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Aktien-ABC: So berechnest du die Wachstumsrate (CAGR) eines Unternehmens

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Simin Heuser

5. September 2023

CAGR entschlüsselt: Wie du das langfristige Wachstumspotenzial von Aktien bewertest und die Kennzahl für dich nutzt.

Inhalt

Wachstumsrate berechnen: Das Wichtigste in Kürze

Die CAGR zeigt das durchschnittliche jährliche Wachstum eines Investments und berücksichtigt den Zinseszinseffekt.

Mit der richtigen Formel ist die CAGR-Berechnung einfach. Sie basiert auf Anfangs- und Endwert und der betrachteten Zeitspanne.

Die CAGR glättet Schwankungen und gibt einen klaren Überblick über die Performance eines Investments über die Zeit.

Die CAGR sollte nicht allein betrachtet werden. In Kombination mit anderen Aktienkennzahlen wie dem P/E oder der Dividendenrendite erhältst du ein vollständiges Bild.

Du vertraust bei der Auswahl von Aktien am liebsten auf dein Bauchgefühl? Verständlich! Wahrscheinlich bist du damit auch nicht allein. Es kann sich aber durchaus lohnen, sich auch mal mit den technischen Details und Kennzahlen auseinanderzusetzen. Sobald du das gemacht hast, wirst du sehen, dass es eigentlich gar nicht so kompliziert ist.

Definition: Was ist die Wachstumsrate (CAGR)?

Die Abkürzung „CAGR“ steht für „Compound Annual Growth Rate“, zu Deutsch: zusammengesetzte jährliche Wachstumsrate. Per Definition handelt es sich also um eine Kennzahl, die das durchschnittliche jährliche Wachstum eines Investments über einen bestimmten Zeitraum misst. Dabei wird berücksichtigt, dass Gewinne im Laufe der Zeit reinvestiert werden, wodurch ein Zinseszinseffekt entsteht.

Das Besondere am CAGR ist, dass es ein glattes jährliches Wachstum zeigt, unabhängig von den Schwankungen, die während des betrachteten Zeitraums auftreten können. Es gibt AnlegerInnen also einen klaren Überblick darüber, wie gut ein Investment im Laufe der Zeit performt hat, ohne dass kurzfristige Schwankungen das Bild verzerren.

Ein praktisches Beispiel für die Wachstumsrate

Deine Freundin hat einen kleinen Laden, in dem sie Strickutensilien verkauft. Sie ist nicht besonders ordentlich mit ihren Büchern, kennt aber die Verkaufszahlen von 2016 und 2021. Mit diesen beiden Zahlen lässt sich bereits die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate berechnen. Das Resultat der CAGR-Analyse zeigt in Prozent, um wie viel der analysierte Wert durchschnittlich jedes Jahr zugenommen hat.

Du siehst: Die zu analysierende Variable kann durchaus variieren. Obwohl die CAGR in der Aktienbewertung häufig vorkommt, muss die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate nicht unbedingt auf Bilanzdaten oder der Gewinn- und Verlustrechnung basieren. Aspekte wie Verkaufszahlen oder Webseitenbesuche können ebenfalls wertvolle Informationen liefern.

Dabei gilt: Die CAGR eignet sich vor allem für Daten mit geringen Schwankungen und zur ersten Orientierung. Je länger der betrachtete Zeitraum, desto aussagekräftiger wird die Kennzahl. Bei einem unstetigen Grundwert, kurzen Analysezeiträumen oder negativen Daten verliert die CAGR jedoch an Bedeutung. Sie eignet sich daher nicht zur Risikobewertung oder zum endgültigen Vergleich verschiedener Investitionsoptionen.

Wachstumsrate (CAGR) berechnen

Manuelle CAGR-Berechnung mit einer Formel

Die Berechnung des CAGR mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen. Aber keine Sorge, mit der richtigen Formel kriegen wir die Wachstumsrate schnell heraus! Um die CAGR zu ermitteln, teilt man den festgelegten Endwert durch den Anfangswert. Der Endwert steht dabei für den Wert des Investments am Ende des betrachteten Zeitraums. Der Anfangswert ist der Wert des Investments zu Beginn des Zeitraums.

Das „n“ in den nachstehenden Gleichungen zeigt uns, wie viele Jahre wir zurückreisen. Wenn du zum Beispiel 2015 angefangen hast zu investieren und 2020 schauen willst, wie’s gelaufen ist, dann sind das 5 Jahre – also ist n 5.

N = letztes betrachtetes Jahr – erstes betrachtetes Jahr

Wenn nun du den Wert von 2020 durch den von 2015 teilst, siehst du, wie viel Wachstum du insgesamt hattest. Über die n-te Wurzel teilen wir dieses Wachstum auf jedes Jahr auf. Und wegen des Zinseszinses können wir nicht einfach durch die 5 Jahre teilen. Zum Schluss ziehen wir noch 1 ab und multiplizieren mit 100 – und voilà, schon haben wir unseren Prozentsatz.

Da rein mathematisch der Exponent „1 durch n“ identisch ist mit der n-ten Wurzel, kann man die Formel auch wie folgt darstellen:

Ein praktisches Beispiel für die CAGR-Berechnung

Stell dir vor, du hast vor 5 Jahren in eine Aktie investiert, die damals 100 Euro wert war. Heute sind es 200 Euro. Um die Wachstumsrate zu berechnen, setzt du die Werte in die Formel ein:

Das ergibt ein CAGR von etwa 14,87 %. Das bedeutet, dass deine Investition im Durchschnitt jedes Jahr um 14,87 % gewachsen ist.

Sonderfall: CAGR-Berechnung bei negativen Werten

Manchmal will die CAGR-Formel aufgrund ihrer mathematischen Beschaffenheit nicht so, wie wir es gerne hätten. Vor allem, wenn der Startwert negativ ist, kann sie uns keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Schauen wir uns verschiedene Kombinationen von Anfangs- und Endwerten an und checken, wann die CAGR-Formel uns im Stich lässt.

Ein einfaches Beispiel: Wenn du mit einem Startwert von null beginnst und er dann steigt, kommst du bei der Rechnung „Endwert geteilt durch Startwert“ ins Straucheln. Warum? Weil du durch Null teilst, und das geht in der Mathematik einfach nicht. Das Ergebnis wäre unendlich groß, und das hilft uns nicht wirklich weiter, wenn wir ein Unternehmen bewerten wollen.

Anfangswert Endwert Formel
Positiv Positiv Anwendbar
Positiv Null Anwendbar
Positiv Negativ Nicht anwendbar
Null Positiv Nicht anwendbar
Negativ Positiv Nicht anwendbar
Negativ Null Nicht anwendbar
Negativ Negativ Anwendbar bei steigenden Werten, nicht anwendbar bei sinkenden Werten

Beispiel: Berechnung der Wachstumsraten von Apple und Amazon im Vergleich

Angenommen, du hättest 2010 genau 1.000 US-Dollar in Apple und Amazon investiert. Jetzt möchtest du wissen, welche Aktie dir innerhalb von zehn Jahren die höhere Wachstumsrate beschert hat.

Betrachtungszeitraum 10 Jahre (2010 bis 2020)
Investition 2010 Jeweils 1.000 Euro
Endbetrag Apple 2020 12.602 Euro
Endbetrag Amazon 2020 18.072 Euro

CAGR Apple:

CAGR Amazon:

Insgesamt ist die CAGR von Amazon also um fünf Prozentpunkte höher als die von Apple und in diesem Fall der Gewinner.

CAGR-Rechner für Excel

Excel ist ein mächtiges Werkzeug, wenn es um Finanzberechnungen geht. Auch die CAGR lässt sich mit wenigen Schritten einfach ermitteln. Hier haben wir für dich eine Excel-Vorlage erstellt, in der wir die CAGR-Formel hinterlegt haben. Diese Vorlage kannst du als Online-Rechner für die CAGR verwenden. Oder du folgst unserer Anleitung:

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Daten eingeben: Trage den Anfangswert deines Investments in eine Zelle (z.B. A1) und den Endwert in eine andere Zelle (z.B. A2) ein. In einer dritten Zelle (z.B. A3) gibst du die Anzahl der Jahre des betrachteten Zeitraums ein.
  2. Formel verwenden: Klicke auf eine leere Zelle, in der du die CAGR anzeigen möchtest. Gib dort folgende Formel ein: „=(A2/A1)^(1/A3)−1“
  3. Ergebnis anzeigen: Nachdem du die Formel eingegeben hast, drücke Enter. Excel berechnet nun automatisch die CAGR und zeigt es in der ausgewählten Zelle an.

Wachstumsrate mit Excel berechnen: Ein praktisches Beispiel

Angenommen, du hast die Werte aus dem vorherigen Beispiel: Anfangswert 100 Euro in Zelle A1, Endwert 200 Euro in Zelle A2 und die Zeitspanne von 5 Jahren in Zelle A3. Nach Eingabe der Formel in Zelle A4 zeigt Excel dir die CAGR von etwa 14,87 % an.

Wo findet man die CAGR einer Aktie?

Du möchtest den einfachen Weg gehen und statt einer eigenen Berechnung lieber auf die Profis vertrauen? Eigene Berechnungen tragen sicher dazu bei, ein tieferes Verständnis für die Kennzahlen und die dahinterliegenden Daten zu entwickeln. Eine eigene Berechnung kann zusätzlich dann hilfreich sein, wenn du spezifische Zeiträume betrachten möchtest, die für deine Investitionsstrategie relevant sind. Wenn du aber nur eine schnelle Information benötigst, kannst du auch auf andere Quellen zurückgreifen. Die CAGR einer Aktie wird häufig an verschiedenen Stellen veröffentlicht:

  1. Geschäftsberichte: Viele Unternehmen geben in ihren jährlichen Geschäftsberichten die CAGR für bestimmte Zeiträume preis, insbesondere wenn sie stolz auf ihr Wachstum sind. Diese Berichte sind in der Regel auf den offiziellen Websites der Unternehmen im Bereich „Investor Relations“ zu finden.
  2. Finanzportale: Es gibt zahlreiche Online-Finanzportale und -dienste, die Finanzdaten und Kennzahlen für eine Vielzahl von Aktien bereitstellen. Websites wie Bloomberg, Yahoo Finance oder Finanzen.net bieten oft detaillierte Finanzanalysen, einschließlich der CAGR.
  3. Börsen-Apps: Viele Börsen-Apps, die AnlegerInnen zum Verfolgen ihrer Portfolios nutzen, bieten auch Zugriff auf wichtige Kennzahlen wie die CAGR. Es lohnt sich also, die Features deiner bevorzugten App zu überprüfen.

Bedeutung der CAGR für die Aktienbewertung

Vorteile und Grenzen der CAGR

Die CAGR ist eine weit verbreitete Kennzahl in der Finanzwelt, aber wie bei allen Metriken hat sie sowohl Vorteile als auch Grenzen. Lass uns beide Aspekte genauer betrachten:

Vorteile der CAGR:

  1. Einfache Interpretation: Die CAGR gibt einen klaren Überblick über das durchschnittliche jährliche Wachstum, was die Kennzahl leicht verständlich und interpretierbar macht.
  2. Berücksichtigung des Zinseszinseffekts: Im Gegensatz zu einigen anderen Wachstumsraten berücksichtigt die CAGR den Zinseszinseffekt, was sie zu einer realistischeren Darstellung des Wachstums macht.
  3. Glättung von Schwankungen: Die CAGR zeigt das durchschnittliche Wachstum über einen Zeitraum und glättet so kurzfristige Schwankungen oder Volatilitäten, die in einzelnen Jahren auftreten können.

Grenzen der CAGR:

  1. Übermäßige Vereinfachung: Obwohl die CAGR Schwankungen glättet, kann es manchmal zu vereinfacht sein. Du übersiehst so eventuell wichtige Informationen über jährliche Schwankungen oder Trends.
  2. Annahme konstanten Wachstums: Die CAGR geht davon aus, dass das Wachstum über den betrachteten Zeitraum konstant war, was in der Realität selten der Fall ist.
  3. Empfindlichkeit gegenüber Anfangs- und Endwerten: Da die CAGR hauptsächlich auf dem Anfangs- und Endwert basiert, kann ihre Aussage durch extreme Werte in diesen Jahren verzerrt werden.
  4. Keine Berücksichtigung von Risiken: Die CAGR gibt keinen Aufschluss über das Risiko oder die Volatilität eines Investments, was für AnlegerInnen ebenso wichtig sein kann wie das reine Wachstum.

Wie schwerwiegend die übermäßige Vereinfachung ist und wie falsch die Annahme konstanten Wachstums ist, wird so richtig klar, wenn du folgende Grafik betrachtest. Die CAGR ist in beiden Fällen die gleiche, aber innerhalb dieses Zeitraumes sieht das Bild völlig unterschiedlich aus:

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Die Wachstumsrate im Kontext anderer Aktienkennzahlen

Die CAGR ist zweifellos eine wertvolle Kennzahl, um das Wachstum eines Unternehmens über die Zeit zu verstehen. Aber wie steht es im Vergleich zu anderen gängigen Aktienkennzahlen?

CAGR und sein Stellenwert:

  1. Ein Maß für das Wachstum: Während viele Kennzahlen die aktuelle finanzielle Gesundheit oder Rentabilität eines Unternehmens zeigen, gibt die CAGR einen Einblick in das historische Wachstum. Es ist besonders nützlich, um langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen.
  2. Nicht isoliert betrachten: Wie bei allen Kennzahlen sollte die CAGR nicht isoliert betrachtet werden. Sie ist eben nur ein Teil des Puzzles. Andere Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, die Eigenkapitalrendite oder die Dividendenrendite geben weitere wichtige Informationen. Auch die Gewinnrendite kann interessant sein.

Vergleich mit anderen Kennzahlen:

  1. Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E): Während die CAGR das Wachstum anzeigt, gibt das P/E-Verhältnis Aufschluss darüber, wie viel AnlegerInnen bereit sind, für jeden Euro des Gewinns eines Unternehmens zu zahlen. Ein niedriges P/E kann auf eine Unterbewertung hindeuten, während ein hohes P/E auf eine Überbewertung hindeuten kann.
  2. Dividendenrendite: Diese Kennzahl zeigt, wie viel Dividende ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem Aktienkurs zahlt. Für AnlegerInnen, die regelmäßige Einkünfte suchen, kann dies wichtiger sein als das Wachstumspotenzial, das die CAGR zeigt.
  3. Eigenkapitalrendite: Diese Kennzahl gibt an, wie effizient ein Unternehmen sein Eigenkapital nutzt, um Gewinne zu erzielen. Eine hohe CAGR ist großartig, aber wenn ein Unternehmen nicht effizient arbeitet, könnte es in der Zukunft Probleme geben.

herMoney Tipp

Die Aktien-Selektion ist eine Kunst. Am besten beschäftigst du dich mit verschiedenen Bewertungskennzahlen, um dir ein vollständiges Bild zu verschaffen. Die oben genannten Kennzahlen sind nur einige, die dafür infrage kommen. In diesem Artikel haben wir für dich zusammengefasst, welche Kennzahlen du kennen solltest und wie du sie einordnest.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu findest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

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Simin Heuser

Simin Heuser hat Volkswirtschaftslehre studiert und war bereits für verschiedene Fondsgesellschaften und Fintechs tätig. Sie schreibt unter anderem als freie Autorin über Finanz- und Versicherungsthemen.