträge, die seit dem 1. Januar 2018 abgeschlossen wurden, musst du mindestens 21 Jahre alt sein und 3 Jahre lang dem Betrieb angehört haben, damit dir deine betriebliche Altersvorsorge erhalten bleibt, also unverfallbar wird.

Für früher abgeschlossene Verträge gelten laut Clark abweichende Regelungen:

  • Verträge, die ab dem 1. Januar 2009 abgeschlossen wurden: Mindestalter 25 Jahre und 5 Jahre Betriebszugehörigkeit
  • Verträge, die ab dem 1. Januar 2001 abgeschlossen wurden: Mindestalter 30 Jahre und 5 Jahre Betriebszugehörigkeit
  • Verträge, die bis zum 31. Dezember 2000 abgeschlossen wurden: Mindestalter 35 Jahre und 10 Jahre Zusagedauer oder 3 Jahre Zusagedauer bei 12 Jahren Betriebszugehörigkeit

Was bedeutet das? Der unverfallbare Teil deiner Altersversorgung wird beitragsfrei gestellt, doch die Zinsen laufen weiter und erhöhen die Summe, die du bei Eintritt der Rente erhältst.

Hat dein neuer Arbeitgeber kein eigenes Versorgungssystem, kann er einfach in deinen Vertrag einsteigen. Hat er jedoch schon ein anderes System hinsichtlich der betrieblichen Altersvorsorge, können Beschäftigte in der Regel nicht ihren vorherigen Vertrag weiterführen. Das bis dahin aufgebaute Kapital wird einfach in das neue System übertragen. Dafür werden meist keine zusätzlichen Verwaltungsgebühren fällig.

Diese Vorgehensweise ist eine bessere Möglichkeit, als den vorherigen Vertrag zu kündigen oder stillzulegen. Die Summe fließt dann lediglich in einen neuen Vertrag.

FAQ

Was ist eine betriebliche Altersvorsorge?

Entscheidest du dich für eine bAV, wird monatlich ein Betrag deines Bruttogehalts abgezogen. Das bezeichnet man als Entgeltumwandlung und mindert praktischerweise die Steuerlast. Zahlt der Arbeitgeber mehr dazu, als er gesetzlich verpflichtet ist, ist das ein Plus zu deinem Gehalt. Bei Erreichung des Rentenalters werden die eingezahlten Beiträge, die in einer Versicherung oder am Kapitalmarkt angelegt wurden, mit Zinsen und Gewinnen als Rente oder einmalige Kapitalleistung ausgezahlt.

Die betriebliche Altersvorsorge kann über verschiedene Formate abgeschlossen werden, beispielsweise als Direktversicherung, im Rahmen eines Pensionsfonds oder bei einer Pensionskasse. Je nachdem, welcher Vertrag das ist, könntest du darüber noch weitere Risiken wie Invalidität absichern.

Diese Form von Vorsorge unterstützt der Staat, in dem du auf diese Beiträge bis zu einer Obergrenze keine Steuern und Sozialabgaben zahlen musst. Seit 2019 ist zudem gesetzlich geregelt, dass auch der Arbeitgeber mindestens 15 Prozent Zuschuss deiner zu zahlenden Beiträge übernimmt (auch bei Geringverdienern).

Was bedeutet der Rückkaufswert bei der betrieblichen Altersvorsorge?

Ein Rückkauf ist genauso wie die vorzeitige Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge nicht möglich. Unter einem Rückkaufswert wird die angesparte Summe plus Zinsen minus Gebühren und zurückzahlbare staatliche Förderleistung verstanden. Bei anderen Versicherungen ist es möglich, den Vertrag aufzulösen und sich den Rückkaufswert auszahlen zu lassen.

Ist eine Kündigung bei Rentenantritt notwendig?

Gehst du in den Ruhestand, musst du zuvor in deinen bAV-Vertrag schauen, ob du deinerseits kündigen musst, um mit der gesetzlichen Rente deine betriebliche Altersvorsorge zu erhalten. Denn das ist bei jedem Vertrag individuell geregelt. Die Laufzeit endet jedoch in der Regel mit dem Rentenbeginn.

Was ist zu tun, wenn der Arbeitgeber den Vertrag kündigen möchte?

In diesem Fall kann eine Übertragung an den Beschäftigten stattfinden. Du trägst dann also den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil der Kosten, um deine Altersvorsorge weiter auszubauen. Alternativ kannst du den Vertrag beitragsfrei stellen.

Was passiert mit der Versicherung bei einem Sabbatical oder der Elternzeit?

Du hast in dem Fall 3 Möglichkeiten:

  1. Du zahlst die ganze Summe (also Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil).
  2. Du pausierst.
  3. Der Arbeitgeber zahlt weiter seinen Beitrag und du auch.

herMoney Tipp

Gehst du in die Selbstständigkeit, kannst du den Vertrag als Altersvorsorge selbst weiterführen. Damit entfällt aber die staatliche Begünstigung.

Zum Weiterlesen: Wie wird die Betriebsrente versteuert?

Disclaimer: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche kann herMoney keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Der Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

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Christiane Habrich-Böcker

Christiane Habrich-Böcker ist langjährige Wirtschafts- und Nachrichtenredakteurin. Sie publizierte unter anderem für den Finanzen Verlag und schrieb für Euro am Sonntag und Börse Online.