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Aktive ETFs: Günstige Überflieger?

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Simin Heuser

16. Januar 2024

Aktive ETFs sind eine vergleichsweise neue Entwicklung. Für wen sie interessant sind und was du beachten solltest.


Inhalt

Aktiv gemanagte ETFs: Das Wichtigste in Kürze

Aktive ETFs sind günstiger als aktive Fonds und orientieren sich an einem Basisindex. FondsmanagerInnen versuchen, dessen Performance mit einer cleveren Aktienauswahl zu übertreffen.

Laut einer Studie von Scope gelingt es allerdings nur acht von 37 aktiven ETFs, dieses Ziel zu erreichen. Hier gilt es also, den richtigen aktiven ETF auszuwählen.

Deshalb sind aktive ETFs eher für fortgeschrittene AnlegerInnen geeignet.

ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, sind bekannt für ihre passive Anlagestrategie – sie bilden einfach einen Index wie den DAX, den MSCI World oder den FTSE All World nach. Aktive ETFs sind eine vergleichsweise neue Entwicklung und spielen das Spiel ein wenig anders. Sie orientieren sich zwar an Indizes, passen ihre Strategie aber aktiv an, um möglichst noch bessere Renditen zu erzielen. Klingt verlockend, oder?

In diesem Artikel erfährst du, was aktive ETFs genau sind, wie sie funktionieren und ob sie wirklich das halten, was sie versprechen. Lass uns gemeinsam herausfinden, ob sie eine spannende Option für dein Portfolio sein könnten.

Was sind aktive ETFs?

Aktive ETFs haben viele Ähnlichkeiten mit traditionellen Indexfonds. Auch sie haben einen Basis-Index (auch „Benchmark“ genannt), der als Grundlage dient. Die Herangehensweise ist allerdings eine andere: Während klassische ETFs versuchen, die Benchmark möglichst genau abzubilden, ist das Ziel eines aktiven ETFs, die Performance eines Referenzindexes zu übertreffen.

Aktive ETFs streben also danach, ein bisschen wie die Helden des Anlagemarktes zu sein. Sie wollen einerseits kostengünstig und andererseits mehr als nur durchschnittlich sein und sich vom zugrundeliegenden Index abheben.

Das Management hinter diesen Fonds spielt eine Schlüsselrolle: Es sind die geschickten StrategInnen, die mit einem Mix aus Scharfsinn und Marktgespür versuchen, bei jeder Marktbewegung das Beste herauszuholen.

In wirtschaftlich turbulenten Zeiten sollen sie theoretisch die Weitsicht haben, das Portfolio so zu steuern, dass es nicht mit dem Markt kollidiert. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Das zeigen zum Beispiel verschiedene Studien zu aktiv gemanagten Fonds: Nur wenige schaffen es, ihre Benchmarks zu übertrumpfen und sich als langfristige Gewinner zu etablieren.

Simin und Saskia sprechen in dieser interessanten Podcastfolge vom herMoney 1×1 über aktive ETFs:

Verwirrungsgefahr: Aktive ETFs und Smart-Beta-ETFs

Wer in der ETF-Welt unterwegs ist, merkt schnell, wie viele Abwandlungen es von den klassischen ETFs es gibt. Eine dieser Varianten sind Smart-Beta-ETFs, die wegen ihrer Struktur gerne mit aktiven ETFs verwechselt werden. Smart-Beta-ETFs bleiben ihrem Basis-Index treu, sind aber ähnlich wie aktive ETFs nicht einfach nur passive Nachahmer.

Im Gegensatz zu den aktiven ETFs sind Smart-Beta-ETFs aber sehr viel mehr an Regeln orientiert. Computergesteuerte Algorithmen folgen festen Regeln, um die Zusammensetzung des Fonds zu bestimmen. Es geht also weniger um menschliche Intuition, sondern mehr um mathematische Präzision.

Zum Beispiel wird die Gewichtung der einzelnen Wertpapiere im Fonds verändert, um bestimmte Ziele zu erreichen. Das kann bedeuten, dass alle Positionen gleich gewichtet werden oder dass bestimmte Merkmale wie eine hohe Dividendenrendite oder eine geringe Volatilität stärker betont werden.

Kosten und Rendite: Was bringen aktive ETFs wirklich?

Aktive ETFs sind eine interessante Option, aber wie steht es um ihre Kosten und Rendite? Eine Untersuchung von Scope hat gezeigt, dass aktive ETFs trotz ihres aktiven Managements vergleichsweise günstig sind. Bei den laufenden Kosten liegen sie zwar etwas über passiven Indexfonds, aber deutlich unter traditionellen aktiv gemanagten Fonds. So bewegen sich die laufenden Kosten aktiver Aktien-ETFs meist zwischen 0,45 und 0,59 Prozent des Anlagevolumens. Bei aktiv gemanagten Fonds sind es oft rund zwei Prozent.

In Sachen „Rendite“ ist das Bild gemischt. Laut der gleichen Studie von Scope haben nur einige aktive ETFs ihre Benchmarks über einen Zeitraum von drei Jahren übertroffen. Bei Aktien-ETFs waren es acht von 37 Fonds, bei Anleihen-ETFs sieben von 25. Das zeigt: Obwohl einige aktive ETFs überdurchschnittliche Ergebnisse liefern, ist das nicht die Regel.

Die Auswahl des richtigen aktiven ETFs erfordert also durchaus ein bisschen mehr: Es ist gut, ein Verständnis für die Anlagestrategie des Fonds zu haben, die Erfolgsbilanz des Managementteams regelmäßig zu überprüfen und die Kosten im Blick zu behalten.

Die besten aktiven ETFs im Vergleich

Generated by wpDataTables

Quelle: Morningstar, Stand: 12.01.2024

Legende: Bewertung: 5 = top, 1 = schlecht, Replikation: Nachbildung des Index

Am Beispiel des JPMorgan Global Research Enhanced Equity ESG ETF sieht man zumindest: Es ist durchaus möglich, mit aktiven ETFs den Basisindex zu übertreffen. 2019 hatte der ETF eine Überperformance von 4,8 Prozent gegenüber der Benchmark MSCI World, 2021 gab es 7,6 Prozent und 2023 ganze 3,4 Prozent mehr. 2020 und 2022 waren die einzigen Ausnahmejahre, in denen der ETF knapp unter der Indexrendite lag (jeweils -0,2 Prozent und -0,5 Prozent).

Auf den ersten Blick sieht die Performance der anderen ETFs deutlich schlechter aus. Was herMoney Leserinnen allerdings wissen: Es ist wichtig, Äpfel nur mit Äpfeln und nicht mit Birnen zu vergleichen. Anders gesagt: Die Rendite eines aktiven Fonds oder ETFs sollte immer nur mit dem Basisindex verglichen werden und nicht zum Beispiel pauschal mit dem MSCI World.

Unter den ETFs finden sich nämlich auch einige Anleihen-ETFs, die zwar eine geringere Rendite haben, aber trotzdem ihren Index übertreffen. Der Franklin Euro Short Maturity ETF bewegt sich zum Beispiel im Bereich von sehr kurzfristigen Euroanleihen und zeigt durchaus eine nahezu dauerhafte Outperformance gegenüber seinem Vergleichsindex.

Für wen sind aktive ETFs geeignet und was kannst du erwarten?

Aktive ETFs bieten eine spannende Mischung aus den Vorteilen eines börsengehandelten Indexfonds und den Chancen aktiven Fondsmanagements. Aber für wen sind sie nun wirklich geeignet und was kann man realistischerweise von ihnen erwarten?

Als Anlegerin musst du selektiv sein und darfst nicht automatisch erwarten, dass jeder aktive ETF eine Überrendite bringt. Sie können eine gute Wahl sein, wenn du bereit bist, Zeit und Mühe in die Recherche zu investieren und das richtige Managementteam mit einer guten Wertentwicklungshistorie auszuwählen. Wichtig ist aber auch, dass du dich nicht allein von der Vergangenheitsperformance leiten lässt, denn sie ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Aktive ETFs eignen sich besonders für fortgeschrittene Anlegerinnen, die bereit sind, ihr Depot zu erweitern und auf eine Outperformance hoffen. Allerdings solltest du sorgfältig prüfen, ob der gewählte ETF zu deinem individuellen Anlage- und Risikoprofil passt.

Aktive ETFs sind in jedem Fall ein Investment für langfristige Investorinnen. Schau nach, welche Schwerpunkte der ETF setzt und in welchem Umfeld (zum Beispiel Aktien oder Anleihen) er sich bewegt. Zusätzlich kann sich ein Blick auf das Risiko lohnen, das du mit dem ETF eingehst. Dabei helfen dir zum Beispiel bestimmte Risikokennzahlen wie die Volatilität. Für eine objektive Betrachtung denke daran: Deine subjektive Risikobereitschaft ist nicht unbedingt deine objektive Risikotragfähigkeit!

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herMoney Tipp

Du bist auf der Suche nach mehr Inspiration für dein Portfolio? Wie wäre es mit speziellen Themen-ETFs mit regionalen Schwerpunkten? Neben ETFs auf Deutschland (DAX-ETFs) und Amerika (S&P-500-ETFs) gibt es auch ETFs auf Länder wie Indien oder China.

Keine Ahnung von der Börse? So geht’s:

  1. Schritt: Depot eröffnen
    Um Fonds zu kaufen, brauchst du ein Depot. Das kannst du bei deiner Hausbank oder – meist günstiger – bei Online-Brokern einrichten. Im herMoney Depotvergleich erfährst du, welches das richtige sein könnte.
  2. Schritt: Strategie überlegen
    Kaufe nicht irgendwelche Fonds. Mach dir erst Gedanken, wie dein Depot strukturiert sein soll. Welchen Anteil sollen Aktien, ETFs und Rentenfonds ausmachen? Mehr über die sogenannte Asset Allocation erfährst du hier.
  3. Schritt: Fonds auswählen
    Wie erkennt der Laie eigentlich einen guten Fonds? Lies es hier nach.
  4. Schritt: Jährlicher Check
    Der Markt ändert sich und damit dein Depot. Manche Aktien und Anleihen steigen, andere fallen. Deshalb solltest du einmal pro Jahr prüfen, ob dein Depot noch deinem Risikoprofil entspricht. Mehr dazu liest du hier.

Extra-Tipp: Was tun, wenn die Börse crasht?
Ein Börsencrash ist keine Katastrophe. Behalte einen kühlen Kopf und sitze die Kursschwankungen einfach aus, sofern du international breit gestreut zum Beispiel in einen ETF auf den MSCI World Index investiert hast. Ganz Mutige kaufen jetzt sogar nach. Warum das sinnvoll sein kann.

Disclaimer: Aktien, Fonds und ETFs unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Simin Heuser am 16. Januar 2024 verfasst.

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Simin Heuser

Simin Heuser hat Volkswirtschaftslehre studiert und war bereits für verschiedene Fondsgesellschaften und Fintechs tätig. Sie schreibt unter anderem als freie Autorin über Finanz- und Versicherungsthemen.

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