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Short-ETF: Sinnvoll für Renditejägerinnen oder zu riskant?

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Mariam Misakian

16. Februar 2023

Mit Short-ETFs kannst du auf fallende Kurse wetten und dein Depot absichern. Die Risiken darfst du allerdings nicht unterschätzen.

Inhalt

Short-ETFs: Das Wichtigste in Kürze

Short-ETFs bilden die Kurse von Indizes invers ab, also spiegelbildlich. Es gibt Short-ETFs auf den DAX, auf den Nasdaq, auf den S&P 500 und auf viele andere Indizes.

Bei der täglichen Neuberechnung entstehen Abweichungen. Langfristig entwickelt sich ein Short-ETF deshalb nicht genau gegenteilig zu seinem Basisindex.

Mit Short-ETFs kannst du dein Depot kurzfristig absichern oder strategisch auf fallende Märkte setzen.

Short-ETFs sind nur für fortgeschrittene Anlegerinnen zu empfehlen, da sie sehr spekulativ und riskant sind.

An den Aktienmärkten geht es nicht nur rauf, sondern auch runter. Das dürfte jeder Anlegerin bewusst sein, die sich auf das Börsenspiel einlässt. Und trotzdem hast du das Herzflattern vielleicht schon einmal erlebt, wenn dein Depot gerade wieder einen Schlenker nach unten macht. Der Verstand weiß: Das musst du aussitzen, langfristig steigt das Depot wieder im Wert. Doch der Bauch mahnt: Was, wenn sich der Kurs nicht erholt? Was, wenn ich noch mehr Geld verliere? Gerade zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 waren viele Anlegerinnen verunsichert.

Wenn es dir schwerfällt, fallende Kurse einfach nur auszusitzen, hast du mit Short-ETFs eine Möglichkeit, dein Portfolio aktiv dagegen abzusichern.

Wie funktioniert ein Short-ETF?

Short-ETFs bilden die Entwicklung des ihnen zugrunde liegenden Index invers ab, also umgekehrt. Fällt der Kurs des Index, auf dem ein Short-ETF basiert, um zehn Prozent, steigt der Short-ETF grob um zehn Prozent. Genauso umgekehrt: Gewinnt der Basisindex an Wert, fällt der Kurs des zugehörigen Short-ETF. Für dich bieten diese Instrumente also eine Möglichkeit, dich gegen fallende Kurse abzusichern.

Was ist ein Short-DAX-ETF?

Wenn du in einen ETF investieren willst, der den DAX spiegelverkehrt abbildet, kannst du einen Short-DAX-ETF kaufen. Aber Achtung: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, den DAX zu „shorten“, also darauf zu setzen, dass er fällt.

Zum einen kannst du einen ungehebelten Short-ETF nehmen, der den Kurs des DAX spiegelverkehrt abbildet (zum Beispiel Xtrackers ShortDAX Daily Swap UCITS ETF, WKN: DBX1DS). Zum anderen hast du die Möglichkeit, einen Short-ETF mit einem Hebel zu kaufen (etwa Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap UCITS ETF, WKN: DBX0BY). Dieser Short-ETF vollzieht die Bewegung des DAX nicht nur spiegelbildlich, sondern mit doppelter Kraft nach. So verdoppelst du deinen Gewinn – allerdings auch deinen Verlust, wenn der DAX nicht fällt, sondern steigt.

Natürlich gilt das nicht nur für den DAX. Auch von Short-ETFs auf andere Indizes gibt es gehebelte Versionen (zum Beispiel der Lyxor Nasdaq 100 Daily (2x) Leveraged UCITS ETF – Acc, WKN: A0LC12). Es werden sogar Produkte mit noch größerem Hebel offeriert, die die Indexentwicklung um das Vier- oder Sechsfache spiegelbildlich nachzeichnen. Auch für den Short-DAX gibt es eine vierfach-gehebelte Index-Variante (Short DAX x4 Index, WKN: A0SNAL), einen ETF darauf gibt es aber nicht.

Gehebelte ETFs sind riskant, daher solltest du sie nur mit großer Vorsicht einsetzen.

Welche Short-ETFs gibt es?

Es gibt Short-ETFs auf Basis vieler verschiedener Indizes, zum Beispiel des S&P 500, des Nasdaq, des Dow Jones oder des MSCI World. Du kannst nicht nur Aktienindizes shorten – auch auf Anleihe-Barometer werden Short-ETFs angeboten, ebenso auf Rohstoffindizes.

Short-ETFs

Generated by wpDataTables

Short-ETFs auf den DAX-Index

Generated by wpDataTables

Legende: Bewertung: 5 = top, 1 = schlecht, Replikation: Nachbildung des Index
Quelle: Morningstar, 16.02.2023

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Diese Vorteile haben Short-ETFs auf DAX und Co.

Mit einem Short-ETF kannst du von sinkenden Kursen profitieren. „Ein ETF bietet die Chance, das Depot gegen fallende Kurse abzusichern. Oder sogar ganz gezielt auf einen Crash zu wetten“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

In turbulenten Marktphasen oder während einer geopolitischen Krise kannst du so im Idealfall Gewinne erzielen, obwohl die Börsen abstürzen. Der Short-DAX beispielsweise gewann während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 an Wert, während der reguläre DAX um 40 Prozent verlor. Auch zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 wäre ein Short-ETF auf den DAX lukrativ gewesen, weil sein Kurs zu dieser Zeit in den Keller ging.

Ein weiterer Vorteil: Short-ETFs sind in den meisten Fällen sehr günstig und schon ab einer Gesamtkostenquote von 0,30 Prozent pro Jahr zu bekommen. Ähnlich wie ETFs kannst du inverse ETFs zudem flexibel handeln und schnell kaufen und wieder verkaufen.

Im Gegensatz zu anderen sogenannten Derivaten wie Optionsscheinen, Faktor- oder Knock-out-Zertifikaten, mit denen AnlegerInnen ebenfalls auf fallende Kurse setzen können, haben Short-ETFs kein Emittentenrisiko. Das bedeutet: Als Sondervermögen ist dein investiertes Geld geschützt, wenn der Emittent des ETFs zahlungsunfähig ist.

Warum inverse ETFs so riskant sind

Neben all den Chancen bergen inverse ETFs allerdings auch erhebliche Risiken. Einen inversen ETF zu kaufen und langfristig zu halten, würde dir in jedem Fall herbe Verluste einbringen.

Langfristig entwickeln sich die Märkte nämlich positiv. So haben etwa Indizes wie der MSCI World, der S&P 500, der Euro STOXX 50, der Nasdaq oder der DAX über lange Zeiträume hinweg stets an Wert gewonnen. Mit einem Short-ETF spekulierst du somit gegen den langfristigen Trend. „Es ist eine Wette gegen die Marktentwicklung und gegen das eigene Sparen“, erklärt Verbraucherschützerin Oelmann.

Short-ETFs sind nur für kurzfristige Einsätze gedacht. Damit du mit einem inversen ETF eine Chance auf Gewinn hast, musst du also zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Index shorten. Allerdings gelingt das ohne Kristallkugel den wenigsten mit Erfolg. „Niemand kann mit Sicherheit voraussagen, wann die Aktienkurse fallen und wie lange ein Crash andauern wird“, warnt Oelmann. Short-ETFs gehören deshalb zu den besonders risikoreichen Finanzprodukten.

Vorsicht, Pfadabhängigkeit!

Einer der größten Nachteile inverser ETFs ist ihre sogenannte Pfadabhängigkeit. Sie entsteht dadurch, dass Short-ETFs jeden Tag neu berechnet werden. Weil sich zugleich der Basiswert durch Schwankungen jeden Tag ändert, können sich schon nach wenigen Tagen deutliche Unterschiede zwischen Basisindex und Short-ETF ergeben.

Ein Rechenbeispiel:

Der Kurs des DAX fällt an einem Handelstag um zwei Prozent von 10.000 Punkte auf 9.800 Punkte. Somit steigt der Short-ETF auf den DAX um zwei Prozent. Bei einer Investition von 100 Euro liegt der Wert des Kapitals dann bei 102 Euro. Am darauffolgenden Börsentag steigt der DAX allerdings wieder auf 10.000 Punkte und ist somit zurück auf seinem Ausgangswert. Um diesen zu erreichen, musste er – von den 9.800 Punkten ausgehend – um 2,04 Prozent zulegen.

Veränderung DAX Veränderung Short-DAX-ETF Kurs Short-DAX-ETF Startkurs: 100 Euro
Tag 1 fällt um 2 % von 10.000 auf 9800 Punkte steigt um 2% 102,00Euro
Tag 2 steigt um 2 % von 9800 auf 10.000 Punkte fällt um 2 % 99,96 Euro
Tag 3 Fällt um 2 % von 10.000 auf 9800 Punkte steigt um 2 % 101,96 Euro
Tag 4 steigt um 2 % von 9800 auf 10.000 Punkte fällt um 2 % 99,92 Euro

Der Short-DAX-ETF bildet diese Entwicklung umgekehrt nach. Er zeigt die prozentuale tägliche Veränderung des DAX.

Fällt nun der Basiswert erneut und steigt dann wieder auf sein ursprüngliches Ausgangsniveau von 10.000 Punkten, verliert unser fiktive Short-DAX-ETF und hat am Ende des 4. Tages 2,08 Euro eingebüßt. Während der DAX also bei seinem Ausgangswert ist, landet der Short-ETF bei rund 99,92 Euro. Er hat somit allein durch die Schwankung Verlust gemacht. Sprich, wenn die Kurse seitwärts tendieren, verlierst du Geld. Über die Zeit hinweg können sich die Verluste schnell summieren.

Die auf den ersten Blick einfache Rechnung geht bei Short-ETFs also nicht auf. Nur weil der zugrunde liegende Index in einem Monat zehn Prozent an Wert verloren hat, liegst du als Anlegerin mit deinem inversen ETF nicht automatisch am Ende dieses Monats mit zehn Prozent im Plus – denn die Veränderung wird täglich neu berechnet.

Für wen sind Short-ETFs sinnvoll?

Inverse ETFs sind eine hochspekulative, risikoreiche und komplexe Variante börsengehandelter Indexfonds. Für risikoscheue AnlegerInnen und für AnfängerInnen sind sie somit nicht das richtige Anlageinstrument. Ebenso wenig für AnlegerInnen, die selten einen Blick in ihr Portfolio werfen. „Wenn überhaupt, sind Short-ETFs nur für sehr erfahrene Anlegerinnen geeignet, die den Markt kontinuierlich beobachten und kurzfristig reagieren“, erklärt Heike Fürpaß-Peter, Leiterin von Lyxor Deutschland, einem der größten ETF-Anbieter in Europa.

Verbraucherschützerin Oelmann geht noch weiter: „Short-ETFs sind eine Anlageform für Zockerinnen, da sie sehr riskant und spekulativ ist“, sagt die Expertin. Früher seien Short-ETFs daher institutionellen InvestorInnen vorbehalten gewesen. Auch wenn das inzwischen anders ist: „Anlegerinnen, die an einer soliden, langfristigen Vermögensbildung interessiert sind, sollten von solchen Exotenfonds eher die Finger lassen“, mahnt Oelmann.

So sicherst du dein Depot mit Short-ETFs ab

Dich schrecken die Risiken nicht und du hast „Spielgeld“, auf das du auch verzichten könntest? Wenn du in Short-ETFs investieren willst, solltest du ein paar Punkte beachten. Der wichtigste: Short-ETFs sind immer nur für kurzfristige Wetten auf sinkende Marktwerte geeignet. Kaufe sie niemals, um sie über längere Zeit hinweg zu halten – damit machst du zwangsläufig Verlust. Die Pfadabhängigkeit und die tendenziell steigenden Kurse der „normalen“ Indizes fressen dir andernfalls schnell ein Loch ins Portemonnaie.

Das richtige Timing für einen Kauf und einen Verkauf ist schwierig zu bestimmen. Allerdings hat jeder Index auch Phasen, in denen er fällt. Ein guter Zeitpunkt zum Investieren ist immer dann, wenn sich eine Krise oder ein Abwärtstrend anbahnt – ähnlich wie zu Beginn der Covid-19-Pandemie im März 2020. Du solltest deine Fühler für das wirtschaftliche und politische Weltgeschehen also stets ausgestreckt halten, um solche Entwicklungen früh genug zu erspähen.

Lyxor-Chefin Fürpaß-Peter empfiehlt außerdem, mit Short-ETFs nur auf liquide Standardmärkte zu setzen und damit nicht in kleineren, illiquideren Märkten zu investieren. Je kleiner der Markt, desto stärker sind nämlich oft die Schwankungen. Und für Short-ETFs sind hohe Schwankungen Gift: „Umso volatiler der Kurs, desto mehr Verluste machen Anlegerinnen durch die Pfadabhängigkeit“, erläutert die Expertin.

Noch ein Tipp der Expertin: Vor dem Kauf eines Short-ETFs solltest du dir konkrete Ziele für das Investment setzen. Welchen Zeitrahmen willst du dir geben? Eine Woche oder zwei? Ab welchem Gewinn möchtest du verkaufen und wie viel Verlust würdest du schlimmstenfalls hinnehmen? Wie bei anderen Geldanlageinstrumenten auch helfen dir vorher festgesetzte Ziele, nicht Opfer deiner eigenen Gefühle wie Angst oder Gier zu werden.

herMoney Tipp

Du kannst dein Depot auch mit weniger riskanten Mitteln absichern als mit Short-ETFs. Zum Beispiel kannst du auf deine regulären ETFs Stop-Loss-Orders setzen. Dabei legst du fest, welchen Verlust du bereit wärest, zu tolerieren. Ist die Order eingerichtet, verkauft dein Broker deine ETF-Anteile automatisch, sobald ihr Wert unter die festgelegte Schwelle gefallen ist.

So bewahrst du dich selbst vor Fehlentscheidungen in einem emotionalen Moment und musst auch in wackeligen Marktphasen nicht ständig in dein Depot schauen. Befindest du dich in einem Bärenmarkt mit steigenden Kursen, kannst du Trailing-Stop-Loss-Orders einsetzen. Dabei wird die Verkaufsschwelle immer wieder nach oben nachgezogen, sodass zwischenzeitliche Kursgewinne abgesichert sind. Wie genau Stop-Loss-Orders funktionieren, erfährst du hier.

 

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Mariam Misakian verfasst und 2023 durch Christiane Habrich-Böcker und Saskia Weck aktualisiert.

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Mariam Misakian

Mariam Misakian hat Germanistik und Anglistik studiert, bevor sie zum Wirtschaftsjournalismus fand. Heute schreibt sie für unterschiedliche Medien über Finanz-, Wirtschafts- und Karrierethemen. Frauen die Berührungsängste hinsichtlich Finanzthemen zu nehmen, liegt ihr dabei besonders am Herzen.

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