KBV einfach erklärt: Was das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei Aktien bedeutet

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Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, ist eine Kennzahl, die dich bei der Bewertung börsennotierter Unternehmen unterstützt.

Inhalt:

Kurs-Buchwert-Verhältnis: Das Wichtigste in Kürze

Mithilfe des KBV kannst du beurteilen, ob du eine Aktie kaufen möchtest. Allerdings solltest du immer weitere Kennzahlen hinzuziehen.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist einfach zu berechnen. Du erhältst es, indem du den aktuellen Kurs durch den Buchwert des Unternehmens teilst.

Wie hoch sollte das KBV sein? Fachleuten zufolge ist es ein guter Indikator, wenn es über 1 liegt. Niedrigere Werte sind aber nicht unbedingt schlecht. Eine solche Aktie könnte unterbewertet und damit ein Schnäppchen sein. Oder aber die Absatzprognosen sind aktuell ungünstig. Hier muss individuell geprüft werden, was los ist.

Wie jede Kennzahl hat auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) Vor- und Nachteile. Die solltest du kennen, um diese Ziffer richtig einzuordnen. Darum hier eine kleine Börsenlektion für AnfängerInnen, was das KBV bei Aktien bedeutet.

Was genau ist das KBV bei Aktien? Definition und Berechnung

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis dient dazu, die Renditeaussichten einer Aktie zu beurteilen. Um diese Kennzahl zu ermitteln, muss man zunächst den Buchwert des Papiers kennen, der im Geschäftsbericht des Unternehmens steht. Der Buchwert ist das Vermögen eines Unternehmens abzüglich seiner Schulden. Um den Buchwert je Aktie zu ermitteln, teilst du den gesamten Buchwert der Firma durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien.

Danach geht es an die Ermittlung des Kurs-Buchwert-Verhältnisses. Heraus kommt eine positive Dezimalzahl. Die Formel lautet also:

Kurs-Buchwert-Verhältnis = Aktienkurs / Buchwert je Aktie

Das Onlinemagazin der Comdirect stellt dazu eine Beispielrechnung auf: Bei einem Buchwert von 30 Milliarden Euro und 2 Milliarden ausgegebenen Aktien würde das pro Aktie einen Buchwert von 15 Euro ergeben. Notiert die Aktie an der Börse aktuell bei 12 Euro, wird der Kurs durch den Buchwert je Aktie geteilt. In unserem Fall teilen wir also 12 Euro durch 15 Euro. Das ergibt ein KBV von 0,8. Das KBV läge damit in einem sehr interessanten Bereich für Value-InvestorInnen.

Value-InvestorInnen wie Warren Buffett kaufen unterbewertete Aktien. Sie suchen also gezielt nach Unternehmen, deren Aktien zurzeit zwar günstig sind, aber deren fundamentale Ausrichtung stimmt. Sie setzen darauf, dass der Kurs des Unternehmens in Zukunft steigen wird. Zur Strategie gehört aber auch, zu wissen, dass sich eine Aktie nach den Gesetzen des Marktes langfristig immer auf einem fairen Wert bewegt.

Was ist ein gutes KBV bei Aktien?

Ist nun ein hohes oder niedriges KBV positiv zu bewerten? Das kann pauschal nicht beantwortet werden, da immer mehr Faktoren betrachtet werden müssen. Als Faustformel aber gilt: Ist das Kurs-Buch-Verhältnis größer als 1, ist eine Aktie eher teuer.

Ist es über 1, und gibt es negative Kommentare von AnalystInnen oder einen schlechten Unternehmensausblick, solltest du eher die Finger von dem Papier lassen.

KBV unter 1 – was bedeutet das für eine Aktie?

Liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1, wird das Unternehmen am Kapitalmarkt womöglich unter Wert gehandelt. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass die Aktie nicht gekauft werden sollte. Du musst aber nach der Ursache suchen, warum das KBV so niedrig ist. Man spricht hier auch davon, dass die jeweilige Aktie “günstig” oder “niedrig bewertet” ist.

Solche Szenarien können darüber hinaus Investmentgesellschaften auf den Plan rufen. Ihre Übernahmefantasien treiben gerne den Kurs nach oben. Und es weckt, wie oben bereits erwähnt, die Begehrlichkeiten von Value-InvestorInnen.

Doch musst du jetzt täglich durchrechnen, wie das KBV deiner ins Visier genommenen Aktien steht? Nein. Willst du beispielsweise den DAX auf Aktien mit guten Kurs-Buchwert-Verhältnissen durchforsten, hilft die Auflistung der Deutschen Börse in Frankfurt. Hier findest du tagesaktuell die Liste der KBV der Aktien, die sich im deutschen Leitindex befinden.

Kurze Übersicht: DAX-Aktien mit niedrigem KBV

Porsche Auto. Hold. Vz. 0,40
Deutsche Bank 0,42
Volkswagen Vz. 0,43
Vonovia 0,63
Heidelberg Cement 0,76
Siemens Energy 0,80
Fresenius Medical Care 0,81
BMW St. 0,84
Fresenius 0,86
Continental 0,90
Covestro 1,01

Stand 23.01.

Die Liste zeigt beispielsweise, dass sich derzeit die Autounternehmen im Bereich von unter 1 tummeln. Das liegt an den schlechten Absatzprognosen, an im vergangenen Jahr gesunkenen Absatzzahlen und an den großen Herausforderungen, die auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität gelöst werden müssen. Wer den deutschen Herstellern zutraut, diese Probleme gut zu meistern, könnte jetzt günstig einsteigen.

Bedeutung des KBV richtig einordnen: Fallstricke bei der Aktien-Auswahl

Das KBV ändert sich gerne aufgrund von Spekulationen und Gerüchten. Zeigt sich bei der Bilanz, dass das Eigenkapital abgenommen hat, könnten viele InvestorInnen ihre Aktien abstoßen. Denn diese Entwicklung könnte auf eine Abnahme der finanziellen Stabilität hindeuten. Die Folge: Das KBV sinkt. Aber die Entnahme könnte auch dazu gedient haben, in Wachstum zu investieren. Ist das so, wäre jetzt möglicherweise ein guter Einstiegszeitpunkt. Das muss gründlich untersucht werden, ehe man die Aktie kauft.

Zudem sollte man wissen, dass verschiedene Bilanzierungsregeln das KBV beeinflussen. Darum ist ein internationaler Vergleich dann schwierig, wenn unterschiedliche Rechnungslegungsvorschriften angewendet werden.

Das kann dazu führen, dass immaterielle Werte wie Patente und Mitarbeiterkompetenzen nicht berücksichtigt werden dürfen. Das gilt auch für die stillen Reserven. So kann der berechnete unter dem tatsächlichen Wert liegen. Bei einem negativen Buchwert ist schwer bestimmbar, ob eine Insolvenz oder eine Kurskorrektur bevorsteht.

Außerdem ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht für die Bewertung volatiler (stark schwankender) Aktien geeignet. Denn der Wert verändert sich bei jeder Börsenbewegung. Aber das kann harmlose oder für das gehandelte Unternehmen irrelevante Ursachen haben (z.B. Gerüchte über einen Verkauf des Wettbewerbers).

Für Aktien-Investments brauchst du ein Depot. Aber welches?

Was sagen Buchwert- und Kursentwicklung über die Aktienentwicklung aus?

Bevor du eine Order aussendest, kannst du nicht nur das KBV betrachten, sondern dir auch ansehen, wie sich Aktienkurs und Buchwert in den vergangenen Monaten entwickelt haben.

  • Steigt der Buchwert, und zeigt der Kurs eine Seitwärtsbewegung, sinkt das KBV. Das ist ein positives Kaufsignal.
  • Sinkt oder stagniert der Buchwert, und steigt der Kurs, ist das ein Kaufargument. Dann ist es aber umso wichtiger, vor dem Kauf zu recherchieren, warum sich die Kennzahlen so entwickeln.
  • Bleibt der Buchwert konstant, und steigen die Kurse, ist Vorsicht geboten.
  • Sinken Buchwert und Kurse, ist das Risiko hoch.

Ein weiterer und sehr wichtiger Anhaltspunkt ist der KBV-Vergleich in einer sogenannten Peer-Group, also ähnlich gelagerte börsennotierte Unternehmen. Er zeigt, wo die Firma im Wettbewerbsvergleich steht und ob sich nicht eine andere aus der selben Branche besser eignet. Diese Strategie geht aber nur dann auf, wenn die Geschäftsmodelle vergleichbar sind.

Wie clever es ganz grundsätzlich ist, einzelne Aktien zu kaufen, und wie man den Kauf am cleversten anstellt, ohne unnötige Kosten zu bezahlen, erfährst du in dieser Episode des Podcasts “herMoney Talk”:

Welche Kennzahlen sind neben dem Kurs-Buchwert-Verhältnis wichtig?

Natürlich ist es immer von Vorteil, weitere Kennzahlen bei der Kaufentscheidung einzubeziehen. Das KBV gehört zur Familie der liquiditätsorientierten Kennzahlen. Dazu zählen ebenfalls das KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis), das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) und das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis). Sie tragen ihren Teil zur Gesamtbetrachtung bei.

Besonders spannend hinsichtlich der Interpretation ist das KBV gemeinsam mit dem Return on Equity (ROE). Das ROE gibt über das Verhältnis von Eigenkapital und Rendite eines Unternehmens Auskunft.

Hier kannst du dich an folgende Maßstäbe halten:

  • Bleibt der ROE über einen längeren Zeitraum hinweg gleich, und ist das KBV niedrig, ist das ein positives Kaufsignal, da die Renditewerte noch Potenzial haben.
  • Steigt das KBV an, sollte außerdem der ROE klettern. Auch in diesem Fall steht die Kaufampel auf Grün.
  • Ist der ROE niedrig, und das KBV hoch, bremst das die Eigenkapitalrendite. Das bedeutet: Gute Gewinne sind in nächster Zeit eher nicht zu erwarten.

herMoney Tipp

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis sollte niemals allein ausschlaggebend für eine Investitionsentscheidung sein. Betrachte immer weitere Kennzahlen. Die wichtigsten findest du in unserem Artikel „Wie Anfänger Aktienkennzahlen richtig bewerten und häufige Fehler vermeiden“.

Zum Weiterlesen: Mehr über die wichtige Kennzahl Dividendenrendite erfährst du hier. Und acht Bestseller rund um Aktien, ETFs & Co., die dir die Augen öffnen können, findest du hier.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu findest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

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Christiane Habrich-Böcker

Christiane Habrich-Böcker ist langjährige Wirtschafts- und Nachrichtenredakteurin. Sie publizierte unter anderem für den Finanzen Verlag und schrieb für Euro am Sonntag und Börse Online.