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Das Betriebsrentenstärkungsgesetz ist seit 2018 in Kraft. 2022 wurde es aktualisiert. Was sind die wichtigsten Änderungen?

Inhalt

Was regelt das Betriebsrentenstärkungsgesetz?

Arbeitgeberzuschlag

Steuerliche Vorteile

Betriebsrentenstärkungsgesetz 2022: Das Wichtigste in Kürze

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die dritte Säule der Altersvorsorge, die Betriebsrente, vor allem in Klein- und mittelständischen Unternehmen forcieren. Vor allem Menschen der unteren Einkommensklassen werden dadurch in die Lage versetzt, zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorzusorgen.

2020 stieg die monatliche Einkommensgrenze für die Förderung auf 2.575 Euro. Zusätzlich wurde der jährliche Förderhöchstbetrag von 144 Euro auf 288 Euro verdoppelt.

Die wichtigste Änderung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes bezüglich der Arbeitgeberpflichten: Ab 2022 müssen Firmen auch Altverträge bezuschussen, die vor 2019 abgeschlossen wurden.

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Betriebsrentenstärkungsgesetz einfach erklärt (Stand 2022)

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz ermöglicht Beschäftigten, ein Plus zu ihrer gesetzlichen Altersvorsorge anzusparen. Darin ist verankert, dass es einen Arbeitgeberzuschuss gibt. Der Clou für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen: Der Betrag geht direkt vom Bruttogehalt ab. Das bedeutet weniger Steuern und Sozialabgaben.

Wie kam es dazu?

Die heutige Chefin der Bundesanstalt für Arbeit und damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte in ihrer Zeit als Ministerin die Neufassung der Betriebsrente durchgesetzt. Grund für die Initiative: Die Babyboomer gehen bald in Rente, also die ArbeitnehmerInnen, die in den 1960er-Jahren geboren sind. Das führt zur Verschärfung der Schieflage des gesetzlichen Rentensystems.

Die erste schwarz-rote Koalition konnte sich allerdings nicht auf eine umfassende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung verständigen. Das Thema hat jetzt die aktuelle Regierung auf der Agenda.

Stattdessen haben die damaligen politisch Verantwortlichen mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) die betriebliche Altersversorgung (bAV) reformiert. Wie das im Detail aussieht, hängt von den einzelnen Regelungen in den Tarifverträgen ab. Damit hat der Staat den Ball in das Feld der Gewerkschaften und ArbeitgeberInnen gespielt, die sich nun über die Feinheiten einigen müssen.

Die sogenannte „Nahles-Rente“ (offiziell „Zielrente“) nimmt speziell die Gruppe der Geringverdiener ins Visier. Die häufigste Form der Vorsorgeleistungen sind Direktversicherungen, die in der Mehrheit durch Entgelt- oder Gehaltsumwandlung angespart werden. Der monatliche Beitrag wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Dadurch entfällt die Besteuerung sowohl für ArbeitnehmerInnen als auch für ArbeitgeberInnen und senkt zudem die Sozialabgaben.

Das soll vor allem GeringverdienerInnen die Möglichkeit geben, zusätzlich etwas fürs Alter auf die Seite zu legen. Darunter fallen laut BRSG alle ArbeitnehmerInnen, die nicht mehr als 2.575 Euro verdienen. Der Betrag bezieht sich auf in ihren Hauptjob. Nebenjobs werden hier nicht berücksichtigt.

Betriebsrentenstärkungsgesetz: So hoch ist der Arbeitgeberzuschuss 2022

Eine Säule im Betriebsrentenstärkungsgesetz ist die Zuschusspflicht deines Arbeitgebers. Unternehmen müssen seit 2022 alle Entgeltumwandlungen durch Direktversicherungen, Pensionskassen sowie Pensionsfonds mit 15 Prozent fördern – auch diejenigen aus Altverträgen.

Die Regelung gilt aber nur, wenn der Arbeitgeber dabei Sozialversicherungsbeiträge spart. Das tut er bei der betrieblichen Altersvorsorge in den meisten Fällen, weil der Betrag vom Bruttogehalt abgezogen wird und sich somit mindernd auf die Arbeitgeberabgaben auswirkt.

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Die Ersparnis setzt sich aus Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung zusammen. Liegt sie höher, kann das Unternehmen auch die ganze Einsparungssumme an die ArbeitnehmerInnen weitergeben. Ausnahme: Der Tarifvertrag sieht eine andere Regelung vor. „Zahlt der Arbeitgeber für Beschäftigte mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von max. 2.575 Euro zum Beispiel jährlich 960 Euro in eine betriebliche Altersversorgung ein, werden dem Arbeitgeber davon 288 Euro vom Staat erstattet“, so das Arbeitsministerium.

bAV-Gesetz: Was bedeutet die betriebliche Altersvorsorge aus steuerlicher Sicht?

Mit der Einführung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes wurde die Steuerfreiheit für die Entgeltumwandlung auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung erhöht. Die liegt seit 2022 laut Bundesregierung in den neuen Bundesländern bei 6.750 Euro im Monat (2021: 6.700 Euro) und in den alten Bundesländern bei 7.050 Euro im Monat (2021: 7.100 Euro). In der knappschaftlichen Rentenversicherung liegt diese Einkommensgrenze bei 8.350 Euro (2021: 8.250 Euro) in den neuen und 8.650 Euro (2021: 8.700) in den alten Ländern.

Die Entgeltumwandlung ist zudem in Höhe von 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung sozialversicherungsfrei. Mehr über die Besteuerung der Betriebsrente erfährst du hier.

Betriebsrentenstärkungsgesetz: Wie lief die bAV bis 2022?

Die aktuelle Studie zur betrieblichen Altersversorgung der Wirtschaftsberatung Deloitte zeigt, dass sich die Vorsorgeform auf der Beschäftigtenseite als Erfolgsmodell erwiesen hat. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz war also ein wichtiger Impuls. Die Verbreitung von arbeitgeberfinanzierter Altersversorgung stagniert, aktuell liegt sie bei 34 Prozent. Demgegenüber ist aber der Anteil der Arbeitnehmer, die Bruttoentgeltumwandlung betreiben, merklich von rund einem Viertel auf 32 Prozent seit 2017 angestiegen.“

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Auch die Gewerkschaft ver.di sieht den Effekt des Betriebsrentenstärkungsgesetzes positiv. „Das staatliche Fördervolumen stieg im Jahr 2020 auf 175,5 Millionen Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, wurde der staatliche Zuschuss im dritten Jahr nach seiner Einführung von fast 82.100 Arbeitgeber*innen in Deutschland für über 1,0 Mio. Beschäftigte mit einem Monatseinkommen bis zu 2.575 Euro genutzt.“

Nach ver.di-Angaben profitieren beide Seiten: „Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen sparen damit je rund 20 Prozent Sozialversicherungsbeiträge“, berichtet die Gewerkschaft.

Damit nun die Unternehmensseite ihren Einsatz weiter erhöht, gilt ab diesem Jahr die Pflicht zum Arbeitgeberbeitrag ebenfalls für Verträge, die vor dem Jahr 2019 abgeschlossen wurden.

Lässt der Versicherer eine Erhöhung für die Police zu, dann zahlen ArbeitnehmerInnen weiterhin ihre 100 Euro und ArbeitgeberInnen überweisen spätestens seit Januar dieses Jahres auch für Altverträge den BRSG-Pflichtzuschuss in Höhe von 15 Euro (also 15 Prozent), sodass die Versorgung auf 115 Euro erhöht wird.

Lohnt sich die Betriebsrente?

Mehr als ein paar 100 Euro zusätzlich ist aus der Betriebsrente meist nicht zu erwarten. Das wird sich auch durch das verheißungsvoll klingende BRSG kaum ändern.

Angesichts der derzeitigen geringen Zinserträge auf Kapitaleinlagen ist eine betriebliche Altersvorsorge jedoch besser, als das Geld mit wenig Rendite auf Konten zu deponieren.

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Übrigens: Solltest du die Stelle wechseln, kann deine Betriebsrentenanwartschaft auf den neuen Arbeitgeber übertragen werden. „In bestimmten Grenzen hat der Arbeitnehmer beim Arbeitgeberwechsel zudem das Recht, das für ihn gebildete Kapital in die Versorgungseinrichtung des neuen Arbeitgebers mitzunehmen“, so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Steuerlich ist das Zubrot aber auch relevant. „Die später ausgezahlten Betriebsrenten müssen dann versteuert werden. Doch die Anrechnung von Zusatzrenten wird bei Geringverdienern auf die Grundsicherung im Alter begrenzt.“

herMoney Tipp

Eine Betriebsrente sorgt für mehr regelmäßiges Einkommen im Alter und mindert für aktive ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen Steuer- und Sozialabgaben. Im Tarifvertrag deiner Branche ist festgelegt, inwieweit deine Firma verpflichtet ist, die betriebliche Altersvorsorge zu fördern. Fragen beantwortet der Betriebsrat, deine Gewerkschaft, die Personalabteilung oder das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Wer es genau nachlesen will, findet den Gesetzestext des Betriebsrentenstärkungsgesetzes hier.

Zum Weiterlesen: Ob die Betriebsrente reicht, deine Rentenlücke zu decken, erfährst du hier.

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Disclaimer: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche kann herMoney keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Der Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.