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Ukraine-Krieg, Gas-Krise, Inflation – kommt jetzt eine Rezession? Was das für deine Geldanlage, deine Aktien und ETFs bedeutet.

Inhalt

Was ist eine Rezession?

Auswirkung der Rezession auf Aktien & ETFs

Wie investieren?
> Aktien und ETFs verkaufen?
> Welche Aktien kaufen?

Geldanlage in der Rezession: Das Wichtigste in Kürze

Schrumpft die Wirtschaft eines Landes in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, spricht man von einer Rezession. Ob es jetzt dazu kommt, hängt davon ab, ob die russischen Gaslieferungen dauerhaft ausbleiben.

Die Börsen weltweit sind unter Druck. Breit aufgestellte Indizes sind weniger stark gefallen als kleinere und regional beschränktere Barometer. Breite Streuung schützt vor hohen Verlusten.

Es ist nicht sinnvoll, panisch Aktien oder ETFs zu verkaufen. Besser: Erst einmal Ruhe bewahren und die Positionen halten. In Zeiten einer Rezession könntest du defensive Aktien kaufen, die weniger konjunktursensibel sind.

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Was ist eine Rezession?

Vereinfacht gesagt: Schrumpft die Wirtschaft eines Landes in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, spricht man von einer Rezession. Als Kennziffer wird dabei meist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verwendet, das den Wert aller im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen misst.

Nach derzeitigem Stand befindet sich Deutschland noch nicht in einer Rezession. Zwar schrumpfte das BIP im vierten Quartal 2021 um 0,3 Prozent. In den Monaten Januar bis März wuchs die Wirtschaft dann wieder um 0,2 Prozent. Mitte August werden die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Hier dürften die Folgen des Ukraine-Kriegs, der Ende Februar begonnen hat, voll durchschlagen.

„Entscheidend für die konjunkturelle Entwicklung ist, ob es zu einem dauerhaften Stopp der russischen Gaslieferungen kommt“, sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, im Interview mit herMoney. Die Energiepreise sind bereits jetzt auf Rekordniveau. „Ein kompletter Ausfall der russischen Gasversorgung könnte kurzfristig nicht kompensiert werden“, erläutert sie. „In diesem Fall sind Produktionsunterbrechungen und eine tiefe Rezession in Deutschland zu erwarten.“

Drohende ausbleibende Gaslieferungen aus Russland sind nur einer der vielen Risikofaktoren für die Wirtschaft:

  • Hohe Energiepreise sind einer der Haupttreiber der Inflation. In Deutschland lag die Teuerung im Juni bei 7,6 Prozent, in den USA bei 9,1 Prozent. Hohe Inflation bedeutet, dass das Geld, das du in der Tasche hast, weniger wert ist als noch im Jahr zuvor. Deine Kaufkraft sinkt also. Weil alles teurer wird, hältst du dein Geld zusammen und sparst – die Konsumbereitschaft nimmt ab, die Nachfrage schrumpft.
  • Auch auf der Angebotsseite gibt es derzeit Probleme: Weil China in einem monatelangen Lockdown den wichtigen Hafen in Shanghai geschlossen hatte, sind Lieferketten rund um den Globus noch immer gestört. Bei vielen Unternehmen kommen Vorprodukte sehr viel später als geplant an. Die Lieferschwierigkeiten heizen die Inflation weiter an, denn Produkte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke werden teurer und teurer.
  • Um die hohe Inflation zu bekämpfen, erhöhen die Notenbanken die Zinsen. „Zinserhöhungen sind notwendig“, sagt Traud. Dadurch steigen aber die Kosten für Investitionen. Das spüren insbesondere zinssensible Unternehmen wie Technologiekonzerne, die oft hoch verschuldet sind. Die Schuldentilgung kostet bei hohen Zinsen mehr, was auf die Gewinnmarge drückt. Unternehmen, die sich höhere Zinsen nicht leisten können, investieren weniger, was wiederum die Wirtschaft abwürgen kann. Was steigende Zinsen für Sparerinnen bedeuten, erfährst du in unserem Artikel über die Zinsentwicklungen.

All diese Probleme zeigen sich auch an den Börsen. So verloren der deutsche Leitindex DAX und der US-Standardwerteindex S&P 500 seit Jahresbeginn jeweils rund 20 Prozent an Wert. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 sank sogar um fast 30 Prozent. (Stand: 15.07.)

Mehr über die aktuelle Wirtschaftslage und die Auswirkungen auf die Börse erklärt Michael Heise im Podcast:

Geldanlage in der Rezession: Auswirkungen auf Aktien, ETFs und Co.

Die jüngsten Kursverluste machen sich auch bei den Indizes bemerkbar, die viele Anlegerinnen über ETFs besparen. So fiel der MSCI World, der weltweite Industrieländer abdeckt, seit Jahresbeginn um rund zwölf Prozent. Dessen nachhaltiges Pendant verlor 13 Prozent. Der MSCI Emerging Markets, in dem Schwellenländeraktien gebündelt sind, gab neun Prozent nach. (Stand: 15.07.)

Verluste bei Aktienkursen gibt es in der Rezession nahezu überall. Allerdings sind breiter aufgestellte Indizes wie der MSCI World, der mehr als 1.500 Aktien umfasst, weniger stark gefallen als kleinere Indizes. Dazu gehören regional beschränktere Indizes wie der DAX oder technologielastige und damit branchenspezifische Barometer wie der Nasdaq 100.

Breite Streuung schützt vor hohen Verlusten, da einzelne starke Kurseinbrüche besser kompensiert werden können. Ein Beispiel: die Tesla-Aktie. Sie hat im laufenden Jahr 30 Prozent an Wert verloren. Im MSCI World ist der E-Autobauer zwar enthalten, aber nur mit einem Gewicht von 1,4 Prozent. Im Nasdaq 100 ist die Aktie ebenfalls enthalten – hier aber mit einem Gewicht von mehr als vier Prozent. (Quelle: JustETF, Stand: 15.07.)

Was passiert mit den Aktien bei einer Rezession?

Du fragst dich jetzt bestimmt, wie es am Markt weitergeht. Die Helaba-Chefvolkswirtin ist erst einmal pessimistisch: „Im Falle einer Rezession wären weitere deutliche Kursrückgänge zu befürchten“, erwartet sie. Im schlimmsten Fall könnte der DAX, der heute bei rund 12.500 Punkten notiert, noch einmal um rund 20 Prozent auf 10.000 Punkte fallen.

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Rezession: Was tun mit meinem Geld?

Wie funktioniert also Geldanlage in der Rezession, wie solltest du jetzt investieren? Dein Geld jetzt auf dem Sparbuch oder einem Festgeldkonto liegen zu lassen, ist wohl keine gute Idee. Denn nur um den Wert des Vermögens zu erhalten, müsste es bei der aktuellen Inflationsrate eine Rendite von fast acht Prozent erwirtschaften. Solche Zinsen zahlt dir keine Bank, trotz höherer Leitzinsen.

Aktien während der Rezession kaufen oder verkaufen?

Den Mut, dich am Aktienmarkt zu engagieren, musst du jetzt nicht verlieren. Bei einer Rezession ist es vor allem sinnvoll, nicht blind Aktien verkaufen: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Aktien nach Rezessionen sehr schnell wieder erholen“, sagt Traud.

Trotz Rezession, Korrekturen und dem ein oder anderen Crash bieten Aktien, Fonds und ETFs auf lange Sicht die besten Renditen. Einer Erhebung des Fondverbands BVI zufolge haben globale Aktienfonds auf Sicht von 30 Jahren eine jährliche Rendite von 7,1 Prozent eingebracht. In 15 Jahren waren es nur knapp vier Prozent, innerhalb eines Jahres steht sogar ein Minus von fast sechs Prozent. Das zeigt: Je länger der Anlagehorizont, desto geringer das Risiko.

Es ist daher eine gute Idee, erst einmal ruhig zu bleiben und Aktien und ETFs auch in der Rezession zu behalten. Die ein oder andere kann es bei den niedrigen Kursen auch in den Fingern jucken, die günstigen Preise zu ausnutzen. In einer Wirtschaftskrise Aktien zu kaufen, ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Man muss nur wissen, welche Branchen gerade in einer Wirtschaftskrise Chancen bieten.

Welche Aktien könnte ich während einer Rezession kaufen?

Als sichere Aktien für die Rezession gelten defensive Unternehmen, die wenig konjunktursensibel sind. Klassiker sind dabei die sogenannten Nicht-zyklischen Konsumgüter. Denn, so eine Börsenweisheit: „Gegessen wird immer“.

Unternehmen ISIN Bereich Beispiel-Marken Herkunftsland
Nestlé CH0038863350 Nahrungsmittel Nescafé, KitKat, Wagner Schweiz
Unilever GB00B10RZP78/NL0000009355 Konsum Dove, Langnese, Rexona Großbritannien/Niederlande
Procter & Gamble US7427181091 Drogerie Ariel, Braun, Pampers USA
Colgate-Palmolive US1941621039 Drogerie Ajax, Colgate, Elmex USA
Reckitt Benckiser GB00B24CGK77 Haushaltswaren Calgon, Sagrotan, Vanish Großbritannien

Vor allem aber Unternehmen mit großer Fangemeinde und hoher Preissetzungsmacht können in Zeiten hoher Inflation interessant sein. Firmen wie der Getränkehersteller Coca-Cola (ISIN US1912161007) können die hohen Einkaufspreise am Markt besser durchsetzen, denn VerbraucherInnen weichen hier seltener auf günstige Eigenmarken aus. So kann der US-Konzern trotz Inflation weiterhin attraktive Margen erwirtschaften.

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Gesundheitsaktien

Ein Konzern, der sowohl in der Konsumgüterbranche, als auch in dem ebenfalls als krisenresistent geltenden Gesundheitssektor aktiv ist, ist Johnson & Johnson (ISIN US4781601046). Die Aktie legte seit Jahresbeginn sogar um mehr als 15 Prozent zu. Der US-Konzern hat nicht nur einen Covid-19-Impfstoff im Portfolio, sondern auch Pflege- und Damenhygienemarken wie bebe oder o.b.. Um 16 Prozent stieg die Aktie von Novo Nordisk (ISIN DK0060534915). Das dänische Pharmaunternehmen entwickelt Therapien gegen die „Zuckerkrankheit“ Diabetes.

Telekommunikation

In einer Rezession könnte man auch Aktien aus dem Telekommunikationssektor kaufen. Der Gedanke: Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Daten ausgetauscht werden, zuverlässige Telekommunikation ist heute wichtiger denn je. Hierzulande wartet die Deutsche Telekom (ISIN DE0005557508) zusätzlich mit einer attraktiven Dividende auf. Aus dem Ausland können der britische Mobilfunker Vodafone (ISIN GB00BH4HKS39) oder der US-Konzern AT&T (ISIN US00206R1023) interessant sein.

Tech-Aktien

Und die bei InvestorInnen jahrelang gefeierten US-Tech-Werte, die in den vergangenen Monaten deutlich eins auf die Mütze gekriegt haben? „Technologieaktien haben einen Teil ihrer Überbewertung abgebaut“, so Helaba-Chefvolkswirtin Traud.

Günstig seien sie damit allerdings noch nicht. „Angesichts des Megathemas Digitalisierung sehe ich hier mittel- bis langfristig aber wieder gute Chancen.“ Wichtig sei auch gerade in Zeiten steigender Zinsen, dass die Unternehmen über zukunftsfähige Geschäftsmodelle verfügen. „Ich denke dabei besonders an Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie!“

Investieren in der Rezession: Welche anderen Asset-Klassen sind Alternativen?

Anleihen: Eigentlich müssten steigende Zinsen doch gut für Anleihen sein, oder? Die Rendite von Anleihen stieg in diesem Jahr bereits stark an, was sie in der Tat attraktiver macht. „Inflationsbereinigt bringt die bei PrivatinvestorInnen beliebte Buy-and-Hold-Strategie aber auf absehbare Zeit keine positiven Erträge“, sagt Traud. Als Alternative nennt sie Rentenfonds, bei denen das Management flexibler aus verschiedenen Anleihen wählen kann.

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Immobilien: Spielst du schon länger mit dem Gedanken, in ein kleines Haus oder eine Eigentumswohnung zu investieren? Dann machen dich bestimmt Meldungen hellhörig, in denen von möglicherweise fallenden Immobilienpreise die Rede ist. Wir von herMoney wollen uns diesen Spekulationen nicht anschließen, sondern auch auf die Risiken von Immobilien in Zeiten einer Rezession hinweisen. Gerade die zur Bekämpfung der Inflation steigenden Zinsen können zur Gefahr für Käuferinnen und Häuslebauerinnen werden. Denn durch höhere Bauzinsen steigen die Finanzierungskosten. Außerdem gibt es vielerorts zu wenig HandwerkerInnen. Es fehlt an Vorprodukten und Rohstoffen. Ob die mutmaßlich niedrigeren Immobilienpreise unter dem Strich nicht doch von höheren Kosten ausgeglichen werden, musst du gut kalkulieren!

Gold: Auch die Ausgangslage beim Edelmetall ist verzwickt. Einerseits sind steigende Zinsen tendenziell schlecht für den Goldpreis. Das Edelmetall wirft, anders als Anleihen oder Aktien, keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden ab. Dazu kommt: Gold wird in US-Dollar gehandelt, was es angesichts des starken Dollars für Investorinnen aus anderen Währungsräumen wie dem Euro teurer macht. Andererseits gilt das Edelmetall, das häufig auch als „Krisenwährung“ bezeichnet wird, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als sicherer Hafen. Zudem ist Gold auf der Erde nur begrenzt verfügbar, weshalb es im Gegensatz zu Papiergeld nicht ohne Weiteres vermehrt werden kann. Es kann also durchaus Sinn machen, einen Teil deines Vermögens in Gold zu stecken. Als Richtwert gelten fünf bis zehn Prozent des Portfolios.

herMoney Tipp

Du siehst, um Aktien und ETFs kommst du auch in einer Rezession eigentlich nicht herum. Besonders lohnen kann sich jetzt ein Sparplan. Denn da spielen dir die derzeit niedrigen Kurse sogar in die Karten. Durch den sogenannten Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt) kaufst du bei niedrigen Kursen besonders viele Anteile.

Cost-Average-Effekt

Zum Weiterlesen: Du fragst dich, was passiert, wenn es zu einem heftigen Crash kommt? Hier zeigen wir dir, was du aus Black Fridays der Geschichte lernen kannst.

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Das komplette Interview mit Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, findest du hier:

herMoney: Mittlerweile erwarten immer mehr WirtschaftsexpertInnen eine Rezession. So senkte kürzlich etwa die Weltbank ihre Wachstumsprognose. Die Inflation ist auf Rekordhoch, Gasknappheit und gestörte Lieferketten belasten die Unternehmen. Womit rechnen Sie in Deutschland, Europa und den USA?

Gertrud Traud: Entscheidend für die konjunkturelle Entwicklung ist, ob es zu einem dauerhaften Stopp der russischen Gaslieferungen kommt. In unserem Basisszenario nehmen wir an, dass dies nicht der Fall sein wird. Aber auch in diesem Szenario belasten gestörte Lieferketten und hohe Energiepreise das Wirtschaftsgeschehen. Die deutsche Industrie profitiert zwar noch von rekordhohen Auftragsbeständen, kann sie aber wegen Materialknappheit nur zögerlich abbauen. Die Konsumenten werden durch die hohe Inflation in diesem Jahr belastet, auch wenn die Wirtschaftspolitik mit Entlastungspaketen gegensteuert. Die Bauinvestitionen werden durch Kapazitätsgrenzen sowie den anhaltenden Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten behindert. Gestiegene Kosten und Zinsen belasten zunehmend die Kalkulation vor allem im Wohnungsbau. Der Außenhandel dämpft das Wirtschaftswachstum, da die Importe deutlich stärker steigen als die Exporte. Positive Impulse dagegen gehen von den öffentlichen Konsumausgaben aus. Im Basisszenario kann eine Rezession in Deutschland, aber auch in der Eurozone vermieden werden. Die USA sind vom Energiepreisschock durch den Ukraine-Krieg weniger betroffen. Entsprechend ist das dortige Wachstum ausgeprägter.

Was bedeutet es für die Konjunktur in Deutschland, wenn Russland den Gasfluss unterbricht?

Ein kompletter Ausfall der russischen Gasversorgung könnte kurzfristig nicht kompensiert werden. In diesem Fall sind Produktionsunterbrechungen und eine tiefe Rezession in Deutschland zu erwarten.

Auf die Finanzkrise reagierten die Notenbanken, indem sie mit billigem Geld die Märkte fluteten. Wie könnten die Notenbanken auf eine Gas-Krise reagieren?

Der Einsatz von billigem Geld verbietet sich angesichts rekordhoher Inflation. Zinserhöhungen sind notwendig. Die EZB agiert im Vergleich zu anderen Notenbanken aber immer noch sehr zurückhaltend und hat mit dem Zinserhöhungszyklus noch gar nicht angefangen. Die EZB operiert noch mit Negativzinsen. Das muss dringend beendet werden. Auch muss die EZB ein klares Bekenntnis zur Geldwertstabilität abgeben, damit die Inflationserwartungen nicht aus dem Ruder laufen.

Die Börsen weltweit sind im ersten Halbjahr 2022 bereits so stark gefallen wie selten. Ist eine Rezession damit schon eingepreist?

Der DAX hat bis Ende Juni knapp 20 % verloren, so viel wie zuletzt im ersten Halbjahr 2008. Damit hat er zwar eine massive Wachstumsabschwächung eingepreist. Im Falle einer Rezession wären allerdings weitere deutliche Kursrückgänge zu befürchten.

Wie tief kann es an den Aktienmärkten noch nach unten gehen?

Orientiert man sich an früheren Bärenmärkten, könnte der DAX im Negativszenario bis auf 10.000 Punkte fallen.

In den vergangenen Jahren beflügelten die lockere Geldpolitik der Notenbanken und die niedrigen Zinsen die Börsenkurse. Das scheint sich jetzt grundlegend zu ändern. Was könnten künftige Treiber für die Aktienkurse sein?

Eine alte Börsenweisheit lautet: „Die Flut hebt alle Boote, auch die mit Löchern im Rumpf.“ In Zeiten steigender Zinsen kommt es wieder stärker darauf an, dass Unternehmen über zukunftsfähige Geschäftsmodelle verfügen. Ich denke dabei besonders an die 3 Ds: Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie!

Üblicherweise sinken die Rohstoffpreise in einer Rezession, da die Nachfrage sinkt. Hohe Energiepreise sind derzeit ein Haupttreiber der Inflation. Dürfte die Inflation also wieder sinken?

Sollte es zu einer Rezession kommen, würde der Ölpreis sicherlich deutlich sinken. Das würde die Preissteigerungen reduzieren. Allerdings sind die Entwicklungen am Gasmarkt für Europa aktuell entscheidender. Die Vervielfachung der Gasnotierungen wird bei Verbrauchern und Unternehmen erst schrittweise ankommen und weiter inflationstreibend wirken. Auch bei einer Rezession ist der Konflikt mit Russland und die Gasknappheit nicht vorbei. Deswegen dürfte der Inflationseffekt von rückläufigen Ölpreisen dieses Mal kleiner ausfallen als in früheren Rezessionen.

Tech-Aktien sind nach dem jüngsten Crash niedrig bewertet, aber leiden unter steigenden Zinsen. Unternehmen aus defensiven Branchen wie Versorger oder Konsumgüterkonzerne müssen zeigen, ob sie die hohen Preise auch weitergeben können. In welchen Branchen bieten sich jetzt Chancen für AnlegerInnen und wie stehen Sie zu Tech- bzw. defensiven Aktien jetzt?

Technologieaktien haben einen Teil ihrer Überbewertung abgebaut. Wirklich günstig sind sie allerdings noch nicht. Angesichts des Megathemas „Digitalisierung“ sehe ich hier mittel- bis langfristig aber wieder gute Chancen. Defensive Aktien sind dagegen kurzfristig noch im Vorteil, da sie weniger von der aktuellen Konjunkturschwäche betroffen sind.

Stellen Anleihen jetzt eine Alternative zu Aktien dar?

Durch den markanten Rendite-Anstieg in diesem Jahr hat sich die relative Attraktivität von Anleihen zwar verbessert. Real, also inflationsbereinigt, bringt die bei Privatinvestoren beliebte Buy-and-Hold-Strategie aber auf absehbare Zeit keine positiven Erträge. Eine Alternative bieten Rentenfonds, die flexibel agieren.

Welche Fehler sollten Anlegerinnen in Zeiten einer Rezession lieber vermeiden?

Ein häufiger Fehler ist, dass Anleger im Zuge deutlicher Kursverluste in Panik verfallen und um jeden Preis verkaufen. Dies gilt es zu vermeiden, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass sich Aktien nach Rezessionen sehr schnell wieder erholen.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du dir bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kauf nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu findest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.