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Behavioral Finance erforscht, inwieweit Emotionen AnlegerInnen beeinflussen. Was du von der Verhaltensökonomie lernen kannst.

Inhalt

Definition

Themen & Beispiele

Was du daraus lernen kannst 

Verhaltensökonomik: Das Wichtigste in Kürze

Einfach erklärt erforscht die Verhaltensökonomie, wie sich AnlegerInnen verhalten. Viele handeln irrational und nach Bauchgefühl, statt sich an harten Fakten und Kennzahlen zu orientieren.

Sie steigen zum Beispiel ein, wenn die Börse brummt, aber die Wertpapiere teuer sind. Geht es dann wieder bergab, verkaufen sie aus lauter Angst mit Verlust.

Was du daraus lernen kannst: Statt der Herde und archaischen Instinkten zu vertrauen, mach‘s wie der Profi und analysiere die Lage!

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Definition: Was ist Behavioral Finance?

Das Ideal eines Anlegers nennt man in der Wissenschaft „Homo oeconomicus“. Per Definition ist das eine Person, die sich bei ihren Entscheidungen ausschließlich von wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit leiten lässt. Doch kommen Gefühl und Geldanlage zusammen, verliert der Archetyp sehr schnell die Disziplin. Denn allzu gern lässt sich der Mensch von seinen Emotionen beeinflussen.

Wie sich das unter anderem auf die Rendite der BörsianerInnen auswirkt, erforscht die Behavioral Finance oder auch Behavioral Economics. Auf Deutsch: Verhaltensökonomik oder auch Verhaltensorientierte Ökonomik.

Daniel Kahneman erhielt vor 20 Jahren den Wirtschaftsnobelpreis. Das war eine Sensation. Denn Kahneman ist kein Wirtschaftswissenschaftler, sondern Psychologe. Er bekam die Auszeichnung für einen wesentlichen Denkansatz des Behavioral Finance, den Kahneman mit seinem Kollegen Amos Tversky 1979 entwickelte. Der Grundgedanke ist das Wissen über das Risikoverhalten eines jedes Einzelnen. Konkret geht es darum, wie wir uns bei Entscheidungen von möglichen Zukunftsszenarien leiten lassen.

Bei ihren Studien untersuchten die Wissenschaftler, welche Art von Erträgen für die ProbandInnen attraktiver waren: die sicheren oder die spekulativen. Das Ergebnis: Die StudienteilnehmerInnen bevorzugten die sicheren Erträge. Auch dann, wenn sie geringer ausfallen als die möglicherweise höheren Summen, deren Erlangen aber riskanter ist.

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Zuvor hatte schon der Ökonom John Maynard Keynes in den 30er-Jahren den Grundstein zur Behavioral Finance gelegt. Er stellte die Theorie auf, dass AktienanlegerInnen sowohl sachliche als auch emotionale Aspekte bei der Kaufentscheidung einbeziehen.

Hinter den Begriffen „Behavioral Finance“ und „Behavioral Economics“ steckt also eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Psychologie, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften verbindet.

Verhaltensökonomik: Wer glaubt, verliert

Welche Folgen instinktive Entscheidungen beim Investieren an der Börse haben können, bringt Kabarettist Mathias Deutschmann auf den Punkt: „Trost für alle, die an der Börse verloren haben: Das Geld ist nicht weg − das hat jetzt nur ein anderer.“ Das beschreibt vortrefflich, welche Auswirkungen ein irrationales Verhalten auf Investitionen hat.

Das ist also das Salz in der Forschungssuppe des Behavioral Finance. Dabei werden alle möglichen Aspekte in unzähligen Studien untersucht, natürlich auch das unterschiedliche Anlageverhalten von Frau und Mann.

3 wichtige Themen der Verhaltensökonomie

Es gibt im Behavioral Finance mehrere Forschungsschwerpunkte. Recency (das langfristige Setzen auf Trends) ist einer. Overconcidence (Selbstüberschätzung) ein weiterer. Ein anderes Beispiel: Vor allem Frauen sagt man gerne nach, emotional zu handeln und das Risiko zu scheuen. Doch eine weitere Erkenntnis des Behavioral Finance ist, dass Frauen den besseren Riecher als männliche Investoren beweisen.

1. Beispiel für Behavioral Finance: Frauen sind erfolgreicher an der Börse

Das zeigt eine Analyse des Kundenverhaltens von 2019 der ING DiBa. Die Online-Bank analysierte die Depots ihrer Kunden mit dem Ergebnis: „Weibliche Privatanleger waren mit durchschnittlich 24,11 Prozent Rendite erfolgreicher als männliche mit 23,5 Prozent.“ Das sie lieber auf Nummer Sicher gehen, belegte der „vergleichsweise hohen Anteil von Fonds in ihren Depots“, so die Studie. Immerhin ist ein Viertel der Anlagen der Investorinnen in Fonds geparkt. Bei den „Herren der Schöpfung“ waren es dagegen nur 18 Prozent. Männer setzen lieber auf Einzelwerte. Der Aktienanteil in ihren Depots betrug zum Zeitpunkt der Untersuchung rund 60 Prozent, bei den Frauen dagegen 53,47 Prozent, schreiben die Studienautoren ING.

Die Erkenntnisse des Geldinstituts, dass Frauen anders agieren als Männer, bestätigen die WissenschaftlerInnen: „Wir stellen fest, dass einige beobachtbare Merkmale wie Kultur, Alter und Unsicherheit von Aktienkursen unterschiedliche Auswirkungen auf die Risikowahrnehmung zwischen Frauen und Männern haben“, schreiben die Experten Dan Zhu, Lynn Hodgkinson und Qingwei Wang im Artikel „Interaktion und Zerlegung von Geschlechterunterschieden in der Wahrnehmung finanzieller Risiken“.

2. Beispiel für Behavioral Finance: Wie uns Neigungen („Biases“) den Kopf verdrehen

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich ist das Behavioral Finance Bias oder auch Home Bias. Diese Theorie geht der These auf den Grund, dass AnlegerInnen geneigt sind, in heimatliche Unternehmen zu investieren. Also die Deutschen in DAX-notierte Werte und die US-Amerikaner in Firmen, die an der Wall Street gehandelt werden. Doch aufgrund der derzeitigen Entflechtung von internationaler Arbeitsteilung ist das gefährlich. Solch einseitige Anlagegeografie birgt in wirtschaftlichen Krisenzeiten ein größeres Risiko als bei einer Diversifizierung des Anlageportfolios.

3. Beispiel: Feeling ist gut, Fakten sind besser

Vor allem PrivatanlegerInnen lassen sich gerne fehlleiten. Sie gehen davon aus, dass sie Entwicklungen am Markt sehr gut einschätzen können und den vollen Durchblick haben. Doch die Realität zeigt, dass es in der Regel anders ist, als die Laien glauben. Das führt zu falschen Entscheidungen.

Beispiel: Läuft eine Aktie gut, warten Privatanleger ab, ob die Aufwärtsbewegung weiter anhält. Dann steigen sie zu einem Zeitpunkt ein, zu dem das Papier richtig teuer ist.

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Der Grund: Sie wollen zwar günstig kaufen, trauen aber den Experten nicht und steigen daher nicht früh ein. Das Ende vom Lied: Der Preis der Aktie steigt. Das Papier ist irgendwann überbewertet. Geht der Kurs dann wieder nach unten, bekommen die Laien kalte Füße und steigen aus, was den Wert der Aktie weiter drückt. Dann sprechen die Experten in den Börsensendungen davon, dass die AnlegerInnen Gewinne mitnehmen. Doch das meist zu spät.

Was du von der Verhaltensökonomik lernen kannst

1. Werde zum Profi und kaufe günstig ein!

Die Profis handeln dann, wenn die Unternehmenszahlen Potenzial ausweisen. Sie kaufen also günstig und verkaufen zu preislichen Spitzenzeiten. Sie beobachten ständig den Markt und sprechen mit Unternehmen und KollegInnen auf der Suche nach neuen Schnäppchen. Oder sie steigen bei gefallenen Kursen in zuvor gut gelaufene Aktie ein. Aber nur dann, wenn das Unternehmen auch in der kommenden Zeit solide Renditen hinlegen könnte. Sie können sich dabei auf die Erkenntnis der Behavioral Finance stützen: Die Herde wird wieder einsteigen, wenn der Kurs nach oben klettert.

Doch eines ist tröstlich. Auch die Profis sind nicht frei von Emotionen und Fehleinschätzungen, wie der Wirecard-Skandal allen vorgeführt hat. Eine gute Story verführt eben. Das zeigt die Menschlichkeit von BörsenmaklerInnen und AnalystInnen.

Extra-Tipp: Wenn du keine Zeit hast, ständig die Börsen-News zu checken, bietet sich ein Sparplan an. So investierst du jeden Monat einen gewünschten Betrag und erhältst automatisch mehr für dein Geld, wenn die Kurse tief sind.

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2. Lass dich nicht von Gier leiten!

Ein weiteres Fehlverhalten, das die Verhaltensökonomik erforscht, konntest du hierzulande während des „Neuen Markt“-Hypes beobachten. In dieser Ära trieb die Gier die AnlegerInnen in völlig riskante Geschäfte.

Wie die „Lemminge“ stürzten sich völlig unerfahrene Menschen in Investments. Hauptsache dabei sein. Die Herde trieb sich dabei selbst Richtung Abgrund. Das heißt fachsprachlich „Herding“. Wenn einer läuft, laufen die anderen hinterher. Diejenigen, die diese Erkenntnisse in ihre Investitionen einbeziehen, schwimmen am Ende häufig gegen den Strom. Sie scheren also aus dem Herdenverhalten aus. Schon kennst du eine Theorie des Behavioral Finance. „Der Laie folgt gerne der Herde.“ Denn was eine Menge Menschen macht, kann ja nur richtig sein. Oder eben nicht!

Geschäftliche Kennzahlen wie Umsätze oder Gewinne zählen dann nicht, Hauptsache der Business-Plan klingt nach einer guten Story. Laien sehen sich dann schnell auf Augenhöhe mit den ExpertInnen und interpretierten die Fakten nach Gusto (was die Wissenschaft als Framing-Effekt definiert, ein weiterer Teilbereich des Behavioral Finance). Das verhindert das rechtzeitige Abstoßen der Papiere. Beim Neuen Markt verloren dadurch viele Menschen am Ende Haus und Hof.

Rainer Riess, damals Geschäftsführer der Frankfurter Börse, zog im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Bilanz des Scheiterns: „In erster Linie gab es eine kollektiv falsche Einschätzung der New Economy. Daran waren alle Marktteilnehmer beteiligt: Investmentbanker, private und institutionelle Investoren, Anlageberater, Presse − und auch wir.“

Ein anschauliches Beispiel für Behavioral Finance ist Lotto. Wir alle wissen, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, dadurch zum Millionär zu werden. Die Quote steht sogar auf den Lottozetteln. Doch jede Woche pilgern Millionen Menschen zu Lotto-Annahmestellen und zahlen für den Traum vom Reichsein.

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3. Kühlen Kopf bewahren und loslegen

Würdest du es schaffen, dich genauso zu disziplinieren wie die Profis, wäre das Risiko des Verlusts sehr viel geringer. Ein Vorteil, den Frauen gut als Investorinnen ausspielen könnten, würden sie sich denn trauen. Du kannst ja klein anfangen, mit einem kostenlosen Depot und etwas „Spielgeld“. Würdest du dann noch berücksichtigen, dass Emotionen und Gier schlechte Berater sind, hast du die Erkenntnisse der Behavioral Finance bravourös umgesetzt.

herMoney Tipp

 

Unser Zinseszinsrechner zeigt dir, wie du mit kleinen Beträgen ein ordentliches Sümmchen ansparen kannst. So kannst du ausrechnen, wie viel Rendite ein Sparplan von beispielsweise 100 Euro pro Monat über die Jahre hinweg einbringen könnte.

Zum Weiterlesen: Für Börsenneulinge eignen sich etwa ETFs. Wie die funktionieren, erklären wir dir in unserem ETF-Guide.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchen Sie ein Depot. Das können Sie bei Ihrer Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kaufen Sie nicht irgendwelche Fonds. Machen Sie sich erst Gedanken, wie Ihr Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfahren Sie hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lesen Sie es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit Ihr Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb sollten Sie einmal pro Jahr prüfen, ob Ihr Depot noch Ihrem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalten Sie einen kühlen Kopf und sitzen Sie die Kursschwankungen einfach aus. Ganz mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

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Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.