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Von einem geringen Einkommen auch noch Beiträge für die Rentenversicherung abknapsen? Warum das sinnvoll sein kann.

Inhalt

Freiwillig in die Rentenversicherung einzahlen

Wie hoch ist der Mindestbeitrag für
> Selbstständige
> Mütter & Pflegende
> Minijobber

Lohnt sich der Mindestbeitrag?

Mindestbeitrag & Rente: Das Wichtigste in Kürze

Der Mindestbeitrag zur Rente beträgt in der Deutschen Rentenversicherung 2023 monatlich 96,72 Euro. Bei Angestellten trägt der Arbeitgeber die Hälfte.

Selbstständige, die sich freiwillig rentenversichern wollen, können ab 96,72 Euro einzahlen.
Wer als Selbstständiger pflichtversichert ist, zahlt meist 18,6 Prozent des Einkommens in die Rentenversicherung ein.

Der Eigenanteil für 520-Euro-Jobs liegt seit vergangenem Jahr bei 18,72 Euro pro Monat. Verdienst du weniger, verringert er sich. Bei beispielsweise 130 Euro im Monat sind es 13,05 Euro.

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Ab dem 16. Geburtstag muss oder kann sich jeder bei der Deutschen Rentenversicherung versichern, wenn sie oder er hierzulande lebt oder sich als BundesbürgerIn im Ausland aufhält. Doch lohnt sich das Ansparen in die gesetzliche Rentenversicherung auch bei kleinen Beträgen? Diese Frage stellen sich vor allem diejenigen, die einzahlen können, aber nicht müssen.

Wann musst du, wann kannst du in die staatliche Rentenversicherung einzahlen?

Nach Angaben des Datenportals Statista waren zum Ende des Jahres 2020 insgesamt rund 56,8 Millionen Rentenversicherte verzeichnet.

Den Pflichtversicherten wird monatlich ein Beitragssatz von 18,6 Prozent vom Verdienst für die spätere Rente abgezogen. Die 18,6 Prozent teilst du dir mit deinem Arbeitgeber, der deinen Anteil von 9,3 Prozent vom Gehalt einfachhalber mit überweist.

Das Einzahlen in die gesetzliche Rente garantiert im Alter einen monatlichen Betrag zum Leben. Wie hoch der sein wird, wenn du in den Ruhestand wechselst, wäre aktuell Glaskugellesen. Denn das hängt an der Haltelinie ab, die die Regierung festlegt. Mit der Bisherigen soll das Rentenniveau bis 2025 bei 48 Prozent gesichert werden.

Rente: Freiwillig versichert durch den Mindestbeitrag

Doch bist du derzeit nicht erwerbstätig oder selbstständig, fällst du durch dieses Raster. Das muss nicht sein. „In der gesetzlichen Rentenversicherung können Sie auch vorsorgen, wenn Sie nicht pflichtversichert sind. Mit freiwillig gezahlten Rentenbeiträgen erwerben und erhöhen Sie Rentenansprüche oder können damit sicherstellen, bisherige Anwartschaften und Ansprüche nicht zu verlieren“, rät die Deutsche Rentenversicherungsanstalt. Machst du das, beträgt die Wartezeit für einen Rentenanspruch je nach Rentenart 5 Jahre, 20 Jahre, 25 Jahre, 35 Jahre oder 45 Jahre, umgerechnet in Monate, so die Deutsche Rentenversicherung.

Alles in allem lohnt es sich in Zeiten niedriger Zinsen, über eine Zahlung in die deutsche Rentenkasse nachzudenken. Besonders dann, wenn man nicht am Kapitalmarkt investieren möchte, um eine Altersvorsorge aufzubauen. Sparen fällt derzeit aus. Die hohe Inflation lässt grüßen.

Wie viel du zahlen kannst oder willst, meldest du formlos bei der Deutsche Rentenversicherung in Berlin an. Neben MinijobberInnen und GeringverdienerInnen in Erziehungszeiten gehören auch Selbstständige zu denen, die über einen Mindestbeitrag zur Rentenversicherung ihre Altersvorsorge regeln können.

Mindestbeitrag: So viel zahlen Selbstständige mindestens in die Rentenversicherung ein

Die größte Gruppe der Nicht-Versicherungspflichtigen dürften wohl die Selbstständigen sein. Gewisse Berufe sind in der Selbstständigkeit dennoch pflichtversichert. „Handwerker, Künstler und Publizisten, Hebammen und freiberufliche Lehrer – so unterschiedlich ihre Tätigkeiten auch sind, eines haben diese Selbstständigen gemein, sie sind gesetzlich pflichtversichert“, erklärt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge.

Alle anderen Selbstständigen können auf Antrag in die Rentenversicherung einzahlen. Monatlich führen sie dann 18,6 Prozent ihres Einkommens ab. Bist du erst am Anfang deiner Selbstständigkeit und hast nur einen Gewinn von 1.000 Euro im Monat, würdest du also 180 Euro an die Rentenversicherung zahlen. Vielleicht fällt dein Gewinn anfangs noch niedriger aus, weil du hohe Ausgaben hast. Würden monatlich nur 300 Euro übrigbleiben, müsstest du dennoch den Mindestbeitrag von 96,72 Euro in die Rentenversicherung einzahlen.

Du warst früher angestellt und hast dich dann selbstständig gemacht? Dann kannst du die spätere Rentenzahlung weiter erhöhen, wenn du freiwillig in die Rentenversicherung einzahlst.

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Altersvorsorge durch freiwillige Rentenzahlung für Mütter und Pflegende

Wenn du nur kurze Zeit erwerbstätig warst und du (beispielsweise aufgrund der familiären Situation) nicht mehr arbeitest, kann es sein, dass du nicht lange genug eingezahlt hast. Das trifft vor allem auf die Frauen zu, die nach dem traditionellen Vorbild zu Hause für Kinder und Küche sorgen. Oder die, die Angehörigenpflege in der Familie übernommen haben. Hier stehen Frauen nach wie vor an vorderster Front.

„Bereits von ihnen gezahlte Beiträge und womöglich anzuerkennende Kindererziehungszeiten gehen verloren. Hier lohnen sich freiwillige Beiträge besonders, denn nur so können Sie einen Anspruch auf eine Regelaltersrente erwerben“, rät die Rentenversicherung den Betroffenen. Es kann also sinnvoll sein, den Mindestbetrag von 83,70 Euro pro Monat selbst zu stemmen. Der Obergrenze liegt im Übrigen bei 1.357,80 Euro im Monat.

Minijob: Mindestbeitrag zur Rentenversicherung 2022

Arbeitest du „nur“ als MinijobberIn, zahlt der Arbeitgeber zum Rentenbeitrag 15 Prozent und du einen Satz von 3,6 Prozent. Damit ist der derzeitige Rentenbeitragssatz von 18,6 Prozent erreicht. An den Prozentsätzen ändert auch die neue Mindestlohnregelung von 12 Euro nichts.

Rentenversicherung im Minijob: So hoch ist der Eigenanteil

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Der Eigenanteil für 520-Euro-Jobs liegt jetzt mit 18,72 Euro etwas höher, vor Oktober 2022 waren es 16,20 Euro. Das bleibt auch im Jahr 2023 so.

„Der Mindestbeitrag zur Rentenversicherung gilt auch, wenn ein Minijobber oder eine Minijobberin weniger als 175 Euro verdient. Der Beitrag des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin richtet sich auch in einem solchen Fall nach dem tatsächlichen Verdienst des Minijobbers. Der Minijobber übernimmt die Differenz zum vollen Pflichtbeitrag, also bis 32,55 Euro“, erklärt die Minijob-Zentrale.

Beispielrechnung

Du verdienst im Monat 130 Euro, musst aber dennoch Rente abführen, die sich auf Basis der  Mindestbeitragsbemessungsgrundlage von 175 Euro berechnet. Das macht beim Rentenanteil von 18,6 Prozent für den Arbeitgeber und dich 32,55 Euro. Der Beitrag der Firma richtet sich aber nach dem tatsächlichen Verdienst, also den 130 Euro. Das macht bei dem vorgeschriebenen Anteil von 15 Prozent 19,50 Euro. Und du musst die Differenz zu 32,55 Euro aus deiner Tasche zahlen, also 13,05 Euro.

Dennoch: Ist der Minijob die einzige Einnahmequelle, ist selbst die Mindestzahlung monatlich viel Geld. Doch in gewissen Fällen trotzdem lohnenswert. MinijobberInnen, die aufgrund ihrer Kinder zu Hause bleiben, können durch eine freiwillige Zahlung in die Rente im besonderen Maße profitieren, so die Deutsche Rentenversicherung. „Zwischen dem dritten und dem zehnten Geburtstag des Kindes – der ‚Kinderberücksichtigungszeit‘ – werden ihre Beiträge bei der Rentenberechnung um bis zu 50 Prozent aufgewertet.“ Zahlt man in einem Jahr also den freiwilligen Mindestbeitrag, kommen am Ende rund 6 Euro mehr an Rente raus. Das hört sich nicht viel an, kann aber im Alter eine Mahlzeit finanzieren.

Außerdem sorgt eine regelmäßige Einzahlung in die Rentenversicherung auch dafür, dass du später bei Bedarf eine Erwerbsminderungs- oder eine Grundrente beantragen kannst. So erklärt es der Sozialverband Schleswig-Holstein:

Auch bei einer Riester-Rente profitieren MinijobberInnen, wenn sie in die Rentenkasse zumindest den Mindestbeitrag einzahlen: „Für Mütter und Väter ist dies besonders günstig, da sie neben der staatlichen Grundzulage auch Kinderzulagen erhalten“, rät die Deutsche Rentenversicherung. Das gilt aber nur, wenn du dich nicht von der Rentenversicherungspflicht hast befreien lassen.

Zählst du zu denen, die als sogenannte MidijobberInnen zwischen 520 Euro und 1.600 Euro verdienen, bist du sozialversicherungspflichtig, zahlst also je nach Verdiensthöhe den vollen Beitragsanteil.

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Freiwillig in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen: Lohnt sich der Mindestbeitrag überhaupt?

Wie viel die Zahlungen nach dem heutigen Stand an Rente bringen, rechnet die Rentenversicherungsanstalt vor: Wenn du im Jahr 2023 monatlich den Mindestbeitrag zahlen würdest (96,72 Euro × 12 = 1.160,64 Euro), erhöht sich der monatliche Rentenanspruch auf 5,78 Euro pro Monat.

Bei deiner Überlegung, ob du zumindest den Mindestbeitrag einzahlst, solltest du einen Aspekt einbeziehen. Die staatliche Rente hilft im Todesfall bei der Absicherung der Familie. Und: Zahlst du freiwillig, hat das nicht nur einen Effekt auf die spätere Altersvorsorge, sondern auch auf gewisse Reha-Leistungen, die über die Rentenversicherung genehmigt und finanziert werden.

Übrigens: Wenn du dich zum jetzigen Zeitpunkt entscheidest, kannst du die Beiträge für das jetzige Kalenderjahr noch bis zum 31. März des Folgejahrs einzahlen.

Sonderzahlung

Wenn du unverhofft über eine größere Summe verfügst, ist es möglich, sie als Sonderzahlung in deine Rente einbringen. Damit sicherst du dir ab dem Zeitpunkt Rentenpunkte. 2023 kostet einer rund 8.060 Euro. Die bekamst du für 2022 zum Preis von 7.235,59 Euro. Also schau, ob du bis März noch zuzahlen kannst. Dann kriegst du sie noch zum alten Preis. Damit bekommst du im Alter mehr Geld oder du hast vielleicht sogar die Möglichkeit, zwei oder drei Jahre früher in Rente zu gehen.

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Hast du aktuell viel Geld übrig, lohnt es sich möglicherweise, die Summe in Raten zu teilen. So kannst du den Betrag von der Steuer absetzen. Für 2022 sind das 94 Prozent von der möglichen Sonderzahlungssumme. Das macht nach Adam Riese 24.101 Euro aus. Doch Achtung! Die Summe umfasst die Sonderzahlung und die regulären Pflichtbeiträge. Für das Jahr 2023 plant der Bundesfinanzminister Christian Lindner, dass die Beiträge zur Rentenversicherung vollständig steuerlich absetzbar sind.

 

herMoney Tipp

Auch wenn man jung ist, sollte man über die Höhe der Rente im Alter Bescheid wissen, damit man gegebenenfalls in Laufe seiner Berufstätigkeit aufstocken kann. Darum ist es wichtig, sich gut zu informieren. Weißt du eigentlich, wie hoch deine Rentenlücke ist?

Du willst deine Altersvorsorge in den Griff kriegen?

  1. Prüfe, wie viel Rente du voraussichtlich bekommen wirst. So findest du es heraus.
  2. Rechne aus, wie viel Rente du brauchen wirst. Dann weißt du, wie hoch deine persönliche Rentenlücke ist. Zum Renten-Check
  3. Überlege, wie du die Lücke schließen kannst. Infrage kommen zum Beispiel die Betriebsrente, Riester, die Rürup-Rente für Selbstständige oder ein Fonds-Auszahlplan.

Disclaimer: Alle Angaben sind ohne Gewähr. Trotz sorgfältiger Recherche kann herMoney keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Der Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.