Digitale Sicherheit boomt: Sind Cyber-Security-ETFs jetzt sinnvoll?

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Hacker verursachen Milliarden Euro an Schäden. Darum investieren Unternehmen mehr in die IT-Sicherheit. Wie du profitieren kannst.

Inhalt

Digital-Security-ETFs: Das Wichtigste Kürze

Cyber-Attacken nehmen zu und damit die Ausgaben in die IT-Sicherheit. 63 Prozent der Unternehmen haben ihr Budget für digitale Sicherheit während Corona erhöht.

Aktuell hat Morningstar nur zwei Digital-Security-ETFs gelistet. Mit einer Drei-Jahres-Rendite von rund 10 bis 13 Prozent sind sie lukrativ.

Momentan sind die Kurse niedrig und die Preise günstig. Allerdings sind thematisch sehr spitze ETFs auch immer mit größeren Risiken verbunden als breit streuende.

Je digitaler unsere Welt wird, desto mehr nimmt die Bedrohung von Hacker-Angriffen zu. Das betrifft nicht nur die Industrie, sondern auch staatliche und private Daten sind gefährdet. Denn das Netzt ist lange zum Tummelplatz für Daten-Gangster geworden.

Was sind IT-Security-ETFs?

Cyber-Security-ETFs enthalten Aktien von Unternehmen, die IT-Beratung, Dienstleistungen oder Sicherheitstechnologien anbieten. Doch das Angebot an entsprechenden ETFs ist allerdings (noch) relativ übersichtlich, genauso wie die im Sektor agierenden börsennotierten Firmen.

Schwankungen im Geschäftsverlauf schlagen sich darum in den Portfolios empfindlicher nieder. Cyber-Security-Fonds nehmen darum auch mitunter börsennotierte Werte aus dem Umfeld der Militärtechnik, Raumfahrt oder Luftfahrt dazu.

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Cyber-Security-ETFs: Eine sinnvolle Investition?

Warum digitale Sicherheit immer wichtiger wird:

1. Hacker-Angriffe nehmen zu

Der deutschen Wirtschaft entsteht ein jährlicher Schaden von rund 203 Milliarden Euro durch Diebstahl von IT-Ausrüstung und Daten, Spionage und Sabotage. Damit liegt der Schaden etwas niedriger als im Rekordjahr 2021 mit 223 Milliarden Euro. In den Jahren 2018/2019 waren es erst 103 Milliarden Euro. Das ergab eine Studie im Auftrag des Branchenverbands Bitkom.

Neun von zehn waren von Angriffen betroffen. Die Attacken aus Russland und China sind laut Verband sprunghaft angestiegen. „43 Prozent der betroffenen Unternehmen haben mindestens eine Attacke aus China identifiziert (2021: 30 Prozent). 36 Prozent haben Urheber in Russland ausgemacht (2021: 23 Prozent).“

Dabei werden die Angreifer immer professioneller. „Erstmals liegen das organisierte Verbrechen und Banden an der Spitze der Rangliste der Täterkreise. Bei 51 Prozent der betroffenen Unternehmen kamen Attacken aus diesem Umfeld. Vor einem Jahr lag ihr Anteil gerade einmal bei 29 Prozent, vor drei Jahren bei 21 Prozent.“

Vor allem Betrugsdelikte nehmen im Internet zu, konstatieren die befragten 404 Führungskräfte aus Unternehmen und 104 Abgeordnete aus Bund, Ländern und Europaparlament. Zu den Top-Drei-Risiken gehören Computerviren und Schadsoftware (76 Prozent). Es folgen Fake News, die für 75 Prozent eine Bedrohung darstellen. Auf gleichbleibend hohem Niveau verharren „der Missbrauch persönlicher Daten in sozialen Netzwerken, der Datendiebstahl durch Cyber-Attacken und disruptive Angriffe auf Infrastruktur (zum Beispiel Stromnetze, Krankenhäuser).“ Das Problem der Datensicherheit wird durch die zunehmende Nutzung von Clouds noch verschärft.

2. Homeoffice erfordert bessere IT-Infrastruktur

Das Arbeiten im Homeoffice aufgrund der Pandemie verschärft die Gefahr, da heimische Laptops die idealen Türöffner für Hacker sind. Diese Problematik befeuert das Geschäft der Internet-Security-Unternehmen und die Investitionen in die Datensicherheit steigen.

3. Prognose & Risiko

Smarte Häuser und autonome Autos sind anfällig für Hacker. Auch die sogenannten Smart Tools (zum Beispiel in der Haustechnik) sind aus Sicht der Deloitte-Studienteilnehmer ein gefährliches Einfallstor, durch das Hacker eindringen können. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt, dass in drei Jahren 75 Milliarden „smarte“ Tools in Häusern und Autos genutzt werden.

Eine weitere Herausforderung ist das autonome Fahren. Erst kürzlich hackten IT-Freaks die Tesla-Technologie. Solche Vorfälle könnten sich mehren. Denn bereits in den kommenden fünf Jahren werden wir eine große Anzahl an digital gesteuerten Fahrzeugen auf unseren Straßen sehen.

4. Neue Technologien wie Clouds und Blockchains erfordern mehr IT-Sicherheit

Aufgrund der zunehmenden Cloud-Nutzung ist es zurzeit wesentlich, welches Unternehmen bei der Cloud-Sicherung die Nase vorn hat. Da sind neben McAffee auch Juniper und Vectra KI unterwegs. Cisco glänzt mit der Plattform Cisco Umbrella. Fortinet wurde schon so oft ausgezeichnet, dass es fast langweilig ist.

Ebenso gut im Rennen liegen Firmen, die Blockchain-Technologie absichern. Einer der Großen ist IBM, die warnen: „Beim Aufbau einer Blockchain-Anwendung für Unternehmen ist es wichtig, eine umfassende Sicherheitsstrategie zu verfolgen.“ Diese Form von Technologie wird sich rasant entwickeln. Übrigens kannst du auch ganz gezielt in Blockchain-ETFs investieren!

Im Kern ist Blockchain eine von einem geschlossenen Kreis genutzte Registratur. Die dokumentiert und versendet die Aufzeichnungen von Transaktionen, die per Zufallsprinzip an dezentrale Datenbanken angedockt werden. So ist die Nachverfolgung nur für den festgelegten Nutzerkreis möglich. Hacker haben so keine Chance, da sie die Rechnereinheiten nicht ausmachen können. Die im Umlauf befindlichen Daten sind darüber hinaus unveränderbar.

Ein Beispiel: Lieferscheine von Logistikern werden übers Netzwerk versendet und bei den einzelnen Etappen quittiert. So können die Dokumente von den Beteiligten der Blockchain verfolgt werden. Bei Erreichen der Lieferung wird übers Netzwerk automatisch die Rechnung erstellt und die Zahlung des Auftrags dokumentiert.

Doch das sind nur einige Rosinen. Bei allen IT-Security-ETFs gilt: Hier ist noch Luft nach oben. Denn wie gesagt, smarte Geräte oder autonome Mobilität werden uns auf der einen Seite den Alltag erleichtern. Auf der anderen Seite wird das Risiko erhöht, dass uns Hacker einen ungebetenen Besuch abstatten.

5. Behörden haben Nachholbedarf in Sachen IT

Hinzu kommt, dass die Arbeitswelt immer dezentraler organisiert wird. Auch die Behörden sind im Zeitalter der Digitalisierung angekommen und müssen (wie die Pandemie gezeigt hat) eine zeitgemäße IT-Infrastruktur aufsetzen. Also muss der Staat investieren. Das verspricht gute Aussichten für ein Investment in die Cyber-Security.

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Contra

Der Wettstreit um die richtige Technologie ist entscheidend für die Rendite – hier wird es Gewinner und Verlierer geben. Diese Dynamik und die kleine Nische, in der sich diese Branche befindet, erhöhen das Risiko. Das zeigt auch ein Vergleich mit anderen ETFs aus der Tech-Branche, die breiter streuen:

Internet-Security-ETF

Quelle: Morningstar, 23.05.2022

Die Entwicklung neuer Produkte verläuft außerdem rasant und ist für Laien schwer durchschaubar. Mögliche Gesetze, wie der geplante Data Act der Europäischen Union, können die Bedingungen ändern. Das Gesetz soll den Datenschutz für die Geräte des Internet of Things regeln. Die Hersteller werden verpflichtet, Zugang zu gewähren, und für NutzerInnen der Geräte wird das Recht auf Zugriff und Übertragung ihrer Daten eingeführt. Die neuen Regeln sind in den EU-Mitgliedsstaaten ab dem 24. September 2023 unmittelbar anwendbar.

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Pro

1. Kleiner, aber wachsender Markt

Und: Die Auswahl an Unternehmen im ETF-Bereich wird größer. Denn immer mehr Anbieter tummeln sich im Geschäft mit der IT-Sicherheit. Das macht die Branche für ETFs zur attraktiven Braut. „Es könnten vor allem noch weitere ETF-Anbieter neue Produkte auflegen. Die bestehenden Produkte haben ganz gute Mittelzuflüsse verzeichnet; es scheint also ein Thema mit einigem Potenzial zu sein, Anlegergelder einzusammeln. Dazu kommt, dass Cyber Security für einen Themen-ETF oder Themen-Fonds aus Vertriebssicht sehr greifbar und sehr gut darstellbar ist“, sagt Senior-Analyst Jan Richter vom Beratungsunternehmen Fondsconsult Research im Interview auf „procontra-online.de“.

2. Ukraine-Krieg rückt IT-Sicherheit in den politischen Fokus

Seit Putins Einmarsch in der Ukraine sind die Datenschutzmaßnahmen auch politisch mehr in den Fokus gerückt. Kaspersky, eine beliebte Sicherheitssoftware eines russischen Unternehmens, bekommt das zu spüren. Dem Unternehmen werden enge Verbindungen zum russischen Geheimdienst unterstellt. US-Behörden, das EU-Parlament und die Bundesbehörden warnen vor der Kaspersky-Software und haben sie selbst von ihren Rechnern verbannt.

Das zeigt, wie groß die Angst vor Hackerangriffen ist. Daran ist auch Russland nicht unschuldig, seit umgeht, wie Putins Datentruppen bereits in die US-Wahlen eingegriffen haben.

Dazu kommt: Seitdem Putin die Ukraine angreift, ist das Internet ein Kriegsschauplatz. „Shields up“, gab US-Präsident Biden zu Beginn des Ukraine-Konflikts aus. Die Biden-Administration warnt vor „sich entwickelnden Erkenntnissen, dass die russische Regierung Optionen für potenzielle Cyberangriffe“ gegen die Vereinigten Staaten auslotet.

Der Präsident versprach zwar, „jedes Mittel einzusetzen, um Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen abzuwehren, zu stören und gegebenenfalls darauf zu reagieren.“ Doch er warnte auch: „Aber die Regierung kann diese Bedrohung nicht allein abwehren.“ Damit forderte er die Privatwirtschaft auf, sich der Sache anzunehmen.

Damit erhöht sich der Investitionsbedarf für die IT-Sicherheit. Wirtschaftswissenschaftler Ronnie Walker schätzt gegenüber Bloomberg, dass Cyberangriffe die Weltwirtschaft jedes Jahr Schäden in Höhe von etwa 1 Billion US-Dollar zufügen sollen. Laut Walker wurden zwei Drittel davon in den vergangenen Jahren Russland zugeschrieben.

Wenn du von diesen Entwicklungen profitieren willst, könnte sich der Einstieg in Digital-Security-ETFs anbieten.

Die besten Cyber-Security-ETFs im Vergleich

Das Analyse-Haus Morningstar hat exklusiv für herMoney die in Deutschland verfügbaren IT-Security-ETFs herausgesucht, die seit mindestens drei Jahren auf dem Markt sind. Die Auswahl ist im Moment noch überschaubar.

Welcher ist der beste Cyber-Security-ETF?

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Legende: Bewertung: 1 = schlecht, 5 = top (Bewertung von Morningstar),  Replikation: Art der Index-Nachbildung, ausschüttend: Werden die Gewinne ausgezahlt? Quelle: Morningstar, Stand: Februar 2023

Zusammensetzung der Security-ETFs

Die meisten Aktien, die in Cyber-Security-ETFs enthalten sind, stammen aus den Vereinigten Staaten oder Asien und sind in Sachen Software-Sicherheit unterwegs.

Einer der Größten dürfte Palo Alto Networks sein. Cisco und Fortinet sind auch auf den vorderen „Umsatzplätzen“ zu finden. Juniper Network gehört ebenfalls zu den Big Playern im Geschäft. Zu Hause haben viele die Security-Software von McAfee auf dem Rechner.

herMoney Tipp

Das zunehmende Geschäft mit IT-Sicherheit ruft immer mehr ETF-Anbieter auf den Plan. Das macht die Qual der Produktwahl größer, zeigt aber auch, dass die Profis der Branche ein hohes Potenzial bescheinigen. Derzeit ist ein Einstieg günstig, da die Aktien nicht wie in den Jahren zuvor viel gehandelt wurden.

Zum Weiterlesen: Investments in Technologie interessieren dich? Dann prüfe auch, ob ein KI-ETF, ein E-Sport-ETF oder ein allgemeiner Tech-ETF für dich in Frage kommt!

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

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Christiane Habrich-Böcker

Christiane Habrich-Böcker ist langjährige Wirtschafts- und Nachrichtenredakteurin. Sie publizierte unter anderem für den Finanzen Verlag und schrieb für Euro am Sonntag und Börse Online.