Du bist alleinerziehend und am Monatsende ist das Geld meist knapp? Dann prüfe, ob du die Steuerfreibeträge bereits voll ausschöpfst!

Alleinerziehende Mütter leisten so unglaublich viel. Das war schon vor Corona so. Und während der Krise verschärfte sich ihre Lage nochmals. Job, Haushalt, Rundum-Betreuung des Kindes, Freizeitgestaltung auf 50 Quadratmetern, Homeoffice und Homeschooling in einem Raum … Außerdem machen alleinerziehende Mütter oft berufliche Abstriche. Der Vollzeitjob mit (Klein-)Kind ist schwer zu realisieren. Sicher ein Grund, warum alleinerziehende Eltern oft in Teilzeit arbeiten und dementsprechend wenig verdienen.

Kurz: Kinder sind etwas Wunderbares. Doch die Situation der kleinen Familien ist für alle extrem anstrengend und die Finanzlage alles andere als rosig. Der Staat möchte hier für eine „Entlastung“ sorgen und räumt Alleinerziehenden höhere Freibeträge bei der Steuer ein.

Inhalt

Was ist der „Entlastungsbetrag für Alleinerziehende“?

Wie hoch ist der Freibetrag für Alleinerziehende?

Ich bin alleinerziehend – wie erhalte ich den Steuerfreibetrag?

Wem steht der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu?

Warum der Alleinerziehendenentlastungsbetrag manchmal mehr schadet als nützt

Das Wichtigste über den Alleinerziehendenentlastungsbetrag

Alleinerziehende mit einem Kind können 4.008 Euro von der Steuer abziehen (= Alleinerziehendenentlastungsbetrag). Für jedes weitere Kind kommen 240 Euro dazu.

Wenn du selbstständig bist, kannst du den Alleinerziehendenentlastungsbetrag in der Steuererklärung beantragen. Nutze dafür die Anlage „Kind“.

Als angestellte Alleinerziehende wird ein Teil des Steuerfreibetrags bereits bei der Lohnabrechnung berücksichtigt. Die Corona-Erhöhung für 2020 und 2021 musst du bei deinem Finanzamt beantragen. Dasselbe gilt, wenn du mehrere Kinder hast und der Freibetrag höher ausfällt.

Was ist der „Entlastungsbetrag für Alleinerziehende“?

Der sogenannte Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG) ist ein Steuerfreibetrag, der die Probleme alleinerziehender Elternteile – zu 90 Prozent Frauen – berücksichtigt. Der Freibetrag reduziert steuerpflichtige Einkünfte und senkt die Steuerlast. Vom Entlastungsbetrag profitieren laut BMFSFJ rund eine Million erwerbstätige Alleinerziehende und ihre Kinder.

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Wie hoch ist der Freibetrag für Alleinerziehende?

„Der Entlastungsbetrag lag seit 2015 bei 1.908 Euro im Jahr für das erste Kind und weiteren 240 Euro für jedes weitere Kind“, erklärt Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH). „Seit 2020 können Alleinerziehende 4.008 Euro als Entlastungsfreibetrag geltend machen. Die 240 Euro für jedes weitere Kind bleiben bestehen.“

Bei zwei Kindern steigt der Freibetrag für Alleinerziehende also auf 4.248 Euro. Das bedeutet: Du kannst pro Monat 354 Euro deiner Einnahmen behalten, ohne das Geld versteuern zu müssen.

Und dabei wird es erst einmal auch bleiben. Im Jahressteuergesetz 2020 wurde der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende ab dem Jahr 2022 dauerhaft auf 4.008 Euro angehoben.

Ich bin alleinerziehend – wie erhalte ich den Steuerfreibetrag?

Den Freibetrag für Alleinerziehende machen Eltern entweder über die Einkommensteuer oder Lohnsteuerklasse II und ELStAM (elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) geltend.

1. Den Entlastungsbetrag über die Einkommensteuererklärung geltend machen

Hier rechnest du den Alleinerziehendenentlastungsbetrag einmal pro Jahr mit deiner Steuererklärung ab. Bei der Vergleichsrechnung zwischen Kindergeld und den Freibeträgen für Kinder bleibt der Entlastungsbetrag unberücksichtigt. Er reduziert nur die Summe deiner steuerpflichtigen Einkünfte und dadurch sinkt die Steuerlast.

Jetzt fragst du dich vielleicht, wo du den Alleinerziehendenentlastungsbetrag eintragen kannst. Du findest das entsprechende Feld in der Anlage „Kind“ deiner Steuererklärung.

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2. Den Entlastungsbetrag über die Steuerklasse geltend machen

Als Arbeitnehmerin kannst du die Entlastung mit jedem Gehaltseingang geltend machen. Und zwar beim monatlichen Lohnsteuerabzug.

Der Grund-Freibetrag von 1.908 Euro für das erste Kind ist hier bereits berücksichtigt. Die weiteren Freibeträge nicht. „Der Corona-Erhöhungsbetrag ist als zusätzlicher Freibetrag ausgestaltet und deshalb neben der Steuerklasse II als ELStAM (elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale) beim Wohnsitzfinanzamt zu beantragen“, erklärt Georgiadis VLH. „Dasselbe gilt für den Zusatz-Entlastungsbetrag von 240 Euro für jedes weitere haushaltszugehörige Kind, der auch in das Lohnsteuerermäßigungsverfahren aufgenommen ist.“

Wem steht der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu?

Vom steuerlichen Vorteil sollen alleinerziehende Mütter und Väter profitieren. Um den Freibetrag geltend zu machen, solltest du folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Du lebst mit deinem Kind in einer gemeinsamen Wohnung.
  • Dir steht Kindergeld oder der Kinderfreibetrag für das Kind zu.
  • Du bist unverheiratet, verwitwet oder lebst seit dem vorangegangenen Veranlagungszeitraum dauernd getrennt.
  • Wichtig: Es muss sich nicht um dein leibliches Kind handeln. Für ein Adoptiv-, Pflege-, Stief- oder Enkelkind gilt die Regelung auch.

Was ist zu tun, wenn man nicht mehr berechtigt ist?

Du ziehst mit deinem neuen Partner zusammen? Dann bist du nicht mehr alleinerziehend und hast keinen Anspruch auf den steuerlichen Vorteil. „Wenn die Berechtigung für den Entlastungsbetrag entfallen ist, sollte man möglichst umgehend seine Lohnsteuerklasse ändern lassen“, rät die VLH. Und weiter: „Hierzu besteht eine gesetzliche Verpflichtung.“ Es ist bekannt, dass Vater Staat bei Steuerthemen keinen Spaß versteht!

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Achtung: Kein Freibetrag für Alleinerziehende mit WG-Partner*innen

Alleinerziehende haben in der Regel die Steuerklasse II mit entsprechenden Vergünstigungen.

Voraussetzung ist, dass sie alleine mindestens ein Kind betreuen und erziehen. Ob du geschieden, ledig, verwitwet oder von deinem Partner dauerhaft getrennt lebst, ist nicht relevant.

Aber wer gilt steuerlich als alleinerziehend?

Für den Gesetzgeber etwa bist du nicht mehr alleinerziehend, wenn du mit deinem Kind und anderen volljährigen Personen zusammenlebst. „Wer mit seinem Lebensgefährten oder seiner Lebensgefährtin, der eigenen Mutter, dem volljährigen Bruder oder mit WG-Genossen in einem Haushalt lebt, dem steht kein Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zu“, bestätigt Georgiadis vom VLH. „Anders ist das mit eigenen Kindern: Lebt ein alleinerziehender Vater oder eine alleinerziehende Mutter mit einem oder mehreren volljährigen Kindern zusammen, für die ein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag besteht, wird der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für ein minderjähriges Kind in der Regel gewährt, solange die übrigen Bedingungen zutreffen.“

Was „alleinstehend“ für den Staat genau bedeutet, ist im Paragraphen 24b, Abs 3 EStG definiert.

Was gilt beim Wechselmodell?

Wer mit dem Ex-Partner das Wechselmodell nutzt, gilt als alleinerziehend. Doch wer erhält bei der 50:50-Regelung den Freibetrag? Prinzipiell der Elternteil, bei dem das Kind gemeldet ist. Ist euer Kind bei beiden gemeldet, geht der Entlastungsbetrag an den Elternteil, der das Kindergeld erhält.

Unter bestimmten Umständen – wie beim Wechselmodell – könnt ihr eigene privatwirtschaftliche Absprachen treffen. Ihr könnt untereinander bestimmen, wem der Entlastungsbetrag zustehen soll. Trotzdem wird der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nur einem Elternteil ausbezahlt.

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Warum der Alleinerziehendenentlastungsbetrag manchmal mehr schadet als nützt

Die einen beklatschen die Steuerentlastung, andere haben Nachteile. Die höhere Steuerentlastung für Alleinerziehende bringe Einbußen beim Wohngeld für Alleinerziehende mit kleinsten Einkommen, sagt der Verein alleinerziehende Mütter und Väter (VMVA).

In einem offenen Brief fordern der VAMV, die AGIA (Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehender), die SHIA (Selbsthilfeinitiativen Alleinerziehender. V.) und die Diakonie entsprechende Korrekturen beim Wohngeldgesetz.

Bei der Wohngeldberechnung wird es honoriert, Lohnsteuern zu zahlen, schreiben sie. Für Alleinerziehende, die ein so geringes Einkommen haben, dass sie wegen der höheren Steuerklasse II gar keine Lohnsteuern mehr zahlen, kann diese Steuerersparnis Verluste beim Wohngeld bringen. Und sollte das Wohngeld ganz entfallen, bricht damit auch das Bildungs- und Teilhabepaket weg (Quelle: VAMV).

Die Alleinerziehenden-Vertreter fordern eine Ergänzung des entsprechenden Paragraphen beim Wohngeldgesetz, damit Alleinerziehende mit kleinsten Einkommen nicht durchs Raster fallen. „Denn die Steuerentlastung dürfe nicht ausgerechnet für Alleinerziehende mit kleinsten Einkommen zum Eigentor werden.“

herMoney-Tipp

Alleinerziehende können jeden zusätzlichen Euro brauchen. Wenn du Probleme bei der Beantragung des Alleinerziehendenentlastungsbetrag hast, kontaktiere die VLH oder deinen Steuerberater und lass dir einmalig beim Antrag helfen.

Zum Weiterlesen: Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Wir erklären dir hier, wie du die Kinderbetreuungskosten absetzen kannst. Außerdem verrät dir die Bloggerin Christiane Finke hier, wie Alleinerziehende die Armutsfalle umgehen können. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, Unterhaltsvorschuss oder den Kinderzuschlag zu beantragen.